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14. 05. 2015

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

„Gute Schulpraxis in die Breite tragen!“

Die Deutsche Schulakademie nimmt ihre Arbeit auf

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Die Robert Bosch Stiftung und die Heidehof Stiftung haben gemeinsam die Deutsche Schulakademie gegründet. Diese wurde am 29. April 2015 in Berlin eingeweiht und hat jetzt offiziell ihre Arbeit aufgenommen. Dabei übernehmen Schulpraktiker die Leitung für die Entwicklung und Umsetzung von Programmen und tragen sie in die Breite.


Mit einem rauschenden Fest im Palais der Kulturbrauerei in Berlin wurde am 29. April 2015 die neue Deutsche Schulakademie eingeweiht. Die Deutsche Schulakademie ist eine gemeinnützige Tochter der Robert Bosch Stiftung und der Heidehof Stiftung. Beide Stiftungen vergeben seit dem Jahr 2006 gemeinsam den Deutschen Schulpreis, bei dem eine Fachjury aus Schulpraktikern, Wissenschaftlern sowie Vertretern des staatlichen und privaten Schulwesens die sechs Qualitätsbereiche Leistung, Umgang mit Vielfalt, Unterrichtsqualität, Verantwortung, Schulleben und Schule als lernende Institution bewertet. Bislang wurden rund 50 Schulen ausgezeichnet. Seit 2007 bringt die Akademie des Deutschen Schulpreises die Preisträger zusammen und vernetzt sie mit anderen Schulen. Mehr als 6.500 Vertreter von Schulen haben in den vergangenen Jahren an Veranstaltungen teilgenommen. Mit Gründung der Deutschen Schulakademie bauen die Stiftungen ihr Engagement im Bereich Bildung jetzt aus, um die Potenziale des Schulpreises noch besser zu nutzen, erklärt Dr. Ingrid Hamm, Geschäftsführerin der Robert Bosch Stiftung. Die sechs Qualitätsbereiche des Schulpreises dienen als Grundlage für alle Aktivitäten der Deutschen Schulakademie.

Die Deutsche Schulakademie

Das Ziel der bundesweit aktiven und unabhängigen Deutschen Schulakademie für Schulentwicklung und Lehrerfortbildung ist es, die Modelle ausgezeichneter Schulpraxis aus rund zehn Jahren Deutscher Schulpreis in die Breite der Schullandschaft zu tragen. „Aus der Praxis, für die Praxis“ lautet ihr Credo. Mit Unterstützung von Wissenschaftlern und weiteren Experten bereiten reformerfahrene und engagierte Schulleiter und Lehrer erfolgreich erprobte Konzepte aus der Praxis auf und organisieren praxisnahe Fortbildungsangebote. Schulen sollen im Austausch von und mit exzellenten Schulen lernen können. „Die Schulakademie bietet erstmals effektives Peer-to-Peer Learning“, betont der Bildungsforscher und designierte Geschäftsführer der Deutschen Schulakademie Professor Hans Anand Pant. Dafür entwickelt die Akademie Materialien für gute Schulpraxis und stellt sie allen Schulen zur Verfügung. Außerdem berät sie zu Fragen der Schul- und Unterrichtsentwicklung und organisiert innovative Weiterbildungen für Lehrkräfte und Schulleiter. Angestrebt werden auch Kooperationen mit Ministerien, Lehrerfortbildungsinstituten, Kommunen und privaten Schulträgern.

Die Geschäftsstelle unterstützt die Entwicklung und Erprobung neuer Programme, verantwortet Kooperationen und koordiniert die Zusammenarbeit mit dem Programmteam. Dieses Expertenteam aus erfahrenen Schulleitern, Lehrern, Wissenschaftlern und weiteren Bildungsexperten setzt neue Projekte auf, entwickelt bestehende weiter und sichert die pädagogische Qualität der Programme. Das Netzwerk der Preisträgerschulen ist eng mit der Deutschen Schulakademie verbunden. Es besteht bislang aus 49 Mitgliedsschulen, die sich seit 2006 erfolgreich am Deutschen Schulpreis beteiligt haben. Die Geschäftsführung der Deutschen Schulakademie übernimmt Bildungsforscher Professor Hans Anand Pant, der derzeit das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) an der Humboldt-Universität zu Berlin leitet und den Deutschen Schulpreis viele Jahre als Jurymitglied begleitet hat, gemeinsam mit Dr. Roman Rösch, der den Schulpreis seit Beginn für die Robert Bosch Stiftung verantwortet und gestaltet hat.

Bewährte Programme werden weitergeführt
Die Programme der Akademie basieren auf dem Wissen der Preisträgerschulen des Deutschen Schulpreises und behandeln Themen, die für die Weiterentwicklung des Bildungs- und Schulwesens von Bedeutung sind: Umgang mit Heterogenität, neue Lernstrukturen, Schule leiten und Schülerpartizipation. Die Schulpraktiker, die überwiegend dem Netzwerk der Preisträgerschulen angehören, übernehmen die Leitung für die Entwicklung und Umsetzung der Programme, verantworten und begleiten sie von der Idee bis zum Abschluss selbst.

