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Lesen in Deutschland: Landesporträt Hessen

 

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Lesen in Deutschland

Förderung von Lesen als Schlüsselkompetenz für Bildungsteilhabe: Initiativen in den Ländern

Leseland Hessen.
Projekte und Initiativen zur Förderung der Sprach- und Lesekompetenz




In der Stadtbücherei Lauterbach
In der Stadtbücherei Lauterbach
© Hessisches Literaturforum
Von der Literacy-Erziehung in der frühen Kindheit bis zur verstärkten Leseförderung an hessischen Schulen - der systematischen Überprüfung und Förderung der Sprach- und Lesekompetenz von Kindern und Jugendlichen wird in allen Bildungseinrichtungen Hessens ein hoher Stellenwert eingeräumt. Mit zahlreichen Projekten motiviert die Hessische Leseförderung gemeinsam mit Bibliotheken, Schulen und weiteren Einrichtungen Kinder und Jugendliche zum Lesen.

Literacy-Erziehung in der frühen Kindheit
„ .. also das bewusste Heranführen der Kinder an den selbstverständlichen Gebrauch von Schrift sowohl in der Rezeption (Lesen) als auch in der Produktion (Schreiben) entspricht dem natürlichen Interesse des Kindes nach entdeckendem Lernen in seiner Umgebung als auch der zentralen Bedeutung von Schriftlichkeit in unserer Gesellschaft. Deshalb gilt es, ihr so früh wie möglich und an allen Bildungsorten des Kindes einen hohen Stellenwert einzuräumen“, heißt es im hessischen Bildungs- und Erziehungsplan für Kinder von 0 bis 10 Jahren. Betont wird die besondere Bedeutung der sprachlichen Bildung im Elementarbereich, die jedem Kind, ungeachtet seiner sozialen Herkunft, gute Startchancen für seine schulische Bildungsbiographie ermöglichen soll. Zur Bestimmung der sprachlichen Fähigkeiten und des Kommunikationsverhaltens von vier- bis viereinhalbjährigen Kindern wird angestrebt, das Kindersprachscreening KiSS möglichst in allen hessischen Kindertagesstätten einzusetzen. Das standardisierte Verfahren ermöglicht es pädagogischen Fachkräften, den Sprachstand eines Kindes einzuschätzen und gezielte Maßnahmen zur sprachlichen Förderung zu ergreifen. In der Broschüre Sprachentwicklung und Sprachförderung bei Kindern, herausgegeben vom Hessischen Ministerium für Soziales und Integration im November 2016, wird in kurzer Form dargestellt, wie die kindliche Sprache sich entwickelt, wie Eltern, Erzieherinnen und Erzieher die Sprachentwicklung der Kinder unterstützen und begleiten können und was bei Sprachauffälligkeiten getan werden kann.

„Bildung durch Sprache und Schrift“ (BiSS)
Hessen beteiligt sich mit dem Verbund Umsetzung des Konzeptes der „Verstärkten Leseförderung“ von Grundschulen im Rheingau an dem bundesweiten Forschungs- und Entwicklungsprogramm „Bildung durch Sprache und Schrift“ (BiSS). Ausgewählte Verbundschulen bearbeiten in Kooperation mit dem Hessischen Kultusministerium die BiSS-Module „Diagnose und Förderung der Leseflüssigkeit und ihrer Voraussetzungen“ und „Diagnose und Förderung des Leseverständnisses“ im Primarbereich. Ziel des BiSS-Programms ist es, herauszufinden, welche Methoden und Instrumente der Sprachförderung, Sprachdiagnostik und Leseförderung unter welchen Bedingungen funktionieren, und wie sie optimal für eine durchgängige wirksame Sprach- und Leseförderung vom Beginn institutioneller Betreuung bis zum Ende der Sekundarstufe I eingesetzt werden können.

