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20. 01. 2011

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

„Weil er so ist, wie er ist!“

Ehrung für herausragende pädagogische Leistungen

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Ende November 2010 wurde in Berlin der „Deutsche Lehrerpreis – Unterricht innovativ“ verliehen. Zum „Lehrer des Jahres“ wurden 18 Lehrerinnen und Lehrer gekürt. Darüber hinaus erhielten drei Lehrerteams Preise für ihre innovativen Unterrichtskonzepte. Außerdem gab es Sonderpreise.


Ende November 2010 wurde in Berlin der „Deutsche Lehrerpreis – Unterricht innovativ“ verliehen. Im Rahmen des bundesweiten Wettbewerbs werden besonders engagierte und kreative Lehrerinnen und Lehrer an deutschen Schulen geehrt. Einzelne Lehrkräfte spielen für die Entwicklung eines Kindes eine große Rolle. Sie sind oft prägend für das ganze weitere Leben. Mit dem „Deutschen Lehrerpreis – Unterricht innovativ“ sollen deshalb Lehrkräfte ausgezeichnet werden, die sich mit viel Herzblut für ihre Schülerinnen und Schüler einsetzen, mit innovativen Ideen und ganzem Einsatz arbeiten. Der Wettbewerb möchte gute Beispiele in die Öffentlichkeit tragen und damit auch zu einer Steigerung der Wertschätzung des Lehrerberufs beitragen.

Die Initiatoren des Wettbewerbs
Initiiert wurde der „Deutsche Lehrerpreis – Unterricht innovativ“ vom Deutschen Philologenverband (DPhV) und der Vodafone Stiftung Deutschland, wobei letztere auch den Wettbewerb ermöglicht und finanziert. Das Leitmotiv der Stiftung lautet „Erkennen. Fördern. Bewegen“ und umfasst die drei Bereiche Bildung, Integration und soziale Mobilität. In diesen fördert und initiiert die Vodafone Stiftung Deutschland Projekte, um Impulse für den gesellschaftlichen Fortschritt zu geben, die Entwicklung einer aktiven Bürgergesellschaft zu unterstützen und gesellschaftspolitische Verantwortung zu übernehmen. Der Deutsche Philologenverband (DPhV) sorgt dafür, dass Lehrerinnen und Lehrer sowie Schülerinnen und Schüler aller Schularten des Sekundarbereichs und aller beruflichen Schulen bis hin zu den Fachschulen und Fachakademien an dem Wettbewerb teilnehmen können.
Dr. Mark Speich, Geschäftsführer der Vodafone Stiftung Deutschland, sagte auf der Preisverleihung: „Nur eine Gesellschaft, die Lehrer in ihrer Arbeit unterstützt und diese Arbeit anerkennt, wird die besten Absolventen für den Lehrerberuf gewinnen können. Der ‚Deutsche Lehrerpreis‘ ist Ausdruck der Wertschätzung für Lehrerinnen und Lehrer in unserem Land und ein Beitrag für ein funktionierendes Zusammenwirken von Schule, Schülerschaft und Elternhaus. Damit schaffen wir das Fundament für die Bildung und Entwicklung von jungen Menschen aus allen sozialen Schichten.“

Über die Gewinner entscheidet eine hochrangig besetzte Jury, der neben Vertretern der beiden Initiatoren unter anderem Doris Ahnen, Ministerin für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur in Rheinland-Pfalz, Prof. Dr. Roland Wöller, Sächsischer Staatsminister für Kultus, Prof. Dr. Manfred Prenzel, Gründungsdekan TUM School of Education, TU München, sowie Prof. Dr. Jürgen Baumert, Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung Berlin, Vizepräsident der Max-Planck-Gesellschaft, angehören.

„Der Deutsche Lehrerpreis“
Der Wettbewerb verbindet zwei Kategorien miteinander. In der Kategorie „Schüler zeichnen Lehrer aus“ nominieren Schülerinnen und Schüler des jeweiligen Abschlussjahrganges an weiterführenden Schulen ihre Lieblingslehrer. Kriterien, nach denen die Lehrer des Jahres von der Jury ausgesucht werden, sind ihre soziale Kompetenz, ob sie für alle ein offenes Ohr haben und gut zuhören können, gerecht und belastbar sind, ihren Unterricht abwechslungsreich gestalten, den Schülerinnen und Schülern Verantwortung übertragen und sich insgesamt dafür einsetzen, wie Schule noch besser und interessanter werden kann. Die ausgezeichneten Lehrkräfte erhalten zur Würdigung ihrer außergewöhnlichen Leistung eine exklusive Trophäe und werden bei einer festlichen Preisverleihung in Berlin geehrt.

