Suche

Erweiterte Suche

Ariadne Pfad:

Inhalt

Bildung + Innovation Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Erschienen am 31.05.2019:

„Ein Angebot für alle Schulen, die Inspiration und Ideen suchen.“

Das Deutsche Schulportal

Bild

Bildrechte: Lars Rettberg

Das Deutsche Schulportal ist eine Onlineplattform für Schul- und Unterrichtsentwicklung, die sich insbesondere an Lehrkräfte und Schulleitungen richtet. Das Herzstück des Portals bilden filmisch aufbereitete Konzepte aus der Praxis der Preisträger des Deutschen Schulpreises. Das Deutsche Schulportal ist eine Initiative der Robert Bosch Stiftung, der Deutschen Schulakademie und der Heidehof Stiftung in Kooperation mit der ZEIT-Verlagsgruppe. Es ist das jüngste von zahlreichen Unterstützungsangeboten für die Qualitätsentwicklung von Schulen der drei Institutionen und trägt das Motto „Für mehr gute Schulen“.
Die Online-Redaktion von „Bildung + Innovation“ sprach mit dem Projektleiter, Lars Rettberg, über die Inhalte des Deutschen Schulportals und darüber, wie andere Schulen von den Konzepten der Preisträgerschulen des Deutschen Schulpreises lernen können.


Online-Redaktion: Vor einem Jahr ging das Deutsche Schulportal an den Start. Was sind die Ziele des Portals?

Rettberg: Das Schulportal möchte Schulleitungen und Lehrkräfte bei ihren Aufgaben begleiten und inspirieren - sei es bei der Weiterentwicklung des Unterrichts, in Schulentwicklungsfragen oder der Gestaltung des Schullebens. Wir verstehen das Deutsche Schulportal dabei auch als ein Instrument, um die Modelle und Konzepte ausgezeichneter Schulpraxis aus 13 Jahren Deutscher Schulpreis in die Breite der Schullandschaft zu tragen und sie so anderen Schulen zur Verfügung zu stellen. Damit möchten wir einen Beitrag leisten, die Qualität von Schule und Unterricht in Deutschland zu verbessern. Oder, um es mit dem Leitspruch des Portals zu sagen, das Ziel ist: mehr gute Schulen in Deutschland. Wir wollen möglichst viele Schulen motivieren, sich auf den Weg zu machen, um die eigene Schul- und Unterrichtsentwicklung in die Hand zu nehmen und so noch besser zu werden.

Online-Redaktion: Wie ist die Idee dazu entstanden?

Rettberg: Wenn man mit den Schulen spricht, die mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet wurden, dann wird von diesen auch immer wieder beschrieben, wie sehr ihnen Hospitationen an anderen Schulen geholfen haben, um sich selbst weiterzuentwickeln. Oft fahren die Kollegien unter ganz spezifischen Fragestellungen an andere Schulen, um sich dort mögliche Herangehensweisen an ähnliche Herausforderungen in der Praxis anzusehen. Diese Idee greift das Deutsche Schulportal in medialer Form auf.

Mit dem Preisträgernetzwerk des Deutschen Schulpreises können wir auf einen wirklichen Schatz zurückgreifen, nämlich auf einen Fundus an ausgezeichneten Beispielen der Schulpraxis. Die Idee liegt also relativ nah und basiert darauf, diese Schätze zu heben und die Praxis, die an diesen Schulen stattfindet, medial aufzubereiten und zur Verfügung zu stellen - als ein Angebot für alle Schulen, die eventuell vor ähnlichen Fragestellungen stehen und hier Inspiration und Ideen finden sollen.

Ich denke das Besondere ist, dass die Themen und Inhalte der Praxisbeispiele direkt von den Schulen kommen. Sie wissen am besten, was andere Schulen brauchen könnten. Die Konzepte werden darum in enger Abstimmung mit den Schulen geplant und umgesetzt. Das Prinzip „aus der Praxis für die Praxis“ ist uns sehr wichtig. Die Texte kommen von den Schulen, und auch bei den Filmen versuchen wir möglichst authentische Einblicke zu liefern. Wir benutzen beispielsweise keine Sprechertexte, sondern nur Interviews, die wir vor Ort geführt haben.
Betritt man die preisgekrönten Schulen, spürt man sofort einen besonderen Geist, der dort herrscht, und oft ist es auch ein enormes Engagement, das das Kollegium mitbringt. Auch diese Atmosphäre möchten wir vermitteln und die Arbeit der Schulen damit wertschätzen.

