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12. 11. 2015

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Musik bringt Schwung ins Schulleben

„Musikalische Grundschulen“ verändern sich positiv

Bild

Logo Musikalische Grundschule; Quelle: Bertelsmann Stiftung

Musik ist an den „Musikalischen Grundschulen“ das Wichtigste – nicht nur im Musikunterricht, sondern in allen Schulfächern sowie im Schulleben. Sie fördert die Leistung der Einzelnen und das Gemeinschaftsgefühl aller. In diesem Jahr feiert die „Musikalische Grundschule“ ihr zehnjähriges Jubiläum.


„Ich mach Musik den ganzen Tag, mit Musik bin ich ganz stark“ sangen rund 500 Schülerinnen und Schüler am 1. Oktober 2015 auf dem Opernplatz in Hannover. Ausgelassen feierten sie das zehnjährige Jubiläum der „Musikalischen Grundschulen“. Alle anderen Kinder, die in Niedersachsen, Bayern, Berlin, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Thüringen eine „Musikalische Grundschule“ besuchen – insgesamt mehr als 40.000 in rund 400 Schulen – verfolgten via Internet das Event live mit und trugen das Lied „Musik den ganzen Tag“ in die gesamte Bundesrepublik.

Die „Musikalische Grundschule“

Entwickelt wurde die „Musikalische Grundschule“ als Kooperationsprojekt der Bertelsmann Stiftung und des Hessischen Kultusministeriums vor gut zehn Jahren. 2005 gingen in Hessen in einer ersten Projektphase 44 Schulen an den Start und erprobten das neue Konzept. Ab 2008 folgten in einer zweiten Projektphase 53 weitere Schulen. Heute ist die „Musikalische Grundschule“ in Hessen an 90 Schulen fester Bestandteil des Schulprogramms und vom Projektstatus in die Regelpraxis überführt worden. Seit 2009 wurde das Projekt in Kooperation mit den jeweiligen Landeskultusministerien auch in fünf weiteren Bundesländern eingeführt: Seit 2009 ist in der Berliner Schullandschaft in 34 Schulen "Musike drin", in Bayern kamen 2011 rund 60 Projektschulen dazu. 2011 starteten 25 Projektschulen in Thüringen, gefolgt von zehn weiteren von 2013 bis 2015. Zum Schuljahr 2012/2013 stiegen 100 Grundschulen in Niedersachsen ein, 20 weitere kamen im Schuljahr 2014/2015 hinzu. Und seit 2013 nehmen auch 20 Projektschulen in Nordrhein-Westfalen teil.

Ziel des Projekts
Die „Musikalische Grundschule“ ist ein Schulentwicklungsprojekt, in dem die Musik das verbindende Element für die Entwicklung von Unterricht, Personal und Organisationskultur bildet. Schüler und Schülerinnen, Lehrkräfte, pädagogisches Personal und Eltern erleben an ihrer Schule die „4 Ms“: „Mehr Musik von Mehr Beteiligten in Mehr Fächern und zu Mehr Gelegenheiten". Unter dieser Leitidee entwickelt jede „Musikalische Grundschule“ ihr eigenes Schulprofil. An den „Musikalischen Grundschulen“ wird jedoch nicht dem Unterrichtsfach Musik ein besonderer Stellenwert eingeräumt. Musik ist vielmehr das Element, das Schüler, Lehrer, Eltern und die Schule als Institution verbindet.

Mehr als an anderen Schulen treffen in Grundschulen Kinder unterschiedlicher Herkunft und Bildungserfahrungen zusammen. In und über die Musik sollen sie Ausdrucksmöglichkeiten für ihre Stärken finden, positive Lernerfahrungen machen und in ihrer Persönlichkeit reifen. Musik wirkt als „Medium und Motor für einen ganzheitlichen, phantasievollen und lebendigen Schulentwicklungsprozess, der inklusive Lernkultur und individuelle Förderung ermöglicht“, betont die Bertelsmann Stiftung. In einer „Musikalischen Grundschule“ wird Musik zum Gestaltungselement im gesamten Schulleben. Sie führt sowohl zu einem besseren Verständnis von Fächern wie Deutsch und Mathe als auch zu einem neuen Gemeinschaftsgefühl im schulischen Ganztag.

