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19. 12. 2013

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Geschichtsunterricht einmal anders

Segu – der selbstgesteuert-entwickelnde Geschichtsunterricht

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Das Projekt segu – selbstgesteuert-entwickelnder Geschichtsunterricht, das am Historischen Institut der Universität zu Köln realisiert wird, ist ein internet-basiertes Lernkonzept offener Planarbeit für das Fach Geschichte der Sekundarstufe I. Es unterstützt Lehrkräfte dabei, offenen Unterricht im Fach Geschichte der Sekundarstufe I (Schwerpunkt Gym/Ges) durchzuführen.


Selbstständige Lernformen sind im Unterricht der Sekundarstufe bislang nur wenig verbreitet. Zwar werden die Forderungen nach Differenzierung, individueller Förderung und offenem Unterricht immer wieder laut und in vielen Grundschulen gehören diese auch schon zur täglichen Unterrichtspraxis – in der Sekundarstufe hingegen spielen Lehr- und Lernkonzepte, die auf selbstständiges Lernen und offenen Unterricht zielen, gerade in den Nebenfächern nur eine untergeordnete Rolle. Die Gründe dafür werden darin gesehen, dass Lehrerinnen und Lehrer der Sekundarstufe im Gegensatz zu ihren Kolleg/inn/en in den Grundschulen nur wenig Zeit – meist zwei Schulstunden pro Woche – mit den Schülerinnen und Schülern einer Klasse verbringen. Grundschullehrkräfte unterrichten ihre Klasse meist mehrmals täglich. Sie können den Klassenraum als Lernumgebung gestalten und nutzen und mit Lernmaterialien ausstatten. Solche idealen Bedingungen haben Nebenfachlehrer der Sekundarstufe in der Regel nicht. Die Vorbereitung, Vervielfältigung und Verteilung differenzierender Lernmaterialien für zahlreiche Lerngruppen täglich ist für sie kaum zu bewältigen.

Eine gute Idee
Aus diesen auch eigenen Erfahrungen heraus hatte der Geschichts-, Sozialwissenschafts- und Chemielehrer Dr. Christoph Pallaske mit Antritt seiner Stelle als abgeordneter Lehrer am Historischen Institut der Universität zu Köln / Abteilung für Geschichtsdidaktik (Gym/Ges) die Idee, ein tragfähiges Lehr- und Lernkonzept für offenen Unterricht im Nebenfach Geschichte (bzw. Gesellschaftslehre) der Sekundarstufe I zu erstellen. Ihm wurde schnell deutlich, dass für dieses umfangreiche Unterfangen umfassende Lernmaterialien benötigt werden, die in Papierform schwer zu organisieren sein würden. Deshalb entwickelte er in einem zweiten Schritt die Idee, diese online zur Verfügung zu stellen. So entstand die Lernplattform segu, die seit März 2011 im Netz zu finden ist: ein auf individuelles Lernen und Differenzierung zielendes Lernkonzept internet-basierter Planarbeit, auf dem Lernmaterialien – kompetenzorientierte Module und Arbeitsblätter – entweder als pdf oder als Textdatei – zum kostenfreien Download bereitstehen.

Um nicht gegen Urheberrechte zu verstoßen, stellt Pallaske auf Anregung von Daniel Bernsen sämtliche segu-Lernmaterialien unter die Lizenz CC-BY-SA. Als „Open Educational Resources“ (OER) können die Module in Form von Textdateien heruntergeladen, bearbeitet und weiterverbreitet werden. Damit können die Aufgabenformate auch an bundesländerspezifische Ansprüche und Vorgaben angepasst werden.

Die Lernplattform segu

Im Rahmen des Projekts segu werden Lernmaterialien für einen auf selbstständiges Lernen und offenen Unterricht zielenden Geschichtsunterricht der Sekundarstufe I erstellt. Die in den meisten Bundesländern bildungsplanrelevanten Inhalte des Geschichtsunterrichts werden praxisgerecht bearbeitet. Zahlreiche Arbeitsblätter und Unterrichtskonzepte zum selbstgesteuerten Lernen stehen in Form von Modulen bereit. Die Module werden sowohl in chronologischer Reihenfolge als auch in einer themen- und kompetenzorientierten Menüstruktur angeboten. Außerdem gibt es verschiedene Arten von Modulen: Methoden-Module, in denen die Schüler/innen Methoden historischen Arbeitens erlernen und anwenden, Forschermodule, in denen an konkreten Materialien gearbeitet wird, sowie Lernmodule, in denen an Texten oder Bildern Inhalte erarbeitet werden. Auch sieht segu Phasen gemeinsamen Lernens vor: Es gibt Klassen-Module, die dazu dienen, gemeinsames Lernen vorzubereiten, etwa Simulationen oder Gruppenpuzzle. Im Youtube-Kanal von seguGeschichte finden sich zudem kurze Lernvideos und ein Video-Tutorial, das die Arbeit mit dem segu-Lernkonzept erklärt. Jedes Modul enthält Links, Arbeitsblätter und Hinweise auf weiterführende Materialien. Alle Module sind grafisch und inhaltlich sehr gut umgesetzt und darauf angelegt, Schüler zu motivieren.

