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09. 10. 2014

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Förderung der mathematischen Kompetenzen

Das Projekt „Mathe macht stark“

Bild

Logo des Projekts "Mathe macht stark"; Quelle: Niemanden zurücklassen

 

Im Jahr 2009 ging das Projekt „Mathe macht stark – Sek. I“ an den Start. Es fördert den Aufbau von Basiskompetenzen in Mathematik bei Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 5 bis 8 an 152 Schulen in Schleswig-Holstein. Im Schuljahr 2013/14 wurde das Projekt „Mathe macht stark – Grundschule“ auch an 100 Primarschulen des Landes eingeführt.



Damit Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I, die Schwächen im Fach Mathematik haben, den Anschluss an den Regelunterricht nicht verlieren, wurde in Schleswig-Holstein im Rahmen des Programms „Niemanden zurücklassen“ das Projekt „Mathe macht stark“ entwickelt. Es zielt speziell auf den Aufbau von Basiskompetenzen. Gestartet ist das Programm „Niemanden zurücklassen“ im Jahr 2006 mit „Lesen macht stark“ (LMS-Sek. I). Es wurde vom Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein unter der Leitung von Herrn Dr. Thomas Riecke-Baulecke in Zusammenarbeit mit dem Bildungsministerium, dem Justizministerium, dem Jugendaufbauwerk Schleswig-Holstein und der Cornelsen Schulverlage GmbH entwickelt.

Im Jahr 2009 wurde die Förderung auf den Bereich Mathematik ausgedehnt. An der Projektsäule „Mathe macht stark – Sek. I“ (MMS-Sek. I) sind inzwischen 152 Schulen beteiligt. Das Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik an der Universität Kiel (IPN) und die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) begleiten das Projekt wissenschaftlich und evaluieren es. Gemeinsam mit der Cornelsen Schulverlage GmbH, Berlin, entwickelten sie die Materialien. Ziel des Programms ist es, die Anzahl der so genannten Risikoschülerinnen und -schüler zu reduzieren und sie vermehrt zum Abschluss zu führen, damit sie bessere Zukunftsaussichten haben. Damit ist es eine Antwort auf die Ergebnisse der ersten PISA-Studien, nach denen rund 20 Prozent der Fünfzehnjährigen in Deutschland nur unzureichende mathematische Kompetenzen bzw. Lesekompetenzen vorweisen konnten. Das Unterrichtskonzept von „Mathe macht stark – Sek. I“ wurde für einen Einsatz in den Klassenstufen 5 bis 8 konzipiert, um speziell Lernende mit geringen mathematischen Kompetenzen zu fördern. Es wurde von Anfang an wissenschaftlich begleitet und evaluiert, um die Wirksamkeit und konkrete Umsetzung an den Schulen zu verfolgen und das Projekt weiterzuentwickeln.

Aufarbeitung mathematischer Grundvorstellungen in der Sekundarstufe I
Zu Beginn des Projekts wurden den teilnehmenden Schulen Tests zur Lernstandserhebung zur Verfügung gestellt, die über die Lehrerbeurteilung und die Fachnote hinaus die Einschätzung von Risikoschülerinnen und -schülern unterstützen. Alle Projektschulen bekommen kostenfreie Materialien: jeweils drei Lehrerordner und drei Materialkisten. Diese enthalten Schülerordner und Themenhefte für die Schülerinnen und Schüler. Das erste Kapitel des Schülerordners „Meine Erfolge“ dient der Dokumentation individueller Lernfortschritte. Die nächsten sieben Kapitel befassen sich jeweils mit einem mathematischen Themengebiet. Sie beginnen mit Arbeitsblättern zur individuellen Standortbestimmung („S“), es folgen Arbeitsblätter zum Üben auf unterem Niveau („E-Einstieg“). Die letzten zwei Kapitel, das „Rechentraining“ und das „Rechnen im Alltag“, stellen eine gestufte Sammlung von Aufgabenformaten zum „Rechnen mit Sinn und Verstand“ und zum „Rechnen mit benannten Zahlen (Größen)“ dar. Der Lehrerordner enthält zu jedem Kapitel Kommentierungen, die Lösungen der Arbeitsblätter und einen Abschlusstest. Zu jedem Arbeitsblatt des Einstiegs-Niveaus aus dem Schülerordner gibt es zwei aufbauende Arbeitsblätter („A-Aufstieg“ und „G-Gipfel“). Außerdem enthält die Materialkiste alle Materialien, die für die Bearbeitung der Arbeitsblätter notwendig sind. Den Schulleitungen und dem schulinternen Projektmanagement bietet der Projektmanagementordner Impulse.

Darüber hinaus erhält jede teilnehmende Schule zusätzlich zwei Lehrerwochenstunden für die Förderung. Lehrkräfte, die neu in das Projekt einsteigen, bekommen zu Beginn des neuen Schuljahres eine Projekteinführung. Seit dem Schuljahr 2012/13 werden zur nachhaltigen Sicherung der Projektziele besonders interessierte Fachlehrkräfte zum schulinternen Mathecoach Sek. I qualifiziert und zertifiziert.

