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Lesen in Deutschland: Landesporträt Thüringen

 

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Lesen in Deutschland

Förderung von Lesen als Schlüsselkompetenz für Bildungsteilhabe: Initiativen in den Ländern

Thüringen: Lust auf Lesen.
Projekte und Initiativen in Thüringen




Märchenerzähler fasziniert Kinder und Erwachsene
Märchenerzähler fasziniert Kinder und Erwachsene
© Lese-Zeichen e.V. Jena
Lesen bildet nicht nur, sondern macht Spaß, das ist in Thüringen schon lange kein Geheimnis mehr. Das Thüringer Kultusministerium fördert seit 2003 sehr erfolgreich die landesweite Initiative Lust auf Lesen die zur Förderung der Lesemotivation und zur Verbesserung der Lesekompetenz bei Kindern und Jugendlichen in Thüringen beiträgt. Zahlreiche Aktivitäten lenken seit Beginn der Initiative den Blick auf die Bedeutung des Lesens und auf die Verpflichtung der Schulen, in allen Klassenstufen und Fächern aktiv zur Herausbildung und zur Pflege dieser Kulturtechnik beizutragen.

Die „Woche des Lesens“
Um die Lesebegeisterung anzufachen, unterstützt das Thüringer Kultusministerium viele Projekte im Rahmen der Initiative „Lust auf Lesen“. Während der Woche des Lesens, aber nicht nur dann, sind alle Thüringer Schulen aufgefordert, besondere Aktivitäten zur Leseförderung zu entfalten, um die Auseinandersetzung mit der Kulturtechnik Lesen an der Schule zu intensivieren. Die Woche wird bewusst in den März gelegt, um die vielfältigen Synergieeffekte zur Leipziger Buchmesse zu nutzen. Schulklassen erhalten die Möglichkeit, Themen der Buchmesse im Unterricht zu behandeln oder die Messe zu besuchen und an einigen der Veranstaltungen teilzunehmen. Seit 2006 bietet die Erfurter Kinder-Universität in dieser Zeit Seminare rund um das Buch an. An der „Woche des Lesens“ beteiligen sich auch zahlreiche Thüringer Bibliotheken, der Lese-Zeichen e.V., der Friedrich-Bödecker-Kreis für Thüringen e.V. und die Literarische Gesellschaft Weimar mit vielfältigen Veranstaltungen wie Lesewettbewerben, Autorenlesungen oder Theateraufführungen, um Schülerinnen und Schüler an Literatur heranzuführen.

Literarische Höhepunkte und Wettbewerbe
Weitere literarische Höhepunkte sind die „Thüringer Literatur- und Autorentage “ im Juni auf Burg Ranis, die „Mitteldeutsche Lyriknacht“ im Oktober in Weimar, die „Erfurter Herbstlese“, der „Jenaer Lesemarathon“ und das „Thüringer Märchen- und Sagenfest“ im Herbst. Schreibprojekte und -wettbewerbe sollen die Lese- und Schreiblust junger Thüringerinnen und Thüringer wecken: der „Thüringer Buchlöwe“,der „Eobanus-Hessus-Schreibwettbewerb“, das „Junge Literaturforum Hessen/Thüringen“, der „Thüringer Schülerzeitungswettbewerb“ und der „Thüringer Yougendmedienpreis“.

Leseförderung an Schulen und Kindergärten
Die Idee, dass Jugendliche andere Jugendliche für Bücher begeistern, steht im Mittelpunkt der Aktion „Lesescouts“, die ebenfalls im Rahmen der Initiative „Lust auf Lesen“ gefördert wird. Schülerinnen und Schüler lesen Jüngeren vor oder stellen Bücher in der Schülerzeitung vor. Vorbereitet werden die „Scouts“ in regionalen Seminaren mit dem Titel „Abenteuer Lesen“ durch Thüringer Trainerinnen.
Autorenbegegnungen sind eine gute Möglichkeit, Kindern und Jugendlichen das Lesen näherzubringen. Seit Dezember 1990 organisiert der Friedrich-Bödecker-Kreis für Thüringen e.V. in Kooperation mit Schulen, Büchereien, Kindergärten und Jugendzentren solche Lesungen. Dabei erleben Kinder und Jugendliche Autorinnen und Autoren und erfahren, dass Geschichten von einem Menschen hinter dem Buch erzählt werden. Dieses „Live-Erleben“ fasziniert und macht neugierig.

