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05. 06. 2014

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

„Wir unterstützen fünf Bildungsprojekte für Kinder und Jugendliche“

Schülerinnen und Schüler setzen sich für Gleichaltrige in Afrika ein

Bild

Zozan Bulut und Lukas Breuer

Am 1. Juli 2014 findet der diesjährige bundesweite Aktionstag „Dein Tag für Afrika" statt. An dem Tag können Schülerinnen und Schüler anstatt zur Schule arbeiten gehen. Der Erlös kommt den Bildungsprojekten von Aktion Tagwerk in Afrika zugute. Interessierte Schulen können sich noch anmelden! Die Online-Redaktion von Bildung + Innovation sprach mit Zozan Bulut und Lukas Breuer, die ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) bei Aktion Tagwerk absolvieren und für die Organisation des Aktionstages mit verantwortlich sind.

 

Online-Redaktion: Wie kamen Sie auf die Idee, sich bei Aktion Tagwerk als FSJlerin zu bewerben?

Zozan Bulut: Ich wollte mich schon immer gerne freiwillig engagieren. Nach meinem Abitur im vergangenen Jahr habe ich überlegt, ins Ausland zu gehen, bekam dann aber die Chance, bei Aktion Tagwerk als FSJlerin mitzuarbeiten. Ich wusste direkt, dass das das Richtige für mich ist, weil ich dadurch die Möglichkeit hatte, viele Schülerinnen und Schüler deutschlandweit zu motivieren und davon zu überzeugen, Gutes zu tun.

Online-Redaktion: Was macht der Verein Aktion Tagwerk?

Zozan Bulut: Der Verein wurde 2002 von Nora Weisbrod gegründet. Sie ist unsere Geschäftsführerin und Vorsitzende, außerdem gibt es drei weitere Festangestellte und sechs Mitarbeiter im Freiwilligen Sozialen Jahr. Aktion Tagwerk setzt sich für Bildungsprojekte in Afrika ein. Nach dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“ bieten wir den Menschen in unseren Projektländern zum Beispiel landwirtschaftliche Beratung an, damit sie wissen, wie sie ihren Gemüsegarten selbst betreiben können. Wir wollen sie nicht einfach nur „bekochen“, sondern wir wollen, dass sie selbstständig ihr eigenes Leben in den Griff bekommen und irgendwann nicht mehr auf unsere Hilfe angewiesen sind.

Lukas Breuer: Der Verein organisiert außerdem die bundesweite Kampagne „Dein Tag für Afrika.“ Mit dem Erlös werden die Bildungsprojekte für Kinder und Jugendliche in Afrika unterstützt. Das Geld geht nicht ausschließlich an Schulen, sondern es wird damit beispielsweise auch alleinerziehenden Müttern geholfen, ihre Familie zu ernähren. So können ihre Kinder, die sonst häufig mit auf den Feldern arbeiten müssen, zur Schule gehen und etwas lernen, damit sie später einen richtigen Job ergreifen können.

Online-Redaktion: Was passiert an dem Aktionstag „Dein Tag für Afrika“?

Zozan Bulut: „Dein Tag für Afrika“ ist eine bundesweite Kampagne für Schülerinnen und Schüler jeden Alters und aller Schulformen. Einmal im Jahr organisieren Schülerinnen und Schüler deutschlandweit diesen Aktionstag, an dem sie anstatt zur Schule arbeiten gehen. Ihren Lohn spenden sie dann an die Bildungsprojekte von Aktion Tagwerk. Die Idee dahinter ist, dass sich einen Tag im Schuljahr Schülerinnen und Schüler freiwillig für Gleichaltrige in Afrika einsetzen. Dieses Jahr ist der bundesweite Aktionstag der 1. Juli. Jede Schule kann aber auch an einem selbst gewählten Termin mitmachen. Die Kampagne „Dein Tag für Afrika“ wird vor allem von den Mitarbeitern im Freiwilligen Sozialen Jahr in Zusammenarbeit mit den Schulen organisiert.

