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Interview mit Isabel Alçada

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Nationaler Plan zur Leseförderung - Portugal

4.11.2008
Isabel Alçada
Isabel Alçada
Der nationale Plan zur Leseförderung wurde im Juni 2006 von der portugiesischen Regierung ins Leben gerufen. Isabel Alçada spricht über Ziele und Erfolge des Plans, der dazu beigetragen hat, dass Lehrkräfte aller Schulformen sowie Erzieherinnen und Erzieher in Projekte eigebunden werden und dass gemeinsame Initiativen von Städten, öffentlichen Bibliotheken und Schulen für das Lesen werben. Fortbildungsprogramme der Lehrer- und Erzieherverbände unterstützen Fachkräfte bei Initiativen, die Kindern und Jugendlichen Freude am Lesen vermitteln sollen.
Gibt es offizielle Bildungsziele für die Leseförderung in Ihrem Land?   
Der nationale Plan zur Leseförderung wurde im Juni 2006 von der portugiesischen Regierung (Ministerien für Bildung, Kultur und Ministerium für parlamentarische Angelegenheiten) ins Leben gerufen, um das Lesen in Schulen, öffentlichen Bibliotheken und sozialen Organisationen zu fördern.
Die Hauptziele des nationalen Plans zur Leseförderung sind die Förderung von Lese- und Schreibkompetenzen sowie die Verbreitung und Vertiefung von Lesegewohnheiten. Das Lesen wird dabei als zentrales Element individueller Entwicklung und nationalen Fortschritts wahrgenommen. Diese Ziele werden durch eine Reihe von Strategien umgesetzt, die die gesamte Bevölkerung einbeziehen – von früher Kindheit bis ins Erwachsenenalter, besonders aber Schülerinnen und Schüler.
Für Schulen hat der nationale Plan zur Leseförderung besonders die folgenden Ziele formuliert: für Kinder im Vorschulalter eine Stunde Lesen pro Tag (Kinder im Alter von 3 bis 5 Jahren) sowie Lesen und Schreiben für Grundschulkinder (1.bis 4. Grundschulklasse) sowie 50 Minuten Lese- und Schreibaktivitäten pro Woche für die 5. bis 9. Klasse, Entwicklung praktischer Bildungsangebote als Anregung und Aktivitäten, die ältere Schülerinnen und Schüler zum Lesen anregen; Entwicklung von Instrumenten, die eine Definition präziserer Ziele für die Leseförderung ermöglichen, Konsolidierung und Vertiefung der Rolle von Schulbibliotheken in Partnerschaft mit öffentlichen Bibliotheken, Entwicklung von Lesegewohnheiten, schrittweise Verbesserung der Ergebnisse für die Lesefähigkeit aus nationalen und internationalen Vergleichsstudien.

Ist die Leseförderung hauptsächlich ein Bestandteil des Erstsprachenunterrichts, oder gibt es bei Ihnen spezifischen Unterricht zur Leseförderung?
In Schulen wird die Leseförderung hauptsächlich im Rahmen des Unterrichts und der schulischen Arbeit betrieben sowie in Bibliotheken. Verschiedene Projekte und Aktivitäten wurden an Schulen ins Leben gerufen, um zum selbständigen Lesen anzuregen und Freude am Lesen zu wecken, wie Lesewochen, Lesewettbewerbe und Spiele, Buchmessen und Gedenktage, wie der Tag der Poesie oder der Welttag des Buches und der internationale Tag des Kinderbuchs.
Kürzlich wurde ein Pilotprojekt gestartet, in dessen Rahmen eine gesamtschulische Leseumgebung in portugiesischen Schulen geschaffen werden soll. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit Reading Connects – National Reading Trust, UK (nationale Lesestiftung in Großbritannien). Schulen werden dabei ermutigt, strategisch und praktisch einen ganzheitlichen und kreativen Ansatz der Förderung von Lesen als Freizeitbeschäftigung umzusetzen.