Die Schulen gehen einen eigenen Weg

Den Weg gestaltet jede Schule individuell. Wichtig ist, dass alle Beteiligten der Schulgemeinschaft an einem Strang ziehen: das Kollegium, die Ganztagskräfte, die Eltern und die Schülerinnen und Schüler. Darüber entstehen an den „Musikalischen Grundschulen“ an vielen Orten und zu den unterschiedlichsten Gelegenheiten vielfältige musikalische Erlebnisse: es werden Lehrerbands, Eltern-Lehrerchöre und natürlich Kinderchöre gegründet. Kinder lernen in Arbeitsgemeinschaften Instrumente kennen, lernen aber auch, spielerisch-experimentell mit Tönen und Alltagsgeräuschen umzugehen. So untersuchen sie die Geräusche – und die Stille – ihrer Schule, sei es das Schnibbeln in der Küche, der Basketball in der Halle oder das Fegen der Blätter durch den Hausmeister, und gestalten daraus gemeinsame Klanginstallationen.
Im Unterricht entdecken Kinder beispielsweise den Rhythmus in Sprache und Musik, verklanglichen Gedichte, setzen Zahlenspiele musikalisch um, machen Farben zu Tönen und lernen zuhören. Es gibt Lehrer, die den Begrüßungskanon „Guten Morgen, good morning“ mit den Kindern singen, andere beginnen beim Betreten des Raumes mit Körperpercussion oder Klopfen und Klatschen auf Tisch und Stuhl rhythmisch, ohne Worte, den Unterricht. Regelmäßig finden Aufführungen und Präsentationen statt. Musik ist aus dem Schulalltag der „Musikalischen Grundschulen“ nicht mehr wegzudenken, verändert den Unterricht und die Zusammenarbeit der Kollegen und das Klima an der Schule.

Die Aufgabe der Musikkoordinatoren

Musikkoordinatorinnen und Musikkoordinatoren steuern den Prozess. Das sind meistens Musikfachkräfte der Schulen, die sich in einer Fortbildungsreihe mit sechs Modulen dazu qualifiziert haben. In einigen Bundesländern gibt es auch Fortbildungen für Schulleitungen und Fortbildungsreihen für Lehrkräfte ohne musikpädagogisches Studium. In Thüringen werden pro Schule ein Musikkoordinatoren-Tandem aus Lehrkraft und Erzieher/in qualifiziert. Diese Musikkoordinatoren geben ihren Kollegen und Kolleginnen ein Instrumentarium an die Hand, sie zeigen ihnen, wie sie mit musikalischen Elementen den Deutsch-, Mathe- oder Sachunterricht bereichern können. Wie sie den Prozess der Inklusion, den Umgang mit Vielfalt und die individuelle Förderung an ihrer Schule unterstützen können. Darüber hinaus gibt es einen zentralen Ansprechpartner für alle am Projekt beteiligten Schulen. Er unterstützt und berät sie, vernetzt sie miteinander für den Ideen- und Erfahrungsaustausch und bringt sie mit externen Kooperationspartnern in Kontakt.

Positive Evaluationsergebnisse

Musik bringt Freude in den Schulalltag und spornt Lehrer, Schüler und Eltern zu neuen gemeinsamen Aktivitäten an. Das bestätigen verschiedene Evaluationsergebnisse. Ist der Prozess zur „Musikalischen Grundschule“ einmal angestoßen, so verstetigen sich die musikalischen Aktivitäten, schlagen sich im Leitbild, Schulprogramm und schulinternen Lehrplänen nieder. Durch die Musik erfahren die an den Schulen Beteiligten ein größeres Gemeinschaftsgefühl, erhält der Unterricht neue Anregungen, werden die Eltern mehr einbezogen und mehr Kooperationen mit außerschulischen Partnern geschlossen. Die „4 Ms“ führen zu einem verbesserten Schulklima, zu einem guten sozialen Miteinander und zu mehr Verbundenheit mit der eigenen Schule.


Autor(in): Petra Schraml
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Datum: 12.11.2015
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