Online-Redaktion: An wen richtet sich das Portal und wie wird es angenommen?

Rettberg: Das Deutsche Schulportal richtet sich erst einmal an alle, die sich für Schul- und Unterrichtsentwicklung sowie bildungswissenschaftliche und bildungspolitische Diskurse interessieren. Im Kern möchte es aber vor allem Menschen erreichen, die Veränderungsprozesse in Schulen anstoßen und umsetzen können. Das sind zu allererst Lehrkräfte und Schulleitungen, aber auch Referendare.

Eine weitere wichtige Zielgruppe sind Menschen im Bereich der Aus-, Fort- und Weiterbildung von Lehrkräften. Und gerade hier stoßen wir auf sehr großes Interesse, was die filmisch aufbereiteten Praxisbeispiele aus dem Preisträgernetzwerk des Deutschen Schulpreises angeht. Das merken wir an den vielen Anfragen, die uns erreichen, ob wir Filme und Material der Konzepte zur Verfügung stellen können, damit sie dann z.B. in Seminaren für Lehramtsstudierende oder systematisch in Fortbildungsangeboten eingesetzt werden können.

Online-Redaktion: Was macht eine gute Schule aus?

Rettberg: Zunächst einmal liegt dem Engagement für mehr gute Schulen der Robert Bosch Stiftung, der Heidehof Stiftung und der Deutschen Schulakademie der Anspruch zugrunde, dass alle Kinder und Jugendlichen die gleichen Chancen durch eine qualitativ gute Bildung bekommen - unabhängig von Herkunft und sozialem Status.

Bei der Frage, was eine gute Schule ausmacht, orientieren sich die drei Institutionen und eben auch das Schulportal an einem umfassenden Verständnis von Bildung und Lernen. Und dieses Verständnis beruht im Kern auf den sechs Qualitätsbereichen, die im Rahmen des Deutschen Schulpreises von Wissenschaftlern und Praktikern gemeinsam entwickelt wurden. Diese sechs Bereiche sind: Leistung, Umgang mit Vielfalt, Unterrichtsqualität, Verantwortung, Schulklima, Schulleben und außerschulische Partner sowie Schule als lernende Institution. Umfassend beschrieben und anschaulich dargestellt werden diese Qualitätsbereiche in dem Buch „Handbuch Gute Schule - Sechs Qualitätsbereiche für zukunftsweisende Praxis.“

Online-Redaktion: Was bietet das Portal an?

Rettberg: Das Herzstück des Portals ist eine Datenbank mit Konzepten aus der Schulpraxis der Preisträger des Deutschen Schulpreises. Von der Schüler-Mediation, über Möglichkeiten der Digitalisierung im Unterricht, bis hin zu besonderen Formen der Elternarbeit liefern diese Praxisbeispiele Lösungsansätze für vielfältige pädagogische Herausforderungen.

Darüber hinaus gibt es auf dem Portal beinahe täglich neue Inhalte in verschiedenen Formaten. Dafür recherchiert eine Redaktion aktuelle und relevante Fragestellungen und Themen der schulischen Bildung und setzt diese in Reportagen, Berichten oder auch Interviews um. Dazu kommen zahlreiche Experten aus Wissenschaft und Praxis, die laufend Gastbeiträge beisteuern und so unterschiedliche und durchaus auch kontroverse Perspektiven auf Bildungsthemen liefern. Ergänzt wird das Angebot zusätzlich von unterhaltsamen Kolumnen, Umfragen, informativen Quiz-Formaten und Infografiken. Als besonderen Service bietet das Portal auch noch fortlaufend eine Auswahl besonders lesenswerter Artikel zum Thema Schule verschiedener renommierter Zeitungen.

Online-Redaktion: Welche Themen greift es auf?