Die Unterrichtsmaterialien sind sehr flexibel einsetzbar

Lehrkräfte können entweder einzelne Arbeitsblätter benutzen oder ganze Einheiten im Sinne des Gesamtkonzepts einsetzen. Den Ablauf kann der Lehrer selbst im Schuljahresplaner vorgeben, wobei in Pflicht- und Wahlmodule differenziert werden kann. Zum Bestreiten eines ganzen Schuljahres sind pro Schüler/in etwa 30 bis 40 Seiten als Ausdruck notwendig. Dafür gehen die Lehrkräfte mit ihrer Klasse oder ihrem Kurs in den Computerraum (mit Internetanschluss und einer Möglichkeit zum Ausdrucken) und können ohne eigene Vorbereitung direkt im offenen Unterricht lernen. Mit dem segu-Planer erstellt der Lehrer einen Wochenplan. Die Schüler bestimmen die Reihenfolge, in der sie die Module bearbeiten, und auch, ob sie allein, mit einem Partner oder im Team arbeiten wollen. Innerhalb der Module finden sich Arbeitsblätter mit verschiedenen Aufgaben, die sie im eigenen Lerntempo mit Hilfe des Schulbuches und des Internets bearbeiten. Sie werden heruntergeladen, ausgedruckt und schriftlich in der Geschichtsmappe bearbeitet. Dabei sollen die Schüler nur gelegentlich auf das Internet zugreifen, zu einem großen Teil wird das Schulbuch benutzt. Der Unterricht muss also auch nicht jede Stunde im Computerraum stattfinden. Eine optimale Lernumgebung wäre ein Selbstlernzentrum, in dem einige PC-Arbeitsplätze, daneben ausreichend normale Arbeitsplätze mit Zugriff auf weitere Geschichte-Lernmaterialien oder eine Bibliothek zur Verfügung stehen. Zum Schluss bearbeiten die Schüler die Datei „Wissen_vernetzen“, mit der sie die Ergebnisse zusammenfassen können und den eigenen Lernerfolg beurteilen lernen.

Ein variables Konzept
Das Konzept versucht, die Ansprüche von Differenzierung und individueller Förderung sinnvoll umzusetzen. Durch seine Offenheit ist es in methodisch-didaktischer Hinsicht höchst variabel. Neben dem konventionellen Einsatz der Arbeitsblätter besteht die Möglichkeit, die Schüler/innen selbstständig mit den Materialien arbeiten zu lassen. So bleibt den Lehrerinnen und Lehrern viel Zeit zur Beratung und zur individuellen Unterstützung der Lernenden. Bei der Anwendung von segu wird empfohlen, den Schülern in regelmäßigen Abständen in Unterrichtsgesprächen die Gelegenheit zu geben, ihre Ergebnisse zu präsentieren, mit den Mitschülern zu diskutieren und so auch ihre Lernprozesse zu reflektieren. Die segu-Lernmaterialien sind auch dazu geeignet, sowohl ausschließlich im offenen Unterricht als auch phasenweise in klar abgegrenzten Phasen von offenem Unterricht und Frontalunterricht eingesetzt zu werden. So können auch eigene erprobte Lernmaterialien in den Unterricht integriert werden.
Falls vorhanden, bietet segu auch Möglichkeiten für Laptopklassen oder den Einsatz von mobilen Endgeräten wie ipads im Unterricht.

Evaluation des segu-Konzepts
Segu ist eines der wenigen Beispiele für OER in Deutschland, das digitale Medien, selbstgesteuertes Lernen und OER didaktisch miteinander verbindet. Es hat sich durch twitter, facebook, iTunesU, Youtube, LearningApps und durch das segu-Magazin bei Scoopit ohne jede kommerzielle Bewerbung von selbst verbreitet. Die Anzahl der heruntergeladenen Module steigt beständig und eine empirische Stichprobe zur Arbeit von Schülern mit segu zeigt, dass das Konzept im Unterricht auch gut funktioniert. Da es aber immer noch wenig empirisch belastbaren Aufschluss über Vor- und Nachteile offener Unterrichtsformen und die Möglichkeiten und Grenzen individueller Förderung und differenzierender Lernmethoden an weiterführenden Schulen gibt, wird das segu-Lehr- und Lernkonzept an Partnerschulen evaluiert. Hier spielt insbesondere die Frage eine Rolle, ob und wie sich das Internet als geeignete Darbietungsform für die Lernmodule eignet.

Segu ist ein Autorenprojekt. Geschichtslehrer/-innen können sich mit guten Vorschlägen oder eigenen Modulen an das segu-Team wenden, die sorgfältig geprüft und gegebenenfalls veröffentlicht werden.

Autor(in): Petra Schraml
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Datum: 19.12.2013
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