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21. 05. 2015

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

„Berufsbefähigung darf nicht auf einen bestimmten Arbeitsplatz hin ausgerichtet sein.“

Ergebnisse der Bologna-Nachfolgekonferenz in Jerewan

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In Jerewan fand die achte Bologna-Nachfolgekonferenz statt

Am 14. und 15. Mai 2015 fand die achte Bologna-Nachfolgekonferenz in Jerewan, Armenien, statt. Die europäischen Bildungsministerinnen und -minister und ihre Vertreter zogen Bilanz und legten den Fahrplan für die kommenden drei Jahre fest. Als neuer Partner ist Weißrussland aufgenommen worden.


Im Jahr 1999 bekannten sich 29 europäische Staaten dazu, bis 2010 einen gemeinsamen Hochschulraum zu schaffen: die damals 15 Staaten der EU, elf Staaten, die zu der Zeit noch Beitrittskandidaten waren und inzwischen EU-Mitglieder sind, sowie die EFTA-Staaten Island, Norwegen und Schweiz. Ziel war die Einführung eines gestuften Studiensystems mit europaweit vergleichbaren Abschlüssen, die gegenseitig anerkannt werden. Seitdem haben sich viele weitere Staaten dem Prozess angeschlossen – heute sind es 48. Alle zwei bis drei Jahre trifft man sich und diskutiert die Ergebnisse und Fortschritte auf Nachfolge-Ministerkonferenzen: Nach Prag (2001), Berlin (2003), Bergen (2005), London (2007), Leuven (2009), einer außerordentlichen Jubiläumskonferenz in Budapest und Wien (2010) sowie Bukarest (2012) fand die achte Nachfolgekonferenz in diesem Jahr in Jerewan, der Hauptstadt von Armenien, statt. Vom 14. bis 15. Mai trafen sich dort die Bildungsminister und ihre Vertreter, um Bilanz über den Stand der Umsetzung der Bologna-Reform zu ziehen, Ziele nachzujustieren und neue Aufgaben für die kommenden Jahre festzulegen. Als neuer Partner ist Weißrussland aufgenommen worden.

Das Jerewan-Kommuniqué
Die Vertreter der Mitgliedstaaten zeigten sich darüber zufrieden, dass der Bologna-Prozess, gekennzeichnet durch den kontinuierlichen Dialog der Regierungen, der EU-Kommission, des Europarats, der Hochschulen, der Studierenden und der Sozialpartner weltweit Anerkennung und Nachahmung findet. Die Umsetzung der Reformen schreitet jedoch regional unterschiedlich schnell voran. Als wichtige Punkte für die kommenden Jahre wurden in dem auf der Konferenz verabschiedeten Kommuniqué der weitere Ausbau der Lehr- und Studienqualität, der Ausbau der Studierendenzentrierung der Lehre, die Schaffung flexibler und transparenter Lernpfade und die Förderung einer Hochschulbildung, die die Beschäftigungsbefähigung der Absolventen in sich schnell verändernden Arbeitsmärkten stärkt, festgehalten. Neben der Förderung der Mobilität von Studierenden und Lehrenden, die weiterhin im Mittelpunkt des Europäischen Hochschulraums steht, haben die Staaten erstmals auch konkrete Verbesserungen der Mobilität des Hochschulpersonals beschlossen und dabei deutlich gemacht, dass die Attraktivität der Arbeitsbedingungen für akademisches und nichtakademisches Personal der Schlüssel für die Gewinnung internationaler Experten und die Wettbewerbsfähigkeit Europas ist.

