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Lesen in Deutschland: Landesporträt Hessen

 

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Lesen in Deutschland

Förderung von Lesen als Schlüsselkompetenz für Bildungsteilhabe: Initiativen in den Ländern

Leseland Hessen.
Projekte und Initiativen zur Förderung der Sprach- und Lesekompetenz




In der Stadtbücherei Lauterbach
In der Stadtbücherei Lauterbach
© Hessisches Literaturforum
Ob eingefleischte Leseratten oder Lesemuffel: Die Hessische Leseförderung unterstützt mit vielfältigen Projekten den Lesespaß bei Kindern und Jugendlichen. Bibliotheken, die besonders erfolgreich junge Menschen für das Lesen begeistern, werden mit dem Hessischen Leseförderpreis belohnt.

Die „Hessische Leseförderung“
Die Hessische Leseförderung ist eine Einrichtung des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst, das alle Projekte finanziell und ideell unterstützt. Gemeinsam mit Öffentlichen Bibliotheken, Schulen und weiteren Einrichtungen erarbeitet sie interessante Projekte zur Förderung von Lesefähigkeit, Lesekompetenz und Kreativität bei der Umsetzung von Texten.
Seit 2004/2005 gibt es in Zusammenarbeit mit zahlreichen hessischen Bibliotheken das Projekt Das gespielte Buch. Schülerinnen und Schüler der 3. und 4. Klassen der beteiligten Schulen lesen im Klassenverband mehrere bekannte Kinderromane und besuchen eine Aufführung des Freien Theaterhauses Frankfurt, das eine Collage der gelesenen Bücher auf die Bühne bringt, den Schluss des Stückes aber offen lässt. Die Kinder sind im Rahmen eines Schreibwettbewerbes aufgefordert, den Schluss selbst zu verfassen.
Gemeinsam mit der Stadtbücherei Frankfurt am Main realisiert die Hessische Leseförderung das Projekt Ich bin ein Lesestar, das Kinder dazu motiviert, ihre Stadtbücherei regelmäßig zu besuchen und besser kennenzulernen.
Im Jahr 2004 wurde die wissenschaftliche Evaluation eines bilingualen Leseförderkonzeptes finanziell unterstützt. Die Untersuchung ergab, dass durch die Einbindung in einen gemeinsamen sozialen Kontext eine Aufwertung und Akzeptanz von Herkunftssprachen erfolgt, was das Selbstwertgefühl von Schülern nichtdeutscher Herkunftssprache stärkt und damit indirekt einen lesefördernden Effekt durch Motivationssteigerung und Förderung einer positiven Einstellung zum Lesen/Hören in Deutsch als Zweitsprache ausüben kann.
Mit besonders gelungenen Projekten können sich Öffentliche Bibliotheken für den mit 7.500 Euro dotierten Hessischen Leseförderpreis bewerben. Hinzu kommt der mit 2.000 Euro dotierte Preis für ehrenamtlich geführte Büchereien.

Förderung der Sprach- und Lesekompetenz im Vorschulbereich
Um Kinder möglichst früh und gezielt an Sprache und geeigneten Lesestoff heranzuführen, engagiert sich das Hessische Sozialministerium seit dem Jahr 2001 für Projekte der Stiftung Lesen, die die Sprach- und Lesekompetenz von Kindern und die Ausbildung von Vorlesepaten für Kindertagesstätten fördern. Im Rahmen des Projekts „Gemeinsam lesen - gemeinsam lernen“ wurden ehrenamtliche Vorleser/innen und Eltern sowie Erzieher/innen darin geschult, Kinder professionell sprachlich zu fördern. Bei dem Projekt „Kleine Mädchen lesen - kleine Jungen auch“ erhielten Tagesmütter und interessierte Eltern in einer Fortbildung Einblicke in spielerische Fördermaßnahmen für die sprachliche und soziale Entwicklung der Kinder.

Lese- und Literaturförderung in Öffentlichen Bibliotheken
Das besondere Interesse der rund 500 Öffentlichen Bibliotheken in Hessen gilt der Leseförderung der Schülerinnen und Schüler. In einer Kooperationsvereinbarung zwischen dem Hessischen Kultusministerium, dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst und dem Deutschen Bibliotheksverband, Landesverband Hessen, zur Förderung der Zusammenarbeit von Schulen, Schulbibliotheken und Öffentlichen Bibliotheken, haben sich die Partner verpflichtet, vor allem jenen Kindern einen Zugang zur Literatur zu schaffen, die ihn zu Hause nicht finden. Von der Kooperation profitieren beide: Die Schulen erhalten Zugang zu einem breiteren Literatur- und Medienangebot sowie zu professioneller Beratung und die Bibliotheken erreichen neue Lesergruppen.

