DIPF-Logo

Deutscher Bildungsserver

Innovationsportal

Suche




Hier beginnt der Inhalt:

18. 05. 2017

 

  • Diese Seite posten:
  • Edutags-Logo
  • g+
  • Twitter-Logo
  • Facebook-Logo
  • Delicious-Logo

Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

„OERcamps von Nord bis Süd“

Vier Treffen der Praktiker/innen zu Open Educational Resources (OER)

Bild

Logo; Quelle: OERcamp

In diesem Jahr wird es an vier Standorten in Deutschland – München, Köln, Hamburg und Berlin – ein OERcamp geben. Den Auftakt bildete das OERcamp Süd am 5. und 6. Mai in München, gefolgt vom OERcamp West in Köln am 12. und 13. Mai. Insgesamt finden dabei weit über 100 Workshops und Sessions zu OER statt.


Freie Bildungsmaterialien oder auch „Open Educational Resources“ (OER), die man frei verwenden, remixen und weiter verbreiten kann, erreichen auch in Deutschland eine immer breitere Zustimmung. Doch mit ihrer Verwendung ergeben sich auch viele Fragen für Nutzer und Produzenten. Diese Fragen werden seit 2012 jährlich in einem OERcamp diskutiert, zu dem alle Interessierten und Macher/innen von freien Bildungsmaterialien eingeladen sind, sich auszutauschen und eigene Ideen und Projekte zu präsentieren. Das erste OERcamp in Deutschland fand vom 14. bis 16. September 2012 an der Universität Bremen statt. Veranstalter waren das Internet & Gesellschaft Co:llaboratory zusammen mit der Universität Bremen, EduCamp e.V. und die Agentur J&K – Jöran und Konsorten. Seit 2013 wurde das OERcamp in Berlin ausgerichtet, zweimal unter dem Dach der OER-Konferenz der Wikimedia Deutschland, einmal unter dem Dach des EduCamps und schließlich 2016 im Rahmen eines mehrtägigen Festivals, das auch einen Award, ein Fachforum und andere Veranstaltungen beinhaltete.

Neu ist in diesem Jahr die regionale Ausrichtung von vier OERcamps in Süd-, West- Nord- und Ostdeutschland. An vier Standorten – München, Köln, Hamburg und Berlin – wird es an vier Wochenenden übers Jahr verteilt insgesamt weit über 100 Workshops und Sessions zu OER geben. Das OERcamp wurde traditioneller Weise als Barcamp entwickelt, bei dem es kein festes Programm gibt, sondern Teilnehmende vor Ort Sessions zu Themen rund um OER anbieten und damit die Schwerpunkte selbst bestimmen. Erst 2016 gab es neben den vor Ort angebotenen Barcamp-Sessions eine Reihe von vorab geplanten und angekündigten Workshops. Diesem Verfahren folgen nun auch die OERcamps 2017.

Das OERcamp in München
Zum ersten OERcamp in 2017 kamen am 5. und 6. Mai gut 80 Teilnehmende in Grünwald bei München im Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht (FWU) zusammen. Die über 40 Sessions und Workshops spiegelten eine große Themenbandbreite wieder. Es wurde vorgestellt, was OER sind und wie man sie nutzen und bereitstellen kann, außerdem wurden rechtliche Probleme bei der Erstellung von OER und Creative-Commons-Lizenzen besprochen, die eine freie Nutzung von Materialien ermöglichen, aber auch Zweifelsfälle und Risiken beinhalten können. Ein Schwerpunkt war natürlich auch die konkrete Praxis von OER: „Wie findet man OER, wie kann man sie im Unterricht einsetzen, selbst herstellen und verbreiten?“. Dabei zeigte sich, dass viele Lehrer nach wie vor verunsichert sind und die Grenzen und Möglichkeiten von freien Bildungsmaterialien noch nicht hinlänglich kennen. In dem Barcamp „Qualität & Nachhaltigkeit in der OER-Produktion“ wurde auch darauf hingewiesen, dass es oft sehr aufwändig ist, allgemeine Inhalte, die für jedermann wiederverwendbar sein sollen, zu erstellen. Schließlich wurde überlegt, wie man mehr Hochschullehrende für die Produktion von OER gewinnen könne und welche Aufgaben Entscheider und Rahmensetzer haben müssten. Gut vertreten waren auch Beiträge, die sich damit beschäftigten, wie man OER für den MINT-Unterricht (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) nutzen könne. In diesem Kontext stellte Franziska Frost das Medienportal der Siemens Stiftung vor, das über 2.200 lizenzfreie unterschiedliche Medienformate zu den Themen Energie, Umwelt und Gesundheit umfasst, die in allen Schularten und Klassenstufen eingesetzt werden können. Stephan Kulla von serlo.org erklärte das „Mathebuch für Nicht-Freaks“, an dem rund 500 Leute mitgearbeitet haben. Auf großes Interesse stießen auch die Ausführungen von Luca Mollenhauer über die neue Informationsstelle OER, kurz OERinfo, ein Angebot des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF). Diese hat als BMBF-gefördertes Projekt im November 2016 ihre Arbeit aufgenommen und kümmert sich künftig intensiv um die Information, den Transfer und die Vernetzung von Open Educational Resources.

