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Bildung + Innovation Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Erschienen am 04.10.2018:

„Wir wollen die Filmkompetenz von Kindern und Jugendlichen stärken und sie für das Kino begeistern.“

Filmbildung als Medienbildung

Bild

Sarah Duve
Bildrechte: Die Hoffotografen Berlin

VISION KINO ist eine gemeinnützige Gesellschaft zur Förderung der Film- und Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen. Die Online-Redaktion von „Bildung + Innovation“ sprach mit Sarah Duve, Geschäftsführerin von VISION KINO, über Filmbildung an der Schule, die SchulKinoWochen und den Kongress „Vision Kino 18“.


Online-Redaktion: Was sind die Ziele und Aufgaben von VISION KINO?

Duve:
Unsere Aufgabe ist es, die Filmkompetenz von Kindern und Jugendlichen zu stärken und sie für das Kino zu begeistern. Es geht darum, Film als ästhetische Ausdrucksform und das Kino als kulturellen Ort zu erfahren. Darüber hinaus eignet sich die Arbeit mit Film auch dazu, ein besseres Verständnis von bewegten Bildern im Allgemeinen zu bekommen. Filmbildung als Medienbildung also.

Online-Redaktion: Seit wann gibt es VISION KINO und welche Partner wirken in der Gesellschaft zusammen?

Duve: VISION KINO wurde 2005 gegründet. Die Politik hatte erkannt, wie wichtig die Filmbildung für junge Menschen ist. Und die Kinos hatten erkannt, dass sie sich um die jungen Menschen bemühen müssen, wenn sie Orte der Sozialisation bleiben möchten. Also wurde die VISION KINO als Public-Private-Partnership ins Leben gerufen. Wir werden jeweils hälftig vom Bund und der Filmförderungsanstalt finanziert. Konkret kann ich das Zusammenspiel von Kultur, Bildung und Wirtschaft am Beispiel der SchulKinoWochen verdeutlichen: Wir organisieren bundesweit Kinovorstellungen für Schulklassen. Die Kultus- und Bildungsministerien der einzelnen Länder arbeiten dabei eng mit uns zusammen und ermöglichen die Kinobesuche während der Schulzeit. Die Kinos öffnen ihre Türen zu ermäßigten Eintrittspreisen und die Filmverleiher stellen ihre Filme zur Verfügung. Jeder gibt also etwas, damit Filmbildung in Kino und Unterricht möglich wird.

Online-Redaktion: Welche Bedeutung hat Filmbildung und wie bringt sich VISION KINO in Schule, Unterricht und Lehrerbildung ein?

Duve: Film- und Medienbildung ist eine fächerübergreifende Aufgabe. Im Kino, im Fernsehen, auf dem Handy, im Internet begegnen junge Menschen bewegten Bildern und zunehmend produzieren sie diese auch selbst. Um Film verstehen und nutzen zu können, leistet Filmbildung einen wichtigen Beitrag – als eine audiovisuelle Alphabetisierung. VISION KINO arbeitet dafür bei medienpolitischen Entscheidungen auf Bund- und Länderebene mit. Film muss in den Lehrplänen verankert und die Ausbildung der Lehrkräfte verbessert werden. Daher unterstützen wir auch Modellprojekte, etwa zu Qualifizierung von Lehrkräften in Bayern oder zu Film als Abitur-Prüfungsthema in Bremen. Darüber hinaus haben wir bundesweite Angebote wie die SchulKinoWochen initiiert, an denen rund 900.000 Schülerinnen und Schüler jährlich teilnehmen. Und wir wenden uns direkt an die Lehrkräfte, etwa durch Fortbildungen oder Material, das im Unterricht eingesetzt werden kann.

Online-Redaktion: Welchen Stellenwert haben der klassische Film und das Kino im Zeitalter der Digitalisierung?

Duve: Diese Frage stellen wir beim diesjährigen Kongress „Vision Kino 18“ an den Anfang. Entfernen digitale Medien uns vom Kino? Oder sind sie – gerade für den Bildungsbereich – ein hervorragendes Vehikel, den Blick wieder auf Filmästhetik und das große Kino zu lenken? Ich hoffe natürlich auf Letzteres. In der Eröffnungsrunde des Kongresses bringen Schülerinnen und Schüler aus Halle ihre YouTube-Videos mit, und gemeinsam mit den Regisseuren Sebastian Schipper und Aron Lehmann sprechen wir darüber, welchen Stellenwert das Kino für sie noch hat. Ich sehe das als unsere Pflicht, die Medien nicht gegeneinander auszuspielen, sondern mit dem „Neuen“ die Begeisterung für das „Alte“ wieder zu wecken. „Vision Kino“ heißt auch zu erinnern, wie toll bewegte Bilder im Kino sind, mit anderen, im dunklen Saal, mit guter Technik, gutem Sound … eine besondere ästhetische Erfahrung.

Online-Redaktion: VISION KINO lädt in diesem Jahr bereits zum siebten Mal zum Kongress „Vision Kino 18“ ein. Die Konferenz zu Film, Kompetenz und Bildung findet vom 21. bis 23. November 2018 im Kaisersaal in Erfurt statt. Was passiert an den drei Tagen? Welche Themen stehen im Mittelpunkt?