Haben Sie Erfahrungen mit der Leseförderung bei Kindern aus einkommensschwachen Familien? Was für Maßnahmen empfehlen Sie?   
Wir haben ein Projekt für Kindertagesstätten und Grundschulen gestartet, um Eltern bei der Leseförderung zu unterstützen. Familien mit geringerem Einkommen werden speziell ermutigt, an diesen Initiativen teilzunehmen. Ein anderes Projekt verteilt Bücher an jedes Kind, das mit der Primarschulausbildung beginnt, zusammen mit sehr einfachen, bebilderten Broschüren zur Leseförderung für die Eltern.
Wir fördern insbesondere Schulen in benachteiligten Gegenden und unterstützen sie beim Bucherwerb. Wir fördern jedoch keine Programme, die ausschließlich Kinder aus Familien mit geringem Einkommen unterstützen, weil diese in dieselben Schulklassen und dieselben Schulen gehen wie alle anderen Kinder auch.

Könnten Sie bitte den Schwerpunkt der Aktivitäten Ihrer Organisation erläutern?
Der nationale Plan zur Leseförderung ist die Regierungsinitiative zur Anregung schulischer Leseförderung. Unsere Hauptaktivitäten sind:

Fachliche Orientierungshilfen und Hinweise hinsichtlich der Auswahl von Büchern für verschiedene Zielgruppen und Altersstufen und der Leseaktivitäten im Unterricht für unterschiedliche Bildungsstufen – diese werden auf unserer Website und in Broschüren zur Verfügung gestellt.

Schulen werden finanzielle Mittel zur Beschaffung unterschiedlicher Literatur (Romane, Lyrik, Theaterstücke und Sachbücher), Zeitschriften und Internetquellen zur Verfügung gestellt, die für die unterrichtsbasierten Lese- und Schreibaktivitäten genutzt werden können und das selbständige Lesen fördern. Eine Reihe von Veranstaltungen und Initiativen werden gestartet, die Schulen zur Förderung von Lesen und von selbständigem Lesen, in Partnerschaft mit Familien, Herausgebern und Buchläden, Stiftungen, privaten und öffentlichen Organisationen und den Medien, anregen.

Unterstützung öffentlicher Bibliotheken und kommunaler Einrichtungen bei Initiativen zur Leseförderung.

Projekte in Gesundheitszentren und Krankenhäusern in Partnerschaft mit Verbänden von Ärzten und Pflegekräften, unter privater und öffentlicher Förderung.

Kampagnen, die die Vorteile des Lesens bewerben, einschließlich medialer Werbung und Werbespots in Partnerschaft mit dem öffentlich-rechtlichen Fernsehsender RTP.

Studien zur Leseförderung und Evaluation von Leseförderungsprojekten – einschließlich unabhängiger Studien zur Wirksamkeit unserer eigenen Initiativen.

Welche Maßnahmen, die in Ihrem Land von Organisationen zur Förderung der Lesekompetenz durchgeführt werden, halten Sie für besonders effektiv?
Programme aus dem nationalen Plan haben dazu beigetragen, dass Lehrkräfte und ErzieherInnen täglich oder wöchentlich Leseprojekte in den Klassen bearbeiten, dies bezieht alle Schulformen in Portugal ein, vom Kindergarten bis zum 9. Schuljahr.

Städtische Initiativen, die zumeist von öffentlichen Bibliotheken in Zusammenarbeit mit Schulen durchgeführt werden – Ziel ist dabei die Anregung zum Lesen.

Fortbildungsprogramme der Lehrer- und Erzieherverbände, die auf eine Einbindung von Fachkräften in die Initiativen abzielen, die Kindern und Jugendlichen eine Freude am Lesen vermitteln sollen.

Der nationale Plan zur Leseförderung bereitet ein Projekt vor, das Lesepartnerschaften und die Beteiligung erwachsener Ehrenamtlicher an Schulen anregen will, voraussichtlich ab Januar 2009.

Interview: Andrea Steinbrecher, Stiftung Lesen

Übersetzung: Dr. Gwendolyn Schulte, DIPF

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