Erfolgreich läuft seit einigen Jahren auch das Erfurter Leseprojekt Mentor. Angeregt durch positive Erfahrungen aus Hannover hat es sich zum Ziel gesetzt, die Sprach- und Lesekompetenz von Kindern, vor allem von Grundschüler/innen, zu verbessern. Das Projekt Mentor Erfurt vermittelt freiwillige Lesebegleiter, vor allem Seniorinnen und Senioren, an interessierte Schülerinnen und Schüler, die sich einmal pro Woche am Nachmittag zur Lese- und Textarbeit zusammenfinden. Damit wird die Sprach- und Lesekompetenz junger Schülerinnen und Schüler verbessert und das Interesse und die Freude am Lesen geweckt.

Neben vielfältigen Leseaktionen für alle jungen Thüringerinnen und Thüringer, gibt es für Schülerinnen und Schüler nichtdeutscher Herkunftssprache bei Bedarf gezielte sprachliche Förderung. Spezielle Regionalteams beraten Schulämter, Schulleitungen, Lehrerinnen und Lehrer bei Fragen zur Förderung von Schülerinnen und Schülern, deren Muttersprache nicht Deutsch ist. Sie erstellen Sprachstandseinschätzungen und individuelle Förderpläne und bieten Fortbildungen an.

Auch die Kleinen kommen in Thüringen nicht zu kurz. Ein Konsortium, bestehend aus fünf Professorinnen und Professoren Thüringer Universitäten und Fachhochschulen, zwei wissenschaftlichen Mitarbeitern und einer Mitarbeiterin des Thüringer Instituts für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien, hat die Entwurfsfassung eines „Thüringer Bildungsplans für Kinder bis 10 Jahre“ vorgelegt, der im Jahr 2008 verbindlich in Kraft treten soll. Darin wird der sprachlichen und schriftsprachlichen Bildung sowie der Literacy-Erziehung, die allen Kindern einen nachhaltigen Zugang zur Gesprächs- und Schriftkultur eröffnen soll, eine besondere Bedeutung beigemessen.

Lehrerfort- und Weiterbildung
Um den steigenden Anforderungen an das Lesen in schulischen und außerschulischen Kontexten gerecht zu werden, wird die nachhaltige Entwicklung von Lesekompetenz in Thüringen verstärkt. Das Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien unterstützt diesen Prozess mit der Durchführung verschiedener Fortbildungsreihen. Diese berücksichtigen die Lesekompetenz nach PISA, sprachliches Lernen zur Entfaltung von Lesekompetenz, die Leseförderung in der Vorschulphase und in der Grundschule, fächerübergreifende Leseförderung als Element der Schulentwicklung, Diagnose und Bewertung von Leseleistungen, Leseförderung der Risikogruppen, Lesestrategien und -techniken sowie die Lesekompetenz als Bestandteil von Unterrichts- und Schulentwicklung.

In so genannten „in–house–Schulungen“ zur Entwicklung der Lesekompetenz in Kindergarten und Grundschule erfahren Erzieher/innen und Lehrkräfte, welche Möglichkeiten es gibt, verschiedene Lern-, Spiel- und Bewegungsangebote kindgerecht und zielgerichtet einzusetzen. Damit sollen in Kindergarten und Schule Aufmerksamkeit, Wahrnehmung, Konzentration, Kommunikation und Sozialverhalten als Voraussetzung zum Erlernen des Lesens und Schreibens gefördert und weiterentwickelt werden. Dabei wird die Lese- und Schreiblust von Schulanfängerinnen und Schulanfängern bzw. künftigen Schulanfängern in unterschiedlichen lebensnahen Alltagszusammenhängen gefördert.

Die starke Rolle der Öffentlichen Bibliotheken
Traditionell sind Öffentliche Bibliotheken wichtige Orte der Leseförderung und Kooperationspartner für vielfältige Projekte und Aktivitäten. Mit der Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung zum Thema „Schule und Bibliothek“ am 26.2.2005 haben das Thüringer Kultusministerium und der Landesverband Thüringen im Deutschen Bibliotheksverband das Fundament für eine noch intensivere Zusammenarbeit gelegt. Ziel ist es, durch intensive Bibliotheksbenutzung, Unterstützung von Projekttagen und Unterricht in Bibliotheken die Lese-, Medien- und Informationskompetenzen der Schülerinnen und Schüler weiterzuentwickeln und zu fördern. Insbesondere in der „Woche des Lesens“, aber auch das ganze Jahr hindurch haben die Thüringer Bibliotheken eine Menge zu bieten: Medienboxen, Unterricht in der Bibliothek, Einführungen in die Bibliotheksbenutzung, Bilderbuchkinos und Bücherrallyes gehören ebenso zum Programm wie Autorenlesungen, Bibliotheksnächte, Vorlesewettbewerbe und Elternabende.