Verstärkte Leseförderung an hessischen Schulen
Um allgemeinbildenden Schulen eine Orientierungshilfe bei der Ausrichtung ihrer Angebote zur Verbesserung der Lesekompetenz in den Klassen 3 bis 12 zu geben, beschloss das hessische Kabinett im Dezember 2012 die Umsetzung des Konzeptes „Verstärkte Leseförderung an hessischen Schulen“. Ziel des Konzepts ist die Sicherung von Mindeststandards der Leseförderung an allen Schulen. Mithilfe einer Checkliste, auf der die Mindeststandards aufgeführt sind, kann zunächst die Ausgangssituation an der Schule analysiert werden. Erfolgreiche Lesefördermaßnahmen können identifiziert und ihr Entwicklungsbedarf kann festgestellt werden, woraus dann Ziele für die weitere Arbeit abgeleitet werden können. Der Fokus der Fördermaßnahmen soll, entsprechend dem aktuellen Stand der Leseforschung, auf die bedeutsamen und beeinflussbaren Elemente der Lesekompetenz gerichtet sein: Leselernstandsermittlungen, Dekodierfähigkeit (Vorwissen, Leseflüssigkeit), Einübung von Lesestrategien (auch: Schreiben zum Lesen), Lesen in allen Fächern, Leseinteresse/-motivation, Leseförderung für Jungen. Ein modulares Fortbildungsangebot unterstützt die Schulen bei der Erarbeitung eines Leseförderkonzeptes. Jedes Fortbildungsmodul beginnt mit einer theoretischen Fundierung zum jeweiligen Thema (z.B. Leseflüssigkeit), anschließend werden Diagnoseinstrumente und –maßnahmen, Fördermaßnahmen sowie Vorschläge zur Umsetzung und zur Evaluation der Maßnahmen vorgestellt. Seit 2016 wird das Konzept „Verstärkte Leseförderung an hessischen Schulen“ systematische in allen Grundschulen und Schulen der Sekundarstufe I implementiert. Eine Implementierungskaskade gewährleistet, dass alle beteiligten Akteure gleichermaßen über das Konzept informiert sind: 1. zunächst die Leiterinnen und Leiter der Staatlichen Schulämter, 2. alle Dezernentinnen und Dezernenten in den Staatlichen Schulämtern, 3. die Schulleiterinnen und Schulleiter und 4. die Lehrkräfte in allen Schulen.


Ob Lesetipp per Video oder Poetry Slam – Ideenreichtum zeichnet die Aktionen der Lesescouts aus, mit denen sie andere Kinder und Jugendliche für das Lesen begeistern. Zum Beginn des Schuljahres 2014/15 startete das Projekt mit Unterstützung des Hessischen Kultusministeriums wieder neu an weiterführenden Schulen in Hessen, angelegt auf vier Jahre.

Leseförderung bei Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund
Eines der zentralen Themen in Hessen ist die Förderung von Kindern mit Migrationshintergrund. Hessen hat als erstes Land die Sprachförderung dieser Kinder in Betreuungseinrichtungen durchgesetzt. Die mittlerweile rund 29.500 Kinder in schulischen Vorlaufkursen beherrschten vor dem Besuch der Vorlaufkurse nicht in ausreichendem Maße die deutsche Sprache und hätten ohne diese sprachliche Förderung größtenteils nicht eingeschult werden können. Im aktuellen Vorlaufkurs erreichten 97,48 Prozent der geförderten Kinder das Ziel der Einschulung.

Verschiedene Projekte zu den Themen Sprache, Bildung und Ausbildung führt das Amt für multikulturelle Angelegenheiten der Stadt Frankfurt am Main (AmkA) durch. Das AmkA bietet umfassende Beratung zu den Integrationskursen für neu Zugewanderte und unterstützt ca. 25 Migrantenvereine beim Unterricht in der Herkunftssprache. Im Projekt „Ausbildungsorientierte Elternarbeit“ (AOE) erhalten Eltern in ihrer Muttersprache Informationen über Möglichkeiten des deutschen Schul- und Ausbildungssystems. Das Projekt „Hippy“ ist ein Lernprogramm, mit dem Eltern ihre Kinder auf die Schule vorbereiten. Und „Mama lernt Deutsch – Papa auch“ vermittelt Eltern die Deutschkenntnisse, die sie benötigen, um die schulische und berufliche Integration ihrer Kinder zu unterstützen.

