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Lesen in Deutschland: Landesporträt Saarland

 

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Lesen in Deutschland

Förderung von Lesen als Schlüsselkompetenz für Bildungsteilhabe: Initiativen in den Ländern

Saarland: „MEHR LESEN“.
Projekte und Initiativen im Saarland




In der „Lesenden Schule“
In der „Lesenden Schule“
Quelle: Landesregierung Saarland
Die wichtigste Voraussetzung für schulische und berufliche Erfolge ist eine gute Sprach- und Lesefähigkeit: Lesen fördert das Denken sowie die Sprach- und Schreibkompetenz, es führt in neue Welten und weitet den Horizont. Es regt die Fantasie an und weckt Neugier. Vor diesem Hintergrund hat das Ministerium für Bildung, Kultur und Wissenschaft Saarland gemeinsam mit Bibliotheken, Buchhandlungen, Vereinen, Verbänden, Einzelpersonen und den Medien 2001 das „Netzwerk MEHR LESEN“ gegründet. Ziel ist es, die zahlreichen Ansätze zur Leseförderung im Saarland zu bündeln und den Eltern, den Kindergärten und Schulen zugänglich zu machen.

Saarländischer Lesefrühling und Europäische Kinder- und Jugendbuchmesse
Der Saarländische Lesefrühling ist ein Paradebeispiel für das gelungene Zusammenspiel im Netzwerk MEHR LESEN. Kultusministerium, Bibliotheken, Buchhandlungen, Schulen, Kindergärten, der Friedrich-Bödecker-Kreis Saarland e.V., der Deutsche Bibliotheksverband, der Börsenverein des Deutschen Buchhandels (Landesverband Saar) und viele andere wollen jedes Jahr im Mai oder Juni für zwei Wochen gemeinsam die Lust am Lesen wecken. In vielfältigen und abwechslungsreichen Veranstaltungen in Kindergärten, Schulen und Bibliotheken dreht sich beim Saarländischen Lesefrühling alles ums Lesen und um Bücher. Autorenlesungen, Bilderbuchkino, Buchdruck und Buchbinden sowie Bastelnachmittage sind nur einige Aktivitäten, die zum Lesen anregen sollen.

Lust auf Bücher und das Lesen macht auch die Europäische Kinder- und Jugendbuchmesse, die seit 2001 jährlich im Mai in Saarbrücken stattfindet. Autoren, Verleger und Buchhändler präsentieren die Vielfalt europäischer Buchkultur. Kinder und Jugendliche aller Altersgruppen erhalten die Gelegenheit zu persönlichen Begegnungen mit Autorinnen und Autoren und werden auf der Messe nicht nur an die Welt der Bücher herangeführt, sondern auch für die europäische Idee begeistert. Für Eltern, Lehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher finden zugleich Fortbildungs- und Vortragsveranstaltungen statt.

Leseförderung für Kleinkinder
Je früher Sprach- und Leseförderung einsetzen, desto größer ist der Nutzen für das Kind. Konsequent führt das Saarland deshalb bereits die Kleinsten an Bücher heran. Durch die Beschäftigung mit Bilderbüchern sowie durch das Vorlesen und Erzählen von Geschichten und Märchen wird bei Kindergartenkindern Lesehunger geweckt. Weil nicht alle Erwachsenen genau wissen, wie man richtig und spannend vorträgt, unterstützt das Kultusministerium Bibliotheken, Kindergärten, Schulen, Familienbildungsstellen und Weiterbildungseinrichtungen finanziell, wenn sie ein Vorlesetraining anbieten. Auch der Saarbrücker Energieversorger Energie SaarLorLux richtet im Verbund mit Kooperationspartnern Kurse zum „Vorlesen kreativ“ an der Volkshochschule Saarbrücken aus. Pädagogen, Sprecherzieher und Schauspieler führen hierzu an acht Abenden in die vielfältigen Aspekte des Vorlesens ein. Und damit das Erlernte so schnell wie möglich in die Praxis umgesetzt und die Kinder an das Erlebnis „Lesen“ herangeführt werden können, wird im Anschluss an die Kurse in den Saarbrücker Kultur- und Lesetreffs und später bei Bedarf auch in Schulen und anderen Institutionen vorgelesen. Koordiniert werden die Vorlesestunden in den Kultur- und Lesetreffs vom Amt für Kinder, Bildung und Kultur.

