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11. 02. 2010

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

„90 Prozent würden ihren Beruf wieder ergreifen“

Das Technikum begeistert Jugendliche für MINT-Studiengänge und -Berufe

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Eine Praktikantin in Aktion, Quelle: BMBF

Das Technikum ist eine von mehreren Maßnahmen, mit denen die Bundesregierung dem Fachkräftemangel im MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Natur- und Ingenieurwissenschaften bzw. Technik) begegnet. In einem mehrmonatigen Praktikum können sich junge Menschen mit Hochschulreife über ihre Neigungen und Interessen klar werden und erste hilfreiche Erfahrungen sammeln.


Bedingt durch den demografischen Wandel und den Strukturwandel zu einer forschungs- und wissensintensiveren Wirtschaft und Gesellschaft steigt der Bedarf an hochqualifizierten Fachkräften insbesondere im MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Natur- und Ingenieurwissenschaften bzw. Technik). Viele Unternehmen haben schon jetzt Nachwuchsprobleme. Da in den kommenden Jahren zahlreiche Akademikerinnen und Akademiker in der Wirtschaft in den Ruhestand gehen und voraussichtlich weit weniger Studentinnen und Studenten ein MINT-Studium abschließen als qualifizierte Arbeitskräfte benötigt werden, ist mit einer enormen Fachkräfte-Lücke in diesem Bereich zu rechnen. Gerade einmal zehn Prozent der Studienberechtigten wählten 2008 nach dem Erwerb der Hochschulreife ein Studienfach aus dem mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich. Dazu kommt, dass ungefähr 40 Prozent der MINT-Studienanfängerinnen und -anfänger ihr Studium nicht abschließen.

Ziel der Qualifizierungsinitiative der Bundesregierung
Die Bundesregierung hat deshalb am 9. Januar 2008 eine Qualifizierungsinitiative für Deutschland beschlossen. Mit Unterstützung von Unternehmen und Forschungseinrichtungen möchte sie die zukünftige Fachkräftebasis sichern. Das „Technikum“, das im Jahr 2009 startete, ist eine von mehreren Maßnahmen der Qualifizierungsinitiative, um mehr Jugendliche mit Hochschulreife für MINT-Studiengänge und -Berufe zu interessieren. „Ein zentrales Ziel unserer Politik ist es, den wirtschaftlichen Wohlstand in unserem Land zu sichern und auszubauen. Das wird uns nur mit gut ausgebildeten Fachkräften, insbesondere aus dem technisch-naturwissenschaftlichen Bereich, gelingen. Mit dem Technikum motivieren wir mehr junge Menschen, ein Studium der Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Ingenieurwissenschaften aufzunehmen. Damit tragen wir zur Sicherung des Fachkräftenachwuchses bei und investieren in die klugen Köpfe von morgen“, so Annette Schavan, Bundesministerin für Bildung und Forschung. Mit der Durchführung des Programms ist eine Service- und Programmstelle Technikum (SuP-T) beim Projektträger im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (PT-DLR) beauftragt.

Das Technikum
Das Technikum ist ein fünf- bis achtmonatiges Betriebspraktikum zur Studien- und Berufswahlorientierung im MINT-Bereich. Junge Menschen mit Hochschulreife, die sich noch nicht auf einen Studiengang festgelegt und sich auch noch nicht an einer Hochschule eingeschrieben haben, sollen damit für technisch-naturwissenschaftliche Studiengänge begeistert werden. Mehr als ein Drittel der jährlichen Abiturientinnen und Abiturienten weiß auch nach Ende der Schulzeit noch nicht so genau, was es studieren möchte. Circa ein Viertel der Abiturienten entscheidet sich sogar gegen ein Studium. Das Technikum gibt den Unentschlossenen die Möglichkeit, unverbindlich in einen Beruf aus den Bereichen Technik und Naturwissenschaft hereinzuschnuppern und sich Klarheit darüber zu verschaffen, was in Studium und Beruf zu erwarten ist. Eine bessere Aufklärung über den Studienverlauf und das dahinter stehende Berufsbild soll auch dazu beitragen, der hohen Quote der Studienabbrecher entgegenzuwirken. Die Initiative richtet sich insbesondere an Frauen, die bisher in den technisch-naturwissenschaftlichen Bereichen deutlich unterrepräsentiert sind. Prof. Dr. rer. nat. Dr.-Ing. E.h. Henning Kagermann, Präsident der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech), ist sicher: „Für Jugendliche sind technische Berufe zu selten erste Wahl – weil sie nicht wissen, was auf sie zukommt. Das ergab das Nachwuchsbarometer der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften und des VDI. Für Schülerinnen und Schüler entsprechen technische Berufe kaum ihren Berufsidealen. Ganz anders sehen das Ingenieure und Naturwissenschaftler, die bereits im Job stehen. Hätten sie ein zweites Mal zu entscheiden, würden 90 Prozent wieder ihren Beruf ergreifen.“