Weiterhin gibt es an den Öffentlichen Bibliotheken auch Projekte, die sich unmittelbar mit dem Thema „Buch“, bzw. mit dem Lesen beschäftigen, wie beispielsweise das Projekt „Vom Papier zum Buch“, in dem die Geschichte und die Herstellung von Büchern, das Papierschöpfen, das Buchbinden und moderne Druckverfahren behandelt werden. Ein neues Projekt „Durch Lesen Punkten“ befindet sich in der Anlaufphase. Es richtet sich an Schülerinnen und Schüler der 1. bis 12. Klasse, die für Aktionen in und mit Bibliotheken Punkte sammeln und Preise gewinnen können.

Die Stadt- und Regionalbibliothek Erfurt, die Stadtbibliothek „Heinrich Heine“ in Gotha, die Bibliothek der Fachhochschule Erfurt und die Universitäts- und Forschungsbibliothek Erfurt/Gotha haben im Herbst 2002 die Bildungsinitiative „Seminarfach – Unterricht in der Bibliothek“ ins Leben gerufen, um den Seminarfachunterricht der Gymnasien in Erfurt, Gotha und Umgebung zu unterstützen. Damit wollen sie einen weiteren Beitrag zur Entwicklung der Informationskompetenz zukünftiger Studierender leisten. Angeboten werden ein Rundgang durch die Bibliothek und das Kennenlernen von Serviceangeboten, ein Recherchetraining und thematische Einführungen in den Buchbestand der Bibliotheken. Die Schülerinnen und Schüler können ihre fertigen und bereits in den Schulen verteidigten Seminarfacharbeiten in den Bibliotheken in Form von Ausstellungen oder Vorträgen präsentieren.

Die Landesfachstelle für Öffentliche Bibliotheken als zentrale Planungs-, Beratungs- und Fördereinrichtung des Freistaates Thüringen unterstützt den fachgerechten Auf- und Ausbau Öffentlicher Bibliotheken. Sie steht Unterhaltsträgern, Bibliotheken und Bildungseinrichtungen in allen Fachfragen zur Verfügung und hält ein breites Spektrum an Angeboten und Anregungen zur Leseförderung sowie zur Mediennutzung bereit. Dazu gehören thematische Ausstellungen und Medienkoffer, Medienpakete zu ausgewählten Kinder- und Jugendbüchern, Kniebücher für Vor- und Grundschule und Beratungen beim Bestandsaufbau, zu Fortbildungsthemen und zu neuen Projekten im Rahmen der Zusammenarbeit zwischen Bibliothek und Schule zum Aufbau von Büchereien.

Beliebte Orte der Literatur
Für Literaturliebhaber gibt es in Thüringen - neben den bekannten Orten der Weimarer Klassik, z.B. dem Goethehaus und dem Schillerhaus in Weimar und dem Wielandgut in Oßmannstedt - besondere Orte wie das Literaturmuseum Theodor Storm in Heiligenstadt oder die Dichterstätte Sarah Kirsch in Limlingerode. Das Literaturmuseum Theodor Storm bietet ein abwechslungsreiches und anspruchsvolles Programm, um Kunst und Literatur von der Storm-Zeit bis in die Gegenwart vorzustellen. Die Vermittlung der Literatur an Schülerinnen und Schüler liegt den Verantwortlichen besonders am Herzen.
Die Dichterstätte Sarah Kirsch ist kein Museum, sondern „… ne Art Kulturhaus und basta!“, so Sarah Kirsch selbst. Monatliche literarisch-künstlerische Veranstaltungen wechseln sich ab mit Ausstellungen zu den jeweiligen Autorinnen und Autoren der „Limlingeröder Diskurse“. Die Auslobung des Kreativpreises findet alle zwei Jahre zum 16. April, dem Geburtstag Sarah Kirschs, statt. Außerdem gibt es viel Lyrik und Prosa im Haus, Hof und Garten für Kinder und Jugendliche.

Hinweis:
Das Landesporträt wurde im Oktober 2007 in enger Zusammenarbeit mit Leseförderern aus Thüringen erstellt. Sobald neue Informationen vorliegen, werden die entsprechenden Abschnitte im Text bzw. die Verweise im Text und in der rechten Spalte ergänzt und aktualisiert.



Redaktionskontakt: schuster@dipf.de


Landesporträt erstellt am: 18.10.2007

Zuletzt aktualisiert am: 12.09.2012