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29. 03. 2012

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Selbst erfahren, was dem Körper gut tut

„ScienceKids“: Kinder entdecken Gesundheit

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Kinder testen gesundes Essen; Quelle: ScienceKids

Die AOK Baden-Württemberg hat gemeinsam mit dem Kultusministerium des Landes und dem Landesinstitut für Schulsport, Schulmusik und Schulkunst in Baden-Württemberg das Projekt „ScienceKids: Gesundheit entdecken" entwickelt und vorangetrieben. Mit Hilfe eines handlungsorientierten Ansatzes lernen Kinder der Primar- und Sekundarstufe wichtige Bausteine eines gesunden Lebensstils kennen.


Immer mehr Kinder und Jugendliche leiden heute unter Bewegungsmangel und falscher Ernährung. Die Folgen sind gravierend: Es gibt immer mehr übergewichtige Kinder, und die durch Bewegungsmangel und Fehlernährung verursachten Folgeerkrankungen nehmen zu. Die AOK Baden-Württemberg, das Kultusministerium des Landes sowie das Landesinstitut für Schulsport, Schulmusik und Schulkunst in Baden-Württemberg schenken dem Gesundheitsverhalten von Kindern und Jugendlichen deshalb besondere Beachtung. Gemeinsam haben sie das Projekt „ScienceKids“ auf den Weg gebracht, durch das Kinder lernen sollen, sich gesund zu ernähren.

In dem Projekt geht es darum, den Kindern zu zeigen, was eine gesunde Lebensweise bedeutet. Dabei sind sich alle einig: Das Wissen um gesunde Ernährung allein reicht nicht aus. Die Kinder sollen erfahren, was ihrem Körper gut tut. Im Rahmen des Projekts sollen sie durch entdeckendes, forschendes Lernen den Zusammenhang von Ernährung und Bewegung aktiv erkunden und am eigenen Körper verstehen lernen.

Das Projekt „ScienceKids"
Von Anfang an haben Wissenschaftler der Ernährungs- und Bewegungsbildung gemeinsam die Themen und Inhalte entwickelt, die sich für eine „handlungsorientierte Gesundheitsbildung“ besonders gut eignen. Die fünf Themen „Anatomie & Physiologie", „Energie & Energiewandel", „Wasser & Wirkstoffe", „Sinne & Wahrnehmung" sowie „Lebensmittel herstellen & genießen" basieren auf einer Verknüpfung beider Bereiche. Damit Kinder beispielsweise den Begriff Energie verstehen, müssen sie im Rahmen des Projekts auf einem Ergometer den Energiegehalt eines Apfels, eines Joghurts oder eines Schokoriegels „abstrampeln". Sie erfahren am eigenen Körper, dass sie sich für einen Apfel bedeutend weniger anstrengen müssen als für einen Schokoriegel.

Die Lehr- und Lernmaterialien von „ScienceKids“

Ende des Jahres 2007 ging das Projekt in der Primarstufe an den Start. Im Jahr 2011 folgte die Sekundarstufe I. Die Lehr- und Lernmaterialien von „ScienceKids“ sind eng an die Bildungspläne der Primar- beziehungsweise Sekundarstufe I in Baden-Württemberg angepasst. Sie bieten zahlreiche Umsetzungsmöglichkeiten in den Unterrichtsfächern und Fächerverbünden und sind hervorragend für Projekttage, Themenwochen, Arbeitsgemeinschaften und Angebote im Rahmen der Ganztagsschule geeignet. „Über 400 Schulen in Baden-Württemberg arbeiten bereits mit den Materialien von ‚ScienceKids‘" berichtet Sabine Drexler von der AOK Baden-Württemberg, die zusammen mit Jutta Ommer-Hohl das Projekt betreut. Und wahrscheinlich sind es noch viel mehr, denn allen Schulen des Landes wurden die Materialien zugeschickt.

Anwendung im Unterricht der Primarstufe
In der Grundschule wird das Projekt dem Forscherdrang der Kinder gerecht. Kinder in dem Alter wollen wissen, warum man Muskelkater bekommt und warum Milch starke Knochen macht. Die Lehrmaterialien entsprechen diesem Bedürfnis. In Experimenten zu den Themen „Mein Körper – was ihn stützt und bewegt", „Die Achterbahn in meinem Bauch", „Energiewandel – wie viel Energie braucht der Körper?" oder „Mit allen Sinnen bewegen" finden sie Antworten auf Fragen wie „Was passiert mit dem Apfel, den wir essen, in unserem Körper?“, „Können wir im Kopfstand schlucken?“, „Wofür brauchen wir Muskeln?“, „Welche Körperteile sind bei bestimmten Bewegungen besonders gefragt?“ oder „Wie bewegen wir uns mit verbundenen Augen?“. In von ihnen selbst durchgeführten Experimenten lernen sie, wie ihr Körper funktioniert und was ihm gut tut.

