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Lesen in Deutschland: Landesporträt Bayern

 

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Lesen in Deutschland

Förderung von Lesen als Schlüsselkompetenz für Bildungsteilhabe: Initiativen in den Ländern

Bayern: Leseförderung mit Gütesiegel.
Akteure, Projekte und Strukturen





Gütesiegel für vorbildliche Bibliotheken
Gütesiegel für vorbildliche Bibliotheken
© Leseforum Bayern
„Wer liest hat mehr vom Leben, kommt weiter in Schule, Studium und Beruf“ – diese Überzeugung gilt auch in Bayern, dessen Schülerinnen und Schüler nicht von ungefähr bei der Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU) und der internationalen Schulleistungsstudie der OECD (PISA) an der Spitze stehen und den internationalen Vergleich nicht scheuen müssen. Dieser Erfolg hat viele Ursachen. Günstige Rahmenbedingungen und eine von vielen Akteuren intensiv betriebene Sprach- und Leseförderung gehören sicherlich dazu.
Das folgende Porträt gibt einen Überblick über Kampagnen, Programme, Projekte, Initiativen, Aktionen und Akteure der Leseförderung im vorschulischen, schulischen und außerschulischen Bereich.

Lese-Start
Die Bildung und Erziehung von Kindern im Vorschulalter liegt in Bayern in der Verantwortung des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Soziales, Familie und Integration (StMAS), das dabei tatkräftig vom Staatsinstitut für Frühpädagogik (IFP) unterstützt wird. Der Bereich Sprache und Literacy erfreut sich in diesem Zusammenhang seit Längerem großer Aufmerksamkeit:

Die Leseförderung im Freistaat beginnt seit 2008 bereits im frühen Kindesalter. Als erstes Bundesland setzte Bayern flächendeckend die Aktion Lesestart der Stiftung Lesen um. Die Sprach- und Leseerziehung im Kindergarten wird seit 2005 durch den Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan (BayBEP) festgeschrieben, der „Sprache und Literacy“ als eigenständigen Förderbereich ausweist.

Zur Professionalisierung der pädagogischen Fachkräfte wurde im Zeitraum 2008 bis 2012 das Projekt Sprachberatung in Kindertageseinrichtungen durchgeführt, aus dem viele Materialien für das pädagogische Personal (z. B. Handbuch, Selbstevaluations- und Beobachtungsbögen) und die Eltern hervorgingen. An dem vom Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) geförderten Bundesprogramm Frühe Chancen – Schwerpunktkitas Sprache & Integration (2011-2015) und dem Nachfolgeprogramm Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist (2016-2019) nahmen und nehmen jeweils rund 600 Kitas aus Bayern teil; oft werden dort Sprachberaterinnen als Sprachförderkräfte oder als Fachberatung zum Thema Sprachbildung und Sprachförderung eingesetzt. Die sprachliche Bildung spielt zudem eine wichtige Rolle im Rahmen des aktuellen Modellversuchs Pädagogische Qualitätsbegleitung in Kindertageseinrichtungen (PQB) (2015-2018), der Kitas bei der Sicherung und Weiterentwicklung ihrer pädagogischen Prozessqualität unterstützt. Im Fokus des Beratungs- und Coachingprozesses steht die Interaktionsqualität in den Einrichtungen.

Gute Erfahrungen werden seit mehreren Jahren mit dem Angebot Vorkurs Deutsch 240 gemacht, der sich zunächst nur an Kinder mit Migrationshintergrund richtete, deren Deutschkenntnisse am Ende des vorletzten Kindergartenjahres noch unzureichend sind. Der Vorkurs Deutsch wurde mit Einführung des BayBEP zeitlich sukzessiv ausgebaut von 40 auf 160, sodann auf 240 Stunden. Seither ist er als Kooperationsaufgabe des Kindergartens mit der Grundschule konzipiert, die den Vorkurs jeweils zu gleichen Anteilen in den 1,5 Jahren vor der Einschulung der Kinder durchführen.