Leseförderung in der Schule
Mit der verbindlichen Verankerung des Kompetenzbereichs Lesen als Schwerpunktaufgabe in den neuen Kernlehrplänen aller Schulstufen wird Lesekompetenz im Saarland als Schlüsselkompetenz hervorgehoben. Sie steht im Mittelpunkt des Deutschunterrichtes, wird aber als fächerübergreifende Aufgabe verstanden. Die Entwicklung von Leseinteressen, die Ausbildung von Lesestrategien sowie die Gestaltung von Lese- und Schreibprozessen spielen eine elementare Rolle. Das Landesinstitut für Pädagogik und Medien unterstützt und fördert mit kreativen und mehrsprachigen Konzepten Projekte in Schulen, die die kulturelle Kompetenz von Kindern und Jugendlichen stärken und veranstaltet Fortbildungen zur Leseförderung und zur Verbesserung von Lesekompetenz.

Erfolgreich sind auch die Projekte der Medienpartner Saarbrücker Zeitung und Saarländischer Rundfunk. Bei der Leseaktion „Zeitung in der Grundschule“ des Netzwerk- und Medienpartners Saarbrücker Zeitung erhalten ca. 30 vierte Klassen der Grundschulen viermal im Jahr zwei Wochen lang täglich kostenlos die Saarbrücker Zeitung. Die Kinder erhalten Einblick in die Zeitungsproduktion, sie lernen die Zeitung zu lesen, trainieren ihre Lesefähigkeit, üben pragmatisches Schreiben und sie setzen sich aktiv mit ihrem Umfeld auseinander. Der Saarländische Rundfunk sendet regelmäßig spannende Hörspiele für Kinder und Jugendliche und gibt viermal im Jahr eine Kinder- und Jugendbuchliste heraus, in der je drei Titel aus den Bereichen Bilder- und Vorlesebuch, Kinderbuch/-roman und Jugendbuch/-roman enthalten sind.

Unter dem Motto „Zeig mir, was du liest“ findet im Saarland seit 2002 eine gezielte Leseförderung in der freiwilligen Ganztagsschule statt. Gruppen, die nach dem Unterricht bis 16.00 Uhr in der Schule bleiben, erhalten ein Bücherpaket mit 50 Neuerscheinungen des Kinder- und Jugendbuchmarktes. Aus diesem Angebot wählt jedes Kind ein Buch aus und liest es im Rahmen der Nachmittagsbetreuung. Nach der Lektüre gibt es seine Eindrücke auf einem Plakat wieder. Durch die Präsentation dieser Leseaktion auf einer Plakatwand werden nach und nach alle Schülerinnen und Schüler auf die Bücher aufmerksam und zum Lesen animiert.

„Bildung durch Sprache und Schrift“ (BiSS)
Das Saarland beteiligt sich mit drei Verbünden an dem bundesweiten Forschungs- und Entwicklungsprogramm „Bildung durch Sprache und Schrift“ (BiSS). Ausgewählte Verbundkitas und Projektschulen bearbeiten in Kooperation mit weiteren Partnern die BiSS-Module „Gezielte alltagsintegrierte Sprachbildung“ und „Unterstützung der Sprachentwicklung für Kinder unter 3 Jahren“ im Elementarbereich, „Gezielte sprachliche Bildung in fachlichen und alltäglichen Kontexten“ in der Primarstufe sowie „Lese- und Schreibstrategien im Verbund vermitteln“ und „Sprachliche Bildung in fachlichen Kontexten“ in der Sekundarstufe. Ziel des BiSS-Programms ist es, herauszufinden, welche Methoden und Instrumente der Sprachförderung, Sprachdiagnostik und Leseförderung unter welchen Bedingungen funktionieren, und wie sie optimal für eine durchgängige wirksame Sprach- und Leseförderung vom Beginn institutioneller Betreuung bis zum Ende der Sekundarstufe I eingesetzt werden können.

