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Call for papers: Familienkulturen – (und) Familientraditionen. Historische Forschungen und aktuelle Debatten: öffentliche Tagung des Arbeitskreises Historische Familienforschung (AHFF) in der Sektion Historische Bildungsforschung der DGfE

28.01.2011 - 29.01.2011

Universität Augsburg
Augsburg
groppe@hsu-hh.de


Familienkulturen und -traditionen sind Teil familialer Erziehung und Sozialisationsordnungen und prägen innerfamiliäre Generationsbeziehungen und Transferprozesse. Sie sind abhängig von epochenspezifischen staatlichen Strukturen, Gesellschaftsverhältnissen und kulturellen Rahmenbedingungen, weisen aber zugleich milieu-, schicht- und gruppenspezifische, auch einzelfallbezogene Besonderheiten auf. Dies ermöglicht analytische Zugriffe auf das Thema auf verschiedenen Ebenen. Mikrohistorisch geht es bei Familientraditionen um die Entstehung, Ausgestaltung und Weitergabe von Ritualen, Themen, Aufträgen, Normen und Werten etc. in der Familie. Dabei können auch Familienkulturen, d. h. familiale Lebensstile und Generationsbeziehungen, die Ausgestaltung kindlicher und jugendlicher Lebensräume in der Familie, Familienfeste etc. stark durch Familientraditionen geprägt sein. In makrohistorischer Perspektive geht es um gesellschaftliche, politische, kulturelle und ökonomische Bedingungsgefüge und Einflussfaktoren auf Familienkulturen und -traditionen. Hier stellt sich unter anderem die Frage nach der Bedeutung öffentlicher Debatten und Stellungnahmen, von bildungs- und familienpolitischen Maßnahmen etc. für Familienkulturen und -traditionen. In historischer Perspektive ist das Interesse an der Familie vor allem aus den neueren Theoriedebatten um die Möglichkeiten und Grenzen sozial- und kulturhistorischer Zugänge erwachsen. Eine bereits dem Thema „Familienkulturen – (und) Familientraditionen“ in historischer Perspektive gewidmete Tagung des Arbeitskreises Historische Familienforschung hatte im Januar 2010 die Familie als erziehende und sozialisierende Instanz ins Zentrum des Interesses gestellt und in einem großen zeitlichen Rahmen von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart nach der innerfamiliären und der gesellschaftlichen Bedeutung, nach Akteuren und symbolischen Ordnungen, nach sozialen und institutionellen Bedingungen von Familienkulturen und -traditionen und ihrer Entwicklung gefragt.

In den Tagungsdiskussionen wurde deutlich, dass das theoretische und methodische Instrumentarium für diese Fragestellung allerdings noch nicht intensiv genug diskutiert und entwickelt worden ist. So fehlt eine auf die historische Familienforschung bezogene Diskussion des Traditions-, Transfer- und Kulturbegriffs ebenso sowie des Gedächtnis- und Erinnerungsbegriffs und des Habituskonzepts, letzterer insbesondere in seiner Anwendbarkeit auf vormoderne Sozialordnungen. Gleichermaßen mangelt es noch an der Diskussion und Entwicklung eines methodischen Instrumentariums zur Analyse von Familienkulturen und -traditionen. Dies soll auf der Tagung 2011 in Vertiefung und Fortsetzung des Themas „Familienkulturen – (und) Familientraditionen“ als ein Schwerpunkt geleistet werden.

Darüber hinaus sollen auf der Tagung 2011 die Forschungsaspekte, die sich mit dem Thema Familienkulturen und -traditionen verbinden lassen, erweitert werden. Historische Erkenntnisse können aktuelle Problemlagen aufklären helfen, der Bezug auf aktuelle Problemlagen wiederum kann neue historische Perspektiven eröffnen. Mit Blick auch auf aktuelle Debatten und Forschungen über Familienkulturen und -traditionen und ihre Bedeutung soll deren historische Genese und Gestaltung differenziert erörtert werden, insbesondere im Hinblick auf Fragen von Migration/Internationalisierung und Diversität. Werden in der Forschung zumeist nationale Familienkulturen und -traditionen fokussiert, wären transnationale und international-vergleichende Beiträge wünschenswert, um nationale Spezifika und internationale Entwicklungen klarer herausarbeiten zu können, insbesondere im Zusammenhang mit Migrationsprozessen. Analysen zur Bedeutung von Migration sowie transnationale und international-vergleichende Forschungen sollen daher – mikro- und makroperspektivisch – einen weiteren Schwerpunkt der Tagung bilden.

