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31. 10. 2002

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Wenig Lob für deutsche Bildung

OECD-Studie „Bildung auf einen Blick“ bescheinigt Deutschland wieder Mittelmaß

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OECD 2002 - „Bildung auf einen Blick“

Die gute Nachricht zuerst: Der Bildungsstand in Deutschland kann sich international sehen lassen. 83 Prozent der Deutschen haben Abitur oder eine berufliche Ausbildung, der internationale Durchschnitt liegt gerade mal bei 67 Prozent. Doch leider stagniert der Bildungsstand der Deutschen seit Jahren, während andere Länder stetig aufholen.
Der Zugang zum Hochschulstudium in Deutschland gehört zu den düsteren Kapiteln in der OECD-Studie: Nicht einmal jeder Dritte eines Altersjahrgangs studiert hierzulande, während in Finnland über zwei Drittel den Weg an eine Hochschule finden. Doch auch wenn man sich nicht mit dem Spitzenreiter messen will, reicht es nicht mal für die durchschnittliche Messlatte von 45 Prozent.

Die Gründe hierfür sind vielfältig: Das lange Studium in Deutschland schreckt viele junge Menschen ab, die ungleiche Verteilung der Bildungsausgaben fördert eben nicht gleiche Bildungschancen für alle, sondern eher das Gegenteil. So gibt Deutschland viel Geld für seine Gymnasien aus, vergisst bislang aber den Elementar- und Primarbereich - Kindergärten und Grundschule. Aber genau in der frühkindlichen Förderung wird der Grundstein für die Bildungskarriere gelegt. Kein Wunder also, dass Bildungsministerin Edelgard Bulmahn in einem dpa-Gespräch nach Erscheinen der OECD-Studie den Finger noch einmal in die Wunde legte: "Wir brauchen mehr Abiturienten und mehr Absolventen mit einem qualifizierten mittleren Bildungsabschluss".

Auch die Lehrer zeigten sich alarmiert: Ludwig Eckinger, der Vorsitzende des Verbands für Bildung und Erziehung (VBE), fordert, "dass die Bildungspolitik vom Kopf auf die Füße gestellt werden muss" und die Vorsitzende der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW), Eva-Maria Stange, bezeichnete die OECD-Studie "als Attest für einen 30-jährigen bildungspolitischen Stillstand. "Die Schwerpunkte im Bildungssystem müssen zugunsten der frühkindlichen Bildung verlagert werden", so die GEW-Vorsitzende. Positiv wertete sie die Initiative der Bundesregierung, Kinderbetreuung und Ganztagessschulen auszubauen: "Wenn Bund und Länder diesen Weg gemeinsam konsequent gehen, sieht das Bildungssystem in zehn Jahren anders aus und Deutschland gehört nicht länger zu den OECD-Schlusslichtern".

Die OECD-Studie "Bildung auf einen Blick" schaute auch den Lehrern auf die Finger und ins Portemonnaie. Die Ergebnisse lassen sich kurz auf die Formel bringen: Deutsche Lehrer verdienen viel und unterrichten weniger als ihre ausländischen Kollegen. Während das durchschnittliche Anfangsgehalt eines Lehrers im Sekundarbereich II bei 23.800 US-Dollar liegt, bezieht sein deutscher Kollege stolze 37.400 US-Dollar. Nur die Schweizer Lehrer verdienen noch mehr. Im Vergleich zu dem hohen Gehalt ist das Arbeitspensum relativ gering: 690 Jahresunterrichtsstunden. In den USA können dies bis zu 1139 Stunden sein. Ulf Roedde, stellvertretender Pressesprecher der GEW, will das so nicht stehen lassen. Natürlich sei die Formel "viel Geld für wenig Arbeit" plakativ, aber die Wirklichkeit sehe anders aus. Das Einkommen der deutschen Lehrer sei international zwar relativ hoch, doch die Arbeitszeiten würden in Deutschland nach Bundesland und Schulform erheblich variieren. Arbeitszeituntersuchungen würden zudem belegen, dass deutsche Lehrer mit 43-45 Wochenstunden keine Faulenzer seien.

Presseschau

  • Berliner Zeitung , 30.10.2002
    Regina Kerne: Schlechtes Klima an deutschen Schulen. OECD-Bericht zeigt Defizite des Bildungssystems auf / Schüler werden zu wenig gefördert.

  • Der Tagesspiegel , 30.10.2002
    Bärbel Schubert: Schüler lernen weniger, Lehrer verdienen mehr. Stillstand seit 20 Jahren / Deutschland schneidet beim neuen OECD-Bildungsbericht wieder schlecht ab

  • Deutschlandfunk, 30.10.2002
    Neue Studie der OECD zur Bildungsmisere.
    Friedbert Meurer im Gespräch mit Edelgard Bulmahn, Bundesbildungsministerin

  • Die Welt, 29.10.2002
    Deutsche Lehrer verdienen viel
  • Die Welt , 17. 11. 2002
    OECD fordert schnellere Reform deutscher Schulen
    Mit zwei neuen Studien will die OECD den Umbau des deutschen Bildungssystems anmahnen

  • Frankfurter Rundschau, 30.10.2002
    Karl-Heinz Heinemann: Die Bundesrepublik erleidet eine weitere schwere Bildungsschlappe

  • Handelsblatt, 29.10.2002
    Bei der Forschung ist Deutschland Mittelmaß

  • Hannoversche Allgemeine, 29.10.2002
    Daniel Alexander Schach: Kommentar zur OECD-Studie

  • Mannheimer Morgen, 30.10.2002
    Anja Görlitz: Schwarz auf weiß. Ein Kommentar
  • Mannheimer Morgen, 30.10.2002
    Studie: Zu wenig Akademiker in Deutschland

  • NDR, 29.10.2002
    Bundesbildungsministerin Bulmahn: "Kurs der Stärkung von Bildung und Forschung fortsetzen"

  • Neues Deutschland, 29.10.2002
    Sparen für Bildung?

  • Nordwest-Zeitung, 30.10.2002
    Karl-Heinz Reith: Auch im neuen OECD-Bildungsbericht wenig Lob für deutsche Bildung

  • Ostsee-Zeitung, 04.11.2002
    Zu wenig Geld, Stunden und Studenten. Die Ergebnisse der OECD-Studie für Deutschland
  • Ostsee-Zeitung, 30.10.2002
    Erhebliche Bildungsdefizite Die Ergebnisse der OECD-Bildungsstudie für Deutschland

  • Spiegel online, 29.10.2002
    Jochen Leffers: Das Diplom ist ein erstklassiges Wertpapier

  • Stuttgarter Nachrichten, 04.10.2002
    Wenn Bildung eine "halbherzige Angelegenheit" ist

  • Süddeutsche Zeitung, 06.11.2002
    Anja Burkel: Studie listet eine Reihe von Mängeln auf . Schlechte Noten für die Grundschulen. Zu große Klassen, zu wenig Geld, zu wenig Förderung: Auch viele Münchner Lehranstalten kommen zu kurz

  • TAZ, 30.10.2002
    Christian Füller: Sitzenbleiben ist echt doof von
  • TAZ, 11.11.2002
    Sybille Volkholz: Lehrer in die Schule

Autor(in): Udo Löffler / Ursula Münch
Kontakt zur Redaktion
Datum: 31.10.2002
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