LRS und Legasthenie: Definition und Fördermöglichkeiten

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Der Großteil aller Schulkinder (ca. 65 %) lernt weitestgehend problemlos Lesen und Schreiben. Bei den Übrigen ist der Erwerb der Schriftsprache gestört. Im schulisch-pädagogischen Kontext wird im Allgemeinen von Lese-/Rechtschreibschwäche, Lese-/Rechtschreibschwierigkeiten beziehungsweise einer Lese-/Rechtschreibstörung gesprochen (=LRS). Im medizinischen Kontext wird eher der Begriff Legasthenie verwendet. In diesem Fachartikel werden die Begriffe Lese-/Rechtschreibstörung sowie Legasthenie unterschieden sowie Fördermöglichkeiten aufgezeigt.

Anbieter:

Lehrer-Online | Eduversum GmbH, Taunusstr. 52, 65183 Wiesbaden

Autor:

Marie-Louise Lützenkirchen

Lange Beschreibung:

Kinder mit Problemen im Schriftspracherwerb brauchen eine spezielle Förderung, da die Probleme sich in der Regel nicht von alleine auswachsen. Die Probleme beim Lesen und Schreiben lernen können sowohl durch individuelle als auch durch soziale Voraussetzungen entstehen. LRS/Legasthenie Definition Die Weltgesundheitsorganisation klassifiziert Probleme beim Lesen und Schreiben als umschriebene Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten bei zugrundeliegenden Problemen von angeborenen oder frühkindlich entwickelten Störungen der für die Wahrnehmungsverarbeitung relevanten, basalen Teilleistungen des Gehirns (ICD-10, F81). Der Erwerb der Schriftsprache erfordert ein sehr komplexes Zusammenspiel besonders der neuronalen Seh- und Hörverarbeitung, also der Weiterverarbeitung der aufgenommenen Reize zum/im Gehirn. Eine fehlerhafte oder gestörte auditive (Selektionsschwäche, zentrale Fehlhörigkeit) und visuelle Sinneswahrnehmung sowie Mängel im Raumlageempfinden, im Körperschema und in der Serialität sind beim Erwerb der Schriftsprache hinderlich. Mangelnde Intelligenz spielt in der Regel keine Rolle. Im Gegenteil ist Intelligenz eher eine relevante Messgröße in der Beurteilung einer, wodurch auch immer verursachten, gestörten Lese-Rechtschreibleistung. Symptome von LRS Das Grundproblem für Menschen mit Lese-/Rechtschreibschwäche besteht darin, dass bei der Übertragung von gesprochener Sprache in Schriftsprache nur unzureichend auf die deutschen Rechtschreibregeln zurückgegriffen werden kann. Zumeist besteht ein diffuses System aus einfachen Laut-Buchstabe-Beziehungen (man schreibt das, was man hört) und ungesicherter Regelanwendung. Regionale Einflüsse aus der gesprochenen Sprache können zusätzlich verunsichern, sodass zwischen Kirchtürmen und Kirschtürmen auf der Schriftebene kein Unterschied gemacht wird. Menschen mit LRS lesen langsamer und oft nicht Sinn entnehmend. Während beim Lesen mit fortschreitendem Alter einige Ersatz-Strategien zur Anwendung gelangen, bleiben Fehler auf der Schreib-Ebene meist hartnäckig bestehen. Schule und psycho-soziale Faktoren In der Grundschule sollen die Kinder das Lesen und Schreiben automatisiert erlernen. Dies ist die Voraussetzung für die aufbauenden Lerninhalte der weiterführenden Schule. Deshalb ist ein möglichst früher Förderbeginn wünschenswert. Er verkürzt den Weg und damit die Zeit, die benötigt wird, um nicht nur den schriftsprachlichen, sondern auch den inhaltlichen Anschluss an die Alterskohorte zu bewältigen. So kann auch dem Entstehen von