Qualität von Studium und Lehre verbessern
Prof. Dr. Holger Burckhart, Vizepräsident der Hochschulrektorenkonferenz für Lehre und Studium, Lehrerbildung und Lebenslanges Lernen und seit Kurzem auch im Vorstand der Europäischen Rektorenkonferenz, sieht in den zentralen Punkten des Kommuniqués den Weg der deutschen Hochschulen und ihre Verantwortung für Bildung und Forschung bestätigt: „Ich bin davon überzeugt, dass die wissenschaftsgeleitete Lehre an deutschen Hochschulen der richtige Weg ist, um Absolventinnen und Absolventen zureichend für sich schnell verändernde Arbeitsmärkte zu qualifizieren, wie es das Kommuniqué fordert." Deutschland habe immer befürwortet, dass die akademische, die wissenschaftliche Ausbildung zwar eine Berufsbefähigung für universitäre und außeruniversitäre gesellschaftliche und wirtschaftliche Karrieren ermöglichen solle, aber nicht auf einen bestimmten Arbeitsplatz hin ausgerichtet sein dürfe, wie es seit 2012 immer wieder gefordert werde. Er begrüßte auch die Forderungen nach mehr Inklusion an den Hochschulen sowie die Aufforderung, die Möglichkeiten des digitalen Lehrens und Lernens stärker zu nutzen. Positiv bewertete er, dass das Kommuniqué keine Forderung nach einer ‚Verschulung‘ der Promotionsphase als ‚drittem Studienzyklus‘ enthält, wie dies in früheren Entwürfen der Fall gewesen sei.

Weichen für ein inklusives Hochschulsystem stellen
Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) unterstützt das Ziel der Jerewaner Ministerkonferenz, die Qualität von Studium und Lehre – innovative Lehr- und Lernformen sowie die Stärkung der digitalen Bildung – weiter zu verbessern. Allerdings sollten die Lehrenden dabei besser unterstützt und von bürokratischem Mehraufwand entlastet werden, qualifizierte Fort- und Weiterbildungsangebote erhalten und faire Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen bekommen, meint Andreas Keller, stellvertretender Vorsitzender und Hochschulexperte der GEW, der als Mitglied der Delegation der europäischen Bildungsgewerkschaft in Jerewan war. Er fordert Bund, Länder und Hochschulen auf, die Weichen für ein inklusives Hochschulsystem zu stellen: „In Jerewan haben sich die europäischen Bildungsministerinnen und -minister auf eine inklusive Ausgestaltung des europäischen Hochschulraums verständigt. Dabei geht es um eine soziale Öffnung der Hochschulen und bessere Durchlässigkeit. Gerade Deutschland hat in dieser Hinsicht großen Nachholbedarf: In keinem anderen Industrieland hängt der Bildungserfolg so eng mit der sozialen Herkunft der Kinder zusammen. Wir brauchen daher unterstützende Studienbedingungen auch für Studierende mit besonderen Bedarfen, eine grundlegende Verbesserung der Ausbildungsförderung und nicht zuletzt die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention in der Hochschulbildung“. Die Empfehlung, die internationale Mobilität der Lehramtsstudierenden zu fördern, die auf Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung ins Kommuniqué aufgenommen wurde, begrüßt er. Prof. Dr.-Ing. Dr. Sabine Kunst, Brandenburgs Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur, die die Kultusministerkonferenz der Länder in Jerewan vertrat, betont dazu: „Unsere künftigen Lehrerinnen und Lehrer sind Vorbilder für unsere junge Generation. Sie sollten die unterschiedlichen und bereichernden Facetten Europas konkret ‚erfahren‚ haben und unseren Schülerinnen und Schülern vermitteln.“

Reformanstrengungen fortführen
Die nächste Ministerkonferenz wird 2018 in Paris stattfinden. Dort jährt sich die Unterzeichnung der Sorbonne-Erklärung im Jahr 1998 – Ausgangspunkt des Bologna-Prozesses – zum 20. Mal. Bis dahin bleibt viel zu tun, denn der Bericht zur Umsetzung der Reformen zeigt erneut ein regional sehr differenziertes Bild. Und auch Weißrussland muss bis dahin die Bologna-Reformen stemmen. Deutschland will die gemeinsamen Anstrengungen von Bund, Ländern und Hochschulen konsequent fortführen, um das deutsche Hochschulsystem weiterzuentwickeln und noch attraktiver für Studierende aus Deutschland und aller Welt zu gestalten, bekräftigt Staatssekretärin Quennet-Thielen. Nach Abschluss des instrumentellen Prozesses wird es in Paris dann noch einmal mehr um die politische Vision gehen, die mit dem europäischen Hochschulraum verbunden ist.

 

 

 

Autor(in): Petra Schraml
Kontakt zur Redaktion
Datum: 21.05.2015
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