Stärkung und Weiterentwicklung von Schulbibliotheken
Als Orte des Lesens und der Leseförderung gilt dem Ausbau der Schulbibliotheken besonderes Augenmerk. Damit diese sich zu einem Lern- und kulturellen Zentrum der Schule weiterentwickeln können, wird das Kultusministerium die bereits begonnenen Anstrengungen weiterführen. Unterstützt wird vor allem die Landesarbeitsgemeinschaft Schulbibliotheken (LAG) und der alle zwei Jahre stattfindende Hessische Schulbibliothekstag als Fortbildungsveranstaltung sowie die Einrichtung des Projektbüros Schulbibliotheken am Staatlichen Schulamt Gießen. Die LAG ist ein gemeinnütziger Verein, der seine Mitglieder informiert und berät. Mit Projekten wie „Bibliothek in der Kiste“ werden hessischen Schulbibliotheken Anregungen zum Bestandsaufbau und zum Unterricht mit Sachbüchern gegeben. „Das Hessische Bücherschränkchen“ setzt sich für die Stärkung und Weiterentwicklung der Schulbibliotheken ein, und erfolgreich verwirklichte Ideen werden mit einer kleinen Auszeichnung geehrt.

Beratung beim Auf- und Ausbau von Schulbibliotheken finden die Schulen auch bei der Hessische Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken – sie gibt das Fortbildungsprogramm Forum Schulbibliotheken heraus – und bei der Schulbibliothekarischen Arbeitsstelle der Stadtbücherei Frankfurt am Main. Sie unterstützt Schulbibliotheken auf ihrem Weg zum Medienkompetenzzentrum und bietet differenzierte bibliothekarische Serviceleistungen. Das Projekt Informations- und Mediennetzwerk der Medienzentren und Schulen im Lahn-Dill-Kreis hat eine breit angelegte Förderung von Schulmediotheken unter Nutzung moderner Informationstechnologie erreicht.

Seit 1993 gibt es für Hessen eine aus Mitteln des Hessischen Kultusministeriums finanzierte Servicestelle für EDV in Schulbibliotheken. Diese wurde auf Anregung der LAG eingerichtet und von der Mitarbeit von Kolleginnen und Kollegen der Weidigschule (Gymnasium des Wetteraukreises) in Butzbach getragen. Die Servicestelle berät Schulen hinsichtlich der Voraussetzungen, der Kosten und der Arbeitsabläufe, sie organisiert Hard- und Softwareschulungen und wirkt an der Weiterentwicklung der Bibliothekssoftware mit.

Leseförderung als fächerübergreifende Aufgabe in der Schule
In der Schule gehört Leseförderung in allen Fächern zum Kernbereich des pädagogischen Auftrags. Das Hessische Kultusministerium legt einen besonderen Schwerpunkt auf Maßnahmen zur Förderung der Lesekompetenz in den ersten zwei Grundschuljahren und in der Sekundarstufe I.
Als „Strategisches Ziel 1“ wurde erklärt, dass am Ende des zweiten Schuljahres alle Schülerinnen und Schüler altersgemäße Texte sinnerfassend lesen können sollen. Dazu wurde im Schuljahr 2006/07 zum ersten Mal stichprobenartig ein Lesetest in zufällig ausgewählten Klassen der zweiten Schuljahrgänge der hessischen Grundschulen durchgeführt. Vor dem Hintergrund des Strategischen Ziels 1 wurde das Gemeinschaftsprojekt Schwerpunkt Sprache des Transferzentrums für Neurowissenschaften und Lernen, Ulm (ZNL), des Hessischen Kultusministeriums und der Frankfurter Metzler-Stiftung ins Leben gerufen, das sich auf die Erforschung kindlicher Sprachentwicklung, die Vorläuferfertigkeiten für Lesen und Schreiben, den Schriftspracherwerb sowie die Entwicklung geeigneter Fördermaßnahmen von Kindern mit oder auch ohne Migrationshintergrund konzentriert.

