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14. 11. 2013

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Gemeinsamer Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit in Europa

Die internationale Zusammenarbeit in der Berufsbildung wird ausgebaut

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Cornelia Quennet-Thielen und BIBB-Präsident Esser bei der Vertragsunterzeichnung der "Zentralstelle für internationale Berufsbildungskooperation"; Quelle: BIBB

 

 

Rund ein Viertel der Jugendlichen bis 25 Jahre in Europa ist arbeitslos. Deutschland hat den EU-weit niedrigsten Stand. Das wird auf sein eng mit der Wirtschaft und dem Arbeitsmarkt verzahntes duales Ausbildungssystem zurückgeführt. Maßnahmen zur Reformierung der Berufsausbildung, die sich am deutschen System der dualen Berufsausbildung orientieren, sollen die Jugendarbeitslosigkeit in Europa lindern helfen.



Nach Angaben der Europäischen Kommission ist rund ein Viertel der Jugendlichen bis 25 Jahre in Europa arbeitslos. Einige südeuropäische Länder wie Spanien oder Griechenland weisen Jugendarbeitslosenquoten von mehr als 50 Prozent auf. Deutschland hat mit einer Quote von rund acht Prozent den EU-weit niedrigsten Stand. Das wird auf sein eng mit der Wirtschaft und dem Arbeitsmarkt verzahntes duales Ausbildungssystem zurückgeführt. Dadurch, dass die Verantwortung für die Ausbildung praxisnah im Unternehmen erfolgt – die Berufsschule vermittelt zusätzlich theoretisches Grundlagenwissen –, wachsen die Auszubildenden schon früh in das Arbeitsleben hinein. Dies wirkt auf die Schulabgänger anscheinend sehr attraktiv: Mehr als 50 Prozent von ihnen wählen einen Ausbildungsberuf, obwohl davon rund 20 Prozent eine Zugangsberechtigung zur Hochschule haben.

Das deutsche duale System hat eine Vorbildfunktion
Deutschland ist in der internationalen Bildungszusammenarbeit schon lange ein wichtiger Akteur. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) kooperiert mit vielen Ländern in der Berufsbildung. Es unterstützt deutsche Anbieter von Aus- und Weiterbildung im Ausland und führt dort Ausbildungsprojekte durch. Angesichts der hohen Jugendarbeitslosigkeit in Europa und der sich abzeichnenden Auswirkungen des demografischen Wandels mit einem Mangel an Fachkräften in Deutschland ist diese internationale Zusammenarbeit seit 2012 intensiviert und ausgeweitet worden. Maßnahmen zur Reformierung der Berufsausbildung, die sich am deutschen System der dualen Berufsausbildung orientieren, sollen die Jugendarbeitslosigkeit in Südeuropa lindern helfen. Im Rahmen der meist bilateralen Kooperationen erhalten einige Jugendliche aus dem europäischen Ausland auch in Deutschland eine fachliche Ausbildung. Oft gehen Fachkräfte nach einigen Jahren der Berufstätigkeit wieder in ihr Heimatland zurück und haben dort dann gute berufliche Perspektiven.

Enge Zusammenarbeit mit Spanien
Insbesondere von der deutsch-spanischen Kooperation soll ein Impuls für ganz Europa ausgehen. Auf der Deutsch-Spanischen Ausbildungskonferenz sind am 12. Juli 2012 in Stuttgart Akteure aus der deutschen Wirtschaft und der Bildungslandschaft zusammengekommen, um Möglichkeiten einer praxisorientierten Ausbildung in Spanien zu erörtern. Im Fokus stand, in wieweit deutsche Unternehmen in Spanien einen Beitrag dazu leisten können, möglichst vielen Jugendlichen eine Perspektive zu geben. Große Unternehmen wie Siemens, Mercedes oder VW, ebenso viele kleinere und mittlere Unternehmen, engagieren sich schon länger in Spanien und auch Portugal. Sie haben gemeinsam mit den Auslandshandelskammern vor Ort duale Berufsbildungsgänge aufgesetzt, die sich gut bewährt haben. Grundzüge einer dualen Ausbildung sind so bereits entstanden. Diese sollen jetzt ausgeweitet werden. Zusätzlich sollen die Rahmenbedingungen für Mobilität verbessert und die EURES-Datenbank – zur Vermittlung von Arbeitsplätzen innerhalb der Europäischen Union – auch auf die Vermittlung freier Ausbildungsplätze ausgeweitet werden.

Maßnahmen der EU
Auch auf europäischer Ebene sind 2012 eine Reihe von Maßnahmen zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit in den Mitgliedsstaaten erfolgt. So wurde ein „Pakt für Wachstum und Beschäftigung" in Höhe von 120 Milliarden Euro beschlossen. Rund 55 Milliarden Euro aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF), die noch nicht für konkrete Projekte gebunden sind, sollen für wachstumssteigernde Maßnahmen und zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit genutzt werden. 7,3 Milliarden Euro verwendet die Europäische Kommission für konkrete Maßnahmen zum Abbau der Jugendarbeitslosigkeit. Zusätzlich wurde ein Paket zur Jugendbeschäftigung  geschnürt, das mehrere Elemente enthält, darunter ein Vorschlag an die Mitgliedstaaten zur Einrichtung einer Jugendgarantie. Ziel der Jugendgarantie ist, dass alle jungen Menschen unter 25 Jahren innerhalb von vier Monaten nach Abschluss ihrer Ausbildung oder nachdem sie arbeitslos geworden sind, ein konkretes und qualitativ hochwertiges Angebot erhalten. Dieses Angebot – eine Arbeitsstelle, ein Ausbildungsplatz, ein Praktikum oder eine Fortbildung – soll auf die persönliche Situation und die Bedürfnisse der Person abgestimmt sein. Das Konzept wurde vom Europäischen Rat im April 2013 angenommen.