Der Friedrich-Bödecker-Kreis Saarland – Autorenveranstaltungen in Schulen
Seit 1987 gibt es auch im Saarland einen Friedrich-Bödecker-Kreis (FBK), dessen vornehmste Aufgabe die Leseförderung von Kindern und Jugendlichen ist. Dies geschieht hauptsächlich durch Autorenveranstaltungen in Schulen, aber auch in Kindergärten, Bibliotheken, Jugendzentren u.a. Die persönliche Begegnung mit einem Autor oder einer Autorin bei einer Veranstaltung, die neben der Lesung auch stets Gespräch und Diskussion beinhaltet, wirkt lange über den Tag hinaus und prägt die Lust am Lesen.
Interessenten für Autorenveranstaltungen können aus dem Jahresprogramm des FBK Saarland ihre Autorenwahl treffen. Dieses Programm erscheint immer auch mit einem Rahmenthema zur aktuellen Kinder- und Jugendliteratur, zu dem die entsprechenden Autoren eingeladen werden.
Unter dem Motto „Wasserkästen für Bücherkisten“ werden die Friedrich-Bödecker-Kreise im Saarland und in Rheinland-Pfalz seit April 2009 von einem Unternehmen aus der Region finanziell unterstützt. Für das Projekt wurden Lese-Workshops entwickelt, die von renommierten Kinderbuchautoren an ausgewählten Grundschulen durchgeführt werden. Darüber hinaus erhalten die teilnehmenden Schulen wertvolle Bücherkisten.

Engagement der Bibliotheken in Kindergarten und Schule
Bibliotheken halten ein reichhaltiges Angebot für Kinder und Jugendliche bereit. Die Auszeichnung „Kinder- und jugendfreundlichste Bibliothek“ hat in den vergangenen Jahren wesentlich dazu beigetragen, in öffentlichen und ehrenamtlichen Bibliotheken auf anspruchsvolle Kinder- und Jugendliteratur hinzuweisen und entsprechende Abteilungen aus- bzw. aufzubauen. Etabliert haben sich im Saarland auch Kooperationen zwischen Bibliotheken und Kindergärten, die sich mindestens über ein Jahr erstrecken. Bausteine der Kooperation sind monatliche Buchvorstellungen verbunden mit Vorlese- und Spielaktionen sowie Gesprächen, abwechselnd im Kindergarten und in der Bibliothek, Autorenlesungen, Vorlesetraining für Erzieher/innen und Eltern und die Erweiterung des Medienbestandes der Kindergärten durch Medienkisten mit Kinderbüchern und pädagogischer Literatur.
Mit Unterstützung des Ministeriums für Bildung, Familie, Frauen und Kultur wird der Friedrich-Bödecker-Kreis ab 2008 Fortbildungen in Eltern-Kind-Gruppen für Eltern mit Kleinkindern anbieten. Der Leitgedanke des Projektes ist: „Wer Lesen fördern will, der muss die kindliche Sprachentwicklung fördern!“ Das Projekt richtet sich an Kinder im Alter von 20 Monaten bis zu sechs Jahren. Spielerisch und altersspezifisch werden sie mit Fingerspielen, Reimen, Kniereitern und anderen Aktionen in die Welt der Bücher eingeführt.

Autorenlesungen in Kindergärten, organisiert von Bibliotheken und dem Friedrich-Bödecker-Kreis, sind Höhepunkte für Kinder, nachdem sie und ihre Eltern eine Bibliothek kennengelernt haben. Einige Bibliotheken bieten auch Märchenprojekte an, bei denen professionelle Erzähler oder Erzählerinnen Märchen vortragen, um am darauf folgenden Tag im Kindergarten oder in der Schule mit den Kindern das „weitergebende Erzählen“ zu üben und zu gestalten.

Der Lesedino, das Symbol für die Leseförderung im Saarland, begleitet vielfältige Aktivitäten der Bibliotheken, die Lesefreude und Lesefähigkeit von Grundschüler/innen wecken wollen. Die Bibliotheken laden die Schulneulinge und ihre Eltern im ersten Schulhalbjahr zu einem Besuch ein, bei dem die Kinder einen Bibliotheksausweis bekommen. Die ersten fünfzehn Neumitglieder jeder Bibliothek erhalten ein kleines Geschenk und nehmen an einer Verlosung teil, bei der ein großer Dino und zahlreiche andere Preise zu gewinnen sind. Der landesweite vierstufige Dino-Vorlesewettbewerb richtet sich an alle vierten Klassen im Saarland. Alle Sieger auf Kreisebene erhalten neben Büchern und Bücherschecks einen großen Dino, die Landessieger eine große „Dino-Überraschungskiste“. Bei dem Lesedino-Gewinnspiel können Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren Bücherschecks gewinnen.

Eine besondere Aktion ist die „Rucksackbibliothek“: Rücksäcke voller Bücher gehen auf Wanderschaft und knüpfen Kontakte zwischen Schulen und Bibliotheken. Die Kinder dürfen den Rucksack bis zu acht Wochen behalten. Kommentare im beiliegenden Lesetagebuch sind ausdrücklich erwünscht. In zwei Büchern ist ein „Lesebazillus“ versteckt. Die beiden Kinder, die von diesem Bazillus „infiziert“ wurden und den Inhalt des Buches nacherzählen können, dürfen den Rucksack in der Bibliothek an die nächste Klasse weitergeben.

