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Bildung + Innovation Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Erschienen am 26.07.2018:

„Arbeit an der Demokratie von morgen.“

Das Projekt OPENION

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Bildrechte: OPENION

Demokratie als gesellschaftlichen Aushandlungs- und Gestaltungsprozess erfahrbar zu machen – darum geht es in dem Projekt OPENION der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS), das vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gefördert wird. In über 200 Projektverbünden erfahren Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 16 Jahren zeitgemäße Formen der Demokratiebildung. Partizipation, Begegnung und die Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen stehen dabei im Vordergrund.


Im Februar 2017 wurde der 15. Kinder- und Jugendbericht des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) „Zwischen Freiräumen, Familie, Ganztagsschule und virtuellen Welten – Persönlichkeitsentwicklung und Bildungsanspruch im Jugendalter“ veröffentlicht. Er zeigte auf, dass Rechtspopulismus, Skepsis gegenüber der Demokratie sowie Vorbehalte gegenüber dem Rechtsstaat und der Pressefreiheit bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen in einer immer komplexer werdenden Welt weit verbreitet sind.

Demokratiebildung im Jugend- und Erwachsenenalter
Das BMFSFJ hat deshalb das Projekt „OPENION – Bildung für eine starke Demokratie“ ins Leben gerufen, das Demokratie für junge Menschen erfahrbar machen will, indem es ihre Themen in den Mittelpunkt stellt. Die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) hat ein Konzept dazu erstellt, das auf der engen Zusammenarbeit von Schule und außerschulischen Partnern beruht und Demokratiebildung gemeinsam mit den Jugendlichen entwickeln will. Partizipation, Begegnung und die Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen stehen im Vordergrund – die Jugendlichen sollen lernen, in der Gesellschaft mitzureden, sie mitzugestalten und an ihr teilhaben zu können. Das BMFSFJ fördert das Programm finanziell im Rahmen des bundesweiten Programms „Demokratie leben!“

Im Zentrum stehen Projektverbünde aus Schulen und außerschulischen Akteuren – Jugendhilfeträger, Akteure der außerschulischen politischen Jugendbildung oder jugendkulturelle Einrichtungen –, die mit Jugendlichen zwischen zehn und 16 Jahren erproben, wie Demokratie im Alltag erlernt und gelebt werden kann und wie es den jungen Menschen dabei gelingt, eine aktive Rolle zu übernehmen. Durch Ausprobieren und Selbermachen wird Demokratie von den Kindern und Jugendlichen als gesellschaftlicher Aushandlungs- und Gestaltungsprozess erfahren. Die Jugendlichen lernen, wie sie sich in die Gesellschaft einbringen können und wie wichtig Toleranz in einer vielfältigen und offenen Gesellschaft ist, in der jeder seine Meinung äußern darf und in der die Würde aller anerkannt wird. „OPENION ist Arbeit an der Demokratie von morgen. Wir brauchen solche Projekte, um unter jungen Menschen Vertrauen in die Demokratie zurückzugewinnen. Wir müssen sie stärker politisch beteiligen und ihnen zeigen, dass auch ihre Meinung gefragt ist“, ist Bundesjugendministerin Dr. Katarina Barley sicher.

Die Koordination des Projekts
Bis 2019 fördert OPENION bis zu 240 Projektverbünde bundesweit. Die Projekte starten spätestens im Schuljahr 2018/2019. Die Vorbereitungsphase des Programms hat bereits im Mai 2017 begonnen. Seitdem finden in den Bundesländern Kooperationsgespräche statt. Die DKJS koordiniert die Zusammenarbeit aller Beteiligten auf Bundes- und Länderebene. Die bundesweite Koordination erfolgt von Berlin, außerdem gibt es sechs Servicebüros in Ost-, West, Nord- und Süddeutschland. OPENION wird in allen Bundesländern umgesetzt, setzt aber auf eine landesspezifische Umsetzung durch enge Kooperation mit den zuständigen Ministerien und Akteuren der Demokratieförderung im jeweiligen Bundesland. Um die landesspezifische Ausgestaltung auf die Bedarfe vor Ort abstimmen zu können, sind die „Landesdemokratiezentren“ und „Partnerschaften für Demokratie“ wichtige Ansprechpartner für das Programm. Weitere Partner sind die Deutsche Gesellschaft für Demokratiepädagogik e.V. (DeGeDe) und der Förderverein Demokratisch Handeln.

