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Lesen in Deutschland: Landesporträt Hamburg

 

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Lesen in Deutschland

Förderung von Lesen als Schlüsselkompetenz für Bildungsteilhabe: Initiativen in den Ländern

Hamburg: Bitte einsteigen!
Projekte und Initiativen in Hamburg




Plakat des Seiteneinsteiger-Lesefestes 2006
Plakat des Seiteneinsteiger-Lesefestes 2006
Leseförderung hat in Hamburg einen prägnanten Namen: „Seiteneinsteiger“! Das zunächst auf drei aufeinanderfolgende Jahre angelegte Lesefest fand erstmals am 2. November 2005 in der Hansestadt statt und feiert 2014 sein zehnjähriges Jubiläum. Unter der Schirmherrschaft von Hamburgs Kultursenatorin Prof. Barbara Kisseler und im Auftrag der Kulturbehörde sowie der Behörde für Bildung und Sport steht „Seiteneinsteiger“ ganz im Zeichen der kreativen Leseförderung und ist eine von der ganzen Stadt getragene Aktion für Kinder und Jugendliche.

Das Lesefest „Seiteneinsteiger“
Fast alle Hamburger Institutionen und Initiativen, die sich mit Kinder- und Jugendliteratur beschäftigen, beteiligen sich mit einem eigenen Angebot am Lesefest „Seiteneinsteiger“, das vom Hamburger Literaturkontor organisiert wird. Überall in der Stadt wird gelesen, gespielt, gezeichnet, erzählt und diskutiert. Hamburger Schulen veranstalten Autorenlesungen, Projekttage und Workshops. Literaturverfilmungen, literarische Spaziergänge und viele andere Veranstaltungen können mit der ganzen Familie besucht werden.
Alle Informationen rund um das Lesefest sind auf der Website „Seiteneinsteiger“ verfügbar, die „Hamburg in der Literatur“ präsentiert, über Lese-Veranstaltungen und Schreibwettbewerbe informiert, Hamburger Autorinnen und Autoren sowie Illustratorinnen und Illustratoren vorstellt und literarische Spaziergänge ankündigt. Lehrerinnen und Lehrer finden Anregungen für den Literaturunterricht, Vorschläge für Aktionen an Schulen und Unterrichtsmodelle für alle Altersklassen.

Literaturtage und Aktionen für alle Altersgruppen
Das ganze Jahr über finden in der Hansestadt viele interessante Lese-Veranstaltungen statt. Im April versetzten bis 2013 die Vattenfall Lesetage Hamburg für eine Woche ins Lesefieber. Im Mai verzaubert der Hamburger Bücherfrühling vier- bis zehnjährige Zuhörerinnen und Zuhörer und im Juni lockt die „literatur altonale“ mit Literaturveranstaltungen aller Art in den Stadtteil Altona. Die Hamburger Comicbörse bildet den Auftakt für Leseveranstaltungen im Herbst, im November folgen die Hamburger Märchentage und die Nordischen Literaturtage.

Beliebt sind die Veranstaltungen im Kinderbuchhaus im Altonaer Museum, die sich vor allem an Kinder, aber auch an Eltern, Großeltern, Lehrer und Erzieher richten. Es wird gelesen, vorgelesen, geschrieben, illustriert, kritisiert, gedruckt und gebunden, beraten und informiert.
Literatur-Workshops für Sieben- bis Elfjährige organisiert das Hamburger Literaturkontor. Unter dem Motto „Punkt-Punkt-Komma-Strich“ entwickeln die Kinder gemeinsam mit erwachsenen Profis ihre eigenen Texte, Bilderbücher, Hörspiele und Theaterstücke.
Von „Spaß mit Büchern” über „Gedankenflieger” und „Spaß am Lesen“ bis zum „sta*-club” und „Schreiblabor” bietet das Literaturhaus Hamburg eine breite Palette von Veranstaltungen für alle Altersgruppen von der Vorschule bis zur Sekundarstufe.

Mit dem Projekt „Buchstart - Kinder lieben Bücher“ begann die Kulturbehörde Hamburg in Zusammenarbeit mit zahlreichen lokalen Partnern aus Behörden, Verbänden und Initiativen im April 2007 ein langfristig angelegtes Projekt zur frühkindlichen Leseförderung für Hamburger Familien, das darauf angelegt ist, gerade auch bildungsferne Schichten zu erreichen und sie über das Bilderbuch an Lesekultur heranzuführen. Hamburger Kinderärzte überreichen den Eltern zum Abschluss der Gesundheitsuntersuchung U6 bunte Buchstart-Taschen mit Bilderbüchern und Informationsmaterial. Außerdem werden in enger Kooperation mit Bücherhallen, Elternschulen und anderen familiennahen Einrichtungen Schulungen zur frühkindlichen Sprach- und Leseförderung durchgeführt.