Seit Oktober 2013 wurde der Vorkurs auch für deutschsprachig aufwachsende Kinder geöffnet, sodass er nun allen Kindern mit besonderem Unterstützungsbedarf im Deutschen als Erst- oder Zweitsprache offensteht. Grundlage für die Einschätzung des Sprachstands sind die Ergebnisse einer Sprachstandserfassung mithilfe der standardisierten Beobachtungsbögen Seldak (Sprachentwicklung und Literacy bei deutschsprachig aufwachsenden Kindern) und Sismik (Sprachverhalten und Interesse an Sprache bei Migrantenkindern in Kindertageseinrichtungen), deren Einsatz landesrechtlich vorgeschrieben ist. Hilfreiche Informationen und Materialien zur Durchführung des Vorkurses bietet eine umfängliche Handreichung.

Die „Bayerischen Leitlinien für die Bildung und Erziehung von Kindern bis zum Ende der Grundschulzeit“, kurz Bayerische Bildungsleitlinien (BayBL), sind seit Oktober 2012 eingeführt und heben in Kap. 5 B die besondere Bedeutung der sprachlichen Bildung und somit auch des Schriftspracherwerbs hervor, der als zentrales Element durchgängiger Sprachbildung begriffen wird.

Lesekompetenz ..
In den bayerischen Schulen kommt der Förderung der Sprach- und Lesekompetenz seit jeher ein besonderer Stellenwert zu, zuletzt unterstrichen durch die Bekanntmachung des Bayerischen Staatsministeriums für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst (StMBW) Sprachliche Bildung: Pflege und Erhalt der deutschen Sprache als Aufgabe aller Schularten und aller Fächer (2014). Dieser Auftrag gilt auch für die seit 2011/12 am Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB) entwickelte neue Lehrplangeneration des LehrplanPLUS, die in Form eines innovativen Lehrplaninformationssystems (LIS) angeboten wird.

Zentral erstellte Vergleichsarbeiten im Fach Deutsch in der 2. („Orientierungsarbeiten“) und 3. (VERA-3) sowie 8. Jahrgangsstufe (VERA-8) dienen der Überprüfung des Lernstands der Schülerinnen und Schüler mit Blick auf die 2003/04 von der Kultusministerkonferenz (KMK) beschlossenen Bildungsstandards, so auch beim Umgang mit Texten. Ihre Ergebnisse bieten eine empirische Grundlage für die Verbesserung der Unterrichtsqualität und können als Ausgangspunkt für die individuelle Förderung genutzt werden. Gleiches gilt für die Ergebnisse der landesweiten Jahrgangsstufenarbeiten im Fach Deutsch in der 6. und 8. Jahrgangsstufe der Mittel- und Realschule sowie des Gymnasiums, die an den bayerischen Lehrplänen ausgerichtet sind und deshalb auch benotet werden.

Einen willkommenen Beitrag zur Förderung der Lese-, Schreib- und Sprachkompetenz leisten die einschlägigen Handreichungen des ISB sowie die digitalen Angebote des bayerischen Internetportals zur Förderung des Einsatzes von digitalen Medien im Unterricht mebis, die u. a. von den lernreich 2.0-Modellschulen der Stiftung Bildungspakt Bayern entwickelt wurden, bislang allerdings nur bayerischen Schulen zur Verfügung stehen.

... und Leselust
Regelmäßige Buchvorstellungen, Autorenlesungen, Lesenächte, freie Lesestunden, Leseclubs, Wahlkurse „Literatur“ oder Lesewochen vor den Sommerferien gehören vielerorts ebenso zum Standardrepertoire der schulischen Leseförderung wie die Teilnahme an den Zeitschriften- und Zeitungsprojekten des Verbands der Zeitschriftenverlage in Bayern (VZB), der Augsburger Allgemeinen, der Mittelbayerischen oder der Süddeutschen Zeitung sowie der FAZ und ZEIT. Die Angebote der Mediengruppe Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung sind hier ebenso zu nennen. Am Gymnasium Weilheim wird seit 1988 von einer Schülerjury der bundesweit bekannte Weilheimer Literaturpreis vergeben, in Landshut der Landshuter Jugendbuchpreis, bei dem der Jugendleseclub der Stadtbücherei die 15 besten Bücher des Jahres in der annotierten Auswahl „Auserlesen“ zusammenstellt.

