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Bildung + Innovation Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Erschienen am 19.07.2018:

Zivilgesellschaftliche Organisationen engagieren sich stark im Bereich der Bildung

Der ZiviZ-Survey 2017

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Bildrechte: ZiviZ-Survey

Der ZiviZ-Survey ist die einzige repräsentative Befragung der organisierten Zivilgesellschaft – Vereine, Stiftungen, gemeinnützige GmbHs und Genossenschaften – in Deutschland. Nach dem ersten ZiviZ-Survey 2012 liegen mit dem ZiviZ-Survey 2017 jetzt erstmals Verlaufsdaten zur Entwicklung der Organisationen in der Zivilgesellschaft vor. Im Juni 2018 erschien eine Sonderauswertung des Surveys zur Aktivität von zivilgesellschaftlichen Organisationen im Bildungsbereich.


Die Deutschen engagieren sich gerne. Das belegt der 2017 erschienene ZiviZ-Survey, eine repräsentative Befragung der organisierten Zivilgesellschaft ‒ Vereine, Stiftungen, gemeinnützige GmbHs und Genossenschaften ‒ in Deutschland, die von Ende 2016 bis Anfang 2017 von ZiviZ („Zivilgesellschaft in Zahlen“) im Stifterverband bereits zum zweiten Mal durchgeführt wurde. Der ZiviZ-Survey wurde von einer gemeinsamen Initiative des Stifterverbands, der Bertelsmann Stiftung und der Fritz Thyssen Stiftung 2008 mit dem Ziel ins Leben gerufen, zivilgesellschaftliche Entwicklungen durch regelmäßige Befragungen besser beschreiben und analysieren zu können. Die Daten sollen auch das öffentliche Bewusstsein dafür stärken, welche wichtigen Beiträge diese Organisationen leisten. Der ZiviZ-Survey wird von der Bertelsmann Stiftung, dem Bundesministerium für Bildung und Forschung, der Robert Bosch Stiftung und der Stiftung Mercator gefördert.
Nach dem ersten ZiviZ-Survey 2012 liegen mit dem zweiten jetzt zum ersten Mal repräsentative Verlaufsdaten zur Entwicklung der Organisationen in der Zivilgesellschaft vor. Am ZiviZ-Survey 2017 beteiligten sich mehr als 6.300 gemeinnützige Organisationen.

Städtische Vereinsmitglieder werden politischer
Augenfälligstes Ergebnis des ZiviZ-Surveys 2017: Es gab nie mehr gemeinnützige Organisationen als heute. Insgesamt sind mehr als 630.000 Organisationen in Deutschland aktiv, 95 Prozent davon Vereine. Die Vereinsform, die am stärksten gewachsen ist, ist der Förderverein, der häufig im Bildungs- und Erziehungsbereich sowie im Bereich Kultur engagiert ist. Jeder fünfte Verein ist ein Förderverein, knapp 30 Prozent der heute mehr als 130.000 Fördervereine wurden erst nach dem Jahr 2006 gegründet. Und: Fast jeder zweite Bundesbürger ist Mitglied in einer zivilgesellschaftlichen Organisation. Bei einem Drittel der Vereine ‒ vor allem denen, die Bürger- oder Verbraucherinteressen vertreten ‒ stieg die Zahl der Mitglieder im Vergleich zum Jahr 2012. Nur ein kleiner Teil der Vereine gibt an, weniger Mitglieder zu haben.
Während es allerdings in den Städten mehr dienstleistungsorientierte oder politisch und sozial ausgerichtete Organisationen sowie Stiftungen und gemeinnützige Kapitalgesellschaften gibt, deren Mitglieder sich mehr als Akteure der politischen Willensbildung verstehen, findet das stärker auf Integration orientierte traditionelle Vereinswesen in Sport-, Freizeit- und Geselligkeitsvereinen mehr auf dem Land statt.

Überwiegend rein ehrenamtliche Basis

Hervorzuheben ist, dass in den zivilgesellschaftlichen Organisationen besonders viele Ehrenamtliche beschäftigt sind. 72 Prozent der Organisationen arbeiten sogar ausschließlich mit Ehrenamtlichen. Der Anteil ist seit 2012 leicht gesunken, vor allem in den Sport- und Freizeitvereinen, da es für die Vereine immer schwieriger wird, an einem ehrenamtlichen Engagement Interessierte zu finden. „Umso wichtiger ist es, die Rahmenbedingungen für bürgerschaftliches Engagement zu verbessern“, erklärt die Leiterin des ZiviZ-Surveys, Jana Priemer, „nur so können noch mehr Menschen für zivilgesellschaftliches Engagement begeistert werden.“ Gemeint sind damit der Abbau von bürokratischen Hürden sowie das Vorhandensein von konkreten Ansprechpartnern in den Stadtverwaltungen.