Wie verläuft ein Technikum?
Das Technikum wird in registrierten Betrieben und ihren regionalen Partnern, den Hochschulen, angeboten. Es beginnt mit einer einführenden Phase von zwei Monaten im Betrieb, darauf folgt eine projektbezogene Phase von mindestens drei Monaten. Darüber hinaus sind weitere projektbezogene Phasen bis zu einer maximalen Gesamtdauer des Technikums von acht Monaten möglich. Während der ersten zwei Monate im Betrieb stehen das Kennenlernen und die Begleitung von Ingenieurinnen und Ingenieuren bzw. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus den MINT-Bereichen bei ihrer Arbeit im Vordergrund. Die Praktikantinnen und Praktikanten erwerben grundlegende Kompetenzen im Umgang mit der im Betrieb eingesetzten Informationstechnik und übernehmen Assistenztätigkeiten für die wissenschaftliche Arbeit im Betrieb (Recherche von Literatur, Anfertigen von Auswertungen und Präsentationen, Projektorganisation etc.). In diese erste Phase fällt auch die Entwicklung einer auf den Interessen und Kompetenzen der Praktikantin bzw. des Praktikanten aufbauenden Fragestellung für die Praktikumsarbeit. Im Mittelpunkt der drei- bis sechsmonatigen Projektphase stehen dann die Bearbeitung der Praktikumsarbeit sowie die intensive Beschäftigung mit MINT-Themen und die eigene Studienwahlorientierung. Mentorinnen und Mentoren in den Betrieben betreuen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dabei individuell. Sie leiten sie fachlich an und erarbeiten mit ihnen einen gemeinsamen Praktikumsplan. Nach Ende des Technikums erhalten die Praktikantinnen und Praktikanten ein qualifiziertes Zeugnis.

Kooperation zwischen Betrieb und Hochschule
Für das Technikum kooperieren Unternehmen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen mit Hochschulen. Ein Betrieb schließt mit mindestens einem MINT-Fachbereich einer regionalen Hochschule eine Kooperationsvereinbarung ab. Gemeinsam bieten sie den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Technikums ein praxis- und wissenschaftsbezogenes Lernumfeld. Von dem intensiven Austausch, der dabei entsteht, profitieren alle. An den Hochschulen erhalten die Praktikantinnen und Praktikanten dann Einblicke in die MINT-Studiengänge. Außerdem bekommen sie eine individuelle Beratung zur Studienwahlorientierung. Das hilft ihnen, sich im Verlauf des Technikums leichter für ein Studium in den MINT-Bereichen zu entscheiden.

Das pädagogische Begleitprogramm als zentraler Bestandteil des Technikums
Mit einem pädagogischen Begleitprogramm werden die Praktikanten bei der Studien- und Berufsorientierung unterstützt und intensiv auf den Betriebsalltag und ein späteres Studium vorbereitet. Das Begleitprogramm besteht aus einer fünftägigen Einführungsveranstaltung innerhalb der ersten zwei Monate, einem dreitägigen Seminar zu MINT-Themen während der projektbezogenen Phase sowie einer eintägigen Projektgala zum Abschluss des Technikums. Die Teilnahme an den Veranstaltungen ist für die Praktikantinnen und Praktikanten verpflichtend. In Seminaren, Fachveranstaltungen, Exkursionen und Workshops bekommen sie eine Einführung in die Technik des wissenschaftlichen Arbeitens und Informationen zu verschiedenen MINT-Studiengängen. Schon früh kommen sie so in Kontakt mit Lehrenden, Fachleuten aus der Praxis und Studierenden. Darüber hinaus begleitet sie ihr blauer ProfilPASS und hilft, die Fach-, Methoden-, Sozial- und Personalkompetenzen zu schulen. Der ProfilPASS ist ein Dokumentationsinstrument in Form eines Ordners, mit dessen Hilfe die Teilnehmenden ihren persönlichen Entwicklungsprozess dokumentieren können. Dazu gehören vor allem auch die informellen Kompetenzen, die außerhalb von Betrieb und Hochschule erworben werden. „Wenn ich weiß, was ich kann, fällt mir die Entscheidung für ein Studium viel leichter“, bestätigt Felix Simon, Praktikant aus Berlin, seine Erfahrungen mit dem ProfilPASS. Mit dem Technikum bekommen junge Menschen heute eine weitere Möglichkeit, die Zeit zwischen Schule und Studium sinnvoll zu nutzen, praktische Erfahrungen in einem der zahlreichen technisch-naturwissenschaftlichen Fachgebiete zu sammeln und diese bei der späteren Wahl des Studiengangs einfließen zu lassen.

 

Autor(in): Petra Schraml
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Datum: 11.02.2010
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