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01. 04. 2011

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Die unbeachtete Krise

UNESCO-Weltbildungsbericht 2011

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UNESCO-Weltbildungsbericht 2011

Auf dem Weltbildungsforum in Dakar 2000 verpflichteten sich 164 Länder im Rahmen des Aktionsplanes „Bildung für alle“ (Education for All) bis zum Jahr 2015 sechs Bildungsziele zu erreichen. Im Weltbildungsbericht 2011 musste festgestellt werden, dass Staaten auf der ganzen Welt hinter ihren Zusagen zurückbleiben. Es klafft eine große Lücke zwischen der Erklärung von Dakar im Jahr 2000 und dem Einlösen der Zusagen:

1.    Ausbau der frühkindlichen Förderung und Erziehung
Obgleich die Kindersterblichkeit zurückgeht, sind von den 68 Ländern mit hohen Kindersterblichkeitsraten nur 19 auf dem Weg, das Ziel einer Zweidrittelreduktion bis 2015 zu erreichen. Nach wie vor unterschätzen Regierungen die Auswirkungen, die Mangelernährung bei Kleinkindern auf ihre Bildungschancen hat. Mangelhaft ernährte Kinder werden mit geringerer Wahrscheinlichkeit eine Schule besuchen und eher niedrigere Lernerfolge aufweisen.

2.    Grundschulbildung für alle Kinder weltweit
Zwar sind in den letzten zehn Jahren merkliche Fortschritte hinsichtlich der Grundschul-Einschulungsrate zu verzeichnen, aber die Geschwindigkeit des Fortschritts war sehr unterschiedlich und verlangsamt sich.
Gegenwärtig können weltweit 67 Millionen Kinder nicht zur Schule gehen. Davon leben 28 Millionen in Ländern mit Konfliktsituationen. Hält der gegenwärtige Trend an, könnten im Jahr 2015 noch mehr Kinder als heute keine Schulbildung erhalten.

3.    Absicherung der Lernbedürfnisse von Jugendlichen und Erwachsenen
Die Zahl der Jugendlichen, die keine Schule besuchen, geht zurück. Aber im Jahr 2008 waren es immer noch 74 Millionen. Während die Mehrheit der reichen Länder kurz vor der Verwirklichung universeller Sekundarbildung steht, weist am anderen Ende der Skala Subsahara-Afrika eine Einschulungsrate von 34 Prozent in der Sekundarbildung und nur sechs Prozent in der Tertiärbildung auf. Dennoch holt diese Region auf.

4.    Halbierung der Analphabetenrate unter Erwachsenen
Von der in Dakar festgelegten Halbierung der Analphabetenrate unter Erwachsenen ist die Weltgemeinschaft weit entfernt. Nach wie vor wird die Alphabetisierung in der Bildungspolitik vernachlässigt. Im Jahr 2008 besaßen ca. 17 Prozent der erwachsenen Weltbevölkerung keine grundlegenden Lese- und Schreibkompetenzen, fast zwei Drittel davon waren Frauen. Einige Länder wie China und Kenia mit bisher hohen Analphabetenraten sind im Begriff, ihre Verpflichtung einzuhalten.

5.    Gleichberechtigung der Geschlechter
Die Geschlechterparität auf Grundschulebene steigt weiter, aber um Gleichberechtigung herzustellen, müssten 3,6 Millionen mehr Mädchen eine Schule besuchen. Nach wie vor sind Frauen und Mädchen benachteiligt.
Bildung, finanzielle Anreize, mädchenfreundliche Schulatmosphäre, verbesserter Zugang zu technischen Ausbildungsgängen und Programme zur beruflichen Bildung könnten diese Ungleichheit überwinden helfen.

6.    Verbesserung der Bildungsqualität
In Ländern wie Frankreich und den USA erreichte die große Mehrheit der Schülerinnen und Schüler durchschnittliche oder überdurchschnittliche Leistungen. Dagegen sind in vielen Entwicklungsländern die absoluten Lernerfolge außergewöhnlich niedrig. Die Regierungen dieser Länder stehen vor enormen Herausforderungen, wenn das durchschnittliche Lernniveau gehoben werden soll.


Die unbeachtete Krise
Schwerpunkt des diesjährigen Weltbildungsberichts sind Konsequenzen von bewaffneten Konflikten für Bildung. Im Bericht wird von einer „unbeachteten Krise“ gesprochen, die Armut verstärkt, ökonomisches Wachstum und die Weiterentwicklung von Staaten untergräbt. Zugleich werden das Ausmaß der Krise dokumentiert, Gründe aufgezeigt und eine Agenda des Wandels entworfen. Schon auf dem Weltbildungsforum in Dakar im Jahr 2000 erkannten die Staaten Konflikte als ein „Haupthindernis für die Erreichung von ‚Bildung für alle‘“.

Deshalb wird in diesem Bericht eine umfassende Agenda zur Verbesserung der Bildung für Menschen in bewaffneten Konflikten oder durch Konflikte Vertriebene entwickelt. Kernelemente sind:

  • Alle an „Bildung für alle“ beteiligten Einrichtungen müssen für eine höhere Priorität von Bildung in der humanitären Hilfe sorgen.
  • Für die humanitäre Hilfe ist ein größerer und flexiblerer Finanzrahmen nötig. So sollten multilaterale Fonds von derzeit ca. 730 Millionen US-Dollar auf ca. zwei Milliarden US-Dollar erhöht werden.
  • Der Bericht empfiehlt, Indikatoren für Bildung sowie Einschätzungen der finanziellen Bedürfnisse für spezielle Ziele zu erarbeiten, weil die tatsächlichen Bedürfnisse von Flüchtlingen und Vertriebenen wesentlich höher sind, als gegenwärtig angenommen.
  • Gastländer sollen Flüchtlingen und Vertriebenen Zugang zu Bildungssystemen verschaffen und ihre Rechte stärken.



Dokumente und Stellungnahmen

Deutsche UNESCO-Kommission e.V.
UNESCO-Programm "Bildung für alle" (Education for All / EFA)


Deutsche UNESCO-Kommission e.V.
Die unbeachtete Krise: Bewaffneter Konflikt und Bildung. Weltbericht „Bildung für alle“ 2011. Kurzfassung


UNESCO
Weltbildungsbericht 2011, Vollversion, englisch
2011 Report. The hidden crisis: Armed conflict and education


Deutsche UNESCO-Kommission e.V.
Pressemitteilung, 01.03.2011: UNESCO-Weltbildungsbericht 2011
Bewaffnete Konflikte gefährden Bildung


Deutsche UNESCO-Kommission e.V.
Weltbildungsbericht der UNESCO


Deutsche UNESCO-Kommission e.V.
Deutscher Launch des UNESCO-Weltbildungsberichts 2011


Bündnis 90/Die Grünen, 28.03.2011
Versprechen einlösen! Politisches Handeln und Einlösen der Versprechen dringend notwendig


GEW, 28.03.2011
Bildung in Konfliktländern


Frankfurter Rundschau, 01.03.2011
„Krieg und Gewalt sind die größten Feinde der Bildung“

Interview mit dem Erziehungswissenschaftler Christoph Wulf, Vizepräsident der Deutschen Kommission


Frankfurter Rundschau, 01.03.2011
Arme Mädchen sind oft am ärmsten dran


FOCUS, 01.03.2011
Ohne Chance auf Bildung


Spiegel Online, 01.03.2011
67 Millionen Kinder besuchen keine Schule

 

 

Autor(in): Ursula Münch
Kontakt zur Redaktion
Datum: 01.04.2011
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