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Bildung + Innovation Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Erschienen am 19.04.2018:

„Geschlechterklischees engen ein.“

Nationale Kooperation zur Berufs- und Studienwahl macht sich für klischeefreie Berufsorientierung stark

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Bildrechte: Nationale Kooperationen zur Berufs- und Studienwahl frei von Geschlechterklischees

Die Initiative „Nationale Kooperationen zur Berufs- und Studienwahl frei von Geschlechterklischees“ – ein Bündnis aus Bildung, Politik, Wirtschaft und Forschung – will Geschlechterklischees in der Berufsorientierung überwinden und Jugendliche zur Lebensplanung entsprechend ihrer Talente, Interessen und Stärken befähigen.


Junge Männer und Frauen treffen ihre Berufswahl nach wie vor oft nach „geschlechtertypischen“ Mustern. Frauen werden Bürokauffrau, Verkäuferin oder Friseurin, Männer Automechaniker oder Tischler. Die Entscheidung für einen Beruf ist auch heute noch mit stereotypen Rollen verknüpft. Dabei beschränken sich fast drei Viertel der jungen Frauen und über die Hälfte der jungen Männer auf rund 20 duale Ausbildungsberufe, obwohl es im dualen System fast 330 Ausbildungsberufe gibt. Auch an den Hochschulen zeigen sich bei der Fächerwahl der Studierenden deutliche Unterschiede. Während Frauen ein Fach aus den Sprach- und Kulturwissenschaften, den Sozialwissenschaften, aus dem Bereich Gesundheit, der sozialen Dienste oder ein Lehramtsstudium bevorzugen, stellen Männer in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) die Mehrheit und wählen Maschinenbau, Informatik oder Elektrotechnik.

Die Initiative „Klischeefrei“

Die Initiative „Nationale Kooperationen zur Berufs- und Studienwahl frei von Geschlechterklischees“, kurz: Klischeefrei, engagiert sich dafür, diese Aufteilung der Berufe nach Geschlecht aufzuweichen und eine geschlechtergerechte Berufs- und Studienorientierung zu etablieren. Junge Menschen sollen unabhängig von ihrer Geschlechtszugehörigkeit Berufe finden, die zu ihren Stärken, Interessen und ihrer Lebensplanung passen und ihnen Spaß machen. Die Initiative wurde 2014 von den Bundesministerien für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und für Bildung und Forschung (BMBF) ins Leben gerufen. Mitglieder der Initiative im Ständigen Forum sind fünf Bundesministerien, mehrere Länderministerien, die Bundesagentur für Arbeit, Sozialpartner und Vertretungen aus Wissenschaft, Praxis und Wirtschaft. Das Ständige Forum ist aus dem Expertinnen- und Expertenkreis Geschlechtergerechte Studien- und Berufswahl hervorgegangen, der ebenfalls 2014 durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) ins Leben gerufen wurde. Es beschäftigt sich mit aktuellen Fragen der geschlechtergerechten Berufs- und Studienwahl, sammelt Informationen und erstellt Materialien. Das Ständige Forum hat zum Beispiel die „Positionen zu einer Berufs- und Studienwahl frei von Geschlechterklischees“ entwickelt und dazu die Handlungsempfehlungen „Nationale Kooperationen zur Berufs- und Studienwahl frei von Geschlechterklischees“ zur Umsetzung erarbeitet.