Das erfolgreiche hessische Modellprojekt Deutsch & PC wurde im Schuljahr 2001/2002 vom Hessischen Kultusministerium und der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung ins Leben gerufen. „Deutsch & PC“ fördert bei Kindern aus Zuwandererfamilien den frühzeitigen und intensiven Erwerb der deutschen Sprache in der Grundschule, um ihre Chancen auf einen größtmöglichen Schulerfolg zu erhöhen. Schulanfänger mit unzureichenden Deutschkenntnissen werden parallel zum Klassenverband in eigenen Fördergruppen von sechs bis acht Schülerinnen und Schülern zwei Stunden täglich in Deutsch und Mathematik unterrichtet. Spielerisch wird das Lernen durch gemeinsames Arbeiten am Computer ergänzt.

Stärkung und Weiterentwicklung von Schulbibliotheken
Als Orte des Lesens und der Leseförderung gilt dem Ausbau der Schulbibliotheken besonderes Augenmerk. Damit diese sich zu einem Lern- und kulturellen Zentrum der Schule weiterentwickeln können, wird das Kultusministerium die bereits begonnenen Anstrengungen weiterführen. Unterstützt wird vor allem die Landesarbeitsgemeinschaft Schulbibliotheken (LAG) und der alle zwei Jahre stattfindende Hessische Schulbibliothekstag als Fortbildungsveranstaltung sowie die Einrichtung des Projektbüros Schulbibliotheken am Staatlichen Schulamt Gießen. Die LAG ist ein gemeinnütziger Verein, der seine Mitglieder informiert und berät. Mit Projekten wie „Bibliothek in der Kiste“ werden hessischen Schulbibliotheken Anregungen zum Bestandsaufbau und zum Unterricht mit Sachbüchern gegeben. „Das Hessische Bücherschränkchen“ setzt sich für die Stärkung und Weiterentwicklung der Schulbibliotheken ein, und erfolgreich verwirklichte Ideen werden mit einer kleinen Auszeichnung geehrt.

Beratung beim Auf- und Ausbau von Schulbibliotheken finden die Schulen auch bei der Hessische Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken – sie gibt das Fortbildungsprogramm Forum Schulbibliotheken heraus – und bei der Schulbibliothekarischen Arbeitsstelle der Stadtbücherei Frankfurt am Main. Sie unterstützt Schulbibliotheken auf ihrem Weg zum Medienkompetenzzentrum und bietet differenzierte bibliothekarische Serviceleistungen. Das Projekt Informations- und Mediennetzwerk der Medienzentren und Schulen im Lahn-Dill-Kreis hat eine breit angelegte Förderung von Schulmediotheken unter Nutzung moderner Informationstechnologie erreicht.

Seit 1993 gibt es für Hessen eine aus Mitteln des Hessischen Kultusministeriums finanzierte Servicestelle für EDV in Schulbibliotheken. Diese wurde auf Anregung der LAG eingerichtet und von der Mitarbeit von Kolleginnen und Kollegen der Weidigschule (Gymnasium des Wetteraukreises) in Butzbach getragen. Die Servicestelle berät Schulen hinsichtlich der Voraussetzungen, der Kosten und der Arbeitsabläufe, sie organisiert Hard- und Softwareschulungen und wirkt an der Weiterentwicklung der Bibliothekssoftware mit.

Lese- und Literaturförderung in Öffentlichen Bibliotheken
Das besondere Interesse der rund 500 Öffentlichen Bibliotheken in Hessen gilt der Leseförderung der Schülerinnen und Schüler. In einer Kooperationsvereinbarung zwischen dem Hessischen Kultusministerium, dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst und dem Deutschen Bibliotheksverband, Landesverband Hessen, zur Förderung der Zusammenarbeit von Schulen, Schulbibliotheken und Öffentlichen Bibliotheken, haben sich die Partner verpflichtet, vor allem jenen Kindern einen Zugang zur Literatur zu schaffen, die ihn zu Hause nicht finden. Von der Kooperation profitieren beide: Die Schulen erhalten Zugang zu einem breiteren Literatur- und Medienangebot sowie zu professioneller Beratung und die Bibliotheken erreichen neue Lesergruppen.

