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31. 10. 2014

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

„Wenn wir Berufsbildung attraktiv gestalten, kann sie langfristig funktionieren.“

Die 6. DEQA-VET-Jahresfachtagung in Bonn

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Quelle: DEQA-VET

Die Deutsche Referenzstelle für Qualitätssicherung in der beruflichen Bildung (DEQA-VET) richtete am 1. Oktober 2014 ihre 6. Jahresfachtagung in Bonn aus. Praktiker, Experten und weitere Akteure diskutierten in Workshops und im Plenum über die „Attraktivität der beruflichen Bildung durch Qualitätssicherung“.


Das deutsche duale Ausbildungssystem ist auch im Ausland hoch angesehen. Um seine Attraktivität zu erhalten und zu stärken, kommt der Qualität und der Frage, wie diese trotz der Herausforderungen des demographisch bedingten Fachkräftemangels, der zunehmenden Akademisierung von Bildungswegen sowie der wachsenden Passungsprobleme bei der Besetzung von Ausbildungsplätzen gesichert und entwickelt werden kann, eine entscheidende Rolle zu. Einige Weiterentwicklungen wurden bereits vorgenommen. Dazu gehören die 2005 auf der Systemebene erfolgte Novellierung des Berufsbildungsgesetzes (BBiG), Initiativen zur Unterstützung des betrieblichen Lernens, wie zum Beispiel die Modellversuche im Förderschwerpunkt Qualität, sowie Anstrengungen in der schulischen Qualitätsentwicklung auf Länderebene. Weiterhin wichtig ist ein nationaler Diskurs, der die Bildungsqualität der beruflichen Bildung und ihre Transparenz kontinuierlich im Auge behält.

Das ist Aufgabe von DEQA-VET, der deutschen Referenzstelle für Qualitätssicherung und Entwicklung in der beruflichen Bildung. Sie wurde im August 2008 gegründet und ist beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn angesiedelt. DEQA-VET ist Teil des EQAVET-Netzwerks („European Quality Assurance Reference Framework for Vocational Education and Training“), im Rahmen dessen sich 33 europäische Staaten, ihre Sozialpartner und die Europäische Kommission darauf verständigten, die qualitätssichernden Verfahren ihrer Berufsbildungssysteme weiterzuentwickeln und zu verbessern.

Das Thema der Jahresfachtagung 2014
Die nationale Referenzstelle DEQA-VET richtete am 1. Oktober 2014 ihre 6. Jahresfachtagung aus, um mit Praktikern, Experten und weiteren Akteuren der beruflichen Bildung über die „Attraktivität der beruflichen Bildung durch Qualitätssicherung“ zu diskutieren. Dabei wurde das Thema Qualitätssicherung verstärkt auf die Berufsbildungspraxis zugeschnitten. Die fachliche Auseinandersetzung wurde auf Themenfelder gelenkt, die in den Geltungsbereich des BBiG fallen.
Ministerialdirigent Thomas Sondermann, Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), machte in seinem Eröffnungsvortrag: „Die europäische Dimension: Das duale System als Exportschlager – wie steht es um die Qualitätssicherung?“ darauf aufmerksam, dass viele Länder das deutsche duale System sehr schätzen und von ihm lernen wollen. Dass sich in Deutschland jedoch der Wettbewerb zwischen den Hochschulen und der beruflichen Bildung „um die besten Köpfe“ zuspitze und es auch nicht gelinge, allen Jugendlichen einen reibungslosen Übergang von der Schule ins Berufsleben zu bereiten. „Wir brauchen Qualität für die Stärken, aber auch für die Schwächen, die das System hat“, folgerte er deshalb. Europäische wie deutsche Initiativen, Ausbildungsordnungen und Empfehlungen des BIBB müssten jetzt in der Praxis ankommen und sichtbar werden.