Rettberg: Der Fokus der Themenauswahl des Deutschen Schulportals liegt auf Aspekten der Schul- und Unterrichtsentwicklung und auf praxisnahen Informationen, die Lehrkräfte in der täglichen Arbeit an Schulen informieren und unterstützen können. Die Themen sind dabei sehr vielseitig und spiegeln sich in den Rubriken der Seite wider. Diese reichen quasi von der kleinsten Einheit von Schule, dem Unterricht, bis zu übergeordneten Themen der Rubrik „Bildungswesen“. Neben Artikeln zu aktuellen Ereignissen und Diskussionen, die die Bildungslandschaft bewegen, gibt es monatliche Schwerpunktthemen, die dann aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet werden. Im vergangenen Monat war das z.B. die Frage, wie die Europäische Integration in Schulen erfahrbar wird, in diesem Monat werfen wir einen Blick auf die Rolle der Schulaufsicht im Schulentwicklungsprozess.

Online-Redaktion: Wie können andere Schulen von den Konzepten der Preisträgerschulen lernen?

Rettberg: Es ist wichtig zu verstehen, dass die angebotenen Konzepte keine Rezepte darstellen. Einzelschulen sind unverwechselbare komplexe Systeme mit eigenen Logiken - insofern können Konzepte nicht 1 zu 1 übertragen werden. Aber es gibt oft ähnliche Herausforderungen. Und hier laden die Konzepte zum Reflektieren, Ausprobieren und Adaptieren ein. Viele der Konzepte sind außerdem mit Download-Material angereichert, das uns die Schulen zur Verfügung stellen. Mit den Konzepten bietet das Portal einen Blick hinter die Kulissen nach dem Motto „Wie machen es andere und unter welchen Bedingungen sind welche Maßnahmen dort wirksam?“.

Die Inhalte können dann z.B. in Arbeitskreisen eingesetzt werden, um sich im Kollegium über das Gesehene auszutauschen. Um ein gemeinsames Verständnis zum Beispiel über Unterrichtsqualität zu erzielen oder zu schauen, was an der eigenen Schule umsetzbar wäre. Insofern sind die Konzepte niedrigschwelligere Angebote als eine mehrtägige Hospitationsreise.

Sie können, so anschaulich sie auch sind, eine gute Hospitation nicht ersetzen. Wir glauben aber auch, dass es häufig kleine Veränderungsimpulse braucht, um größere Schulentwicklungsprozesse in Gang zu setzen.

Online-Redaktion: Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?

Rettberg
: Wir planen perspektivisch den Aufbau einer Community mit stärkeren Vernetzungsmöglichkeiten und dem Austausch von Ideen und Hilfestellungen. Zurzeit bestehen Möglichkeiten zu kommunizieren über das Kommentieren von Inhalten und über die Social-Media-Kanäle des Portals auf Facebook und Twitter. Wir überlegen außerdem, wie wir die Konzepte, die wir aus den Schulen generieren und die es, glaube ich, in dieser Form woanders nicht gibt, weiter ausbauen und erweitern können.



Lars Rettberg studierte Kulturpädagogik in Hildesheim und AV-Medienwissenschaft an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“, Babelsberg. Als Kreativdirektor einer Kommunikationsagentur war er u.a. für die Entwicklung zahlreicher edukativer Online-Portale und eLearning-Projekte verantwortlich und entwickelte innovative Konzepte und Kommunikationsstrategien für nationale und internationale Unternehmen sowie für diverse Non-Profit-Organisationen. Bei der Deutschen Schulakademie sorgt er dafür, dass bemerkenswerte Konzepte und Modelle aus den Preisträgerschulen auch in digitalen Formaten in die Breite getragen werden.







Ihr Kommentar zu diesem Beitrag. Dieser Beitrag wurde bisher nicht kommentiert.

 Weitere Beiträge in „Bildung + Innovation“.

Autor(in): Petra Schraml
Kontakt zur Redaktion
Datum: 31.05.2019
© Innovationsportal

Die Übernahme von Artikeln und Interviews - auch auszugsweise und/oder bei Nennung der Quelle - ist nur nach Zustimmung der Online-Redaktion von Bildung + Innovation erlaubt.

Die Redaktion des Online-Magazins Bildung + Innovation arbeitet journalistisch frei und unabhängig. Die veröffentlichten Beiträge bilden u. a. auch interessante Einzelmeinungen zum Bildungsgeschehen ab; die darin zum Ausdruck gebrachte Meinung entspricht nicht notwendig der Meinung der Redaktion oder des DIPF.

Inhalt auf sozialen Plattformen teilen (nur vorhanden, wenn Javascript eingeschaltet ist)