Individuelle und frühzeitige Sprachförderung für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund
Als Beitrag zu mehr Integration und Chancengerechtigkeit für Kinder mit Migrationshintergrund bietet das Saarland mit dem Programm SIGNAL „Sprachförderung und soziale Integration von Kindern und Eltern mit Migrationshintergrund“ eine intensive, individuelle und frühzeitige Sprachförderung an. Lebensweltnahes Sprachenlernen und soziale Integration von Kindern mit Migrationshintergrund in Schule, Kita und Nachbarschaft ist das Anliegen und die Aufgabe von SIGNAL. In 20 Grundschulen und acht Kindertageseinrichtungen in sozialen Brennpunkten werden lebensweltbezogene Sprachangebote und -anlässe erprobt, weiterentwickelt und als Best-Practice-Beispiele in die institutionelle Sprachförderung integriert. Die Entwicklung der Lesefähigkeit und Lesemotivation hat dabei einen hohen Stellenwert und wird in allen Modulen bei Eltern und Kindern durch ehrenamtliche Sprachpaten und Förderlehrkräfte kontinuierlich begleitend gefördert. SIGNAL bietet ergänzend Fortbildungen zum Thema „Leseförderung“ für Schulleitungen und Förderlehrkräfte an - in Kooperation mit dem Leseforum Kassel. Inhaltlich steht die Entwicklung eines Lesekonzepts für die teilnehmenden Schulen und die Netzwerkbildung zur Förderung von Lesekompetenz im Vordergrund. Hauptziel ist die Vermittlung von „Know-how“ für einen Unterricht, der Lesen als Grundkompetenz versteht und eine durchgängige Lese- und Sprachförderung in allen Fächern zum Inhalt hat. Mit dem Programm SIGNAL beteiligt sich das Saarland an dem Bundesprogramm FörMig zur „Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund“.

Schreibprojekte und -wettbewerbe
Abgerundet wird das reichhaltige Programm im Saarland mit spannenden Wettbewerben. Schulen, die mit allen ihren 6. Klassen an dem bundesweiten Wettbewerb „Wer liest am besten vor?“ des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels teilnehmen, werden vom saarländischen Kultusministerium mit dem Titel „Lesende Schule“ ausgezeichnet. Sie erhalten attraktive Plaketten, die die Schulgebäude schmücken und den Besucher/innen signalisieren, dass in dieser Schule die Lesefreude gestärkt wird. Seit 2006 vergibt das Ministerium für Bildung, Kultur und Wissenschaft einen Preis für die „Beste Schulbibliothek“. Damit wird die in den Schulen geleistete Arbeit gewürdigt und die Weiterentwicklung der Schulbibliotheken zu lebendigen Orten des Lernens unterstützt.

Zur Förderung des kreativen Schreibens an den saarländischen Schulen hat die Gemeinde Tholey im Jahr 2006 den Lyrikwettbewerb „Wortsegel“ ins Leben gerufen. Namensgeber für den Wettbewerb ist die Stahlplastik „Wortsegel“, das „Denkmal für Poesie“ bei Tholey-Sotzweiler von Prof. Heinrich Popp. Eingeladen zu dem Wettbewerb unter Schirmherrschaft von Kultusministerin Annegret Kramp-Karrenbauer sind alle saarländischen Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen drei bis 13 selbst als Dichterin oder Dichter aktiv zu werden, indem sie Gedichte schreiben, diese vortragen, szenisch vertonen oder audiovisuell darstellen. Die Resonanz zeigt, wie groß das Interesse an kreativem Schreiben bei saarländischen Schülerinnen und Schülern ist: über 300 Einsendungen aus 51 Schulen erhielt die Gemeinde Tholey zum zweiten Wortsegel-Wettbewerb.

Autorin: Petra Schraml

Das Landesporträt wurde im November 2007 in enger Zusammenarbeit mit Leseförderern aus dem Saarland erstellt. Sobald neue Informationen vorliegen, werden die entsprechenden Abschnitte im Text bzw. die Verweise im Text und in der rechten Spalte ergänzt und aktualisiert.

Redaktionskontakt: schuster@dipf.de


Landesporträt erstellt am: 20.11.2007

Zuletzt aktualisiert am: 29.05.2015