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Vergleichende Evaluation des „Mother-Child Education Programs“

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Interviews mit 100 Müttern über die Auswirkungen des Projekts

28.09.2011

Plakat der Vorlesekampagne
Plakat der Vorlesekampagne
Korrespondierend zum „Mother-Child Education Program“ (MOCEP) der ACEV-Stiftung, das seine Anwendung mittlerweile in fünf Ländern gefunden hat (Türkei, Bahrain, Schweiz, Saudi Arabien, Belgien), führten Sevda Bekman und Aylin Atmaca Koçak unterstützt von der ACEV-Stiftung im Jahr 2009 eine vergleichende Evaluation durch. 100 Mütter, die zuvor an MOCEP teilgenommen hatten, wurden in teilstrukturierten persönlichen Interviews über ihre Einschätzungen zur Qualität des Projekts, zu dessen Auswirkungen und über die Erfahrungen befragt, die sie während des Projekts und im Anschluss daran gemacht hatten.
Förderung kognitiver und sozialer Kompetenzen bei Müttern und Kindern
Der Grundgedanke des Projekts ist, dass die ökonomische, ökologische und soziale Umwelt weitreichende Auswirkungen auf die Entwicklung eines Kindes hat und ausschlaggebend dafür ist, ob ein Kind gefördert wird oder nicht. Das Projekt richtet sich daher an Familien aus bildungspolitisch benachteiligten Regionen. Ziel ist es, diese Benachteiligung auszugleichen und die kognitiven sowie die sozialen Kompetenzen der Mütter und ihrer Kinder zu fördern. Um dieses Ziel zu erreichen, wird versucht, die Familien in ihrem Zusammenleben zu unterstützen. Laut den Initiatoren resultiert das Bildungsdefizit primär aus familiären Gegebenheiten, es wird davon ausgegangen, dass Familien trotz Armut das Interesse an Bildung bei ihren Kindern wecken können. Die Mütter werden im Rahmen des Projekts dazu ermuntert, ihren Kindern das Interesse am Lernen und an Bildung zu vermitteln, die Kinder sollen so unter anderem an Lesestoff herangeführt werden und auf ihre Alltagssprache achten. So wird Bildung für die Kinder im Alltag möglich, trotz der beschränkten Bildungsmöglichkeiten in der Region. Um diese Ziele zu erreichen, werden Mütter darin geschult, ihren Kindern kognitive und soziale Kompetenzen zu vermitteln und die emotionale Bindung zu stärken. Damit geht das Projekt von einem ganzheitlichen Ansatz aus. Gesundheit, Bildung und emotionale Situation werden gleichsam betrachtet.

Ergebnisse der Evaluation
In der Analyse der Interviews zeigten sich länderunabhängig sowohl direkte positive Auswirkungen auf das Verhalten der Mütter als auch im Verhalten der Kinder. Den Müttern waren vor allem die Umsetzung des Gelernten in den Alltag sowie die Zusammenarbeit und der Austausch mit den anderen Müttern wichtig.

Diese Veränderungen im Verhalten innerhalb der Familien, sei es in der Kommunikation oder in den Verhaltensmustern, führten ebenso zu einem veränderten Umgang mit den Kindern, die davon sehr stark profitierten. Manche Teilnehmerinnen konnten berichten, zu Hause jetzt eine Lernatmosphäre für die Kinder geschaffen zu haben und dass sich ihr Bewusstsein für Bücher und pädagogisch wertvolles Spielzeug deutlich gesteigert habe. Außerdem konnte ein verändertes Verhalten der Frauen gegenüber ihren Lebenspartnern festgestellt werden, welches reziprok auch zu einer Verhaltensänderung der Männer führte. Selbst einige der sonst eher leseunwilligen Väter waren für das Projekt bereit, sich geduldig gemeinsam mit den Kindern mit Büchern zu beschäftigen. Der ganzheitliche Ansatz von Projekten, der davon ausgeht, dass sich Effekte bei einem Familienmitglied auf die gesamte Familie auswirken, wurde dadurch bekräftigt.

Table 13: Changes in the Child
Quelle: Bakman, Sevda/ Koçak, Aylin Atmaca (2010): Mothers Reporting: The Mother-Child Education Program in Five Countries, Istanbul: ACEV Publications, S. 60

Neben der Verbesserung der innerfamiliären Lern- und Lebensatmosphäre spielte selbstverständlich auch die effektive Verbesserung der Lern- und Lesefähigkeiten der Kinder eine entscheidende Rolle. In rückblickender Betrachtung konstatierten viele Mütter und Väter, dass sie erhebliche Fortschritte bei der Herausbildung der frühen Literacy-Fähigkeiten (Zuhören, Hörverständnis, Nacherzählung oder Bildbeschreibung) bei ihren Kindern feststellen konnten. Einige der Kinder konnten sogar schon erste Lese- und Schreibfähigkeiten erwerben, bevor sie überhaupt zum ersten Mal die Schule besucht hatten.

Vor allem aber ergab eine vergleichende Betrachtung aller Schulanfänger merklich bessere Lese-, Schreib- und Rechenfähigkeiten bei den Kindern, die am Projekt teilgenommen hatten, im Vergleich zur Kontrollgruppe. Ähnliche Ergebnisse nach dem Ende des ersten Schuljahres beweisen, dass die bessere Ausgangssituation der Projektteilnehmerinnen und -teilnehmer sich auch auf die Weiterentwicklung im schulischen Alltag und auf die Verarbeitung schulischer Inhalte positiv auswirkte.

Ein zentrales Ergebnis der Evaluation war allerdings auch, dass die Effektivität des Programms sehr stark von der Einstellung der Mütter abhängig ist. Sie müssen entschlossen hinter den Zielen des Projekts stehen, um es in ihre eigene Familie und die Erziehung zu Hause implementieren zu können.

Zusammenfassung: Stiftung Lesen, September 2011

Quelle:
Bakman, Sevda/ Koçak, Aylin Atmaca (2010) Mothers Reporting: The Mother-Child Education Program in Five Countries
Istanbul: ACEV Publications
Download: www.acev.org/arastirmalarimiz.php?id=24&lang=en&page=1

Kontakt:
Mother Child Education Foundation (AÇEV)
Büyükdere Cad. Stad Han. No:85 Kat:2
34387 Mecidiyeköy – Istanbul, Türkei
E-Mail: acev@acev.org
Internet: www.acev.org

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