Mehr lesen – mehr verstehen!“ lautet der Appell eines Unterrichtskonzepts für die Jahrgangsstufen 2 bis 7, das Leseförderung als Aufgabe aller Fächer versteht und zum extensiven Lesen auch von Sachbüchern auffordert. In die gleiche Richtung zielen die Aktion Bücher des Monats, bei der Schülerinnen und Schüler ihre Lieblingsbücher vorstellen, sowie die Internet-Portale Antolin und onilo, die sich auch im Freistaat großer Beliebtheit erfreuen und von einem bayerischen Rektor initiiert wurden. Desgleichen das neue Leseförderportal owlfinch, das nun auch das Modul „Lerne Deutsch“ für Asylsuchende und deren Kinder anbietet.

Attraktive Angebote mit Blick auf die Leseförderung und kulturelle Bildung bündeln die kommunalen Internet-Portale des Kultur- und Schulservice in Augsburg, Bamberg, Coburg und Nürnberg. In München erleichtert die Plattform Musenkuss den Überblick. Im Netzwerk Leseförderung der Landeshauptstadt haben sich mehr als 20 unterschiedliche Institutionen, Vereine und Organisationen zusammengeschlossen, die Kinder und Jugendliche zum Lesen und Schreiben anstiften möchten. Ob mit Lesungen oder Workshops, Besuchen bei Autoren oder eigenen Schreibprojekten: mit Freude die eigene Leselust zu entdecken, steht dabei immer im Vordergrund.

In allen bayerischen Regierungsbezirken sorgen Regionale Arbeitskreise für die Leseförderung und Schulbibliotheksarbeit im Volksschulbereich. In der Aktion Schule rund ums Buch, die auf jährlich neu erstellten Empfehlungslisten des Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverbands (BLLV) basiert, wird eine Wanderausstellung aktueller Kinder- und Jugendbücher auf eine Reise durch die Schulen geschickt.

Der Förderung der Lesemotivation dient nachhaltig und seit Langem der Vorlesewettbewerb des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels für die 6. Jahrgangsstufe, an dem sich in Bayern 2014/15 über 90.000 Schülerinnen und Schüler aus 1.276 Schulen beteiligten. Ähnlicher Beliebtheit erfreut sich die Aktion des Börsenvereins Ich schenk dir eine Geschichte, bei der alljährlich zum Welttag des Buches am 23. April Schülerinnen und Schüler der 4. und 5. Jahrgangsstufe Gutscheine für das Welttagsbuch erhalten, die dann in ausgewählten Buchhandlungen eingelöst werden können – idealiter im Klassenverband und begleitet von einem attraktiven Rahmenprogramm. 2014 haben sich über 150.000 Schülerinnen und Schüler und mehr als 6.000 Klassen an dieser Leseförderaktion beteiligt, die 2006 im Freistaat für den Bund entwickelt wurde.

Einen besonderen Höhepunkt des Lesejahres stellt seit 2010 das White Ravens Festival für Internationale Kinder- und Jugendliteratur der Internationalen Jugendbibliothek München (IJB) dar, das im Zweijahresrhythmus renommierte Kinder- und Jugendbuchautorinnen und -autoren aus Deutschland und der ganzen Welt nach München einlädt und auch auf Lesereisen in alle Regionen Bayerns schickt. Die Begegnung der Autorinnen und Autoren mit ihren Leserinnen und Lesern an den Schulen steht dabei im Mittelpunkt.

Fördern und integrieren
Für Kinder und Jugendliche mit Migrationsgeschichte steht in Bayern an allen Schularten ein breites und differenziertes Sprachförderangebot bereit, wie der Bildungsbericht Bayern 2015 dokumentiert: Deutschförderkurse, Deutschförder- und Übergangsklassen, Spezialprogramme für berufsschulpflichtige Asylbewerberinnen und Asylbewerber und Flüchtlinge, Berufsintegrationsklassen. Vielfältige Materialien des ISB unterstützen die Lehrkräfte auf diesem Feld. Wertvolle Erfahrungen stellen die Projekte Sprachbegleitung und InGym am Gymnasium sowie die SPRINT-Klassen an der Realschule bereit. Berufssprache Deutsch richtet sich an Jugendliche in Ausbildung und in Klassen der Berufsorientierung und Berufsvorbereitung. Die Handreichung Literaturunterricht in den Jahrgangsstufen 5-10 gibt Hinweise auch für den interkulturellen Literaturunterricht.

