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Bildung + Innovation Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Erschienen am 04.12.2017:

Integration durch Bildung

Die Flüchtlingsinitiative des Stifterverbandes

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Bildrechte: Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft

Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft möchte mit seinem Programm „Integration durch Bildung“ dazu beitragen, Flüchtlingen eine Teilhabe an der Gesellschaft in Deutschland zu geben. Schwerpunkte des Programms sind die individuelle Förderung und der Aufbau von Strukturen, die eine Integration in das Bildungssystem ermöglichen.


Die Integration von Flüchtlingen in die Gesellschaft und in den Arbeitsmarkt ist eine der großen Herausforderungen der nächsten Jahre. Da viele Flüchtlinge jünger als 25 Jahre sind, spielt ihre (Aus-)Bildung dabei eine besonders große Rolle. Mit dem Programm „Integration durch Bildung“ möchte der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft dazu beitragen, Flüchtlingen eine Zukunft in Deutschland zu ermöglichen. Gemeinsam mit Partnern aus Wirtschaft, Bildung, Politik und Zivilgesellschaft verfolgt er mit den fünf Aktionslinien Spracherwerb, VorbilderAkademien, Hochschulzugang, Qualifizierung und Arbeitsmarktunterstützung die individuelle Förderung der Beteiligten und den Aufbau von Strukturen, die dauerhaft die bestmögliche Integration in das deutsche Bildungssystem sicherstellen.

Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft

Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, 1920 gegründet, ist eine Gemeinschaftsinitiative von Unternehmen und Stiftungen mit Hauptsitz in Essen, der sich überwiegend aus den Spenden seiner rund 3.000 Mitglieder finanziert. Er berät, vernetzt und fördert in den drei Kernbereichen Bildung, Wissenschaft und Innovation und versucht, strukturelle Probleme im Wissenschafts- und Hochschulbereich möglichst früh zu erkennen und zu beheben. Er unterstützt eine chancengerechte Bildung, exzellente Hochschulen und international wettbewerbsfähige Forschungseinrichtungen. Darüber hinaus ist der Stifterverband mit dem Deutschen Stiftungszentrum Treuhänder für rund 650 zumeist wissenschaftsfördernde Stiftungen.

Spracherwerb und VorbilderAkademien
Die individuelle Förderung von Flüchtlingen durch Spracherwerb ist eines der wesentlichen Ziele des Stifterverbandes, denn Spracherwerb ist die Voraussetzung für gesellschaftliche, kulturelle und politische Teilhabe. Um Lehramtsstudierende für die Sprachvermittlung an Schulen zu qualifizieren, werden seit Mitte 2017 für zwei Jahre unterschiedliche Hochschulkonzepte an zehn Hochschulen mit jeweils bis zu 60.000 Euro gefördert.
Unsicherheiten hinsichtlich der eigenen Stärken und Interessen sowie eine eingeschränkte Vorstellung von der deutschen Arbeitswelt führen häufig zu einer Orientierungslosigkeit von Flüchtlingen auf dem Arbeitsmarkt. Der Stifterverband ermöglicht jungen Migranten im Alter von 15 bis 17 Jahren deshalb den Besuch einer sog. „VorbilderAkademie“, in der sie Berufe und Studiengänge kennenlernen und für sich herausfinden können, wie es nach Haupt- und Realschule oder Gymnasium weitergehen kann. Das Talentförderwerk Bildung & Begabung veranstaltet insgesamt drei achttägige Akademien, die in den Schulferien stattfinden und für die Jugendlichen kostenfrei sind. Dabei werden die jungen Menschen auch in ihrer Motivation und Leistungsbereitschaft gefördert. Außerdem hat der Verband den Förderfonds „Integration durch Unterstützung beim Übergang in den Arbeitsmarkt“ eingerichtet, durch den Projekte und Initiativen gefördert werden, die Flüchtlingen und Personen mit Migrationshintergrund Informationen über konkrete Berufsbilder, (Aus-)Bildungswege, Berufsfelder und Berufsvorbereitung geben und sie beim erfolgreichen Einstieg in den Arbeitsmarkt begleiten.