Online-Redaktion: Was sind typische Aktionen an diesem Tag?

Zozan Bulut: Schülerinnen und Schüler, die älter sind als 15 Jahre, arbeiten in einem Unternehmen oder zum Beispiel im Stadion von Borussia Mönchengladbach oder im Düsseldorfer Landtag. Jüngere Schüler, die aufgrund des Jugendarbeitsschutzgesetzes noch nicht arbeiten dürfen, leisten oftmals Hilfsdienste im Familien- oder Freundeskreis. Sehr beliebt bei Schülerinnen und Schülern sind auch Aktionen wie ein Sponsorenlauf, andere richten einen Flohmarkt aus, musizieren in der Fußgängerzone oder organisieren ein Schulfest. Den Schulen sind keine Grenzen gesetzt.

Online-Redaktion: Wie können Schulen an „Dein Tag für Afrika“ teilnehmen?

Lukas Breuer: Auf der Seite Aktion Tagwerk finden sie die Bewerbungsunterlagen, mit denen sie sich anmelden können. Die Schulen können selbst entscheiden, ob sie als Ganzes teilnehmen wollen oder nur einzelne Klassen oder Stufen anmelden. Zu Beginn unseres Freiwilligen Sozialen Jahres im August 2013 haben wir bereits viele Schulen angerufen, ihnen von der Kampagne berichtet und sie gefragt, ob sie Interesse haben mitzumachen. Anschließend haben wir noch einen Schulbrief an viele Schulen verschickt. Die Schulen haben auch die Möglichkeit, unser Infomobil zu bestellen, mit dem wir zu ihnen hinfahren und vor Ort von der Aktion berichten.

Online-Redaktion: In welche Bildungsprojekte in Afrika fließt das Geld?

Zozan Bulut: Wir unterstützen insgesamt fünf Bildungsprojekte für Kinder und Jugendliche in Burundi, der Elfenbeinküste, Ruanda, Südafrika und Uganda. Fester Projektpartner seit Beginn der Kampagne ist die Mainzer Kinderhilfsorganisation Human Help Network e.V. Das Projekt Kinderfamilien in Ruanda zum Beispiel unterstützen wir seit Beginn der Kampagne. In Ruanda müssen leider sehr viele Kinder ohne ihre Eltern aufwachsen. Diese elternlosen Geschwister bilden eine Familie. Insgesamt sind 1135 Kinder in insgesamt 377 Familien in dem Projekt. Sie werden von Aktion Tagwerk auf ganz unterschiedliche Weise unterstützt. Wir helfen ihnen beispielsweise, ihre Häuser in Stand zu halten. Die jüngeren Kinder bekommen die Gelegenheit, die Schule zu besuchen, die älteren können eine Berufsausbildung machen, damit sie sich anschließend um ihre jüngeren Geschwister kümmern können. Auch stehen den Familien landwirtschaftliche Berater und Sozialarbeiter zur Seite. Und, ganz wichtig - die ganze Familie wird krankenversichert! Für 12 Euro kann man drei Kinder einer Kinderfamilie ein Jahr lang krankenversichern.

Online-Redaktion: Wie viele Schulen beteiligen sich im Schnitt an der Aktion?

Zozan Bulut: Das variiert jedes Jahr. Es haben sich dieses Jahr schon über 50 Schulen angemeldet, die das erste Mal mitmachen. Vergangenes Jahr waren es insgesamt 180 000 Schülerinnen und Schüler von 616 Schulen, dabei kamen 1,2 Millionen Euro zusammen.

Online-Redaktion: Als FSJler sind Sie für die Organisation der Kampagne „Dein Tag für Afrika“ verantwortlich. Wie sieht Ihr Alltag aus?