Die Hessische Leseförderung
Die Freude am Lesen, vor allem bei jungen Leserinnen und Lesern, zu wecken und zu fördern ist das Ziel der Hessische Leseförderung, deren Geschäftsstelle seit 2004 im Hessischen Literaturforum im Mousonturm e.V. ihren Sitz hat. Gemeinsam mit öffentlichen Bibliotheken, Schulen und weiteren Einrichtungen erarbeitet und fördert die Hessische Leseförderung Konzepte, um neue Leserschichten zu gewinnen, Sprachbarrieren zu überwinden und bei Kindern, Jugendlichen und auch Erwachsenen die Freude am Lesen zu steigern. Unterstützt werden Projekte zur Förderung von Lesefähigkeit, Lesekompetenz und Kreativität bei der Umsetzung von Texten – unabhängig davon, ob es sich bei den Veranstaltern um haupt-, neben- oder ehrenamtlich geleitete Institutionen handelt. Mit besonders gelungenen Projekten können sich öffentliche Bibliotheken für den mit insgesamt 15.000 Euro dotierten Hessischen Leseförderpreis bewerben. Die Projekte der Hessischen Leseförderung werden vom Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst finanziell und ideell unterstützt.

Literarische Höhepunkte im Leseland Hessen
Jedes Jahr im Oktober wird Frankfurt am Main zum Schauplatz für die größte Messe der Welt für Buch, Multimedia und Kommunikation. Die Vielfalt der aktuellen Kinder- und Jugendmedien wird im Kids Universum präsentiert, dessen Zentrum sich in Halle 3 auf dem Messegelände befindet. Und beim Literaturfestival Leseland Hessen veranstalten die Städte parallel zur Buchmesse Lesungen, Themenabende, ein Krimifestival und den Lese-Marathon.

Literarisch interessant sind die Kalbacher Klapperschlange ein Literatur-Preis, der jährlich von einer Kinder-Jury im Frankfurter Stadtteil Kalbach vergeben wird sowie das nichtkommerzielle Lesefest für Kinder in der Gutenbergstadt Eltville. Es bietet zehn Tage im Herbst Leseförderung pur an historischen und illustren Orten im Rheingau mit Lesungen und Veranstaltungen unter Mitwirkung von Kindergärten, Schulen, Bibliotheken und des Präventionsrats Oberer Rheingau. Spannend sind auch die Reichelsheimer Märchen- und Sagentage im Oktober und die Frankfurter Leseeule im November: In Zusammenarbeit mit zahlreichen Frankfurter Kulturinstitutionen wird ein aufregendes Rahmenprogramm mit Theater- und Kinoaufführungen, Lesungen und Kreativaktionen angeboten.

Einen ungewöhnlich erfolgreichen Literaturwettbewerb, der vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst ins Leben gerufen wurde, gibt es in Hessen nun schon seit zwanzig Jahren und seit 1990 darüber hinaus auch in Thüringen. Junge Schreibende können sich mit ihren Texten am Jungen Literaturforum HessenThüringen beteiligen. Neben attraktiven Preisen werden die Texte der Preisträger in der jährlich erscheinenden Anthologie „Nagelprobe“ veröffentlicht.

Am bundesweiten Vorlesetag der Stiftung Lesen und der Wochenzeitschrift DIE ZEIT beteiligen sich in Hessen jedes Jahr viele prominente Vorleserinnen und Vorleser. Die Sozialministerin, Frau Lautenschläger, las jedes Jahr in Kindertagesstätten vor und im Jahr 2006 wirkten alle Kabinettsmitglieder am Vorlesetag mit, was auch für 2007 geplant ist.

Hinweis:
Das Landesporträt wird zurzeit in enger Zusammenarbeit mit Ansprechpartnerinnen und -partnern aus Hessen überarbeitet. Sobald neue Informationen vorliegen, werden die entsprechenden Abschnitte im Text bzw. die Verweise im Text und in der rechten Spalte ergänzt und aktualisiert.


Redaktionskontakt: schuster@dipf.de


Landesporträt erstellt am: 06.11.2007

Zuletzt aktualisiert am: 12.04.2017