Die DKJS unterstützt die Projektverbünde mit Projektmitteln, aber auch mit Qualifizierungsangeboten, der Online-Plattform, Netzwerktreffen und Hospitationsreisen, damit sie im Anschluss an die offizielle Projektlaufzeit selbstständig weiter bestehen bleiben können. In so genannten Inspirationswerkstätten geben Lehrkräfte, außerschulische Einrichtungen und die Jugendlichen sich gegenseitig Impulse, erhalten neue Eindrücke und Anregungen, die DKJS präsentiert außerdem gute Beispiele als Vorbilder. Die Projektentwicklung erfolgt unter Einbezug der Praxis und fachlichen Beratung der Partner in Bund und Ländern in Kooperationsdialogen. 

In der Praxis
Inhaltlich beschäftigen sich die Projekte mit aktuellen gesellschaftlichen Veränderungen und ihren Chancen sowie Herausforderungen, wie zum Beispiel der Digitalisierung, Migration und den sozialen Medien. Vor allem die digitalen Medien spielen eine wichtige Rolle in dem Projekt. Viele Projektverbünde wenden digitale Formen der Demokratiebildung an, verbinden herkömmliche mit neuen Ansätzen. „Zeitgemäße Demokratiebildung hört nicht am Schulhof auf, sondern bringt Jugendliche, Lehrkräfte und Engagierte in Vereinen und Initiativen auch jenseits der Schule zusammen und setzt auf Kooperationen. Sie greift thematisch aktuelle gesellschaftliche Veränderungen auf und orientiert sich methodisch an digitalen, selbstbestimmten und dialogischen Wegen. Zeitgemäße Demokratiebildung scheut sich nicht, Neues auszuprobieren und steht Innovationen – beispielsweise im digitalen Bereich – offen gegenüber“, hebt die Geschäftsführerin der DKJS, Dr. Heike Kahl, hervor.

In dem Projekt „Debate up! Gröpelingen“ etwa setzen sich Stephan Siegert, Leiter des Digital Impact Lab und wissenschaftlicher Mitarbeiter am M2C Institut für angewandte Medienforschung der Hochschule Bremen, und Nurcan Karatepe-Khan, Klassenlehrerin an der Oberschule Ohlenhof, gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern der 9. Klasse mit dem Thema Europa auseinander. Der Projektverbund geht den Fragen „Welchen Einfluss hat Europa auf unser persönliches Leben?“ und „Wie funktioniert politische Partizipation?“ nach. Die Beteiligten wollen herausfinden, wie sich Schülerinnen und Schüler einen für sie angemessenen Partizipationsprozess vorstellen, und entwickeln mit Hilfe digitaler Methoden und Tools eigene Abstimmungsprozesse, die sie an ihrer Schule ausprobieren.

Am Internationales-Gymnasium-Reinsdorf in Sachsen wiederum werden die Schülerinnen und Schüler für die Themen Mobbing, Rassismus und Ausgrenzung sensibilisiert. Innerhalb von Kleinprojekten – Gesprächsrunden mit Geflüchteten, einem Theaterstück zum Thema Cybermobbing, einem Kinoabend, einem Flashmob oder einer kulinarischen Weltreise – wird gemeinsam mit dem Projektpartner, dem soziokulturellen Zentrum Gasometer, versucht, den Rassismus an der Schule zu reduzieren und die Schülerinnen und Schüler auf aktuelle gesellschaftliche Probleme aufmerksam zu machen.

Bei dem Projekt „Interreligiöse Stadtrallyes“ der Karlschule Freiburg besuchen die Schülerinnen und Schüler eine Moschee, eine Synagoge und eine Kirche und entdecken die Gemeinsamkeiten der drei Religionen. Experten aus den Gemeinden erzählen von ihrem Glauben und ihrem Alltag. Im Unterricht greifen die Jugendlichen die Themen, unterstützt von dem Verein turuq_ Prävention & Bildung, auf. Sie recherchieren Informationen zu den Weltreligionen, suchen Gemeinsamkeiten und können darüber auch vorhandene Vorurteile abbauen.

Ende 2019 findet ein bundesweiter Demokratiekongress statt, auf dem alle Projektverbünde ihre Ergebnisse präsentieren und sich über die Erfahrungen, die sie beim Ausprobieren der verschiedenen Formen von Demokratiebildung gemacht haben, austauschen können. Und es werden bestimmt viele gute Beispiele dabei herauskommen, die auch von anderen Bildungseinrichtungen übernommen werden können und die Jugendlichen wieder Lust darauf machen, in einer offenen, demokratischen Gesellschaft zu leben.




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Autor(in): Petra Schraml
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Datum: 26.07.2018
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