„Strategisches Ziel 2“ des Hessischen Kultusministeriums ist die Verringerung der in der PISA-E Studie definierten sog. „Risikogruppe“ besonders schwacher Leser (Hessen: 27 Prozent) um ein Drittel. Regionale Fortbildnerinnen und Fortbildner wurden speziell ausgebildet, um Lehrkräfte im Bereich Diagnose, individuelle Förderung, Entwicklung schulischer Leseförderkonzepte, Sicherung des Textverstehens in allen Fächern und Unterstützung besonders schwacher Leserinnen und Leser gezielt zu beraten und weiterzubilden. Eine repräsentative Stichprobe ergab, dass nach zweijähriger Projektlaufzeit signifikante Verbesserungen im Bildungsgang Hauptschule erreicht wurden. Um diese positive Entwicklung fortzusetzen und die Zahl der guten Leserinnen auch im Realschul- und Gymnasialbereich zu steigern, soll das landesweite Vorhaben bis Ende 2009 verlängert werden.

Das Team Lese- und Sprachförderung (LSF) beim Amt für Lehrerbildung hat das kalifornische Konzept „Reading for Understanding“ als spezielles Förderprogramm für schwache Leser für Hessen adaptiert und setzt es im Rahmen des Strategischen Ziels 2 bei der Schulung von regionalen Fortbildnern ein. Das Team kooperiert außerdem mit dem Sokrates-Projekt der Europäischen Union Adore: Teaching Struggeling Adolescent Readers, das den Stand der Leseförderung in Europa erforscht.

Das Hessische Kultusministerium gibt regelmäßig ausführliche aktuelle Fachinformationen zum Thema Leseförderung für Lehrerinnen und Lehrer, aber auch für Eltern von Grundschülern heraus. Auf der Website „Lesen macht Laune“ können sich Kinder, Jugendliche, Eltern und Lehrer über Bücher informieren, erhalten Lesetipps und können auch selbst Bücher vorstellen und besprechen. Informationen, Projekte, Unterrichtsmaterialien, Lernsoftware, Lesetipps und vieles mehr zum Thema Lese- und Sprachförderung bietet der Hessische Bildungsserver.
Ob Lesetipp per Video oder Poetry Slam – Ideenreichtum zeichnet die Aktionen der Lesescouts aus, mit denen sie andere Kinder und Jugendliche für das Lesen begeistern. Zum Beginn des Schuljahres 2014/15 startete das Projekt mit Unterstützung des Hessischen Kultusministeriums wieder neu an weiterführenden Schulen in Hessen, angelegt auf vier Jahre.

Leseförderung bei Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund
Eines der zentralen Themen in Hessen ist die Förderung von Kindern mit Migrationshintergrund. Hessen hat als erstes Land die Sprachförderung dieser Kinder in Betreuungseinrichtungen durchgesetzt. Die mittlerweile rund 29.500 Kinder in schulischen Vorlaufkursen beherrschten vor dem Besuch der Vorlaufkurse nicht in ausreichendem Maße die deutsche Sprache und hätten ohne diese sprachliche Förderung größtenteils nicht eingeschult werden können. Im aktuellen Vorlaufkurs erreichten 97,48 Prozent der geförderten Kinder das Ziel der Einschulung.

Verschiedene Projekte zu den Themen Sprache, Bildung und Ausbildung führt das Amt für multikulturelle Angelegenheiten der Stadt Frankfurt am Main (AmkA) durch. Das AmkA bietet umfassende Beratung zu den Integrationskursen für neu Zugewanderte und unterstützt ca. 25 Migrantenvereine beim Unterricht in der Herkunftssprache. Im Projekt „Ausbildungsorientierte Elternarbeit“ (AOE) erhalten Eltern in ihrer Muttersprache Informationen über Möglichkeiten des deutschen Schul- und Ausbildungssystems. Das Projekt „Hippy“ ist ein Lernprogramm, mit dem Eltern ihre Kinder auf die Schule vorbereiten. Und „Mama lernt Deutsch – Papa auch“ vermittelt Eltern die Deutschkenntnisse, die sie benötigen, um die schulische und berufliche Integration ihrer Kinder zu unterstützen.

