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Bildung + Innovation Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Erschienen am 14.02.2019:

„Unsere Vision ist es, jungen Menschen, gleich welcher Herkunft, reale Chancen auf Erfolg und Wohlstand zu ermöglichen.“

Projekt „180 Grad Wende“ gewinnt den Deutschen Engagementpreis in der Kategorie „Chancen schaffen“

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„180 Grad Wende“: Gewinner in der Kategorie „Chancen schaffen“
Bildrechte: Deutscher Engagementpreis

Anfang Dezember 2018 hat das Bündnis für Gemeinnützigkeit den Deutschen Engagementpreis zum zehnten Mal verliehen. Das Projekt „180 Grad Wende“ aus Köln ist einer der Gewinner des Preises. Die Initiative setzt sich präventiv gegen Radikalisierung, Kriminalität, Extremismus und Perspektivlosigkeit ein und fungiert als Frühwarnsystem für junge Menschen in persönlichen Krisensituationen.


Rund 30 Millionen Menschen in Deutschland engagieren sich ehrenamtlich. Um das Engagement dieser Menschen sichtbar zu machen und ihre öffentliche Anerkennung zu stärken, verleiht das Bündnis für Gemeinnützigkeit, ein Zusammenschluss von großen Dachverbänden und unabhängigen Organisationen des Dritten Sektors sowie von Experten und Wissenschaftlern, seit zehn Jahren jährlich den Deutschen Engagementpreis. Bewerben kann man sich für den Preis nicht - die Ausrichter der rund 700 Preise für bürgerschaftliches Engagement, die es in Deutschland gibt, können aber ihre erstplatzierten Preisträgerinnen und Preisträger dafür nominieren.

Der Deutsche Engagementpreis
Erstmals ausgelobt wurde der Deutsche Engagementpreis 2009 im Rahmen der Kampagne „Geben gibt.“, die mehr Menschen für freiwilliges Engagement begeistern wollte. Inzwischen hat sich der Deutsche Engagementpreis als die deutschlandweit wichtigste Würdigung für bürgerschaftliches Engagement etabliert und ist zugleich zu einer Servicestelle für die Ausrichter von Engagementpreisen geworden. Förderer des Preises sind das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, die Deutsche Fernsehlotterie und die Deutsche Bahn Stiftung. Zahlreiche Partner aus zivilgesellschaftlichen Organisationen und den Medien, die sich schon seit Langem im Rahmen eigener Initiativen und Projekte für die Stärkung des zivilen Engagements in Deutschland einsetzen, unterstützen den Preis.

Weil ehrenamtliches Engagement von Menschen, Initiativen, Unternehmen und öffentlichen Verwaltungen sehr vielfältig sein kann, wird der Preis - jeweils mit 5.000 Euro dotiert - in den fünf Kategorien „Chancen schaffen“, „Leben bewahren“, „Generationen verbinden“, „Grenzen überwinden“ und „Demokratie stärken“ vergeben. Eine 13-köpfige Fachjury, bestehend aus Vertreterinnen und Vertretern des Bündnisses für Gemeinnützigkeit, weiteren Expertinnen und Experten der Zivilgesellschaft, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie jeweils einer Vertretung der drei fördernden Institutionen, wählt die Preisträgerinnen und Preisträger aus. Alle anderen Nominierten nehmen an einer Online-Abstimmung über den mit 10.000 Euro dotierten Publikumspreis teil. Die ersten 50 Plätze der Abstimmung gewinnen außerdem die Teilnahme an einem Weiterbildungsseminar in Berlin.

Die Preisverleihung
Am 5. Dezember, dem Internationalen Tag des Ehrenamtes, wurden die Gewinnerinnen und Gewinner des Deutschen Engagementpreises im Rahmen einer festlichen Preisverleihung im Tipi am Kanzleramt in Berlin gewürdigt. In Anwesenheit von Franziska Giffey, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, und rund 500 geladenen Gästen, darunter viele Nominierte und Ausrichter von Engagementpreisen sowie prominente Laudatorinnen und Laudatoren aus Politik und Kultur sowie aus dem Kreis der Förderer, erhielten die sechs Preisträgerinnen und Preisträger den Deutschen Engagementpreis 2018. „Freiwilliges Engagement hält unsere Gesellschaft zusammen, macht unser Land lebenswerter und stärker. Umso wichtiger ist es, dass wir dieses Engagement sichtbar machen und würdigen. Mit dem Deutschen Engagementpreis ehren wir diejenigen, die sich besonders vorbildlich für andere einsetzen - freiwillig und unentgeltlich. Ihr Engagement macht unsere Gesellschaft besser. Im Kleinen wie im Großen“, betonte Bundesfamilienministerin Giffey.

Das Projekt „180 Grad Wende“
Der Deutsche Engagementpreis ging in der Kategorie „Chancen schaffen“ an das Projekt „180 Grad Wende“ des Jugendbildungs- und Sozialwerks Goethe e. V. Die von jungen Menschen 2012 in Köln gegründete und geleitete Initiative setzt sich präventiv gegen Radikalisierung, Kriminalität, Extremismus und Perspektivlosigkeit ein und fungiert als Frühwarnsystem für junge Menschen in persönlichen Krisensituationen, aus denen sich Radikalisierungsprozesse ergeben können. „In Zeiten der gesellschaftlichen Polarisierung und des wachsenden Abdriftens von jungen Menschen möchte 180 Grad Wende etwas verändern! Ziel ist eine 180 Grad Wende in der Gesellschaft!“, heißt es in der Laudatio. Die Projektakteure möchten junge, gefährdete Menschen frühzeitig erreichen und bieten ihnen konkrete Hilfestellungen für eine perspektivreiche Zukunft an: „Unsere Vision ist es, jungen Menschen, gleich welcher Herkunft, reale Chancen auf Erfolg und Wohlstand zu ermöglichen.“ Mit der Vermittlung von Wissen und Kompetenzen sowie der Hilfe eines aktiven Netzwerks, wollen sie positive Veränderungen für die einzelnen Menschen und die Gesamtgesellschaft schaffen und damit zu einem friedlichen Zusammenleben aller Kulturen und Religionen in Deutschland beitragen.

