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27. 02. 2003

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Projekt Karneval

Schule in der "fünften Jahreszeit"

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Schülerumzug in Köln

Ob im Rheinland, in Süddeutschland, in Niedersachsen, in Thüringen oder Berlin - ganz Deutschland feiert heute den "Wieverfastelovend, den tollsten Tag im Jahr". Endlich ist es soweit, sechs tolle Tage stehen uns bevor, sechs tolle Tage, an denen auch die Schulen Kopf stehen, denn es gibt kaum Lehrer und Schüler, die sich diesen Spaß entgehen lassen. Ungehemmt wird in den meisten Schulen in diesen Tagen gefeiert, getanzt, gelacht und musiziert.

Kostümierung ist oberste Pflicht. Es wage sich ja ein Schüler oder Lehrer unverkleidet in die Schule. Ruppdizupp, hat er ein Herzchen auf der Wange und wenn er noch so unvernünftig war, einen Schlips zu tragen, diesen ein Stück kürzer. Es ist erstaunlich, welches Geschick und welchen Erfindungsreichtum die Schüler in ihren Kostümen aufbieten, kein Wunder, dass eine der Hauptattraktionen beim Schülerkarneval der Kostümwettbewerb ist.

Unterrichtsausfall mit Gewinn
In vielen Schulen fällt an Weiberfastnacht, aber auch an Rosenmontag oder Faschingsdienstag der Unterricht aus oder wird zumindest abgekürzt und durch die Karnevalsparty ersetzt wird. Die Kinder tanzen in ihren lustigen Kostümen durch die Klasse, haben für Chips und Cola gesorgt und den Raum hübsch dekoriert. In der Montessori-Grundschule in Köln ist dies Aufgabe der Viertklässler. Sie bleiben einen Tag vor Weiberfastnacht nach dem Unterricht noch in der Schule und helfen die Räume zu schmücken. Sie schieben die Tische zusammen und stellen die Stühle in einen Kreis um den nötigen Rahmen für gemeinsame Spiele zu bilden. Die Grundschüler der St. Alfons Grundschule in Berlin organisieren die Quizshow "Wer wird Millionär" mit vielen "Stargästen" und am Johannes-Gymnasium in Lahnstein wird ein "Karnevalssingen" veranstaltet. Spontane Polonaisen reißen immer wieder alle Klassen mit und sorgen für gute Stimmung.

In vielen Turnhallen deutscher Schulen finden in diesen Tagen die Tanz- und Theatervorführungen statt. Funkemariechen schwenken die Beine und Männer verwandeln sich in tanzende Ballerinas. Richtige "Jecken" sind auch außerhalb ihrer Schule karnevalistisch aktiv. Schülerinnen und Schüler der Christophorusschule in Königswinter machen zum Beispiel bei den Siebengebirgsperlen mit oder beim Kindertanzcorps der Fidele Freunde Postalia. Oder wie Christopher, Maike und Marc, die vom Kölner "Festausschuss Ehrenfelder Karneval e.V." in der Aula des Albert-Magnus-Gymnasiums zum neuen Kinderdreigestirn ausgerufen und in ihr "Amt" eingeführt wurden.

Lehrer im Visier
Besonders beliebt bei den Karnevalsfeiern in der Schule sind natürlich die großen Karnevalssitzungen, die meist in der Aula oder der Turnhalle der Schule stattfinden. Die glamourösen Leistungen der Karnevalskünstler der Realschule Rockenhausen oder der Marie-Curie-Realschule in Bergisch Gladbach haben sich schon herumgesprochen, was man an der steigenden Zahl der Besucher, vor allem der Eltern, feststellen kann. Bei diesen Sitzungen werden besonders gern die Lehrer und Lehrerinnen aufs Korn genommen. Meistens haben sich die Schüler schon viele Wochen auf dieses Ereignis vorbereitet. Sie haben die Reden selbst geschrieben, die Witze selbst erfunden, und gehen kritisch mit ihrer Schule, den Lehrern und der Politik ins Gericht. Dabei haben die Schüler und Schülerinnen nebenbei viel über Teamarbeit erfahren, sie haben gemeinsam ein Konzept entworfen und das Projekt Karneval von A-Z durchgeführt.

Für PISA dressiert
Höhepunkt für viele Schüler in den Karnevalshochburgen Köln und Mainz ist natürlich der Schull-und Veedelszoch am Karnevalssonntag durch die Kölner Innenstadt und der Jugendmaskenzug am Samstag durch Mainz. Fast alle Schulen der Region nehmen teil. Die Schüler begleiten den Zug in Gruppen und zum Teil mit eigenem Wagen. Wie zum Beispiel die Schüler der Adolph-Kolping-Schule aus Köln, die unter dem Motto "Fröher han mer normal jeliert - hück weede mer für PISA dressiert" ihren Wagen, auf dem Clowns Dressur-Übungen wie Kopfstand oder Handstand zeigen, durch Köln ziehen. Eine Großfigur auf dem Wagen stellt die nordrhein-westfälische Kultusministerin Ute Schäfer dar, die mit einer Peitsche in der Hand eine Gruppe "Steckenpferde" antreibt, um eine "Dressurleistung" zu erzielen. Doch die als Clowns verkleideten Schüler sind sicher: "Dieser ganze "Schulzirkus" klappt sowieso nicht."

Das Schöne an Karneval ist, dass in all diesen Veranstaltungen sonst eher schüchterne Schüler zu erstaunlichen Leistungen fähig sind. Zusammen feiern verbindet, das Gemeinschaftsgefühl wird gerade an Karneval deshalb zwischen Schülern, Lehrern und Eltern stark gefördert und das Bewusstsein für Traditionen geweckt. Und damit wächst die Identifizierung mit der eigenen Schule.

Karnevalstermine:
Mainz:
Der Jugendmaskenzug findet statt am Samstag, den 1.3.2003 ab 14.11 Uhr in der Mainzer Innenstadt.

Köln: Die Schul- und Veedelszöch beginnen am Karnevalssonntag, den 2.3. 2003 um 11.00 Uhr am Chlodwigplatz in Köln.

Autor(in): Petra Schraml
Kontakt zur Redaktion
Datum: 27.02.2003
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