Sekundärproblematiken vorgebeugt werden. Ab Mitte der ersten Klasse können Auffälligkeiten im Schriftspracherwerb zum Beispiel mit der Hamburger Schreibprobe (HSP) diagnostiziert werden. Kinder mit einer Lese-Rechtschreibstörung haben, teilweise in hohem Umfang Schulleistungsprobleme, die sich in schlechten Noten, Klassenwiederholungen und dem Besuch eines niedrigeren Schultyps manifestieren. Der durchschnittliche Schulabschluss von Betroffenen bleibt ohne eine entsprechende Förderung oft deutlich hinter den Leistungen zurück, die von Kindern mit einer ähnlichen Grundintelligenz erreicht wird. Der Leidensdruck ist groß und wächst ohne entsprechende Förderung. Die Kinder empfinden sich selbst zunehmend als "dumm" und entwickeln, je nach Temperament, Strategien um mit diesem selbst empfundenen Defizit umzugehen. Verhaltensweisen wie Rückzug, Clownerie, Aggression, Verweigerung, aber auch psychosomatische Erkrankungen sind zu beobachten. Die Förderung Zur Förderung der betroffenen Kinder ist eine sogenannte symptomorientierte Therapie sinnvoll. Anhand des individuellen Fehlerprofils wird die schlechte Rechtschreibung und fehlerhafte Strategienutzung erkannt und behoben. Sie basiert auf der Einsicht, dass sich sichere Rechtschreiber bei Unkenntnis der richtigen Schreibung eines Wortes nicht am Klangbild, sondern am Schriftbild der Bedeutung, den sogenannten Wortstämmen (lateinisch: Morpheme) - bestehend aus Vorsilben und Endungen - , orientieren. Über ausreichend viel Schreiberfahrung weiß man irgendwann, wie ein Wort auszusehen hat. Die Schreibung ist als Bild im Gedächtnis abgelegt (Wortbildgedächtnis). Die morphembasierten Lehrmaterialien des FIDD Förderinstituts gehen auf die individuelle Ausprägung der LRS differenziert ein und führen das Kind weg von "schreib wie du hörst" hin zu "schreib wie du denkst". Das Ziel ist, Wortbild und Wortbedeutung in Übereinstimmung zu bringen. Dafür muss das Kind erkennen, dass sich die Wortbausteine - Vorsilbe, Wortstamm und Endung - im Text systematisch ändern. Das FIDD-Fördermaterial hilft den Schülerinnen und Schülern, sich schneller auf der Bedeutungsebene eines Wortes zu bewegen und der Wortbildebene zuzuordnen. Die Schreibung von Wörtern orientiert sich nicht mehr am Klang, sondern an der Bedeutung. In Therapieangeboten wird immer wieder erlebt, wie wichtig es ist, ausreichend viel zu wiederholen. Nur über fehlerfreie Wiederholungen ist es möglich, dass sich das Gehirn umbaut und so Automatismen entstehen, die nicht willentlich kontrolliert werden müssen und trotzdem fehlerfrei ablaufen.

Bildungsebene:

Primarstufe

Lizenz:

Frei nutzbares Material

freie Schlagwörter:

Leseanfänger; Lesestrategien; Rechtschreibförderung; kognitive Entwicklung

Sprache:

Deutsch

Themenbereich:

Schule; Grundschule; Deutsch; Lesen
Schule; Sprachen und Literatur; Deutsch; Fachdidaktik; Kompetenzorientierung; Lesen, Texte und Medien
Schule; Sprachen und Literatur; Deutsch; Lesen, Lesetechnik
Schule; Sprachen und Literatur; Deutsch; Lesen, Lesetechnik; Leseförderun
Schule; Sprachen und Literatur; Deutsch; Lesen, Lesetechnik; Lesetechniken
Schule; Grundschule; Deutsch; Schreiben
Schule; Sprachen und Literatur; Deutsch; Fachdidaktik; Kompetenzorientierung; Schreiben
Schule; Sprachen und Literatur; Deutsch; Schreibformen; Kreatives Schreiben

Geeignet für:

Lehrer