Im Zentrum des Projekts steht ein großes ehrenamtliches Netzwerk aus Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, Mentoren und Coachs, die meist selbst der Zielgruppe entstammen und Menschen in Notlagen ihren Weg zur persönlichen Wende aufzeigen. In Zusammenarbeit mit verschiedenen Kooperationspartnern, wie der Polizei Köln und weiteren städtischen Institutionen, durchlaufen die jungen Multiplikatorinnen und Multiplikatoren zuvor ein speziell konzipiertes Ausbildungsprogramm, das sie einerseits in ihrer eigenen Persönlichkeitsentwicklung stärkt und andererseits für die Belange gefährdeter Altersgenossen sensibilisiert. Dazu gehören das Erkennen von Anzeichen einer sich anbahnenden Radikalisierung, sozialer Isolation, Sucht oder Kriminalität. In einem „Peer-to-peer“-Ansatz übernehmen sie dann Verantwortung für „ihr Viertel“. Sie begleiten junge orientierungslose Menschen, die die Hilfsangebote von Behörden, Institutionen und Beratungsstellen von sich aus nicht in Anspruch nehmen, und unterstützen sie dabei, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen. Das Rad wird dafür „nicht neu erfunden“. „Vielmehr sorgen wir dafür, dass zivilgesellschaftliches Engagement und vorhandene soziale Angebote effizient ineinandergreifen“, erklären die Akteure. „So haben wir im Laufe der Jahre ein großes Netzwerk an aktiven Helfern, Unterstützern und Förderern aufgebaut. Nur mit ihrer Hilfe können wir präventive und akute Unterstützung für sozial benachteiligte und gefährdete Heranwachsende leisten und positive Veränderungen für die Gesamtgesellschaft herbeiführen.“ Mit verschiedenen Bildungs- und Beratungsangeboten im Stadtteil, an Schulen, in Jugendzentren oder auch in der Haftanstalt konnte das Projekt von 2013 bis 2017 bereits 2.324 Jugendliche erreichen. Die Arbeit wurde mehrfach ausgezeichnet und wird als Modellprojekt „180 Grad Wende R“ seit 2015 vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ gefördert. Seit Ende 2017 werden die Erfahrungen aus dem Modellprojekt im NRW-landesweiten Projekt „Keepers“ außerdem in andere Kommunen getragen.

Die weiteren Preisträger

Die weiteren Preisträger des Deutschen Engagementpreises waren in der Kategorie „Leben bewahren“ das Clean River Project e. V. aus Winningen (Rheinland-Pfalz), ein gemeinnütziges Umwelt-, Kunst- und Bildungsprojekt, das sich für saubere Flüsse und Meere einsetzt und die Plastikmüllverschmutzung durch aktives Aufräumen der Gewässer und Aufklärung senken möchte; in der Kategorie „Generationen verbinden“ das Projekt „Silberpfoten - Für Senioren und ihre Tiere“ des Tierschutzvereins Stuttgart e. V. (Baden-Württemberg), das Nachbarschaftshilfe, die Vernetzung von Jung und Alt sowie Tierschutz auf eine ganz besondere Weise vereint; in der Kategorie „Grenzen überwinden“ der Bundesverband behinderter Pflegekinder e.V. mit Sitz in Papenburg (Niedersachsen), der im ganzen Bundesgebiet aktiv die Vermittlung von Kindern mit Behinderung in geeignete Pflegefamilien unterstützt, und in der Kategorie „Demokratie stärken“ die Projektgruppe „Wir schaffen das!“: In einem von Fremdenhass und Ausgrenzung geprägten Klima setzt sich eine kleine Gruppe Schülerinnen und Schüler an der Regionalen Schule Rudolf Tarnow in Boizenburg (Mecklenburg-Vorpommern) für Demokratie, Toleranz und Weltoffenheit ein und geht gegen viele Widerstände aktiv gegen Rassismus und Intoleranz an ihrer Schule vor.

Den mit 10.000 Euro dotierten Publikumspreis bekam das Projekt „Moje Tieden - gegen Altersarmut von Frauen in Ostfriesland“ des Zonta Club Leer-Ostfriesland (Niedersachsen), das ältere, sozial schwache Frauen (meist finanziell) unterstützt und ihnen darüber auch Wege aus der gesellschaftlichen Isolation ermöglichen will.

Alle erstplatzierten Preisträgerinnen und Preisträger, die zwischen dem 1. Juni 2018 und dem 31. Mai 2019 in den rund 700 Preisen für bürgerschaftliches Engagement, die es in Deutschland gibt, ausgezeichnet werden, können jetzt für den Deutschen Engagementpreis 2019 vorgeschlagen werden.




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Autor(in): Petra Schraml
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Datum: 14.02.2019
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