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Bildung + Innovation Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Erschienen am 23.11.2017:

„Konzepte für das individualisierte Lernen“

Das Programm „LiGa – Lernen im Ganztag“

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Bildrechte: DKJS, Stiftung Mercator

Im Jahr 2015 haben die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) und die Stiftung Mercator das Programm „LiGa – Lernen im Ganztag“ gestartet. In den fünf Bundesländern Berlin, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein werden seitdem Konzepte für das individualisierte Lernen im Ganztag und die Rahmenbedingungen, unter denen insbesondere bildungsbenachteiligte Kinder gut lernen können, erarbeitet.


Ganztagsschulen bieten mehr Zeit für individuelles Lernen und die Förderung von bildungsbenachteiligten Kindern und Jugendlichen. Doch nicht überall liegen dafür gute Konzepte vor. In dem Programm „LiGa – Lernen im Ganztag“, eine Initiative der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) und der Stiftung Mercator, werden dafür Ansätze erarbeitet. „In der Schule entscheidet sich, ob ein Kind seine Ziele und Träume im Leben verwirklichen kann – unabhängig von seiner Herkunft. Bislang trägt Schule jedoch noch zu wenig zur Chancengleichheit bei. Mit dem Programm ‚LiGa – Lernen im Ganztag‘ möchte die Stiftung Mercator in fünf Bundesländern Ganztagsschulen darin unterstützen, stärker individuell auf den Einzelnen einzugehen und dadurch den Lernerfolg zu erhöhen“, äußert sich Winfried Kneip, Geschäftsführer der Stiftung Mercator, zu den Zielen des Programms.

„LiGa – Lernen im Ganztag“ wird an rund 300 Schulen in den fünf Bundesländern Berlin, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein durchgeführt. Das Programm setzt an zwei Ebenen an: der Schul- und der Steuerungsebene. Schulen – Schulleitungen, Lehrkräfte und pädagogische Mitarbeiter – sowie die Schulaufsicht arbeiten eng zusammen, um die Qualität an den Ganztagsschulen zu verbessern und Konzepte für das individualisierte Lernen im Ganztag und die Rahmenbedingungen, unter denen bildungsbenachteiligte Kinder gut lernen können, zu entwickeln. Das Programm ist 2015 mit einer Laufzeit von viereinhalb Jahren gestartet und endet im Dezember 2019.

Unterstützung auf zwei Ebenen
Auf der Schulebene entwickeln die rund 30 schulischen Netzwerke über die gesamte Projektlaufzeit in multiprofessionellen Schulteams, die aus Schulleitung, Lehrkräften und pädagogischen Mitarbeitern oder auch Kooperationspartnern bestehen, ihre Konzepte rund um individualisiertes Lernen. Im Rahmen regelmäßig stattfindender Netzwerktreffen werden die Projekte und Vorhaben von der Idee bis zur Umsetzung begleitet, ausgewertet und weiterentwickelt. Hier erhalten die Schulen von Experten Impulse und Anregungen für ihr individuelles Entwicklungsvorhaben, professionelle Beratung und ein Methodentraining im Projekt- und Qualitätsmanagement. Hier können sich die Schulen aber auch mit den anderen beteiligten Schulen austauschen und von- und miteinander lernen.

Gleichzeitig erproben und verankern die teilnehmenden Ganztagsschulen ihre Konzepte zum individualisierten Lernen, wie zum Beispiel die Einführung von Lernzeiten oder die Verzahnung von Unterricht und weiteren Angeboten, im Unterricht und in den außerunterrichtlichen Angeboten. Dabei werden sie vom Programmträger unterstützt und qualifiziert. „In der Ganztagsschule steckt ein gewaltiges Potenzial – das machen wir sichtbar und entwickeln es weiter. Das Programm ‚LiGa – Lernen im Ganztag‘ unterstützt zahlreiche Schulen dabei, Ganztagsschulkonzepte mit dem Fokus auf individualisiertes Lernen zuzuschneiden und zu verbessern“, so Dr. Heike Kahl, Geschäftsführerin der DKJS. Darüber hinaus haben die Schulen die Möglichkeit, an landesweiten und länderübergreifenden Fachtagungen und Kongressen teilzunehmen.