Lehrerfortbildung
Zentral für alle Landesteile bietet die Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung Dillingen (ALP) regelmäßig Seminare für alle Schularten zur Leseförderung und Schulbibliotheksarbeit an. Nach dem PISA-Schock wurden hier in mehreren Staffeln weit über 100 Multiplikatorinnen und Multiplikatoren ausgebildet. Die wichtigsten Inhalte dieses Programms sind im Akademiebericht Leselust dank Lesekompetenz – Leseerziehung als fächerübergreifende Aufgabe einsehbar.

In den Regionen machen laufend Fortbildungen und Lesetage der Bezirksregierungen und der Ministerialbeauftragten für die Realschulen und Gymnasien auf Neuerscheinungen und aktuelle Methoden des Umgangs mit Literatur und Sachtexten aufmerksam. Die Lesetage in Ober- und Mittelfranken wie auch in Oberbayern oder der Oberpfalz machen deutlich, dass hier ein durchaus facettenreiches Programm geboten wird. Der Schulbibliothek und ihren Möglichkeiten als multimedialer Lernort gilt dabei ein besonderes Interesse.

LESEFORUM BAYERN
Markenzeichen der Leseförderung und Schulbibliotheksarbeit in Bayern ist die enge Vernetzung von schulischen und außerschulischen Akteuren. Anlässlich der Fachtagung Lesen beflügelt wurde hierzu als Reaktion auf die ernüchternden Ergebnisse der ersten PISA-Studie im Schuljahr 2002/03 das LESEFORUM BAYERN ins Leben gerufen und durch die Einrichtung des Referats Leseförderung und Schulbibliotheken am ISB institutionalisiert. Seine Personalressource bildet ein schulartübergreifender Arbeitskreis, der derzeit aus 19 Regionalbeauftragten sowie 10 Gutachtern für Kinder- und Jugendliteratur besteht. Seit 2011 unterstützen drei einschlägig erfahrene Lehrkräfte als Schulbibliothekarische Fachberater die Schulen. Sie sind an zwei Wochentagen an der Landesfachstelle für das öffentliche Bibliothekswesen in München, Nürnberg und Würzburg erreichbar und stehen auch für Schulbesuche vor Ort zur Verfügung.

Als zentrale Kommunikationsplattform des LESEFORUMS dient das Internetportal www.leseforum.bayern.de, das vielfältige Anregungen und Materialien zur Leseförderung und Schulbibliotheksarbeit enthält, darunter den Gesamtkatalog mit über 8.000 Buchbesprechungen, die zweimal im Jahr aktualisierten Empfehlungslisten „Unsere Besten“ sowie Lesebegleithefte zu mehr als 70 Titeln der Kinder- und Jugendliteratur. Bei „Gute Praxis“ dokumentieren Schulen ihre je eigenen Wege der Leseförderung. Informationen für eine gelingende Schulbibliotheksarbeit und Hinweise zum Leseland Bayern runden das Angebot ab. Kommentierte Links erschließen die Welt der Leseförderung im Internet.

Da Leseförderung eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung darstellt und nur mit Partnern aus dem außerschulischen Raum gelingen kann, arbeitet das LESEFORUM mit zahlreichen Einrichtungen, Vereinen und Verbänden zusammen. Die Landesfachstelle für das öffentliche Bibliothekswesen an der Bayerischen Staatsbibliothek, der Landesverband Bayern des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels sowie der Sankt Michaelsbund stellen hierbei die tatkräftigte Kooperationspartner dar.

Sichtbares Zeichen für Auftrag und Anliegen des LESEFORUMS ist die jährliche Verleihung des Gütesiegels Lesespaß mit guten Büchern für Buchhandlungen, die sich in besonderer Weise der Leseförderung von Kindern und Jugendlichen annehmen. 2006 wurde erstmals das Gütesiegel Bibliotheken - Partner der Schulen vergeben, das öffentliche und wissenschaftliche Bibliotheken auszeichnet, die Schulen in vorbildlicher Weise bei der Leseförderung und Schulbibliotheksarbeit zur Seite stehen.