Das erfolgreiche hessische Modellprojekt Deutsch & PC wurde im Schuljahr 2001/2002 vom Hessischen Kultusministerium und der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung ins Leben gerufen. „Deutsch & PC“ fördert bei Kindern aus Zuwandererfamilien den frühzeitigen und intensiven Erwerb der deutschen Sprache in der Grundschule, um ihre Chancen auf einen größtmöglichen Schulerfolg zu erhöhen. Schulanfänger mit unzureichenden Deutschkenntnissen werden parallel zum Klassenverband in eigenen Fördergruppen von sechs bis acht Schülerinnen und Schülern zwei Stunden täglich in Deutsch und Mathematik unterrichtet. Spielerisch wird das Lernen durch gemeinsames Arbeiten am Computer ergänzt.

„Bildung durch Sprache und Schrift“ (BiSS)
Hessen beteiligt sich mit dem Verbund Umsetzung des Konzeptes der „Verstärkten Leseförderung“ von Grundschulen im Rheingau an dem bundesweiten Forschungs- und Entwicklungsprogramm „Bildung durch Sprache und Schrift“ (BiSS). Ausgewählte Verbundschulen bearbeiten in Kooperation mit dem Hessischen Kultusministerium die BiSS-Module „Diagnose und Förderung der Leseflüssigkeit und ihrer Voraussetzungen“ und „Diagnose und Förderung des Leseverständnisses“ im Primarbereich. Ziel des BiSS-Programms ist es, herauszufinden, welche Methoden und Instrumente der Sprachförderung, Sprachdiagnostik und Leseförderung unter welchen Bedingungen funktionieren, und wie sie optimal für eine durchgängige wirksame Sprach- und Leseförderung vom Beginn institutioneller Betreuung bis zum Ende der Sekundarstufe I eingesetzt werden können.

Literarische Höhepunkte im Leseland Hessen
Jedes Jahr im Oktober wird Frankfurt am Main zum Schauplatz für die größte Messe der Welt für Buch, Multimedia und Kommunikation. Die Vielfalt der aktuellen Kinder- und Jugendmedien wird im Kids Universum präsentiert, dessen Zentrum sich in Halle 3 auf dem Messegelände befindet. Und beim Literaturfestival Leseland Hessen veranstalten die Städte parallel zur Buchmesse Lesungen, Themenabende, ein Krimifestival und den Lese-Marathon.

Literarisch interessant sind die Kalbacher Klapperschlange ein Literatur-Preis, der jährlich von einer Kinder-Jury im Frankfurter Stadtteil Kalbach vergeben wird sowie das nichtkommerzielle Lesefest für Kinder in der Gutenbergstadt Eltville. Es bietet zehn Tage im Herbst Leseförderung pur an historischen und illustren Orten im Rheingau mit Lesungen und Veranstaltungen unter Mitwirkung von Kindergärten, Schulen, Bibliotheken und des Präventionsrats Oberer Rheingau. Spannend sind auch die Reichelsheimer Märchen- und Sagentage im Oktober und die Frankfurter Leseeule im November: In Zusammenarbeit mit zahlreichen Frankfurter Kulturinstitutionen wird ein aufregendes Rahmenprogramm mit Theater- und Kinoaufführungen, Lesungen und Kreativaktionen angeboten.

Einen ungewöhnlich erfolgreichen Literaturwettbewerb, der vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst ins Leben gerufen wurde, gibt es in Hessen nun schon seit zwanzig Jahren und seit 1990 darüber hinaus auch in Thüringen. Junge Schreibende können sich mit ihren Texten am Jungen Literaturforum HessenThüringen beteiligen. Neben attraktiven Preisen werden die Texte der Preisträger in der jährlich erscheinenden Anthologie „Nagelprobe“ veröffentlicht.

Am bundesweiten Vorlesetag der Stiftung Lesen und der Wochenzeitschrift DIE ZEIT beteiligen sich in Hessen jedes Jahr viele prominente Vorleserinnen und Vorleser. Die Sozialministerin, Frau Lautenschläger, las jedes Jahr in Kindertagesstätten vor und im Jahr 2006 wirkten alle Kabinettsmitglieder am Vorlesetag mit, was auch für 2007 geplant ist.

Autorin: Petra Schraml

Das Landesporträt wurde im November 2007 in enger Zusammenarbeit mit Leseförderern aus Hessen erstellt. Sobald neue Informationen vorliegen, werden die entsprechenden Abschnitte im Text bzw. die Verweise im Text und in der rechten Spalte ergänzt und aktualisiert.


Redaktionskontakt: schuster@dipf.de


Landesporträt erstellt am: 06.11.2007

Zuletzt aktualisiert am: 26.07.2016