„Unterricht innovativ“
Die zweite Kategorie wendet sich direkt an die Lehrerinnen und Lehrer aus dem Sekundarbereich an deutschen Schulen, die fächerübergreifend unterrichten und im Team zusammenarbeiten. Teilnehmen können Lehrkräfte, die Unterrichtsmodelle für die Schule der Zukunft konzipieren, mit innovativen, bereits erprobten Unterrichtsideen an die Öffentlichkeit treten und zur Breitenwirkung von gutem Unterricht beitragen wollen. Die Preise für die besten Unterrichtsideen haben einen Gesamtwert von 13.000 Euro. Der 1. Preis ist mit 5.000 Euro dotiert, der 2. Preis mit 3.000 Euro und der 3. Preis mit 2.000 Euro. Außerdem gibt es Sonderpreise.

Merkmale, nach denen die Unterrichtsideen bewertet werden, sind beispielsweise, ob die Methoden, die über den „fragend-entwickelnden Unterricht“ hinausgehen, die Motivation, Eigentätigkeit und Eigenverantwortung der Schülerinnen und Schüler steigern, ob Teamfähigkeit und Verantwortung für die Klassen oder Gruppen gefördert werden und ob der innovative Unterricht Schwerpunkte bzw. Themen verbindet und eine Brücke zwischen Denkweisen und Stoffgebieten der verschiedenen Fächer schlägt. Der Unterricht sollte so angelegt sein, dass bei seiner Konzipierung und Durchführung eine Teamarbeit der Lehrkräfte möglich ist und Synergieeffekte gefördert werden.

Die Gewinner des bundesweiten Wettbewerbs 2010

Die Gewinner des „Deutschen Lehrerpreises – Unterricht innovativ“ 2010 wurden am 29. November 2010 in Berlin feierlich geehrt. Gewonnen haben insgesamt 18 Lehrerinnen und Lehrer sowie sechs Lehrerteams. Über 1.000 Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte beteiligten sich im vergangenen Jahr an dem Wettbewerb.
In der Kategorie „Schüler zeichnen Lehrer aus“ gingen von den 18 Trophäen jeweils fünf nach Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen, jeweils zwei Auszeichnungen bekamen Lehrkräfte aus Bayern und Niedersachsen und je eine Trophäe ging nach Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern sowie Rheinland-Pfalz. Bayerns Kultusminister und KMK-Präsident Dr. Ludwig Spaenle würdigte das Engagement der Lehrkräfte. „Die Preisträger stellen für mich Vorbilder dar, deren Beispiele zum kreativen Nachahmen, nicht zum Kopieren einladen. Sie stehen für mich exemplarisch für eine große Anzahl von Lehrerinnen und Lehrern, die sich mit enormer Energie einbringen, damit junge Menschen von einer guten Position in ihr berufliches und privates Leben starten können – nicht nur fachlich, sondern auch menschlich“, betonte er auf der Preisverleihung.

„Lehrerin des Jahres“ Andrea Daßing vom Bildungszentrum Niederstetten in Baden-Württemberg wurde beispielsweise von ihren Schülerinnen und Schülern deshalb vorgeschlagen, weil sie am Leben der Schüler großen Anteil nimmt. Sie fragt jeden Schüler regelmäßig, ob er einen Ausbildungsplatz hat. Sie trifft sich mit Schülern, um Bewerbungen durchzulesen, so dass sie fehlerfrei und grammatikalisch richtig formuliert sind. „Und wenn Schüler Probleme haben, beispielsweise mit anderen Mitschülern, hört sie sich die Sicht der Schüler ausführlich an und gibt dann weitere Ratschläge, wie man sich in Zukunft und jetzt in dieser Situation zu verhalten hat, so dass es ein gutes Ende nimmt“, so die Begründung der Schüler.

Gewinner Gerhard Wellmann von der Anne-Frank-Schule in Eschwege (Hessen) wurde von seinen Schülern dafür gelobt, dass sie auch lernen mussten, mit negativer Kritik umzugehen. „Herr Wellmann hat immer gesagt, dass man es dann beim nächsten Mal besser machen kann und das nur geht, wenn man weiß, was nicht so gut war. Das hat geholfen, und bei den meisten hat es das Selbstbewusstsein gefördert und zum Erwachsenwerden beigetragen“, sind die Schüler überzeugt.

Andreas Lisson von der Gerhart-Hauptmann-Realschule in Gelsenkirchen, Nordrhein-Westfalen, bekam die Trophäe dafür, dass er nicht nur als Lehrer, sondern auch als Schulleiter „super Arbeit“ leistet. „Im Unterricht erklärt er den Unterrichtsstoff so lange, bis ihn auch wirklich jeder verstanden hat. Und er kann wirklich super erklären!“, so seine Schüler. Und weiter: „Er ist einer der Lehrer, die einen nicht ihre Meinung als richtig lehren wollen, sondern einem die Freiheit lassen, sich eine eigene Meinung zu bilden und diese auch frei zu äußern. Er unterstützt uns in unserer Berufsorientierung und äußert nicht nur Kritik, sondern auch Lob. Ein Lehrer, den sich bestimmt viele Schüler wünschen. Und aus diesen Gründen: Weil er so ist wie er ist, weil er den Unterricht führt wie er ihn führt, weil er uns unterstützt und uns Schüler ebenso mit Respekt behandelt wie wir ihn, hat er die Auszeichnung verdient.“