Ergebnisse der externen Evaluation

Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung konnten für den „Mathe macht stark“ - Unterricht bereits im ersten Jahr deutliche Erfolge nachweisen. Die Analysen der zweiten Evaluation bestätigten 2011 diesen Erfolg. Vor allem die Arbeitsbögen und die Materialkiste sind sehr begehrt. Die Schwierigkeiten beziehungsweise Niveaustufen der Aufgaben werden als angemessen betrachtet, und auch der Unterricht selbst wird überwiegend positiv beurteilt. Lehrkräfte und Schüler haben sich zahlreich bei der Fragebogenerhebung beteiligt. Ihre umfangreichen Rückmeldungen und Verbesserungsvorschläge zeigen, wie interessiert und engagiert sie das „Mathe macht stark“ - Projekt betreiben. Ihre Anregungen werden von dem Fortbildungsteam aufgegriffen und in die Handlungsfelder der Fortbildung integriert.

Die Auswertungen der Fragebögen zeigen, dass die Förderung in Mathematik an über 90 Prozent der Schulen fest im Stundenplan verankert ist. Sie wird vorwiegend einmal in der Woche in Fördergruppen umgesetzt, im Regelunterricht bei etwa einem Viertel der Schulen realisiert. Ein Drittel der Schulen (34 Prozent) hat den Eindruck, dass durch das Projekt der Anteil der Risikoschülerinnen und -schüler gesunken ist. Über die Hälfte der befragten Schulen (56 Prozent) konnte keine Angaben dazu machen. Der Anteil, der keine Veränderung durch das Projekt wahrnimmt, liegt bei 10 Prozent.

Die derzeit vorliegenden Berichte und Evaluationsergebnisse stimmen zuversichtlich, dass die Anzahl der Schülerinnen und Schüler mit Schwächen in Mathematik weiter verringert werden kann. Insgesamt haben sich ihre Leistungen seit Beginn des Projekts wesentlich verbessert. Das zeigen u. a. auch Ergebnisse bei VERA, Abschlussprüfungen, Zeugnisnoten und Lernstandserhebungen.

Prävention von Rechenschwäche in der Grundschule
Aufgrund des großen Erfolgs an der Sekundarschule wurde das Projekt auf die Grundschulen ausgedehnt. Im Schuljahr 2013/14 startete das zunächst auf vier Jahre angelegte Projekt „Niemanden zurücklassen – Mathe macht stark Grundschule" an 100 Schulen in Schleswig-Holstein. In der Regel ist der Mathematikunterricht in der Grundschule auf Kinder mit Rechenschwäche bzw. Rechenstörung nur unzureichend vorbereitet. Es fehlt an fachdidaktischen Kenntnissen bei den Lehrkräften und an unterrichtspraktischen Konzeptionen für die individuelle Unterstützung. „Mathe macht stark - Grundschule“ präsentiert sich – auch vor dem Hintergrund des am 1. August 2012 in Schleswig-Holstein in Kraft getretenen Erlasses „Förderung von Schülerinnen und Schülern mit besonderen Schwierigkeiten im Rechnen (Rechenschwäche)“ – als lehrwerksunabhängiges Diagnose- und Förderwerkzeug für die Eingangsphase, das den präventiven Umgang mit Rechenschwäche in den Mittelpunkt stellt. Bis zum Ende der Grundschulzeit soll sich so die Gruppe der Schülerinnen und Schülern mit Schwierigkeiten beim Rechnen verkleinern. Das Projekt wird ebenfalls vom Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein koordiniert.

Die Förderung der mathematischen Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern zur Prävention von dauerhaften Schwierigkeiten im Rechenlernprozess (Rechenschwäche / Rechenstörung) erfolgt mit Hilfe von Schüler- und Lehrerheften, die Diagnose- und Förderaufgaben enthalten, im Rahmen des regulären Mathematikunterrichts und/oder des Förderunterrichts. Zunächst wird eine Klassenaufgabe im Laufe einer Unterrichtseinheit als Klassentest so eingesetzt, dass die Lehrkräfte auf mögliche, strukturelle Schwierigkeiten einzelner Schülerinnen und Schüler bei der Bewältigung der Inhalte aufmerksam werden. Mit dieser kleineren Lerngruppe werden im weiteren Verlauf dann kurze mathematische Gespräche geführt, um fehlende Grundvorstellungen und vorhandene Strategien der Lernenden festzustellen. Die anschließende Förderung resultiert aus den Beobachtungen des Interviews; Förderschwerpunkte sind in den Übungsformaten, die zu jedem Inhaltsbereich vorliegen, enthalten. Den Umgang mit den Materialien erlernen die Lehrkräfte in regionalen Fortbildungsveranstaltungen. Die Materialien machen einen gemeinsamen Unterricht aller Schülerinnen und Schüler möglich. Die Lernentwicklung wird innerhalb des Materials dokumentiert und kann auch für die Elternarbeit und zur Vorbereitung von Bewertungssituationen genutzt werden.



Autor(in): Petra Schraml
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Datum: 09.10.2014
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