Die Servicestelle berät
Der Kern der Initiative ist die Servicestelle, die beim Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e. V. und dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) angesiedelt ist und von BMBF und BMFSFJ gefördert wird. Sie bereitet die vom Forum ausgewählten Informationen – geschlechterbewusst gestaltete Maßnahmen, Materialien und Beispiele gelungener Praxis – fachlich und redaktionell auf und stellt sie auf www.klischee-frei.de zur Verfügung. Daneben führt sie die Fachtagungen der Nationalen Kooperationen durch und ist zentrale Anlaufstelle für Beratung und Vernetzung. Elke Büdenbender, Ehefrau von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, ist die Schirmherrin der Initiative. Für sie ist es eine Herzensangelegenheit, Jugendliche beim Übergang von der Schule ins Berufsleben zu unterstützen: „Für jeden jungen Mann und jede junge Frau gibt es viele Wege in Ausbildung, Studium und Beruf. Das birgt Chancen und Herausforderungen, bei denen sie Unterstützung brauchen. Dazu gehört, ihre tatsächlichen Begabungen und Interessen zu fördern, zu ermuntern, gängige Rollenklischees kritisch zu hinterfragen und den Blick zu öffnen für die Vielfalt der Ausbildungswege und Berufe. So erschließen sich die Chancen, die ihnen das Leben an dieser Stelle bietet. Jeder Mensch ist anders begabt und talentiert. Klischees und Rollendenken sollten daher den großen und wichtigen Schritt der Berufswahl nicht beeinflussen“, findet Büdenbender und appelliert an alle, die junge Menschen bei der Berufswahl begleiten, sich der Initiative anzuschließen: „Wir müssen vorurteilsfreie Berufsorientierung in die Praxis tragen und junge Menschen unterstützen, ihren Lebens- und Berufsweg selbstbestimmt zu gestalten. Ein Blick von außen kann dabei noch einmal ganz andere Perspektiven eröffnen.“

Partner für eine geschlechterunabhängige Berufs- und Studienorientierung
Alle am Berufswahlprozess Beteiligten sind eingeladen, sich den Nationalen Kooperationen anzuschließen – viele Partner konnten schon gewonnen werden. Gemeinsam setzen sie sich aktiv und mit klischeefreier Sprache für eine moderne, geschlechterunabhängige Berufs- und Studienorientierung ein. Durch das Zusammenwirken von allen mit der Berufs- und Studienorientierung befassten Institutionen und Personen – Fachkräften aus Berufsberatung, Früher Bildung, Schulen, Hochschulen, Unternehmen und Einrichtungen sowie Eltern – sollen die Geschlechterklischees überwunden und die Jugendlichen zur Lebensplanung entsprechend ihrer Talente, Interessen und Stärken befähigt werden. Es gibt schon einige Beispiele guter Praxis, in denen eine klischeefreie Berufs- und Studienwahl praktiziert wird und die von der Initiative vorgestellt werden. Bundesweit bekannt ist der Girls’Day – Mädchen-Zukunftstag/Boys’Day – Jungen-Zukunftstag, der jeden vierten Donnerstag im April stattfindet und an dem Schülerinnen und Schüler einen Tag in einen „klassischen Männer-“ bzw. „klassischen Frauenberuf“ schnuppern können. Weitere Beispiele guter Praxis sind die Forscherinnen- und MINT-Girl-Camps in Bayern und Hessen, das Projekt „Soziale Jungs Hamburg – Berufsorientierende Jungenförderung“, das Haus der kleinen Forscher, das Vorschulkindern Naturwissenschaften über Experimente in der Kita nahebringt, „Komm, mach MINT.“ – der Nationale Pakt für Frauen in MINT-Berufen, „Männer und Grundschullehramt“ der Universität Hildesheim, die klischeefreie Berufs- und Studienorientierung der Deutsche-Bank-Gruppe, das 2008 vom BMBF ins Leben gerufene Berufsorientierungsprogramm (BOP) zur „Förderung der Berufsorientierung in überbetrieblichen und vergleichbaren Berufsbildungsstätten“ und viele mehr. Auch Eltern spielen eine entscheidende Rolle, indem sie ihr Kind dabei unterstützen können, im Berufswahlprozess den persönlichen Interessen und Vorlieben zu folgen.

Die Initiative stellt allen am Berufswahlprozess Beteiligten geschlechtergerechte Materialien, Beratung zur Gestaltung sowie Begleitung geschlechtergerechter Berufsorientierung zur Verfügung, außerdem Kontakte und Links auf nützliche Angebote und Veranstaltungshinweise sowie Beispiele guter Praxis für eine klischeefreie Berufsorientierung.

 

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Autor(in): Petra Schraml
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Datum: 19.04.2018
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