Studium an der Kiron Open Higher Education
Um jungen Menschen mit Fluchthintergrund die schnelle Aufnahme eines Studiums zu ermöglichen, kooperiert der Verband mit der Kiron Open Higher Education gGmbH, die in Zusammenarbeit mit deutschen Hochschulen Geflüchteten einen unbürokratischen Zugang zu Hochschulbildung gewährt. Die Bildungsplattform bietet Studiengänge in Wirtschaftswissenschaften, Informatik, Maschinenbau, Politikwissenschaften und Sozialer Arbeit an, die in den ersten beiden Studienjahren online absolviert werden. Die Kurse werden von renommierten Hochschulen wie der RWTH Aachen, Harvard, Stanford oder dem MIT gehalten und beinhalten Online-Sprachkurse, psychosoziale Betreuung und Mentoring- oder Buddy-Programme. Anschließend können sich die Studierenden an einer Partnerhochschule bewerben, die ihnen nach Einstieg in die Präsenzphase bis zu 60 Credit Points anerkennt. Die Kiron University startete zum Wintersemester 2015/16 mit knapp 1.000 Studierenden und hat heute bereits 2.700 Studierende und etwa 50 Partnerhochschulen. Rund 3.000 Euro decken die Kosten für einen Studienplatz, zusätzliche 500 Euro ermöglichen Studierenden auch die Teilnahme an Sprachkursen. Der Stifterverband gründete den Förderfonds „Digital Education for Refugees“, mit dem er möglichst vielen Flüchtlingen die Teilnahme an den Online-Kursen ermöglicht.

Der „Offene Integrationsfonds“

Doch oft sind auch schnelle und flexible Maßnahmen und Initiativen gefragt, mit denen auf aktuelle und sich ständig verändernde Bedarfslagen und Herausforderungen reagiert werden kann. Dafür gibt es im Rahmen des Programms „Integration durch Bildung“ den „Offenen Integrationsfonds“. Dieser ermöglicht eine rasche Förderung von Ideen, die an den Verband herangetragen werden. Zurzeit werden mit den Geldern insbesondere verfolgte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler finanziert, ein Beispiel ist etwa die Philipp Schwartz-Initiative der Alexander von Humboldt-Stiftung, die Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Deutschland die Möglichkeit gibt, gefährdete Wissenschaftler aus allen Fachgebieten und Herkunftsländern im Rahmen eines Vollstipendiums für 24 Monate aufzunehmen. Oder der Verein für die Integration hochqualifizierter Zuwanderinnen und Zuwanderer (INTEZ), den Angehörige der Universität Duisburg-Essen und der Folkwang Universität der Künste 2016 in privater Initiative gegründet haben und der Studierende im Ruhrgebiet mit Stipendien unterstützt. Aber auch Gründungen in die Selbstständigkeit werden finanziert. So zum Beispiel die „Start-up-Initiative für Flüchtlinge“, die Flüchtlingen mit unternehmerischem Potenzial dabei hilft, eine eigene Existenz zu gründen.

Aus dem „Offenen Integrationsfonds“ fördert der Stifterverband auch den Deutschen Integrationspreis der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung. Der bundesweite Wettbewerb sucht regelmäßig überzeugende und innovative Integrationsprojekte, die Lösungsansätze für ein gesellschaftlich relevantes Thema entwickeln, und bringt diese mit einer Online-Community zusammen, die dazu bereit ist, solche Initiativen in Form von Crowdfunding finanziell zu unterstützen. Der Stifterverband stockt das Geld, das bei dem Wettbewerb zusammenkommt, für 25 Projekte, die in der Funding-Phase die meisten Unterstützer erreichen, mit bis zu 15.000 Euro auf und hilft ihnen bei der Umsetzung. Alle Projekte, die dieses Ziel erreichen, sind Anwärter auf den Deutschen Integrationspreis, der von einer Jury sechs Monate später vergeben wird.





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Autor(in): Petra Schraml
Kontakt zur Redaktion
Datum: 04.12.2017
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