Duve: Der Kongress ist die bundesweit wichtigste Konferenz zur Film- und Medienbildung, zu der wir rund 300 Teilnehmende, auch aus dem europäischen Raum, erwarten. Menschen, die alle mit Filmvermittlung zu tun haben, sollen miteinander ins Gespräch kommen: Lehrkräfte mit Leuten aus Jugendclubs, Kinobetreiber mit Politikern, Filmschaffende mit Wissenschaftlern. In den Podien werden aktuelle Tendenzen diskutiert. In den Workshops können die Teilnehmenden selbst etwas erarbeiten  und für ihre eigene Arbeit mitnehmen. Besonders wichtig ist uns aber auch immer das Get-Together: Am ersten Abend wird der Drehbuchpreis „Kindertiger“ durch eine Kinderjury verliehen, am zweiten gibt es eine Filmpremiere, am dritten Tag bringen Filmemacher ihre neuen Filme mit. Dieses Jahr erwarten wir einige spannende Verfilmungen, etwa Berlin Alexanderplatz, Deutschstunde, Narziss und Goldmund und Alfons Zitterbacke.

Online-Redaktion: Einen Schwerpunkt bildet das Thema „Digitalisierung und die Herausforderung für die Schule“. Wie verändert sich die Förderung von Filmkompetenz an Schulen durch die digitale Bildung?

Duve: 2016 hat die Kultusministerkonferenz ein Strategiepapier zur „Bildung in der digitalen Welt“ vorgelegt. Daran anschließend fragen wir auf dem Kongress danach, was sich getan hat – und noch tun muss. Wie kann mit neuen Medien innovativ gearbeitet werden? Für mich funktioniert das nur, wenn dabei auch junge Menschen gefragt werden. Daher haben wir Jugendliche als Redner unseres Kongresses eingeladen. Ein Workshop zu Instagram wird sogar von zwei Teenagern geleitet. Und dies ist auch für die Medienbildung entscheidend: Junge Menschen nutzen soziale und kommunikative Medien bereits. Das muss ihnen zunächst nicht mehr beigebracht werden. Da können vielmehr Erwachsene von den Jüngeren lernen. Jedoch sehe ich nach wie vor eine Aufgabe darin, die Codes bewegter Bilder bewerten zu lernen, ein kritisches Bewusstsein zu entwickeln.

Online-Redaktion: Welche praktischen Workshops werden im Rahmen des Kongresses angeboten?

Duve: In kleinen Gruppen geht es direkt in medias res, mit Kameras, Handys, Materialien, je nachdem. Filmbildung muss nicht zwangsläufig mit technischen Medien erfolgen. Für ein Storyboard braucht man einen Stift, für ein Daumenkino Kleber und für eine gute Geschichte erst mal eine spannende Idee. Das wird auch in unseren zwei Workshops deutlich, bei denen kreative Methoden für Vor- und Grundschulkinder im Mittelpunkt stehen. Zum Schwerpunktthema „digitaler Wandel“ bieten wir zwei Workshops an – über die Arbeit mit Instagram und mit Webvideo-Formaten. Direkt im Kino am Hirschlachufer wird in einem weiteren Workshop filmpädagogische Arbeit erprobt.

Online-Redaktion: In welchen Projekten ist VISION KINO darüber hinaus aktiv?

Duve: Neben dem Kongress sind unser größtes Projekt die bundesweiten SchulKinoWochen. Schülerinnen und Schüler gehen in diesen Wochen ins Kino, bereiten die Filme im Unterricht vor und nach, die Lehrkräfte können dazu Fortbildungen machen. Zudem kommen viele Gäste und Experten für begleitende Filmgespräche. Momentan erweitern wir dieses Angebot für Kitas und Kindergärten. Darüber hinaus veröffentlichen wir Unterrichtsmaterial zu Filmen oder Themen, etwa zum Holocaust, Fragen des Urheberrechts oder für die Filmbildung in Inklusionsklassen. Gemeinsam mit dem dänischen und dem britischen Filminstitut engagieren wir uns in einem europäischen Projekt, das nach der Rolle von Filmen für ein kulturelles Zusammenwachsen fragt. Und mit dem Drehbuchpreis „Kindertiger“ fördern wir Filme für ein junges Zielpublikum.



Sarah Duve ist seit Mai 2005 Geschäftsführerin der VISION KINO - Netzwerk für Film- und Medienkompetenz. Sie studierte Rechtswissenschaften mit Schwerpunkt Medienrecht. Begleitend dazu übte Sarah Duve diverse Tätigkeiten bei Spielfilmproduktionen aus und übernahm im Oktober 1999 die Leitung der Lektoratsabteilung bei der Deutschen Columbia Pictures Filmproduktion. Von Dezember 2001 bis März 2004 absolvierte sie ihr Referendariat, das sie im April 2005 mit der Zweiten Juristischen Staatsprüfung abschloss. Im April 2004 wurde Sarah Duve von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien mit den Gründungsvorbereitungen von VISION KINO betraut.

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Autor(in): Petra Schraml
Kontakt zur Redaktion
Datum: 04.10.2018
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