Hamburgs öffentliche Bücherhallen
Klassischer Ort der Leseförderung sowohl im Freizeitbereich als auch in der Zusammenarbeit mit Schulen und Kindertageseinrichtungen sind die Hamburger Bücherhallen, die es in allen Stadtteilen gibt. Zwei Bücherbusse ermöglichen eine Versorgung mit Medien auch in abgelegenen Teilen Hamburgs. Seit 1995 werden planmäßig Projekte zur Leseförderung etabliert und ständig weiterentwickelt. Angebote zur Medienbildung sind als wichtige Pfeiler der Leseförderung zwischen der Behörde für Schule und Berufsbildung und der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration den Bücherhallen entstanden. In Kooperation mit der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration wurden Bausteine frühkindlicher Medienbildung entwickelt, dazu gehören sogenannte „Kita-Werkstätten Erstes Wissen“, spezielle Fachliteratur- und Medienangebote für Kita-Pädagoginnen und -pädagogen, ein Beratungsservice zum Aufbau von „Zwergen-Bibliotheken“ sowie die Organisation und Durchführung von Weiterbildungsveranstaltungen im medienpädagogischen Bereich.
In Zusammenarbeit mit der Behörde für Schule und Berufsbildung werden, beginnend für die 1. und 2. Klassen aller Grundschulen, begleitet durch den jährlichen Lesekisten-Wettbewerb, fortgesetzt mit dem Bücherhallenpass für Schülerinnen und Schüler der dritten Klassen und mit Bücherkisten für die Klassen 5/6. Die von beiden Behörden finanzierte Blockausleihe von literarischen Texten und Sachbüchern zu gewünschten Themen wird von Lehrerinnen und Lehrern sowie von Erzieherinnen und Erziehern stark genutzt. Fest etabliert hat sich die Initiative Lesewelt Hamburg e.V. in den öffentlichen Bücherhallen. Regelmäßig lesen ehrenamtliche Vorleserinnen und Vorleser Kindern Märchen lustige Geschichten und spannende Abenteuer vor.

Leseförderung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund
Um mehr Chancengleichheit für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund ging es im BLK-Programm „Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund - FörMig“ (2004 bis 2010). Hamburg beteiligte sich mit den Teilprojekten „Havas 5 im Kooperationsprojekt Kita und Schule“ und „Familiy Literacy“ an dem Pogramm. „Havas 5“ verknüpfte die frühkindliche Sprachförderung in dem Projekt „Kita und Schule“, ein bewährtes Hamburger Projekt zur Sprachförderung in Kindertagesstätten unter Mitwirkung von Grundschullehrkräften, mit dem Diagnoseinstrument HAVAS 5. Das Hamburger Verfahren zur Analyse des Sprachstandes bei Fünfjährigen (HAVAS 5) ist ein standardisiertes Diagnoseinstrument, mit dessen Hilfe die Sprachkenntnisse von Kindern in mehreren Sprachen festgestellt werden können. „Family Literacy“ zielte auf die Sprach- und Literalitätsförderung in Familien. Der Schwerpunkt lag in der Stärkung der Fähigkeiten der Eltern, den Schriftspracherwerb ihrer Kinder zuhause zu unterstützen. Das Projekt, das vom Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung und dem UNESCO-Institut für Pädagogik koordiniert wurde, richtete sich an Eltern von Vorschulkindern, überwiegend an Eltern mit Migrationshintergrund. Es wurde an neun Standorten (acht Schulen und eine Kindertagesstätte) in sozialen Brennpunkten Hamburgs durchgeführt.

Sprachlernkoordinatoren und Leselernhelfer an Hamburger Schulen
Im Rahmen des neuen Sprachförderkonzepts für den vorschulischen Bereich und die allgemeinbildenden Schulen Hamburgs gibt es seit Beginn des Schuljahres 2005/2006 Sprachlernkoordinatorinnen und -koordinatoren (SLK) an den Hamburger Schulen.
Ein Schwerpunkt der Sprachförderung liegt auf der Lesekompetenz. Mit standardisierten Diagnoseinstrumenten wie dem Stolperwörtertest und dem Hamburger Lesetest oder der Hamburger Leseprobe wird in einem Eingangstest erhoben, über welche Lesekompetenzen die Schülerinnen und Schüler verfügen und in welchem Umfang, auf welchem Niveau und in welcher Form sie Unterstützung bekommen sollen. Die ihnen angemessene individuelle Förderung wird in einem Förderplan in einzelnen Förderschritten festgehalten. Der Lernzuwachs wird mit einer Ausgangsdiagnose festgestellt.