Unter der Moderation von jOERan alias Jöran Muuß-Merholz von der Agentur J&K – Jöran und Konsorten übergaben die Münchner am Ende der zweitägigen Veranstaltung feierlich den „Staffelstab“ – die #tOERch, eine ans Olympiafeuer erinnernde OER-Flamme aus Papier – an die Kölner, die das zweite OERcamp ausrichteten.

Das OERcamp West
In Köln trafen sich am 12. und 13. Mai rund 160 Interessierte aus allen Bildungsbereichen zum zweiten OERcamp in 2017 an der Technischen Hochschule Köln. Auch dort gab es eine große Vielfalt an interessanten Workshop-Angeboten und Barcamp-Sessions. So konnte man erfahren, wie Materialien für Menschen mit Behinderung möglichst zugänglich aufbereitet werden können, wie mithilfe der Social-Bookmarking-Plattform edutags OER geteilt, gesammelt und verschlagwortet werden können und wie das OER-Projekt kindOERgarten freie Materialien für die Kindergartenarbeit herstellt. In der moderierten Diskussionsrunde für OER-Aktive aus den Projekten der BMBF-Förderlinie OERinfo standen Fragen im Vordergrund, wie erfolgreiche Ansätze übertragen werden können und wie aus gescheiterten „Vorstößen“ gelernt werden kann.

In dem Workshop „Bibliotheken und OER – wie viel Offenheit ist nötig, wie viel Offenheit ist möglich?“ ging es darum, was Bibliotheken tun können, um sich mit OER vertraut zu machen, sowie um die Potenziale und Möglichkeiten von OER für Bibliotheken. Darüber hinaus wurde in den Barcamps lebhaft über Widerstände gegen OER an Schulen debattiert, danach gefragt, ob man Kompetenz messen könne und wie frei die Software sein soll. Und natürlich gab es auch hier viele Beiträge zu den Themen Lizenzen, Rechte und neue Nutzungsmöglichkeiten. Im „Moot Court OER“ wurden sogar Rechtsfragen vor dem Hintergrund einer simulierten Gerichtsverhandlung durchgespielt. Die Teilnehmer/innen wurden in zwei Gruppen (Kläger- und Beklagte) aufgeteilt und sollten nach kurzer Vorbereitung ihre Positionen in einer geführten Diskussion vertreten - um zu erkennen, wie wichtig es ist, auch die Position der Gegenseite zu verstehen und zu respektieren.

Nach zwei intensiven Tagen in Köln traten die OER-Interessierten mit vielen neuen Anregungen, Ideen und Erkenntnissen im Gepäck ihre Heimreise an. Doch wie heißt es so schön: Nach dem OERcamp 2017 West ist vor dem OERcamp 2017 Nord! Denn schon am 23./24. Juni geht es mit vielen neuen Fragen und Schwerpunkten rund um Open Educational Resources in Hamburg weiter. Und für Herbst 2017 ist das vierte OERcamp in Berlin geplant!



Autor(in): Petra Schraml
Kontakt zur Redaktion
Datum: 18.05.2017
© Innovationsportal

Die Übernahme von Artikeln und Interviews - auch auszugsweise und/oder bei Nennung der Quelle - ist nur nach Zustimmung der Online-Redaktion von Bildung + Innovation erlaubt.

Die Redaktion des Online-Magazins Bildung + Innovation arbeitet journalistisch frei und unabhängig. Die veröffentlichten Beiträge bilden u. a. auch interessante Einzelmeinungen zum Bildungsgeschehen ab; die darin zum Ausdruck gebrachte Meinung entspricht nicht notwendig der Meinung der Redaktion oder des DIPF.

Mehr zum Thema in "Bildung + Innovation"

Links zum Thema