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Bildung + Innovation Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Erschienen am 12.01.2017:

„Nimm mich Huckepack“

Das Projekt stärkt die emotionalen und sozialen Kompetenzen von Kindern im Vorschulalter

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Logo; Quelle: Huckepack-Kinderförderung e.V.

Der Verein Huckepack-Kinderförderung in Sachsen unterstützt und begleitet Kinder im Vorschulalter, die bei ihren emotionalen und sozialen Kompetenzen noch dazu lernen können. Über einen Zeitraum von einem Jahr üben Mentor/inn/en mit den Kindern spielerisch, ihre Gefühle und Bedürfnisse zu regulieren.


Nicht alle Kinder sind von klein auf vertrauensvoll und stark. Viele können ihre Gefühle nicht richtig deuten und verstehen, sich nicht in Andere einfühlen oder sich in der Gruppe nicht behaupten. Manche geraten häufig in Streitereien, sind aggressiv, werden zum Außenseiter und leiden schon in früher Kindheit unter Ausgrenzung. Hier setzt das Projekt „Huckepack“ an. Es nimmt Kinder im Vorschulalter „auf seine starken Schultern“ und hilft ihnen beim Aufbau sozialer und emotionaler Kompetenzen, damit sie lernen, Gefühle zu benennen und zu verstehen, Selbstvertrauen zu entwickeln, mit Anderen gut auszukommen, Freundschaften einzugehen und Konflikte konstruktiv zu lösen.

Das Huckepack-Projekt
Das Projekt wird vom Verein Huckepack-Kinderförderung getragen und ist im Jahr 2009 u.a. von Prof. Dr. Udo Rudolph (Vorstandsvorsitzender) und Dr. André Körner (Stellvertretender Vorstandsvorsitzender) gegründet worden. Es wird in enger Kooperation mit dem Institut für Psychologie der TU Chemnitz und verschiedenen Kindertagesstätten im Raum Sachsen durchgeführt. Angesprochen werden bewusst Kinder im Vor- und Grundschulalter zwischen 4 und 7 Jahren, da Übungsangebote in diesem Zeitraum besonders wirksam sind und die Kinder einen langfristigen Nutzen von ihnen haben. Bei gutem Verlauf können Angebote im Vorschulalter oft über den gesamten weiteren Lebensweg eine positive Wirkung entfalten, da sich Verhaltensmuster bei jüngeren Kindern noch nicht so verfestigt haben.

1:1 Betreuung
Zu Beginn des Projekts steht eine umfangreiche Diagnostik in den beteiligten Kindertagesstätten. Im Gespräch mit der Kindergartenleitung, den Erzieher/inn/en und den Eltern werden die Kinder, die bei ihren emotionalen und sozialen Kompetenzen noch dazu lernen können, in das Projekt aufgenommen, ihr Trainingsbedarf ermittelt sowie Fördermöglichkeiten besprochen. Die Kinder werden dann über einen Zeitraum von einem Jahr von einer Mentorin bzw. einem Mentor begleitet. Die Mentor/inn/en sind junge Student/inn/en der TU Chemnitz, die Spaß an der Arbeit mit kleinen Kindern haben und in einem viertägigen Workshop auf ihre Arbeit mit den Kindern vorbereitet werden. Sie werden während ihrer gesamten Zeit als Mentor/in durch erfahrene Mitarbeiter unterstützt.