Um das zu gewährleisten, verfolgt die nationale Referenzstelle DEQA-VET in Zukunft ein verändertes Handlungskonzept. War sie bisher Anlauf-, Informations- und Vernetzungsstelle für Qualität in der beruflichen Bildung, will sie künftig mehr in die Praxis, dorthin, wo berufliche Bildung und Qualitätssicherung umgesetzt werden, erklärte Helena Sabbagh, Kommissarische Leiterin von DEQA-VET auf der Fachtagung. „Wenn man miteinander redet, entstehen viele Probleme erst gar nicht“, glaubt sie. Über eine stärkere Vernetzung mit den Akteuren erhofft man sich mehr Impulse, die unmittelbar auf die Qualitätssicherung und -entwicklung in der Praxis des beruflichen Lehren und Lernens gerichtet sind. Prof. Dr. Michael Heister, BIBB, betonte, dass es zwar schon viele Qualifikationen in der Berufsbildung gebe: „Doch wir brauchen noch mehr. Dafür steht DEQA-VET.“ Unter dem Motto „Erkennen - benennen - sichern und entwickeln“ soll sich die Qualität in der betrieblichen Bildung in Deutschland weiterhin verbessern und dabei besonders auf Nachhaltigkeit Wert legen. „Das Interesse junger Menschen an der Ausbildung scheint abzunehmen“, bedauert Sabbagh. „Qualitätssicherung ist ein zentraler Faktor für die Zukunft der dualen Berufsbildung. Wenn wir Berufsbildung attraktiv gestalten, kann sie langfristig funktionieren.“

Ergebnisse der EQAVET-Evaluation

Die Veranstalter nahmen das 5. Jahr nach Verabschiedung der EQAVET-Recommendation zum Anlass, Resümee zu ziehen: Welche Implikationen ergeben sich aus den Ergebnissen der EQAVET-Evaluation durch die Europäische Kommission? Wie sind der nationale und der europäische Prozess der Qualitätssicherung in der beruflichen Bildung in Bezug zu setzen? Welche Erfahrungen gibt es mit unterschiedlichen Verfahren der Qualitätssicherung, und welche guten Beispiele gibt es in der Praxis? Koen Bois d'Enghien, EU-Kommission, erläuterte in seinen Ausführungen zum Thema „The Results of the EQAVET Evaluation“, dass sich der Prozess seit Annahme der Empfehlung sowohl auf europäischer Ebene als auch in den Mitgliedstaaten beschleunigt habe. Die Evaluierung stellte eine deutliche Zunahme der nominierten „Quality Assurance National Reference Point for VET“ (NRP) fest. Projekte zeigten dann Wirkung, wenn sie sich an die mit der Umsetzung des nationalen Ansatzes zur Qualitätssicherung in der Berufsbildung befassten Stellen richten. In Zukunft müsse das EQAVET-Modell stärker auf die Qualität von Lernergebnissen ausgerichtet werden. Auch zeige sich die Notwendigkeit intensiverer Zusammenarbeit mit anderen europäischen Instrumenten für Qualitätssicherung und Transparenz.

Einen Überblick über gute Beispiele der Qualitätssicherungs-Praxis gab das von Kate Maleike, Deutschlandfunk, moderierte Gespräch mit Anwendern in Betrieb und Schule. Renata Naderi, Besitzerin des Hotels Smetana in Dresden, betonte, dass sie Qualität in der Ausbildung dadurch erreiche, indem sie mehr Personal als nötig einstellt. Sie sei sicher, Voraussetzung für eine gelungene Qualitätssicherung überhaupt sei, dass jeder Betrieb Qualität haben wolle. Man müsse sich Zeit für seine Auszubildenden nehmen und auf ihre Bedürfnisse eingehen. Bei ihrer Auswahl lasse sie die Belegschaft und die Auszubildenden mitentscheiden, sonst seien die Probleme vorprogrammiert.
Detlef Winkler, Betriebswirt und stellvertr. Schulleiter der Peter-Paul-Cahensly-Schule in Limburg (kaufmännische Berufsfachschule, berufliches (Abend-)Gymnasium sowie klassische Berufsschule) gelang es, mit dem Q2E-Qualitätsmanagementsystem eine Feedbackkultur an der Schule zu etablieren. Lehrer sollten bereit sein, ihre Arbeit zu hinterfragen und durch Gespräche zu verbessern, meinte er. Markus Brunnbauer, Industrie und Handelskammer (IHK) Bodensee-Oberschwaben, stellte den „Ganzheitlichen Ausbildungsnachweis“ vor, der durch die Dokumentation der durchgeführten betrieblichen Tätigkeiten, durch die Kontrolle des aktuellen Standes der Vermittlung der Lerninhalte, durch die Einschätzung der Qualität der Ausbildungsinhalte durch die Auszubildenden sowie durch Rückmeldungen des ausbildenden Personals zur Qualitätssicherung beiträgt.