Bislang werden Familienkulturen und -traditionen überwiegend unter der Fragestellung der gelingenden generationellen Weitergabe, also von Kontinuität (oder bestenfalls Wandel), erforscht. Weniger berücksichtigt wird bislang die Frage, welche inner- und außerfamiliären Bedingungen tatsächlich Kontinuität ermöglichten und welche dagegen Brüche in Familienkulturen und -traditionen erzeugten. Auch dies soll in einem weiteren Schwerpunkt Thema der Tagung sein und in Einzelfallanalysen oder in der Erforschung von staatlichen, sozioökonomischen und kulturellen Rahmenbedingungen in ihren Auswirkungen auf Familien entwickelt werden.

Schließlich sollen geschlechtergeschichtliche Fragestellungen stärker mit dem Thema Familienkulturen und -traditionen verbunden werden. Welche Rolle spielten Frauen und Männer als Erzieher/innen in der Weitergabe von Familienaufträgen und -themen, welche Rolle Söhne und Töchter? Welchen Anteil hatten sie jeweils an der Ausbildung spezifischer Familienkulturen und wie reflektierten sie diesen? Nicht zuletzt soll es um Familienvorstellungen und um Fragen von historischen Alternativen (theoretisch und praktiziert) zur neuzeitlichen Form der bürgerlichen Kernfamilie gehen. Insbesondere in innerstaatlichen und internationalen Migrationsprozessen werden historisch Vorstellungen von Familie virulent, die weit über das Kernfamilienmodell hinausgehen. Hier stellt sich die Frage nach der Herausbildung kollektiver Identitäten und ihren Bedingungen. Andererseits ergibt sich unter der Perspektive der Diversität die Frage nach der Existenz und Bedeutung von aus heutiger Sicht alternativen Familienformen (Einelternfamilien, Patchworkfamilien, gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften etc.) und ihrer Positionierung im Zusammenhang von Familienkulturen und -traditionen. Damit soll die Hervorbringung von Familienkulturen und -traditionen in der Pluralität von Familienformen stärker in den Fokus der Tagung 2011 geraten.

Auf der Tagung sollen diese Forschungsfragen in einem großen zeitlichen Rahmen von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart behandelt werden. Geplant ist, dass auf der Tagung neben historischen Forschungen auch Untersuchungen zu aktuellen Familienkulturen und -traditionen vorgestellt werden und im Kontext eines thematischen Panels aus historischer Forschungsperspektive diskutiert werden können. Folgende Themenbereiche sind von besonderem Interesse:

- theoretische und methodische Fragen bei der historischen Erforschung von Familienkulturen und -traditionen

- Aspekte der Migration und der international-vergleichenden sowie transnationalen Familienforschung

- Kontinuitäten und Brüche von Familienkulturen und -traditionen

- geschlechtergeschichtliche Fragestellungen

- Familienvorstellungen und -identitäten

- historische Bedeutung pluralisierter und alternativer Familienformen

Die Beiträge sollen 30 Minuten nicht überschreiten. Als dead-line für Themenvorschläge mit einem kurzen Exposé setzen wir den 31. 07. 2010.

Bitte schicken Sie Ihren Vorschlag per mail an Prof. Dr. Carola Groppe, Professur für Erziehungswissenschaft, insbesondere Historische Bildungsforschung, Fakultät für Geistes- und Sozialwissenschaften, Helmut-Schmidt-Universität, Universität der Bundeswehr Hamburg (groppe@hsu-hh.de Tel. 040/6541-2854).

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Schlagwörter

Bildungsgeschichte, Genealogie, Familie, Kultur, Tradition, Historische Familienforschung,

Veranstalter Carola Groppe/Arbeitskreises Historische Familienforschung (AHFF)
Kontaktadresse Carola Groppe
E-Mail des Kontakts groppe@hsu-hh.de
Beginn der Veranstaltung 28.01.2011, 00:00
Ende der Veranstaltung 29.01.2011, 00:00
Veranstaltungsstätte Universität Augsburg
Land der Bundesrepublik Deutschland Bayern
Staat Deutschland
Tagungssprache Deutsch
Inhaltsbereich der Veranstaltung Wissenschaft/Bildungsforschung
Adressaten Studierende; Hochschullehrer/innen / Forscher/-innen
Aufgenommen am 02.06.2010
Zuletzt geändert am 02.06.2010

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