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Lesen in Deutschland: Landesporträt Brandenburg

 

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Lesen in Deutschland

Förderung von Lesen als Schlüsselkompetenz für Bildungsteilhabe: Initiativen in den Ländern

Brandenburg: Schlüsselkompetenz Lesen.
Projekte und Initiativen in Brandenburg




In der Kinder- und Jugendbibliothek Potsdam
In der Kinder- und Jugendbibliothek Potsdam
Foto: Ronald Gohr
Wie Lesen macht keinen Spaß?? Im Land Brandenburg wird viel unternommen, um bei Kindern und Jugendlichen die Lust am Lesen zu wecken. Zur Förderung des Lesens hat das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg im Jahr 2002 als erstes Ministerium eines Bundeslandes eine Vereinbarung mit dem Deutschen Bibliotheksverband e.V., Landesverband Brandenburg, abgeschlossen, in der sich beide Partner zur Zusammenarbeit verpflichten. Und auch in den Rahmenlehrplänen für die Grundschule ist die Leseförderung als Schwerpunktaufgabe fest verankert.

„Bildung durch Sprache und Schrift“ (BiSS)
Brandenburg beteiligt sich mit vier Verbünden an dem bundesweiten Forschungs- und Entwicklungsprogramm „Bildung durch Sprache und Schrift“ (BiSS). Ausgewählte Verbundkitas und Verbundschulen bearbeiten in Kooperation mit regionalen Bildungs- und Forschungseinrichtungen die BiSS-Module „Gezielte alltagsintegrierte Sprachbildung“ und „Unterstützung der Sprachentwicklung für Kinder unter 3 Jahren“ im Elementarbereich, „Diagnose und Förderung des Leseverständnisses“ im Primarbereich und „Sprachliche Bildung in fachlichen Kontexten“ in der Sekundarstufe. Ziel des BiSS-Programms ist es, herauszufinden, welche Methoden und Instrumente der Sprachförderung, Sprachdiagnostik und Leseförderung unter welchen Bedingungen funktionieren und wie sie optimal für eine durchgängige wirksame Sprach- und Leseförderung vom Beginn institutioneller Betreuung bis zum Ende der Sekundarstufe I eingesetzt werden können.

Bibliotheken als Kooperationspartner für Kindergärten und Schulen
Die Kooperationspartner Bildungsministerium und Öffentliche Bibliotheken verbindet das gleiche Anliegen: Sie wollen die Lesekultur in ihrem Land fördern und pflegen. Ziel ist es, Schülerinnen und Schüler frühzeitig und nachhaltig für das Lesen zu gewinnen. Schon Vorschulkinder sollen für das Lesen begeistert werden. Zu diesem Zweck arbeiten Öffentliche Bibliotheken, Schulen und Kindergärten eng zusammen. Das Ministerium verpflichtet alle allgemein bildenden Schulen im Rahmen des Unterrichts zu einem Besuch einer Öffentlichen Bibliothek. Die Bibliotheken bieten Klassen- und Gruppenführungen, Unterricht in der Bibliothek, Autorenlesungen, Leseaktionen, Elternberatungen, Einführungen in den Umgang mit neuen Medien und Lehrerfortbildungen. Mobile Bibliotheksbusse unterstützen die außerunterrichtliche Kooperation zwischen Schule und Bibliothek in ländlichen Regionen. Darüber hinaus wird im Rahmen des Ausbaus von Ganztagsschulangeboten der Aufbau von Schulbibliotheken gefördert, die mit Öffentlichen Bibliotheken zusammenarbeiten.

Vorlesen ist in
Ehrenamtliche Initiativen wie der Friedriche-Bödecker-Kreis im Land Brandenburg e.V. und das Brandenburgische Literaturbüro kooperieren intensiv mit den Öffentlichen Bibliotheken. So organisiert der Friedrich-Bödecker-Kreis die jährlichen Lesereihen „Bücherfrühling“, „Bücherferien – Ferienbücher“, „Herbstzeitvertreib: Lesen“ und „Weihnachtslesungen“ in Bibliotheken sowie Autoren- und Illustratorenbegegnungen an Schulen und Kindergärten. In Eisenhüttenstadt führt die Lese-Welt im Rahmen der Aktion „Deutschland liest vor“ in der Stadtbibliothek in die Welt der Bücher ein. Die Vorleseinitiative „Lesezauber“ der Bürgerstiftung Barnim-Uckermark und die „Basdorfer Vorlesestunde“ begeistern Kinder in den ortsansässigen Bibliotheken für das Lesen und ermuntern Erwachsene, sich als ehrenamtliche Vorleser/innen zu engagieren. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Brandenburgischen Literaturbüros planen über 50 Lesungen jährlich in Zusammenarbeit mit Bibliotheken, Theatern, Verlagen, Buchhandlungen, Galerien und Museen.