Die Mentor/inn/en besuchen die Kinder einmal in der Woche für zwei bis drei Stunden in ihrer Einrichtung und trainieren mit ihnen auf spielerischem Wege ihre emotionalen und sozialen Kompetenzen. Sie schauen sich zum Beispiel gemeinsam mit den Kindern Bücher an, in denen Kinder vorkommen, die sich streiten oder weinen, begleiten sie in ihrem Kindergartenalltag und sprechen mit ihnen dabei über ihre eigenen Empfindungen. Dabei lernen die Kinder ihre Gefühle und Bedürfnisse wahrzunehmen und mitzuteilen, sich in andere einzufühlen, abzuwarten, zu teilen, zu trösten, sich abzuwechseln, sich zu vertragen, Freundschaften aufzubauen sowie Kompromisse auszuhandeln und Konflikte nicht aggressiv, sondern friedlich zu lösen. Diese intensive Verzahnung von Spielen und Übungen für und mit dem Kind und seinem nächsten Umfeld sowie die stabile und vertrauensvolle Beziehung zwischen Mentor/in und Kind in der 1:1-Betreuung bilden das Fundament für die inhaltliche Arbeit. Die Eltern und die Erzieher/inn/en werden regelmäßig über die Entwicklungen des Kindes informiert.

Workshops für Eltern und Fortbildungen für Kitas

Zusätzlich werden vom Verein Huckepack-Kinderförderung Workshops für Eltern und Fortbildungen für Kindertagesstätten angeboten, denn nur in der Zusammenarbeit aller Beteiligten können die Kinder in ihrer sozialen und emotionalen Kompetenz reifen. Erzieher/innen und Eltern müssen den Prozess, in dem sich die Kinder befinden, unterstützen. Bei den Fortbildungen für die Erzieher/inn/en steht jeweils ein Themenschwerpunkt im Vordergrund. Zum Beispiel geht es um die Fragen, warum bestimmte Kinder ungünstige emotionale und soziale Reaktionsmuster zeigen und mit welchen Übungen man Kooperation, Rücksichtnahme und das Wissen über Gefühle spielerisch lernen kann oder wie wichtig die Qualität der Beziehung zwischen Eltern und Kindern und ihr Auswirken auf ihr Verhalten ist. Lernstörungen und Lernschwierigkeiten im Kindergartenalter sowie Verhaltensauffälligkeiten, u.a. auch durch eine unerkannte Hochbegabung, bilden weitere Schwerpunkte. Es werden auch Fortbildungen zu den Themen Mobbing, Störungen der Aufmerksamkeit, der Impulskontrolle und des Sozialverhaltens, wie eine Autismusstörung, eine Depression oder eine ADHS, sowie zu oppositionellem Trotzverhalten angeboten. Darüber hinaus gibt es Seminare, in denen die Gesprächsführung mit den Eltern zu den oft schwierigen und sensiblen Themen eingeübt wird.
Die Themen werden als Tagesfortbildung oder Teamweiterbildung angeboten und auf Wunsch auch in den jeweiligen Einrichtungen durchgeführt. Alle Inhalte werden in enger Zusammenarbeit mit dem psychologischen Institut der Technischen Universität Chemnitz konzipiert, so dass alle Maßnahmen fortlaufend wissenschaftlich begleitet und hinsichtlich ihrer Wirksamkeit geprüft und optimiert werden. In den Räumen der Technischen Universität Chemnitz finden die Workshops für alle interessierten Eltern statt. Sie werden in fünf 90-minütigen Einheiten angeboten, gehen auf die Beziehung zwischen Eltern und Kind ein und bieten Antworten darauf, wie man sein Kind während dieses Jahres und darüber hinaus unterstützen kann.

Wirkungsvolle Prävention, nachhaltiger Effekt?
Indem das Projekt auf die Verbesserung emotionaler und sozialer Kompetenzen bei Kindern zielt, alle Beteiligten einbezieht und den Kindern ein intensives und langfristiges Training, das wissenschaftlich begleitet wird, bietet, stellt es eine wirkungsvolle Prävention dar. Doch dem Verein ist es wichtig, nachhaltige Effekte zu erzielen. Wenn möglich sollen die Kinder ihr ganzes Leben von den Übungen profitieren und ein gesundes Sozialverhalten entwickeln. Deshalb bleibt der Verein auch nach dem Projekt mit den Kindern, Eltern und Kindertagesstätten in Kontakt.




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Autor(in): Petra Schraml
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Datum: 12.01.2017
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