Der ZiviZ-Survey zeigt, dass zivilgesellschaftliche Organisationen einen großen Beitrag zur sozialen Integration von Bürgern mit Migrationshintergrund leisten. Jede vierte Organisation entwickelt Angebote für Migranten. Auch in der Flüchtlingshilfe hat sich jede zehnte Organisation engagiert. Trotzdem gelingt es nur wenigen Organisationen, Menschen mit Migrationshintergrund als Vereinsmitglieder zu gewinnen. Die meisten Organisationen ‒ 90 Prozent der Kirchen- und religiösen Vereinigungen, aber auch über 70 Prozent der Sport- und Freizeitvereine ‒ haben kulturell eine eher homogene Mitgliedschaft. Migranten organisieren sich vielmehr in einer der bundesweit 17.000 Migrantenorganisationen.

Sonderauswertung „Vereine, Stiftungen und Co: Die neuen Bildungspartner?
Eine Sonderauswertung des ZiviZ-Surveys „Vereine, Stiftungen und Co: Die neuen Bildungspartner?“, die im Juni 2018 veröffentlicht wurde, untersucht den zweitwichtigsten Bereich des Engagements in Deutschland nach dem Sport – die Bildung – noch einmal genauer: Von den mehr als 630.000 zivilgesellschaftlichen Organisationen engagieren sich 297.000 im Bereich der Bildung. Rund 16 Millionen Menschen sind ehrenamtlich im Bildungsbereich aktiv. Das ist eine Steigerung von mehr als fünf Prozent allein in den letzten fünf Jahren. Auch die Zahl der Stiftungen im Bildungsbereich ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Die meisten Kooperationen finden im schulischen Rahmen statt.

Mangelnde Kooperation von Vereinen und öffentlichen Bildungsakteuren
Im schulischen Rahmen sind in den letzten zwanzig Jahren neue Organisationstypen entstanden: die „neue Bürgerschaft“ ‒ z.B. Fördervereine von Schulen ‒ und die „neuen Professionellen“ ‒ z.B. öffentlich geförderte Einrichtungen, die Förder- und Betreuungsangebote in Ganztagsschulen übernehmen und im Gegensatz zu vielen anderen Vereinen auch stark mit anderen Bildungsakteuren zusammenarbeiten. Denn obwohl es so viele Vereine im Bildungsbereich gibt, sind 90 Prozent ‒ vor allem ältere Organisationen wie die klassischen Vereine ‒ nicht in lokale Bildungslandschaften eingebunden. Oft kommt es erst gar nicht zu einer Zusammenarbeit von Vereinen mit öffentlichen Bildungsakteuren. Das Konzept der Bildungslandschaften ist 70 Prozent der gemeinnützigen Organisationen unbekannt. Und auch viele Kommunen wissen oft nicht, wie viele bildungsrelevante zivilgesellschaftliche Akteure es vor Ort gibt. Dabei könnte eine Zusammenarbeit sehr ergiebig sein, denn gerade Vereine bieten häufig Weiterbildungsangebote für Erwachsene, zum Beispiel Computerschulungen für Senioren, und leisten damit wertvolle Integrationsarbeit.

Handlungsempfehlungen an Politik und Zivilgesellschaft

Um das Potenzial von allen Engagierten im Bildungsbereich besser auszuschöpfen, regt der ZiviZ-Survey an, Vereinen, Stiftungen und anderen gemeinnützigen Akteuren aus der Zivilgesellschaft in Zukunft mehr Sichtbarkeit zu verschaffen, damit sie gezielter in Bildungskooperationen eingebunden werden können. Auch die Vereine selbst sollten sich besser als bisher als Bildungsakteure positionieren und vernetzen. Die Vernetzung mit öffentlichen Bildungseinrichtungen, privaten Organisationen oder gesellschaftlich engagierten Unternehmen stellt für viele Vereine nach wie vor eine große Herausforderung dar. Dabei wären genau diese Vernetzungen gewinnbringend, eröffnen sie doch weitere Integrationsmöglichkeiten für ältere Menschen oder für Menschen mit Migrationshintergrund und würden zugleich den Vereinen neue Mitglieder bringen.

Bund, Ländern und Kommunen rät der ZiviZ-Survey schließlich, die Anerkennung von in Vereinen erworbenen Kompetenzen stärker zu unterstützen, zum Beispiel indem diese in den Deutschen bzw. Europäischen Qualifikationsrahmen aufgenommen werden, um das Bildungsengagement zu stärken und weiterzuentwickeln.

 

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Autor(in): Petra Schraml
Kontakt zur Redaktion
Datum: 19.07.2018
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