Sprachliche Bildung und Sprachförderung in der Kindertagesbetreuung
Sprachlicher Bildung und Sprachförderung in der Kindertagesbetreuung wird in Brandenburg hohe Bedeutung zugemessen. Seit 2006 werden Kinder mit Sprachauffälligkeiten im Rahmen des „Landesprogramms kompensatorische Sprachförderung vor der Einschulung“ gezielt unterstützt. Mit dem „Landesprogramm Sprachberatung“ fördert das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (MBJS) seit 2012 die direkte Unterstützung und Beratung der Fachkräfte in ihren Einrichtungen. Fachmaterialien zur sprachlichen Anregung und zum Sprachvorbild, wie die beiden Filme „Wie Kinder zur Sprache kommen“ und „Wie Kinder zur Schrift kommen“ oder der „Kompass zur sprachlichen Anregung und Förderung zwei- und dreijähriger Kinder“, werden allen Kindertageseinrichtungen zur Verfügung gestellt.

Leseerziehung als Querschnittsaufgabe der Schule
Mit der Verankerung der Leseförderung als Schwerpunktaufgabe in den Rahmenlehrplänen für die Grundschule wird Lesekompetenz als Schlüsselkompetenz hervorgehoben. Sie steht im Mittelpunkt des Deutschunterrichtes, wird aber als fächerübergreifende Aufgabe verstanden. Die Entwicklung von Leseinteressen, die Ausbildung von Lesestrategien, die Gestaltung von Lese- und Schreibprozessen sowie die Dokumentation der Lernentwicklung mit Selbsteinschätzung spielen eine elementare Rolle. Bereits 60 Prozent der Brandenburger Schulen haben die Leseförderung als Schwerpunktaufgabe in das schulinterne Curriculum aufgenommen. Im Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg (LISUM) wurde ein Lesecurriculum erarbeitet, das Angebote für ein Konzept zur systematischen Entwicklung von Lesekompetenz enthält. Weiterhin hat das LISUM Lektüreempfehlungen für die Jahrgangsstufen 3 und 8 und Aufgabenbeispiele für den Leseunterricht in der Grundschule herausgegeben und die Materialsammlung „Leseförderung an der Grundschule“ an alle Schulen verteilt. Außerdem wurden 16 Beraterinnen und Berater für die Leseförderung qualifiziert, die seit drei Jahren als regionale Multiplikatorinnen und Multiplikatoren an den Schulen tätig sind. Gemeinsam mit dem Landesverband deutscher Schriftsteller und dem Friedrich-Bödecker-Kreis organisiert das LISUM einmal im Jahr Fortbildungen für Lehrerinnen und Lehrer wie die „Lesetagung“ und die „Literarische Spurensuche“.

Sprachförderung von Grundschulkindern mit Migrationshintergrund
Um die Sprachfähigkeit und -fertigkeit von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Brandenburg zu fördern und damit ihre Chancengleichheit zu wahren, nimmt das Land mit dem Projekt „Förderung und Evaluation von Mehrsprachigkeit und Literalität an Brandenburger Grundschulen“ am Programm „FÖRMIG - Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund“ der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung (BLK) teil. Die Themenschwerpunkte „Sprachförderung auf der Basis individueller Sprachstandsfeststellung“ und „Durchgängige Sprachförderung“ stehen im Vordergrund. Zentral sind dabei die Entwicklung, Implementierung und Evaluation von Lernangeboten, die auf eine institutionenübergreifende Sprachförderung von Grundschulkindern mit Migrationshintergrund zielen. Zur Integration von Migrantinnen und Migranten in Oranienburg trägt auch das Projekt des Friedrich-Bödecker-Kreises „Bilder-Bücher & Sprach-Spiele für alle“ bei, bei dem Illustratoren und Illustratorinnen Hand in Hand mit den Lehrkräften arbeiten.