Basis für die enge Zusammenarbeit mit den bayerischen Öffentlichen und Wissenschaftlichen Bibliotheken ist eine 2012 unterzeichnete Kooperationsvereinbarung zwischen dem damals noch getrennten Kultus- und Wissenschaftsministerium und dem Bayerischen Bibliotheksverband. Ziel der Vereinbarung ist es, die gemeinsamen Anstrengungen zu verstärken, Kinder und Jugendliche bei der Vermittlung von Lese-, Medien- und Informationskompetenzen zu begleiten und ihre Lesemotivation zu fördern.

Von Anfang an stellte die Lehrerfortbildung ein zentrales Handlungsfeld des LESEFORUMS dar. Zahlreichen Fachtagungen im Münchner SiemensForum zu aktuellen Fragen der Leseförderung nach PISA folgten ab 2009 bislang vier landesweite Bayerische Schulbibliothekstage - mit zum Teil über 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine der größten schulischen Fortbildungsveranstaltungen im Freistaat! An der Fachtagung Die Schulbibliothek: neu gedacht, neu geplant in Augsburg nahmen Ende 2012 über 200 Lehrkräfte, Bibliothekarinnen und Bibliothekare teil.

Grundlage der Schulbibliotheksarbeit im Freistaat ist die Bekanntmachung des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus „Schulbibliotheksarbeit in Bayern“ (2003), die in enger Verbindung mit der Bekanntmachung „Medienbildung – Medienerziehung und informations-technische Bildung in der Schule“ entstand. Beide Dokumente sind nachzulesen im Anhang der ISB-Handreichung Praxisleitfaden Schulbibliothek (2004).

ProLesen – Leseförderung mit BiSS
Das bundesweite Projekt der Kultusministerkonferenz ProLesen. Auf dem Weg zur Leseschule (2008-2010) vertiefte den Blick auf die fächerübergreifende Dimension sowie die vielfältigen Erfordernisse einer nachhaltig wirkenden Förderung von Lesekompetenz. Unter der Federführung Bayerns wurden die jüngsten Ergebnisse der Leseforschung sowohl den über 150 Projektschulen als auch einer breiten (Schul-)Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Neben der Vermittlung grundlegender Lesefähigkeiten und von Strategien und Techniken zur Verbesserung des informationsentnehmenden und verstehenden Lesens in allen Fächern ging es dabei insbesondere auch um die Erhöhung der Lesemotivation der Schülerinnen und Schüler und um den Aufbau eines leseförderlichen Leser- und Lernerselbstkonzepts. Der sog. PISA-Risikogruppe, den Buben sowie Kindern und Jugendlichen mit Migrationsgeschichte und aus bildungsfernen Schichten, galt ein besonderes Interesse.

Seit Anfang 2014 ist Bayern mit 18 Verbünden mit insgesamt 94 Kitas und Schulen an der alle Bildungsetappen umfassenden Bund-Länder-Initiative Bildung durch Sprache und Schrift (BiSS) (Laufzeit: 2013-2019) beteiligt, einem bundesweiten Forschungs- und Entwicklungsprogramm zur Sprach- und Leseförderung. Als Landeskoordinatoren fungieren das Staatsinstitut für Frühpädagogik (IFP) und das Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB). Ziel des BiSS-Programms ist es herauszufinden, welche Methoden und Instrumente der Sprachförderung, Sprachdiagnostik und Leseförderung Erfolg versprechen, und wie sie optimal für eine durchgängige wirksame Sprach- und Leseförderung eingesetzt werden können - von der Kita bis zum Ende der Sekundarstufe I. Den BiSS-Auftakt Bayern sowie die BiSS-Verbünde des Elementarbereichs dokumentiert das BiSS-Portal des IFP.

