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21. 09. 2012

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

START feiert Geburtstag

Das Schülerstipendienprogramm für engagierte Zuwanderer wird 10 Jahre alt

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Bundespräsident Joachim Gauck bei der Jubiläumsfeier; Quelle: START-Stiftung gGmbH/Erol Gurian

 

Im Jahr 2002 hat die Gemeinnützige Hertie-Stiftung das Stipendienprogramm START ins Leben gerufen. START unterstützt engagierte Jugendliche mit Migrationshintergrund auf dem Weg zu einer höheren Schulbildung materiell und ideell und vergrößert damit ihre Chancen auf eine gelungene Integration und Teilhabe an der Gesellschaft.


Vor genau zehn Jahren, im Jahr 2002, hat die Gemeinnützige Hertie-Stiftung das Stipendienprogramm START ins Leben gerufen. Die Stiftung, die sich als Reformstiftung in den Bereichen Vorschule und Schule, Hochschule, Neurowissenschaften sowie Beruf und Familie versteht und viele Projekte in diesen Bereichen anstößt und fördert, wollte mit dem Programm Möglichkeiten schaffen, engagierte Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund zu fördern. „Talent und Leistungsbereitschaft sollten sich unabhängig von Herkunft, Status und Umgebung entfalten und eine Gesellschaft bereichern können“, so die Stiftung. Das Stipendienprogramm START unterstützt engagierte Jugendliche mit Migrationshintergrund auf dem Weg zu einer höheren Schulbildung materiell und ideell und vergrößert damit ihre Chancen auf eine gelungene Integration und Teilhabe an der Gesellschaft.

Um das Programm weiterhin auszubauen, wird es seit 2007 von der START-Stiftung gGmbH, einer 100-prozentigen Tochtergesellschaft der Hertie-Stiftung, zusammen mit rund 100 Partnern – Ministerien, Stiftungen, Unternehmen, Vereinen und Privatpersonen – in 14 Bundesländern (alle außer Bayern und Baden-Württemberg) durchgeführt. Auch in Österreich gibt es in Wien, Vorarlberg und Salzburg START-Initiativen. Mittlerweile werden mehr als 50 Prozent der Stipendien aus Drittmitteln finanziert.

Bewerbungsvoraussetzungen
Gefördert werden Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund, die einen Haupt- oder Realschulabschluss mit dem Ziel eines höheren Abschlusses, die Fachhochschulreife oder das Abitur anstreben. Bewerben können sich Jugendliche unabhängig von Schulform, Nationalität, Aufenthaltsstatus und Religionszugehörigkeit bei 13-jähriger Schulzeit ab der 9. Klasse und bei 12-jähriger Schulzeit ab der 8. Klasse. Die Voraussetzungen für den Erhalt des Stipendiums sind ihre Persönlichkeit, ihr gesellschaftliches Engagement und die schulischen Leistungen. Darüber hinaus wird die familiäre sowie die finanzielle Situation der Familie berücksichtigt. Auch wird eine enge Kooperation mit dem Elternhaus der Stipendiaten angestrebt. „In der Regel sind die Eltern sehr bildungsnah und unterstützen ihre Kinder sehr bei ihrem Vorhaben. Sie üben positiven Druck aus“, weiß Robert Hasse, Geschäftsführer der START-Stiftung gGmbH.

Auch der Kontakt zu Lehrerinnen und Lehrern ist für die START-Stiftung wichtig, weil sie täglich mit den jungen Menschen zusammen sind und dadurch Talente und Begabungen erkennen und fördern. Ihre Gutachten tragen wesentlich dazu bei, ob ein Stipendium genehmigt wird.
„Und auch während des Programms wird laufend darauf geachtet, dass die Stipendiaten die Kriterien weiterhin erfüllen“, ergänzt Hasse. Dazu gehören in erster Linie ein Notendurchschnitt von 2,5 und besser sowie das gesellschaftliche Engagement.