Darüber hinaus gibt es mehrere Projekte zur Lesekompetenzförderung, die zurzeit in Schulen erprobt werden. Dazu zählt zum Beispiel das Lesepatenmodell, das Erfolg versprechend in fünften Klassen eingesetzt wird. An vielen Schulen sind in Absprache mit den Sprachlernkoordinatoren die Leselernhelfer von MENTOR e. V. tätig, sie werden dabei von der Behörde für Bildung und Sport unterstützt. Die Behörde für Bildung und Sport beteiligt sich darüber hinaus an dem Projekt „Lernwerk II“ der Zeit-Stiftung, durch das sogenannte Risikoleser in der Jahrgangsstufe neun der Haupt- und Gesamtschule von Studierenden des Fachbereichs Erziehungswissenschaft in enger Abstimmung mit den Lehrkräften zweimal pro Woche in Kursen gezielt gefördert werden.

Die Kooperationen zwischen dem Literaturzentrum Hamburg (lit), der großen Hamburger Autorenvereinigung und der Behörde für Bildung und Sport machen zahlreiche Autorenlesungen und -schreibwerkstätten an Hamburger Schulen möglich.
Auch im Rahmen der Hamburger Kinder- und Jugendbuchtage werden gemeinsam mit dem Friedrich-Bödecker-Kreis Hamburg e.V. an Schulen Lesetage und Aktionen mit Autorinnen und Autoren gestaltet. Dazu zählen Schreibwerkstätten, Lesungen und Aktionen mit Eltern, Verlagen oder Buchhändlern.

Eine besondere Tradition hat das Lesen von plattdeutschen Texten in Hamburg. Alle zwei Jahre veranstaltet die Behörde für Bildung und Sport den Vorlesewettbewerb „Jungs und Deerns leest PLATT“ für alle Hamburger Schulkinder. In den geraden Jahren lädt der Verein „Plattdüütsch leevt“ alle Schulkinder des Süderelberaumes zum Vorlesewettbewerb „Schoolkinner leest Platt“ ein.

Journalistisch tätig werden können Schülerinnen und Schüler der neunten Klassen im Projekt „Schüler machen Zeitung“, das in Kooperation mit dem Hamburger Abendblatt seit 1995 durchgeführt wird. Abendblatt Online stellt jeder Klasse Weblogs zur direkten Kommunikation mit den Leserinnen und Lesern zur Verfügung – ein moderner Beitrag zur Lese- und Schreibförderung und zur Integration von Hamburger Schülerinnen und Schüler in das kulturelle Leben ihrer Heimatstadt Hamburg.

„Bildung durch Sprache und Schrift“ (BiSS)
Hamburg beteiligt sich mit drei Verbünden an dem bundesweiten Forschungs- und Entwicklungsprogramm „Bildung durch Sprache und Schrift“ (BiSS). Ausgewählte Verbundkitas und Verbundschulen bearbeiten in Kooperation mit regionalen Bildungs- und Forschungseinrichtungen die BiSS-Module „Gezielte alltagsintegrierte Sprachbildung“ und „Intensive Förderung im Bereich sprachlicher Strukturen“ im Elementarbereich, „Diagnose und Förderung der Leseflüssigkeit und ihrer Voraussetzungen“ und „Diagnose und Förderung des Leseverständnisses“ im Primarbereich sowie „Selbstreguliertes Lesen und Schreiben“ in der Sekundarstufe. Ziel des BiSS-Programms ist es, herauszufinden, welche Methoden und Instrumente der Sprachförderung, Sprachdiagnostik und Leseförderung unter welchen Bedingungen funktionieren, und wie sie optimal für eine durchgängige wirksame Sprach- und Leseförderung vom Beginn institutioneller Betreuung bis zum Ende der Sekundarstufe I eingesetzt werden können.

Hinweis:
Das Landesporträt wurde im Juli 2007 in enger Zusammenarbeit mit Leseförderern aus Hamburg erstellt. Sobald neue Informationen vorliegen, werden die entsprechenden Abschnitte im Text bzw. die Verweise im Text und in der rechten Spalte ergänzt und aktualisiert.



Redaktionskontakt: schuster@dipf.de


Landesporträt erstellt am: 12.07.2007

Zuletzt aktualisiert am: 13.07.2015