Verlage - Buchhandlungen
Geschätzter Partner des LESEFORUMS ist der Landesverband Bayern im Börsenverein des Deutschen Buchhandels, der die bayerischen Verlage und Buchhandlungen vertritt und durch die Organisation des Geschwister-Scholl-Preises und des Bayerischen Buchpreises nachhaltige Akzente der Leseförderung setzt. Darüber hinaus zeichnet der Börsenverein als Veranstalter der Münchner Bücherschau im Herbst eines jeden Jahres verantwortlich, der größten Bücherschau Deutschlands, die seit einigen Jahren im Rahmen des Literaturfestes München stattfindet. Die Empfehlungsliste „Die 100 Besten“ stellt die besten Neuerscheinungen der Kinder- und Jugendliteratur vor und tourt nach dem Ende der Bücherschau durch Münchner Schulen, Kulturzentren, Kinder- und Jugendeinrichtungen. Gleichzeitig wird ein Schulklassenprogramm angeboten, auf Wunsch werden Aktionswochen konzipiert und umgesetzt. Seit 2007 findet zusätzlich zur großen Münchner Bücherschau die Münchner Bücherschau junior statt, die ausschließlich die neuesten Kinder- und Jugendmedien präsentiert, begleitet von einem attraktiven Kinderprogramm und Veranstaltungen für Lehrkräfte, Eltern, Erzieherinnen und Erzieher. Die Empfehlungsliste druckfrisch informiert über die wichtigsten Titel der Saison.

Bibliotheken im Aufbruch
Gemeinsames Merkmal der annähernd 2.000 öffentlichen Bibliotheken in Bayern ist die verstärkte Hinwendung zum Leser und ein wachsendes Selbstverständnis als Bildungspartner. Kindern und Jugendlichen gilt dabei ein besonderes Interesse. Bibliotheken, die sich in vorbildlicher Weise der jüngsten Leser annehmen, werden seit 2007 mit dem Bayernwerk-Kinderbibliothekspreis gewürdigt, der mit je 5.000 Euro dotiert ist und jährlich fünf Bibliotheken zugesprochen wird. Zusätzlich erhalten 50 Bibliotheken ein mit je 1.000 Euro dotiertes „Lesezeichen“, das ihre Verdienste im Bereich der Leseförderung unterstreicht. Die Förderung von Informationskompetenz hat sich die AG Informationskompetenz im Bibliotheksverbund Bayern (AGIK) zum Ziel gesetzt. Ihr Schulungsangebot richtet sich vor allem an die Schülerinnen und Schüler der Oberstufe des Gymnasiums und der Beruflichen Oberschule.

Während der Sommerferien findet in Bayern seit 2009 landesweit der Sommerferien-Leseclub für Schülerinnen und Schüler von der 5. bis 8. Jahrgangsstufe statt, 2014 wurde die Aktion auf die Grundschule ausgeweitet. „Lesen was geht“, lautet hier das Motto. Rund 150 öffentliche Bibliotheken in ganz Bayern machen bei dieser Aktion mit. Die teilnehmenden Bibliotheken präsentieren eigens für die Aktion angeschaffte Bücher, die während der Sommerferien von den Kindern und Jugendlichen gelesen werden können. Schon ab dem ersten gelesenen Buch nimmt man an einer Verlosung teil, wer mindestens 3 Bücher liest und bewertet, bekommt eine Urkunde. 2015 haben sich über 15.000 Kinder und Jugendliche am Sommerferien-Leseclub beteiligt und dabei mehr als 100.000 Bücher gelesen – ein neuer Rekord!

Seit 2013 nehmen zahlreiche bayerische Bibliotheken an dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Programm Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung teil, das sich durch eine Vielfalt außerschulischer Maßnahmen nicht zuletzt an Kinder und Jugendliche aus bildungsfernen Milieus richtet. Gleiches gilt für das Projekt Lesen macht stark: Lesen und digitale Medien des Deutschen Bibliotheksverbands e. V. (dbv) und der Stiftung Digitale Chancen im Rahmen von „Kultur macht stark“.

Alljährlich lenkt der Tag der Bibliotheken am 24. Oktober die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf das umfangreiche und vielfältige Angebot auch der bayerischen Bibliotheken, begleitet von einer Aktionswoche, bei der Bibliotheken aller Sparten und Größen ihre Veranstaltungen bündeln, um dadurch ihre Leistungen als unverzichtbare Kultur- und Bildungseinrichtungen zu unterstreichen. Seit 2014 geschieht dies im Rahmen der dbv-Kampagne Netzwerk Bibliothek. Das Programm stellt vor allem digitale Angebote und zeitgemäße Veranstaltungsformate in den Mittelpunkt und unterstreicht die Vernetzung mit anderen Kultur- und Bildungsinstitutionen. Bewährte Veranstaltungen wie Autorenlesungen, Vorlesestunden, Bibliotheksführungen oder Bibliotheksnächte sind dabei nach wie vor willkommen und werden von vielen Bibliotheken auch während des ganzen Jahres angeboten. Kinder und Jugendliche sind hier gern gesehene Gäste.