Ergebnisse der Workshops
Berufliche Bildung ist dann attraktiv, wenn Jugendliche sich für eine Ausbildung entscheiden, weil sie sich durch diesen Schritt gute berufliche Entwicklungsmöglichkeiten versprechen, und wenn Betriebe in der Ausbildung junger Menschen einen aussichtsreichen Weg sehen, den eigenen Fachkräftebedarf zu sichern. In drei Workshops wurde der Frage nachgegangen, wie die Attraktivität beruflicher Bildung über die Nutzung qualitätssichernder Verfahren erhalten und gesteigert werden kann. Dazu wurden Beispiele aus der schulischen sowie betrieblichen Praxis herangezogen.

Workshop 1: „Erfolgreich mit Qualitäts-Tools und -Konzepten für die betriebliche Ausbildungspraxis“
Im Rahmen des Modellversuchsprogramms "Qualitätsentwicklung und -sicherung in der betrieblichen Berufsausbildung" wurden zwischen 2010 und 2013 in zehn Projekten Instrumente und Konzepte für die betriebliche Ausbildungspraxis entwickelt und erprobt. Workshop 1 präsentierte ausgewählte Ergebnisse zweier Projekte aus dem Förderschwerpunkt und stellte erste Erfahrungen beim Praxiseinsatz in kleinen und mittelständischen Unternehmen zur Diskussion.

Workshop 2: „Der DQR als Treiber der Sicherung von Qualität?“
Nach einer kurzen Einführung in die wesentlichen Merkmale des Deutschen Qualifikationsrahmens (DQR) widmete sich Workshop 2 der Erörterung der Frage, ob und inwieweit der DQR Impulse zur Förderung von Qualität und Qualitätssicherung in der beruflichen Bildung setzt.

Workshop 3: „Regionale Qualitätsinitiativen und -netzwerke“
Im Rahmen des Workshops 3 wurden die sächsische Landesinitiative QEK (Qualität - Erträge - Kosten) und das Q2E-Länderforum (Qualität durch Evaluation und Entwicklung) vorgestellt. Auf Basis einer Selbstevaluation der Ausbildungsstrukturen und unter Berücksichtigung weiterer Daten ermöglicht das QEK-Tool Aussagen zu Qualität und Rentabilität einer betrieblichen Ausbildung, Q2E ist ein Modell für den Aufbau eines ganzheitlichen Qualitätsmanagements an Schulen und anderen Bildungsinstitutionen.

Parallel zu den Workshops fand ein Side Event, ein offener Runder Tisch in Kooperation mit der Zentralstelle der Bundesregierung für internationale Berufsbildungskooperation (GOVET) im BIBB statt. Thema war „Qualitätssicherung vor dem Hintergrund der Reform in der beruflichen Bildung in China (am Beispiel des UQB -Projektes)“.

Resümee und Blick in die Zukunft
Zum Abschluss der DEQA-VET-Jahresfachtagung 2014 standen Experten aus Wissenschaft, Politik und Praxis in der Podiumsdiskussion zum Thema „Qualitätssicherung in der beruflichen Bildung – der richtige Weg für mehr Attraktivität?“ Rede und Antwort.

Um mehr Qualität(ssicherung) in der Ausbildung zu erreichen, will DEQA-VET auch in Zukunft Transparenz über die vielen Verfahren in der beruflichen Bildung herstellen, zog Barbara Hemkes, BIBB, Bilanz. Ideen zur Qualitätssicherung und zu den Qualitätsanforderungen, die bisher nirgendwo fixiert seien, müssten aufgenommen und weiterentwickelt werden, um den Gedanken der Qualitätssicherung in der Region zu befördern. Das soll mit Hilfe des neuen DEQA-VET-Ansatzes, verstärkt Initiativen vor Ort zu unterstützen, erreicht werden. Denn das entscheidende Element könne auf diese Weise am besten erreicht werden: Kommunikation. Denn „nur wenn man ins Gespräch kommt, kann man Qualität sichern und entwickeln,“ so Hemkes.


Zur Dokumentation der Jahresfachtagung 2014 auf der DEQA-Vet-Homepage.

Autor(in): Petra Schraml
Kontakt zur Redaktion
Datum: 31.10.2014
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