Eine europäische Allianz
Entscheidende Weichen wurden auf der Ministerkonferenz im Dezember 2012 in Berlin gestellt. Dort unterzeichneten Deutschland, Spanien, Griechenland, Portugal, Italien, die Slowakei und Lettland unter Beteiligung der Europäischen Kommission ein Memorandum, das zahlreiche konkrete Maßnahmen zur Einführung eines Systems der beruflichen Bildung nach deutschem Vorbild enthält. Danach sollen die nationalen Berufsbildungssysteme optimiert und gleichzeitig die Rahmenbedingungen für einen europäischen Berufsbildungsraum geschaffen werden. Das Ziel ist, dass 80 Prozent aller jungen Menschen bis 2020 in der EU Arbeit finden. Die ersten Kooperationsverträge zum Transfer deutscher Ausbildungsprinzipien wurden bereits abgeschlossen. Den deutschen Außenhandelskammern und den in den Partnerländern ansässigen deutschen Unternehmen kommt bei den regionalen Berufsbildungsnetzwerken mit den Betrieben, Schulen und Kammern der Partnerländer dabei eine zentrale Rolle zu.
Das BMBF stellt für die Jahre 2013/2014 über die laufende Förderung der internationalen Berufsbildungskooperation hinaus zusätzlich 10 Millionen Euro für die Umsetzung des Memorandums zur Verfügung, die durch Mittel der Partnerländer ergänzt werden. Die Europäische Kommission und das Europäische Zentrum zur Förderung der Berufsbildung CEDEFOP unterstützen diesen Prozess. Zur Finanzierung sollen ab 2014 maßgeblich das neue EU-Bildungsprogramm „Erasmus für alle" und der neue Europäische Sozialfonds beitragen. Außerdem will die Kommission mit einer „Europäischen Allianz für Lehrlingsausbildung" weitere Staaten in den von Deutschland angestoßenen Reformprozess integrieren.

Zentralstelle für internationale Berufsbildungszusammenarbeit

Um die internationale Nachfrage nach einer Kooperation mit Deutschland in der Berufsbildung zufriedenstellend sicherzustellen, wurde auf Initiative des Bundesbildungsministeriums und im Zusammenwirken mit den beteiligten Ressorts und den Sozialpartnern eine Zentralstelle für internationale Berufsbildungskooperation beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn eingerichtet. Die Zentralstelle ist wesentlicher Bestandteil des „Strategiepapiers der Bundesregierung zur internationalen Berufsbildungszusammenarbeit aus einer Hand", die das Bundeskabinett unter Federführung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) Anfang Juli 2013 verabschiedet hat.
Die neue Anlaufstelle im BIBB hat im September 2013 offiziell ihre Arbeit aufgenommen. Sie ist jetzt die Plattform der Bundesrepublik für internationale Berufsbildungszusammenarbeit. In dieser Funktion unterstützt sie den sogenannten „Runden Tisch", zu dem sich die relevanten Akteure ‒ Vertreterinnen und Vertreter beteiligter Bundesministerien, der Länder, der Kammervereinigungen und der Sozialpartner sowie weiterer durchführender Organisationen ‒ regelmäßig treffen, um die vielfältigen Aktivitäten ressort- und organisationenübergreifend zu koordinieren.

Mit der Zentralstelle sollen dauerhafte Strukturen für die internationale Berufsbildungskooperation aufgebaut werden, um zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit insbesondere in Europa beizutragen. Kernaufgaben der Zentralstelle sind bilaterale Berufsbildungskooperationen im Auftrag des BMBF aufzubauen, zu koordinieren sowie fachlich zu unterstützen und zu betreuen, Netzwerkaktivitäten, Kooperationsmaßnahmen und Pilotprojekte zu initiieren und zu fördern sowie Beratungsmaßnahmen durchzuführen und für einen entsprechenden Transfer der Ergebnisse in die (Fach-)Öffentlichkeit im In- und Ausland zu sorgen. Schwerpunkte der neuen Zentralstelle bilden zunächst die im Dezember 2012 vereinbarten bilateralen Aktivitäten mit Spanien, Italien, Griechenland, Portugal, Lettland und der Slowakei. Hier wurden bereits Arbeitsgemeinschaften gegründet und erste Projekte initiiert. In diesen Pilotprojekten werden beispielhaft praxisnahe Ausbildungselemente eingeführt, die anschließend flächendeckend zu einer Änderung des Ausbildungssystems führen sollen. Hinzu kommen Initiativen mit Russland, Indien, China und Südafrika sowie Aktivitäten mit Institutionen in ausgewählten G-20-Staaten. Hier geht es beispielsweise um Beratungs- und Entwicklungsworkshops, die Entwicklung von Berufsstandards, die Einrichtung von Online-Portalen, den Aufbau von Aus- und Weiterbildungsnetzwerken der Berufsbildung oder die Entwicklung eines Fortbildungsangebots für das Berufsbildungspersonal.

 

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Autor(in): Petra Schraml
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Datum: 14.11.2013
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