Literaturstadt München
In der Literaturstadt München können sich Kinder und Jugendliche eines besonders reichen Angebots erfreuen. Die größte kommunale Stadtbibliothek der Bundesrepublik unterhält über 20 Zweigstellen und kümmert sich intensiv um die Leserinnen und Leser von morgen. Zusätzlich zu den bereits genannten Bücherschauen finden in der Landeshauptstadt jährlich das Münchner Krimifestival, das Münchner Comicfestival sowie das Literaturfest Wortspiele - Internationales Festival junger Literatur statt.

Zentraler Ort der Literaturvermittlung ist das Literaturhaus München. Das Literaturhaus Lab veranstaltet Schreibwerkstätten für Kinder und Jugendliche und führt sie mit professionellen Autorinnen und Autoren zusammen. Ein Jour fixe mit Lehrkräften bereitet diese auf die Ausstellungen des Hauses vor. Zur Vor- und Nachbereitung werden geeignete Unterrichtsmaterialien bereitgestellt. Wer sich für Lyrik interessiert, ist bei der Stiftung Lyrik Kabinett an der rechten Stelle, die für Schulklassen handlungsorientierte Workshops anbietet. In der Internationalen Jugendbibliothek (IJB) erwartet Kinder, Jugendliche und Schulklassen ein breit gefächertes, vor allem künstlerisch inspiriertes Programm. Auf diese Weise werden im Jahr rund 5.000 Schul- und Kindergartenkinder in das Bücherschloss im Münchner Westen gelockt. Bei diesem Umfeld wundert es nicht, dass auch der Arbeitskreis für Jugendliteratur e. V. (AKJ), der seit 1956 den Deutschen Jugendliteraturpreis vergibt, gerade in München seinen Sitz hat.

Ehrenamtliche Leseförderung
Dass Leseförderung eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe darstellt, beweist Kultur- und Spielraum e. V., eine Gruppe von Sozial- und Kulturpädagoginnen und -pädagogen, Künstlerinnen und Künstlern sowie Lehrerinnen und Lehrern, die seit über 30 Jahren in München Kulturprojekte für Kinder und Jugendliche realisieren und damit über 40.000 Teilnehmer/-innen pro Jahr erreichen. Projekte wie MINI-München oder der Münchner Kinder-Kultur-Sommer (KIKS), haben Modellcharakter und dienen als Vorbild für ähnliche Aktionen in anderen deutschen Städten.

Vorbildlich und bereits mehrfach ausgezeichnet ist die Arbeit des ebenfalls in München ansässigen Vereins Lesefüchse. Seinen mehr als 200 ehrenamtlichen Vorleserinnen und Vorlesern liegt vor allem die Sprach- und Literaturförderung von Kindern aus Migranten- und sozial schwachen Familien am Herzen.

In den Regionen
Das umfangreiche Angebot der Büchermetropole München sollte nicht den Blick darauf verstellen, dass auch in anderen Städten im Leseland Bayern die Pflege des literarischen Lebens und die Leseförderung von Kindern und Jugendlichen eine wichtige Rolle spielen. Leuchttürme hierfür stellen das Literaturarchiv Sulzbach-Rosenberg und die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur e. V. Volkach dar, wo auch die Märchen-Stiftung Walter Kahn beheimatet ist. Mit dem Literaturhaus Nürnberg oder der Villa Concordia Bamberg seien weitere wichtige Institutionen genannt.

Beliebte Ziele literarischer Exkursionen von Schulklassen sind die Gedenkstätten zu Jean Paul in Bayreuth, E.T.A. Hoffmann in Bamberg, Bertolt Brecht in Augsburg, Ödön von Horváth in Murnau oder zu Marie-Luise Fleißer in Ingolstadt. Mittelalter-Interessierte kommen im Museum Wolfram von Eschenbach in Franken auf ihre Kosten. Im unterfränkischen Oberschwarzach lädt die Erich-Kästner-Bibliothek zum Besuch ein.