Auf der Steuerungsebene wird parallel dazu die Qualität der Ganztagsschule weiterentwickelt. Die rund 300 Schulleitungen sowie etwa 60 Mitarbeitende der Schulaufsicht arbeiten eng zusammen und fördern eine systematische Qualitätsentwicklung, indem sie geeignete Rahmenbedingungen und Unterstützungsangebote schaffen. Dabei geht es um eine Schul- und Unterrichtsentwicklung, zum Beispiel mit Fokus auf Veränderungsmanagement, Selbstevaluation oder Teamentwicklung. Dafür erhalten sie vom Programmträger bedarfsgerechte Unterstützung und Qualifizierung sowie Raum für Austausch und Vernetzung. Ein wichtiges Instrument auf dieser Ebene ist die Führungskräfteakademie. Hier arbeiten Schulleitungen und Schulaufsicht schulformübergreifend an inhaltlichen Fragen der Schul- und Organisationsentwicklung und vertiefen gemeinsam ihre Leadership-Kompetenzen.

Unterschiedliche Strukturen in den Ländern

Da sich schulische Strukturen und damit verbundene Herausforderungen von Bundesland zu Bundesland unterscheiden, entwickeln die fünf teilnehmenden Länder in enger Kooperation mit den Landesministerien, den Bildungsverwaltungen und Förderpartnern neben der Qualitätsentwicklung und dem individualisierten Lernen spezifische Landesvorhaben. Jede Schule wählt eines oder mehrere dieser Themen aus, zu denen sie ein schulisches Entwicklungsprojekt durchführt. In Berlin stehen zum Beispiel u.a. die Handlungsfelder „Inklusive Lern- und Schulkultur“ und „Jugendliche mit Fluchterfahrung in Willkommensklassen“ zur Auswahl. In Hessen „Lernen lernen“ und die „Rhythmisierung als Fördermaßnahme“. In Schleswig-Holstein „Verzahnung von Vor- und Nachmittag“ und „Diversity“. In Nordrhein-Westfalen können die Schulen aus den Bereichen „Lernen im Ganztag“ oder „Leben im Ganztag“ wählen. Und für LiGa-Schulen in Sachsen-Anhalt ist das digital-vernetzte Lernen ein wichtiges Entwicklungsfeld. In Netzwerktreffen und Schulbesuchen werden den teilnehmenden Schulen die vielfältigen Möglichkeiten aufgezeigt, die das digital-vernetzte Lernen für eine individualisierte Lernkultur bietet. Und auch die Führungskräfteakademie 2017 widmet sich dort dem Thema „Schule führen – Fokus: Steuerung von Prozessen digital-vernetzten Lernens“.

Konzepte langfristig verankern
Im Rahmen des Programms ist geplant, wirksame Steuerungsansätze für die Qualitätsentwicklung von Ganztagsschulen in den beteiligten Ländern langfristig zu verankern und verbreiten. Dafür arbeiten die teilnehmenden Schulen eng mit den Landesministerien, der Bildungsverwaltung und Fachpartnern zusammen und machen die Ansätze und Konzepte auf länderübergreifenden Veranstaltungen wie Fachtagen und bundesweiten Fachkongressen – auch für andere Bundesländer – bekannt. Vor diesem Hintergrund führt das Zentrum für Qualitätssicherung und -entwicklung (ZQ) an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz von 2016 bis 2019 auch eine länderübergreifende Programmevaluation durch. Aus den Erfahrungen und Einschätzungen der Vertreter der Schulaufsicht und der Schulleitungen sollen für die Implementierung wichtige Erkenntnisse gewonnen werden.

 

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Autor(in): Petra Schraml
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Datum: 23.11.2017
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