Ziele des Programms
Die Ziele des Programms sind, die Entwicklungschancen motivierter Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund zu verbessern, engagierte Schülerinnen und Schüler zur Wahl eines höheren Bildungsweges zu ermutigen, den Übergang in die gymnasiale Oberstufe zu erleichtern und die Voraussetzung für eine akademische Laufbahn bzw. Wege in berufliche Leitungsfunktionen zu eröffnen. Auch soll das interkulturelle Potenzial der Stipendiaten für die Vermittlung zwischen Zuwanderern und deutscher Bevölkerung gestärkt und genutzt werden. Mit den Fähigkeiten und Erfahrungen, die sie bei und während ihrer Zeit bei START machen, und ihrer Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, tragen sie zu einer Gesellschaft in Deutschland bei, in der das Zusammenleben von Menschen aus unterschiedlichen Kulturen mit gemeinsamen Werten selbstverständlich ist.

Inhalte des START-Stipendiums
Das START-Stipendium umfasst eine materielle und eine ideelle Förderung, eine intensive pädagogische Betreuung der Stipendiaten sowie regionale und überregionale Bildungsangebote, die die Stiftung zusammen mit ihren Partnern konzipiert und ausrichtet. Die START-Stipendiaten erhalten monatlich 100 Euro Bildungsgeld für bildungsrelevante Anschaffungen und Aktivitäten und einen Laptop mit Drucker und Internetanschluss, um die Vernetzung mit den START-Betreuern und anderen Stipendiaten sicherzustellen. Bei Bedarf können weitere Fördermittel beantragt werden, z. B. für Seminare, Nachhilfe, Deutsch- und Fremdsprachenkurse, Computerkurse, Studienfahrten oder Praktika.

Die Bildungsseminare stellen den zentralen Bestandteil der ideellen Förderung bei START dar. Zweimal im Jahr müssen die Stipendiaten an verpflichtenden Bildungsseminaren teilnehmen, die ein gesamtes Wochenende umfassen und den Stipendiaten eine intensive Beschäftigung mit jeweils einem unterschiedlichen Thema ermöglichen. Sie können dabei aus verschiedenen Themen, wie „Die Kraft der Sprache – Wirkungsvoll reden und präsentieren“, „Wer bin ich und wie will ich sein?“ – Seminar zur Persönlichkeitsbildung, „Misch Dich ein! Warum Demokratie ohne Beteiligung nicht funktioniert“, „Ich sehe was, was Du nicht siehst“ – Seminar zum Ausbau interkultureller Kompetenz, Seminare zur beruflichen Bildung, Bewerbungstrainings u.a. wählen. Außerdem gibt es Wahlseminare mit künstlerischem, sozial- und naturwissenschaftlichem sowie wirtschaftlichem und sportlichem Schwerpunkt.

Ergänzt werden die Bildungsseminare durch den gemeinsamen Besuch von Kulturveranstaltungen, Exkursionen zu Unternehmen, öffentlichen Einrichtungen oder Messen, die von den Landeskoordinatoren und Partnern organisiert werden. Die Schülerinnen und Schüler bekommen so die Gelegenheit, große Konzerne oder Einrichtungen zu besuchen, die sie sonst nicht zu Gesicht bekämen. Gesonderte Seminare und Beratungsangebote zur Studien- und Berufswahl, die individuelle Beratung und Unterstützung durch die START-Betreuer, ein Netzwerk der Stipendiaten untereinander und zahlreiche Kontakte, u. a. zu Studienförderwerken und Unternehmen sowie ein Jahrestreffen aller Stipendiaten und Kooperationspartner runden das Angebot ab. Seit 2009 gibt es außerdem ein neues Wahl-Angebot für START-Stipendiaten: Sie können ein Wochenende lang intensiv in die Welt der Oper reinschnuppern und neben Gesprächen mit Sängern, Schauspielern und Dramaturgen dort auch praktische Tätigkeiten ausüben.