Schreibprojekte und Wettbewerbe fördern den Spaß am Lesen
Wer den letzten Schliff für seine ersten professionellen Schreibversuche sucht, findet in vielen Projekten und Wettbewerben in Brandenburg kompetente Beratung und eine angemessene Herausforderung. Der Jugendpresseverband des Landes Brandenburg e.V. bringt medieninteressierten Schülerinnen und Schülern in ihrer Freizeit mittels Seminaren, Bildungsfahrten und Begegnungen die verschiedenen journalistischen Grundformen näher und leistet Hilfestellung bei der eigenen journalistischen Tätigkeit in einer Schülerzeitung, der Video-AG oder beim Betreiben eines Schulradios. Das Nachwuchs-Literatur-Zentrum „Ich schreibe!“, eine Initiative der Autorengruppe Wolfgang Wache/Andrea Beutel/Jana Arlt, unterstützt mit vielfältigen Aktionen die Entwicklung der Schreib- und Lesekompetenzen von Kindern und Jugendlichen. Dazu gehören der bundesweite Literaturwettbewerb „Ich schreibe!“, die Sommer-Schreibcamps und die „Litte-Ratte-Tour“ - Lesungen und Schreibwerkstätten für Grundschüler.
Der Schreibwettbewerb „Storytausch“ für junge Potsdamer wurde von der Kinder- und Jugendbibliothek der Stadt- und Landesbibliothek Potsdam als ein kreativer Schreibwettstreit zwischen Schülerinnen und Schülern der 7. und 13. Klasse aus Potsdam und drei bekannten Jugendbuchautoren aus dem Land Brandenburg und Berlin 2005 und 2007 ausgeschrieben. Seit 2003 ruft die Redaktion OHRENBÄR von radioBERLIN 88,8 alle zwei Jahre den großen OHRENBÄR-Schreibwettbewerb aus. Immer im Herbst sind alle 3. Klassen in Berlin und Brandenburg dazu eingeladen, Geschichten für die Sendung OHRENBÄR zu schreiben. Die Radiosendung gibt jeden Abend um 19.20 Uhr phantastische, lustige und skurrile oder ganz alltägliche Geschichten für Kinder von vier bis acht Jahren zum Besten.

Höhepunkte des literarischen Lebens
Aufregende Höhepunkte des literarischen Lebens in Brandenburg sind das jährlich im September stattfindende „internationale literaturfestival berlin“ sowie die „Berlin- Brandenburgischen Märchentage“ im November. Eine Reise wert sind auch der Hörspielbahnhof im ehemaligen „Kaiserbahnhof“ Joachimsthal und die Bücherstadt Wünsdorf. Am 4. August 2006 wurde die denkmalgerecht sanierte Bahnstation als Hörspielbahnhof Joachimsthal eröffnet. In den Sommermonaten finden dort spannende Lesungen und Kinderhörspiele statt und in der Bücherstadt Wünsdorf gibt es riesige Antiquare, die in vier großen Häusern rund 300 000 antiquarische Bücher anbieten. Historische Karten und Dokumente, Schallplatten und andere Tonträger, Lesungen und Buchdiskussionen, Musiksommerkonzerte und Volksfeste rund ums Buch locken viele Besucher an. Der Landkreis Barnim vergibt im Rahmen des Tages der Kinder- und Jugendliteratur im jährlichen Wechsel den Manuskriptpreis „Eberhard“ und den Nachwuchsautorenpreis „Bernadette“. „Eberhard“ wird seit 1992 zur Förderung der Lesefreudigkeit von Kindern und Jugendlichen verliehen, am Literaturwettbewerb um „Bernadette“ können sich Schülerinnen und Schüler des Landkreises Barnim beteiligen.

Wer sich gemütlich von zu Hause über das literarische Leben in Brandenburg informieren möchte, kann dies mit dem Literaturportal von Berlin-Brandenburg tun. Das Literaturportal wird gemeinsam vom Literarischen Colloquium Berlin (LCB) und vom Brandenburgischen Literaturbüro betrieben. Es bietet eine virtuelle Plattform für deutsche Literatur, insbesondere über die Region Berlin-Brandenburg. Ein auf Orte bezogenes Autorenlexikon sowie Textauszüge aus literarischen Werken gehören ebenso zum Angebot wie aktuelle Informationen zu Veranstaltungen, Wegweiser zu literarischen Gedenkstätten und eine Übersicht zu Literaturpreisen und Stipendien für Autoren. Darüber hinaus gibt es einen Hör- und Downloading-Service mit Hörproben aus Neuerscheinungen.

Autorin: Petra Schraml

Das Landesporträt wurde im August 2007 in enger Zusammenarbeit mit Leseförderern aus Brandenburg erstellt. Sobald neue Informationen vorliegen, werden die entsprechenden Abschnitte im Text bzw. die Verweise im Text und in der rechten Spalte ergänzt und aktualisiert.

Redaktionskontakt: schuster@dipf.de


Landesporträt erstellt am: 23.08.2007

Zuletzt aktualisiert am: 27.07.2015