Lukas Breuer: Am Anfang waren wir meistens im Büro, haben viel über die Projekte erfahren und über die Projektländer. Im Oktober 2013 waren wir sogar selbst in Ruanda und haben uns das Projekt Kinderfamilien vor Ort angeguckt. Dann haben wir verstärkt an den Präsentationen und Vorträgen gearbeitet, die wir an den Schulen halten. Diese erstellen wir alle selbst. Im Augenblick leisten wir überwiegend entwicklungspolitische Bildungsarbeit. Wir fahren mit unserem Infomobil zu interessierten Schulen und  informieren sie über die Teilnahmemöglichkeiten. Wir berichten von den Projekten, was schon erreicht wurde, und geben allgemeine Informationen über die Projektländer, damit die Schülerinnen und Schüler genau wissen, wofür sie sich einsetzen. Wir sind insgesamt sechs FSJler. Wir haben zwei Dreierteams gebildet und die Regionen und Schulen bundesweit untereinander aufgeteilt. Jedes Team ist Ansprechpartner für die Schulen in seinen Regionen und kümmert sich um sie. Immer zwei von drei FSJlern fahren zu einer Schule, einer hält im Büro die Stellung. So ist man drei bis vier Tage in der Woche unterwegs.

Zozan Bulut: Die Besuche motivieren die Schülerinnen und Schüler oftmals sehr. Wir bereiten für die verschiedenen Schulformen unterschiedliche Vorträge und Präsentationen vor, die sehr anschaulich sind. Außerdem bieten wir Unterrichtsmaterialien an, die die Lehrer jederzeit bestellen können, wie eine DVD oder die Aktionspost, die verschiedene Interviews, die wir in Ruanda geführt haben, enthält. Für die jüngeren Klassen gibt es Bastelvorschläge. Das komplette Material steht den Schulen kostenlos in jedem Umfang zur Verfügung. Wir versuchen selbstverständlich, die Verwaltungskosten so gering wie möglich zu halten und haben einige Förderer und Sponsoren.

Online-Redaktion: Wollen Sie nach dem Jahr in der Entwicklungshilfe bleiben?

Zozan Bulut: Ich persönlich möchte auf jeden Fall weiterhin in der Richtung etwas machen. Ich habe mir schon verschiedene Studiengänge angeguckt. Das FSJ hat mir bei dieser Entscheidung sehr geholfen und mir diese Berufsorientierung überhaupt erst ermöglicht.

Online-Redaktion: Also hat sich für Sie das Jahr gelohnt?

Zozan Bulut: Auf jeden Fall! Man lernt sehr viel, weil die Arbeit so vielseitig ist. Zum einen muss man vor Schulklassen jeden Alters Präsentationen halten, mit den Lehrern telefonieren, mit der Presse in Kontakt treten, dann der Büroalltag – das sind viele verschiedene Bereiche, die man kennenlernt. Ich denke, jeder von uns, egal ob er in dem Bereich bleibt oder anschließend etwas anderes macht, hat von diesem Freiwilligen Sozialen Jahr sehr viel mitgenommen und fürs Leben gelernt.

Online-Redaktion: Wie kann man sich bei Aktion Tagwerk als FSJler bewerben?

Zozan Bulut: Aktuell suchen wir neue FSJler. Das Freiwillige Soziale Jahr fängt am 1. August 2014 an. Bewerben kann man sich am besten über unsere Homepage. Wer offen ist, gerne organisiert, einen Führerschein hat und hinter dem Projekt steht, den erwartet eine abwechslungsreiche und spannende Arbeit.

 

Zozan Bulut, 19 Jahre, hat im Jahr 2013 an einem Gymnasium in Köln Abitur gemacht. Im Anschluss hat sie ihr Freiwilliges Soziales Jahr bei Aktion Tagwerk angefangen, welches bis Ende Juli 2014 geht. Das Freiwillige Soziale Jahr bei Aktion Tagwerk hat ihr bei ihrer beruflichen Orientierung sehr geholfen, und sie würde gerne weiterhin in dem Bereich arbeiten.

Lukas Breuer ist 22 Jahre alt und hat 2011 Abitur gemacht. Derzeit macht er sein Freiwilliges Soziales Jahr im Regionalbüro Bonn von Aktion Tagwerk.

 

 

 

 

Autor(in): Petra Schraml
Kontakt zur Redaktion
Datum: 05.06.2014
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