Im Rahmen der Deutschen Akademie werden bereits bewährte Formate der Akademie des Deutschen Schulpreises wie das Hospitationsprogramm und die pädagogischen Werkstätten, die bei vielen Schulen Entwicklungsprozesse angestoßen haben, fortgeführt. Die pädagogischen Werkstätten zum Umgang mit Heterogenität, zur individuellen Lernbegleitung und Leistungsbeurteilung, Partizipation und Bildung im Ganztag sowie zur kollegialen Unterrichtsreflexion werden gemeinsam mit den Bundesländern getragen und ausgebaut. Darin erarbeiten je drei Teilnehmerinnen und Teilnehmer von 12 bis 15 Schulen in Gruppen über einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren Lösungen für zentrale Fragen und Probleme an ihrer Schule. Geleitet werden die Werkstätten von Pädagoginnen und Pädagogen aus der Praxis, die über Erfahrung in dem Themengebiet verfügen. Die Einbindung der Schulleitungen ist verpflichtend. In diesem Jahr kommt eine Werkstattreihe dazu, die die Entwicklung und Umsetzung neuer Raum-Zeit-Arrangements in den beteiligten Schulen initiiert und begleitet. Diese Werkstattreihe, die Anfang Mai gestartet ist, regt dazu an, mit kreativen Raum-Zeit-Konzepten eine anregende Lern- und Erziehungslandschaft zu schaffen und somit der Vielfalt der Schülerinnen und Schülern besser begegnen zu können, Lernerfolge sowie demokratisches Handeln und Verantwortungsbewusstsein zu fördern.

Auch das bewährte einwöchige deutschlandweite Hospitationsprogramm an Preisträgerschulen wird fortgesetzt. Weil oft persönliche Begegnungen mit Kollegen anderer Schulen, die auf Fragen der eigenen Schulentwicklung mit ihren Erfahrungen und Ideen antworten können, eigene Schulentwicklungsprozesse anstoßen, vergibt die Deutsche Schulakademie in Zusammenarbeit mit den Preisträgern des Deutschen Schulpreises jährlich bis zu 150 Hospitationsstipendien. Die Stipendiaten hospitieren eine Woche an einer Preisträgerschule des Deutschen Schulpreises und lernen von dem Blick in die Praxis und dem Austausch mit den Lehrkräften und der Schulleitung.

Neue Projekte
Gleichzeitig entwickelt die Akademie neue Formate wie das Forum oder den Transfer-Zirkel. Geplant sind für Herbst 2015 zwei eintägige Foren zu den Themen „Individuelle Bildungsverläufe“ und „Flüchtlinge an Schulen“, in denen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gemeinsam an der Entwicklung von Problemlösungsideen arbeiten. Die Ergebnisse sollen für den Transfer aufgearbeitet werden.

Der Transferzirkel zum Thema Inklusion mit dem Titel „Anders sein ist normal“ ist im Mai als Pilotprojekt gestartet. An fünf Schulen aus dem gesamten Bundesgebiet werden voneinander unabhängige, aber thematisch verwandte Entwicklungsprozesse über einen Zeitraum von insgesamt drei Jahren von einem Schulpreisträger gestaltet und begleitet. In den ersten beiden Jahren steht der Veränderungsprozess an diesen fünf Schulen im Fokus. Sie bilden die erste Generation des Transfers. Im dritten Jahr geht es um den Transfer des Gelernten in die Region der teilnehmenden Schulen: Alle Schulen der ersten Generation gründen und leiten nun eigene regionale Zirkel mit jeweils fünf neuen Schulen. Sie bilden die zweite Generation des Transfers. Damit soll nicht nur eine Veränderung an den Schulen selbst gewährleistet werden, sondern auch eine regionale Verankerung der guten Schulpraxis. Durch den „Schneeballeffekt“ werden die neuen Prozesse in die Breite getragen.

Flashmobs zum Auftakt
„Vernetzung ist das A und O“, sagte Gastredner Professor Andreas Schleicher, OECD-Bildungsexperte und PISA-Forscher, beim Einweihungsfest in Berlin. „Wir können nicht auf die Ideen und Erfahrungen von Schülern und Lehrern verzichten“, ist er überzeugt. Viele von ihnen, das belegten seine internationalen Studien, wünschten sich innovativere und modernere Lern- und Lehrkonzepte. Doch in der Realität werden sie zu wenig umgesetzt. „Die Deutsche Schulakademie kann zwischen der Realität und den Wünschen der Beteiligten Brücken schlagen“, hofft er.

Getreu dem Vernetzungsgedanken beging man die Einweihung nicht nur mit einem zentralen Festakt in Berlin, sondern feierte die Gründung der Deutschen Schulakademie in ganz Deutschland mit unterschiedlichen Flashmob-Aktionen. Hunderte von Schülern und Lehrern ließen Ballons steigen und überraschten Passanten mit spontanen Tanz-, Sprech-, und Musikperformances. Der Auftakt jedenfalls ist schon mal gelungen.



Autor(in): Petra Schraml
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Datum: 14.05.2015
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