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Bildung + Innovation Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Erschienen am 26.04.2018:

„Ohne den Boys’ Day hätte ich nie den Mut gehabt, mich in einer Kita zu bewerben.“

Beim Mädchen- und Jungen-Zukunftstag den Traumberuf finden

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Bildrechte: Girls’ Day/Boys’ Day

Am Girls' und Boys’ Day haben Mädchen und Jungen die Gelegenheit, in „typisch männliche“ oder „typisch weibliche“ Berufe hineinzuschnuppern. Einen Tag lang öffnen Werkstätten, Labore, Kindergärten und Altenheime ihre Tore. Schon einige Jugendliche haben darüber ihren Wunschberuf kennengelernt.


Am 26. April 2018 ist „Girls’ Day – Mädchen-Zukunftstag“ und Babsi ist schon zum dritten Mal dabei. Der Girls’ Day ist das größte Berufsorientierungsprojekt für Schülerinnen und findet seit 2001 jeden vierten Donnerstag im April statt. Schülerinnen zwischen 10 und 15 Jahren können an diesem Tag in „typisch männliche“ Berufe hineinschnuppern. Vor zwei Jahren hat Babsi ihren Mädchentag in einer Schreinerei verbracht. Dort konnte sie den Kollegen über die Schulter schauen, hat gelernt, wie man Holz zusägt und verarbeitet und zum Schluss durfte sie sogar dabei helfen, in einem Privathaus eine Tür einzusetzen. Letztes Jahr war sie bei der Feuerwehr. Schon als kleines Kind fand sie die Vorstellung faszinierend, Menschenleben zu retten. Doch ohne den Girls’ Day hätte sie sich nie zugetraut, einen Blick in diese Männerdomäne zu werfen. Dieses Jahr versucht sie sich als Bauingenieurin. Sie hat sich bei einem großen Bauunternehmen beworben und ist schon sehr gespannt darauf, was sie dort alles erfahren wird.

Der Girls' Day – Mädchen-Zukunftstag
Der „Girls' Day – Mädchen-Zukunftstag“ wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gefördert. Zahlreiche Verbände aus Politik und Wirtschaft unterstützen den Aktionstag. Koordiniert wird er auf Bundesebene vom Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e.V.. Mädchen ab der 5. Klasse können an dem Tag in vor allem technischen Unternehmen, Betrieben mit technischen Abteilungen und Ausbildungen, Hochschulen und Forschungszentren in ganz Deutschland erste Erfahrungen in Ausbildungsberufen und technischen Studiengängen, IT, Handwerk und Naturwissenschaften machen und so ihr Berufsauswahlspektrum erweitern. Am Girls' Day erleben sie in Laboren, Büros und Werkstätten, wie spannend die Arbeit dort ist. Sie bekommen einen ersten Einblick in den Arbeitsalltag der Betriebe, erproben ihre Fähigkeiten, erhalten direkte Antworten auf ihre Fragen und können erste Kontakte knüpfen. Seit dem Start im Jahr 2001 haben bundesweit etwa 1.8 Millionen Mädchen an dem Aktionstag teilgenommen, allein im Jahr 2017 erkundeten rund 100.000 Mädchen Angebote in Technik und Naturwissenschaften. Jährlich beteiligen sich Unternehmen und Organisationen mit rund 10.000 Veranstaltungen.

Mehr weibliche Fachkräfte in technischen Berufen
Der Girls' Day wurde eingeführt, weil mehr als die Hälfte der jungen Frauen in Deutschland trotz ihrer guten Schulbildung ihren Beruf aus nur zehn verschiedenen Ausbildungsberufen im dualen System auswählt – darunter ist kein einziger naturwissenschaftlich-technischer. Selbst wenn die Mädchen in Mathematik und den Naturwissenschaften gut sind, kommen diese Fächer in ihrer Berufswahl nur selten vor. Damit schöpfen sie ihre Berufsmöglichkeiten nicht voll aus, denn gerade den Betrieben in technischen und techniknahen Bereichen fehlt qualifizierter Nachwuchs, so dass dort gute Ein- und Aufstiegschancen sowie Verdienstmöglichkeiten bestehen. Der „Girls’ Day – Mädchen-Zukunftstag“ ist deshalb sowohl für die Mädchen als auch für die Betriebe eine große Chance. Und er wird immer erfolgreicher. Immer mehr Mädchen können sich vorstellen, eine Ausbildung in einem der kennengelernten Bereiche zu machen und auch die Unternehmen profitieren, indem sie neues Personal gewinnen können. In den letzten Jahren ist eine deutliche Steigerung bei den weiblichen Fachkräften in technischen Berufen zu verzeichnen, auch die Anzahl der Studierenden in den MINT-Bereichen ist gestiegen. MINT-Projekte, Kampagnen und der Girls' Day haben einen großen Anteil an dieser Entwicklung.

Der „Boys’ Day – Jungen-Zukunftstag“
Seit 2011 gibt es in Anlehnung an den Girls' Day auch den bundesweiten „Boys’ Day – Jungen-Zukunftstag“. Denn auch die Potenziale der Jungs sind vielfältiger, als ihre Berufswahl widerspiegelt. Mehr als die Hälfte der männlichen Auszubildenden entscheidet sich für einen von zwanzig jungentypischen Ausbildungsberufen im dualen System. In den sozialen, erzieherischen oder pflegerischen Bereichen findet man sie nur selten. Schüler der Klassen fünf bis zehn können beim Boys’ Day diese Berufs- und Lebenswege kennenlernen. Bundesweit öffnen Einrichtungen, Organisationen, Schulen und Hochschulen ihre Türen für die Jungen. In Kindergärten, Altenheimen, Grundschulen, Geschäften oder in Krankenhäusern können sie erste praktische Erfahrungen sammeln. Lukas zum Beispiel hat seinen Boys’ Day vor drei Jahren in einer Kita verbracht – und darüber seinen Traumberuf gefunden. „Ohne den Boys’ Day hätte ich nie den Mut gehabt, mich in einer Kita zu bewerben, ich dachte der Beruf Erzieher/in, das ist nur was für Frauen. Dabei ist die Arbeit mit den Kindern genau das richtige für mich! Jeden Tag zu sehen, wie sie mehr lernen und die Welt entdecken, ist einfach toll“, schwärmt er.

2017 war ein Rekordjahr
Der Boys’ Day ist eine Aktion des bundesweiten Netzwerks und Fachportals „Neue Wege für Jungs“ und Teil der Bundesinitiative „Klischeefrei – Nationale Kooperationen zur Berufs- und Studienwahl – frei von Geschlechterklischees“. Die Initiative hat zum Ziel, eine geschlechtergerechte Berufs- und Studienwahl in Deutschland zu etablieren. Der Boys’ Day wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gefördert. Seit 2011 haben fast 225.000 Jungen an mehr als 37.700 Boys' Day-Angeboten teilgenommen. 2017 war ein Rekordjahr für den Boys' Day. Über 30.000 Jungs haben bei mehr als 6.700 Angeboten mitgemacht! Die neueste Evaluation zeigt, dass 52 Prozent der Jungen am Boys' Day einen Beruf kennengelernt haben, der sie interessiert, und sich 27 Prozent sogar vorstellen können, in dem Bereich später zu arbeiten. Fünf Prozent haben durch ihre Teilnahme sogar einen neuen Wunschberuf gefunden – so wie Lukas.



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Autor(in): Petra Schraml
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Datum: 26.04.2018
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