START wird zur „Familie“
Über die Jahre wachsen die START-Stipendiaten wie eine Familie zusammen. „Sie genießen es, dass sich jemand um sie kümmert und sie auf ihrem Weg betreut“, weiß Robert Hasse aus Erfahrung. START wird ein wichtiger Stützpfeiler in dem Leben der jungen Heranwachsenden. Sie freuen sich über die Kompetenzen, die sie in den Seminaren erwerben. Die Stipendiaten werden sich untereinander zum Vorbild, teilen ihre Erfahrungen und Perspektiven und geben sich gegenseitig Halt. Über 900 Stipendiaten haben die Schule bereits verlassen. Die meisten mit Abitur. Die Durchschnittsnote liegt dabei bei 2,0. Mehr als die Hälfte der Abiturienten hat ein Stipendium bei einem Studienförderwerk erhalten. START-Stipendiaten sehen sich als aktiven Teil der Zivilgesellschaft und möchten durch eine erfolgreich eingenommene Bürgerrolle gesellschaftliche Verantwortung übernehmen.

Das START-Alumni-Netzwerk
Damit das Netzwerk der Stipendiaten über den Schulabschluss hinaus besteht, gehört auch die Betreuung der ehemaligen Stipendiaten im Alumniverein zum Programm. Die START-Stiftung und ihre Partner, die die START-Stipendiaten bis zum Schulabschluss begleitet haben, möchten durch das Alumni-Programm mit den Ehemaligen weiter in Kontakt bleiben und ihren Werdegang verfolgen. Die Alumni spielen im Rahmen dieses Netzwerkes eine große Rolle: Sie geben ihre Erfahrungen an die aktuellen Stipendiaten weiter, indem sie sie z. B. bei der Studienwahl beraten, sie bei Exkursionen begleiten, Willkommensreden auf Seminaren oder anderen Veranstaltungen halten, bei den START-Jahrestreffen eingebunden werden, Beiträge im Internet-Forum veröffentlichen und vieles mehr. 2004 wurde der START-Alumni e. V. gegründet, der bereits über 260 Mitglieder zählt. Die im Verein aktiven Alumni sind Hauptansprechpartner für die Stiftung und unterstützen diese bei der Umsetzung des Alumniprogramms.

START feiert sein 10-jähriges Jubiläum
Anlässlich des zehnjährigen Bestehens von START fanden am 25. und 26. April 2012 in Frankfurt am Main die Jubiläumsfeierlichkeiten statt. Den Anfang machte eine gemeinsame Feier mit Stipendiaten aus Deutschland und Österreich. Am nächsten Tag folgte als besonderes Highlight der offizielle Festakt in der Frankfurter Paulskirche, an dem Bundespräsident Joachim Gauck als Ehrengast teilnahm. „Ich bin stolz auf Sie!“, begrüßte dieser die START-Stipendiaten und -Alumni in seiner Festrede. Neben dem Bundespräsidenten gratulierten auch Prof. Dr. Rita Süssmuth, die Hessische Kultusministerin Dorothea Henzler sowie Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth START zum zehnjährigen Bestehen. Herr Dr. Feldmann, Vorstandsvorsitzender der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung bedankte sich bei allen Partnern und Wegbegleitern von START, von denen viele bei der Jubiläumsfeier anwesend waren.

Und damit die START-Familie immer größer wird, haben am 12. und 13. September 2012 die Aufnahmeverfahren in die nächste Runde begonnen. In Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz wurden die neuen Stipendiaten von den Bildungsministerinnen und -ministern der Länder oder anderen Führungspersönlichkeiten des Landes begrüßt. Zwischen vier und 13 Jugendliche pro Land erhielten in einer feierlichen Zeremonie ihre Aufnahmeurkunde. Begleitet wurden die Festlichkeiten von einem bunten Programm mit viel Musik und Tanz, das die Alumni wesentlich mitgestalteten. In Kürze folgen die Aufnahmeveranstaltungen in den anderen Bundesländern.

Autor(in): Petra Schraml
Kontakt zur Redaktion
Datum: 21.09.2012
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