Höhepunkte des literarischen Lebens bilden das Erlanger Poetenfest, der Internationale Comicsalon Erlangen, die Weidener Literaturtage, die Landshuter Literaturtage oder das Brechtfestival in Augsburg. Seit 2006 gibt es das Leselust-Festival in Bayreuth. 2007 veranstaltete der Bezirk Oberfranken erstmalig die Veranstaltungsreihe WortSpiele. Literatur in Oberfranken, die zahlreiche Schulen ebenso zur Teilnahme motivierte wie die beiden Schreib- und Lesefestivals von Infantastica in Feucht (2005) und Neuburg an der Donau (2007). Seit 1980 veranstaltet der Bezirk Oberbayern das Kulturfestival Oberbayern: ZAMMA. Im April 2016 ging die LesART im unterfränkischen Karlstadt in die neunte Runde.

Einen attraktiven Überblick über das Literaturland Bayern bietet das neue Literaturportal Bayern, das auf neun verschiedenen Wegen die literarische Topographie des Freistaats nachzeichnet und über vielfältige Aspekte des literarischen Lebens in Vergangenheit und Gegenwart informiert. Ebenso informativ, jedoch weiter gefasst, präsentiert sich das Kulturportal Bayern, das u. a. rund 4.000 Steckbriefe von Kulturanbietern im Freistaat enthält.

Organisatoren und Vermittler
Von hoher Bedeutung für die Vermittlung und Bezuschussung von Autorenlesungen in Schulen und anderen Kulturinstitutionen sind seit Längerem Bayern liest e. V., der Landesverband Bayern des Friedrich-Bödecker-Kreises e. V. sowie die Kester-Haeusler-Stiftung, die bei ihrem Engagement vom Bayerischen Bildungsministerium unterstützt werden, dem die Literaturförderung im Freistaat obliegt.

Der Koordination und kulturellen Zusammenarbeit von derzeit 49 bayerischen Gemeinden dient der Verein STADTKULTUR. Netzwerk bayerischer Städte, der 2004 das erste landesweite Literaturfestival organisierte: „Die Literaturlandschaften Bayerns“. 2006 folgte das Festival „Wo befreundete Wege zusammenlaufen“, das ein eigenes Kinder- und Jugendprogramm bot und auch Schulen miteinbezog. Mit LITERATUR UPDATE BAYERN veranstaltete STADTKULTUR 2010 ein Literaturfestival ganz neuer Art. Sechs Wochen lang war der Fokus auf das Schaffen junger Schriftstellerinnen und Schriftsteller und auf neue Wege der Literaturvermittlung gerichtet. Auf dem Programm standen Poetry Slams und Literaturperformances verschiedenster Art, Onlineprojekte, Handy-Lyrik, Wortkunst und ein Literaturfilmwochenende. Im gleichen Jahr wurde die Literaturstiftung Bayern ins Leben gerufen, die sich seither vor allem der Förderung des literarischen Nachwuchses widmete.

Zu den wichtigsten Unterstützern des literarischen Lebens in Bayern gehört sicherlich der Bayerische Rundfunk, der durch seine Radiolesungen, Hörspiele, Features und Literaturmagazine wie Capriccio oder das Büchermagazin Diwan nachhaltige Impulse der Leseförderung setzt. Im Internet-Portal BR-Kinderinsel erhalten schon die Jüngsten wertvolle Medientipps und Spielanregungen. Beim BR angesiedelt ist die Stiftung Zuhören, die in enger Zusammenarbeit mit Schulen einen höchst innovativen Beitrag zur Leseförderung leistet.

Autor:
Hermann Ruch
Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB)
Grundsatzabteilung, Ref. Pädagogische Grundsatzfragen
Leseförderung und Schulbibliotheken
Tel.: (089) 2170-2237
E-Mail: hermann.ruch@isb.bayern.de


Hinweis:
Das Landesporträt wurde im März 2016 erstellt. Sobald neue Informationen vorliegen, werden die entsprechenden Abschnitte im Text bzw. die Verweise im Text und in der rechten Spalte ergänzt und aktualisiert.


Redaktionskontakt: schuster@dipf.de


Landesporträt erstellt am: 22.03.2016

Zuletzt aktualisiert am: 07.04.2016