Die Durchführung in der Sekundarstufe I
Auch das Konzept der Sekundarstufe beruht auf einem handlungsorientierten Ansatz. Im Gegensatz zu dem Ansatz der Primarstufe, wo die Neugier und der Forscherdrang der jüngeren Kinder im Mittelpunkt stehen, findet bei den Lernangeboten für Jugendliche der enge Bezug zu ihrer Lebenswelt Berücksichtigung. Von besonderer Bedeutung sind dabei die körperlichen Veränderungen: Körperliche Identität, Akzeptanz des Körpers in der Peer-Group, Attraktivität und Körperbild sind wichtige Themen.

Schulen können aus den Themenblöcken „Ich & Mein Körper“ („Den eigenen Körper bewohnen lernen“, Körperbild und Körperkult), „Ich & Die anderen“ (Leben in der Clique, Selbstbehauptung, Anerkennung), „Ich & Die Alten“ (Familie und Abgrenzung)", „Ich & Meine Orientierung“ (Werte, Ziele) sowie „Ich & Starke Gefühle“ (Risiko, Liebe, Stress …) wählen. Diese Blöcke lassen sich gut mit den Inhalten der Primarstufe verbinden. Entscheidet man sich beispielsweise für die Themen „Wasser und Wirkstoffe“ und „Ich & Die anderen“ könnten „Trendgetränke“ ein interessantes Untersuchungsobjekt sein: Die Jugendlichen könnten die Zusammensetzung der Getränke und ihre Wirkung auf den Körper unter die Lupe nehmen. Denn „Trinken und Gruppendruck“ spielen für viele Jugendliche in ihrem Alltag eine wichtige Rolle. Auch lassen sich die Themen fächerübergreifend gut bearbeiten. Das Thema „Stress“ beispielsweise aus dem Bereich „Sinne & Wahrnehmung“ kann man im Fach Biologie durch Beobachten der Körperreaktionen in Stresssituationen (Angst, Schweiß, Zittern …) behandeln. Im Fach Kunst können Videoproduktionen zum Thema „Stress“ aus dem Alltag der Jugendlichen entstehen. Und im Sportunterricht wird Stress über gezielte Entspannungsübungen erfahrbar.

Wichtig ist, dass die Jugendlichen die Themen selbst erleben. Dadurch werden sie für sie erfahrbar und auch spannend. „ScienceKids“ setzt daher in der Sekundarstufe verstärkt auf erlebnis- und medienpädagogische Methoden. Mit Hilfe moderner Medien (etwa Videoproduktion, Bildbearbeitung oder Trickfilm) werden so auch Themen wie Gesundheit für Jugendliche interessant.

Fortbildungen für die Lehrkräfte
20 weiterführende Schulen haben die Materialien für die Sekundarstufe erprobt. Studierende der PH Ludwigsburg haben die Schulen im Rahmen ihres Blockpraktikums unterstützt. Die wissenschaftliche Begleitung zeigt, dass zwei Drittel der Schüler sich vorstellen können, das Gelernte im Alltag umzusetzen. Außerdem geben die Jugendlichen an, sich in der Freizeit mehr zu bewegen und mit dem Thema Ernährung deutlich bewusster umzugehen. „Ein positives Ergebnis", freut sich Sabine Drexler. Das lässt hoffen, dass zukünftig viele Sekundarstufen das Konzept in ihren Schulalltag einbauen werden.

Die Lehr- und Lernmaterialien von „ScienceKids: Kinder entdecken Gesundheit“ bieten Lehrkräften und Schulen dabei durchweg Vorteile. Die wissenschaftlich erarbeiteten und erprobten Materialien mit vielen Checklisten und Arbeitsblättern geben vielfältige Anregungen für forschenden, entdeckenden Unterricht und tragen zu einer umfassenden Ausbildung der Gesundheitskompetenz der Schülerinnen und Schüler bei.
In Fortbildungen können Lehrkräfte die „ScienceKids“-Materialien zuvor erproben. Sie erfahren, wie sie das Projekt optimal in den Bildungsplan Baden-Württemberg einbauen können, und erhalten wertvolle Tipps für die Umsetzung an der eigenen Schule.



Autor(in): Petra Schraml
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Datum: 29.03.2012
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