Das Siegerteam 2010
In der zweiten Kategorie des Wettbewerbs hatten auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Lehrerteams aus ganz Deutschland innovative, fächerübergreifende Unterrichtsprojekte eingereicht. Den ersten Platz erhielt ein 16-köpfiges Lehrerteam vom Gymnasium Olching in Bayern. Im Rahmen ihres Projektes „Wochenplanarbeit“ durchbrachen die Pädagogen Fächer- und Klassengrenzen in zeitlicher und organisatorischer Form. Dank einer intensiven Vernetzung der vier Projektklassen und unter Einbeziehung offener Unterrichtsformen, einer intensiven Teamarbeit der Lehrer und Kooperationen mit den Eltern wurden in den Kernfächern Deutsch, Englisch und Mathematik sowie Kunst für 114 Fünftklässler sehr erfolgreich neue Lernwege beschritten. In Mathematik, Deutsch und Englisch wurden sechs Stunden für den Wochenplanunterricht umgewidmet. Zu Beginn der Woche erhielten die Schülerinnen und Schüler einen Plan mit Aufgaben aus diesen drei Fächern, die sie selbstständig in der von ihnen gewünschten Reihenfolge und manchmal auch frei gewählten Sozialform bearbeiten konnten. Dafür standen ihnen speziell angefertigte Materialien zum Selbstlernen zur Verfügung. Am Ende jeder Woche mussten die Fünftklässler dann ihr Lernen reflektieren, indem sie beurteilen sollten, wie leicht oder schwer ihnen eine Aufgabe gefallen war. Im Vordergrund stand für das Lehrerteam des Gymnasiums Olching, die ihm anvertrauten Kinder entsprechend ihrer Individualität und Begabung zu fördern und mit den Grundlagen der Kultur vertraut zu machen. „Bildung heißt, sich diese Grundlagen individuell, aber auch gemeinsam mit den anderen aneignen und erschließen zu können“, sind sie überzeugt. Damit Lernen gelingt, muss es ihrer Ansicht nach in Sinnzusammenhängen, in differenzierter Weise sowie mit Freude erfolgen. Bei der Wochenplanarbeit bestätigte sich das. Das Projekt wurde seitens der Ludwig-Maximilians-Universität München evaluiert. Die Ergebnisse sind Grundlage für die Weiterentwicklung der Wochenplanarbeit.

Die weiteren Plätze
Der zweite Preis ging in diesem Jahr an ein Lehrerteam des Gymnasiums Wesermünde in Bremerhaven für „Narnia lebt!“. Im Mittelpunkt dieses Projektes stand die Auseinandersetzung mit dem Kinderbuchklassiker „Chroniken von Narnia.“ Die Fragestellung, inwieweit die Eigenschaften und der natürliche Lebensraum von Tieren in der Literatur berücksichtigt oder auch verfremdet werden, um bestimmte Wirkungen zu erzielen, wurde in den Fächern Deutsch, Biologie, Kunst und Musik übergreifend erarbeitet, so dass den Schülern ein neuer Zugang zur Natur vermittelt wurde.

Im Rahmen des drittplatzierten Projektes „JAU – Jung und Alt im Unterricht“ haben sechs Lehrkräfte der August-Claas-Schule im nordrhein-westfälischen Harsewinkel auf dem Gelände einer ehemaligen Gärtnerei eine Außenwerkstatt errichtet, in der die Hauptschüler der Jahrgangsstufen 8 bis 10 einmal wöchentlich ganztags praktische Erfahrungen in zehn unterschiedlichen gewerblichen Berufsbildern sammeln können. Bei diesem Projekt werden die Lehrkräfte von pensionierten Handwerkern unterstützt, die den Schülern mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Darüber hinaus wurden drei Sonderpreise, jeweils dotiert mit 1.000 Euro, an die Merian-Schule in Berlin Köpenick (Projekt „Modellparkführungen“), an die Regionale Schule Binz (Projekt „Griechenland“) sowie an die Staatliche Berufsschule I in Landshut (Projekt „Erlebnisgastronomie“) vergeben.

Heinz-Peter Meidinger, Bundesvorsitzender des Deutschen Philologenverbandes, äußerte sich auf der Preisverleihung mit den Worten: „Der Deutsche Lehrerpreis beweist: Durch die Zusammenarbeit von Lehrkräften im Team entstehen heute an zahlreichen Schulen innovative Unterrichtsmodelle, die wegweisend sind für die Modernisierung des Unterrichts in Deutschland. Was mir an den preisgekrönten Projekten besonders gefällt, ist die Tatsache, dass es samt und sonders keine abgehobenen Leuchtturmkonzepte sind, sondern Unterrichtsideen, die jederzeit an anderen Schulen wiederholbar und umsetzbar sind. Abschreiben ist nicht nur erlaubt, sondern erwünscht!“

Und das Beste daran ist: Der Wettbewerb wird auch im Jahr 2011 durchgeführt. Eine Bewerbung ist ab sofort unter www.lehrerpreis.de möglich!




Autor(in): Petra Schraml
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Datum: 20.01.2011
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