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03. 11. 2000

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

"Der Akkreditierungsrat muss sich durchsetzen"

Im Interview: Prof. Hoffmann, Vorsitzender des Akkreditierungsrates

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Prof. Hoffmann

Forum Bildung: Kritiker werfen ihnen Discount-Mentalität vor - wegen der Mindeststandards, die sie für Studiengänge festgelegt haben?

Hoffmann: Der Akkreditierungsrat spricht von Mindeststandards für die Akkreditierung von Agenturen und Kriterien für die Akkreditierung von Studiengängen. Im ersten Fall sollte man - um Missverständnisse zu vermeiden - tatsächlich besser von Standards sprechen, auch wenn es einen Kanon von Anforderungen gibt, den die Agenturen für ihre Arbeitsstruktur und Arbeitsweise mindestens erfüllen müssen, beispielsweise die Anwendung der Qualitätskriterien des Akkreditierungsrates zur Akkreditierung von Studiengängen. Tatsächlich gibt es aber einen mittlerweile jahrelangen Streit über die Begriffe "Standards" und "Kriterien", der auch im internationalen Kontext noch nicht gelöst ist.

Forum Bildung: Was sind dann die Standards, die sie festlegen?

Hoffmann: Die Standards für die Agenturen sehen u.a. eine Unabhängigkeit in der Organisationsweise, Internationalität in ihrer Zusammensetzung und - wie erwähnt - die Anwendung der Kriterien zur Akkreditierung vor. Die Agenturen müssen zudem eine entsprechende personelle und finanzielle Infrastruktur für ihre Arbeit vorsehen und sie sind gegenüber dem Akkreditierungsrat berichtspflichtig. Die Kriterien zur Akkreditierung von Studiengängen sehen beispielsweise Internationalität in den Studiengangkonzepten, Berücksichtigung von Entwicklungen in möglichen Berufsfeldern u.a. vor. Die Kriterien geben einen Gestaltungsrahmen für innovative Studiengangkonzepte vor.

Forum Bildung: Der eine oder andere neue Studiengang lässt sich gar nicht mehr erst auf nationaler Ebene akkreditieren, sondern bewirbt sich direkt bei renommierten internationalen Anbietern, die Elite-Gütesiegel verleihen. Entsteht so nicht eine Zwei-Klassen-Gesellschaft bei den Hochschulen?

Hoffmann: Die Akkreditierungsverfahren, die amerikanische Akkreditierungsagenturen, wie AACSB, auf die Sie sicherlich anspielen, für viel Geld in Deutschland anbieten, sind in einem nationalen Kontext, nämlich dem amerikanischen Hochschulsystem, entstanden und haben dort eine spezifische Funktion erfüllt. In Deutschland soll der Akkreditierungsrat die Vergleichbarkeit der neuen Studiengänge im nationalen und - als primären Bezugspunkt - im europäischen Rahmen herstellen. Nicht umsonst wurden die Rahmenprüfungsordnungen für die neuen Studiengänge als nicht mehr adäquates Verfahren ausgesetzt. Ich gehe davon aus, dass reine Image-Akkreditierungen keine Ausnahmefälle bleiben werden. Dennoch bleibt die Aufgabe der Sicherstellung der Vergleichbarkeit der neuen Abschlüsse hier bestehen, ohne die internationalen Bezüge aus den Augen zu verlieren.

Forum Bildung: Ist ein international geregeltes Akkreditierungsverfahren denkbar?

Hoffmann: Die Internationalität muss sich auch auf die Agenturen und den Akkreditierungsrat erstrecken. Das könnte bedeuten, dass ein europäisches Netzwerk die Akkreditierungen vornimmt. So sollte ein in Frankreich akkreditierter Studiengang auch in Deutschland nach einem formalen Verfahren die Zulassung bekommen.

Forum Bildung: Die Transparenz ist ja nicht nur durch internationale Gütesiegel gefährdet. Auch hierzulande tummeln sich schon neben dem Akkreditierungsrat andere Anbieter, die Studiengänge prüfen?

Hoffmann: In einem deregulierten System sind das Erscheinungen, die zwangsläufig entstehen. Es ist auch völlig natürlich, dass Agenturen neben unserem Siegel noch andere Stempel ausgeben. Für mich ist das noch keine Unübersichtlichkeit, die nicht in den Griff zu kriegen ist. Tatsächlich zeigt sich hier auch der Sinn, den der Akkreditierungsrat für die Akkreditierung der Agenturen und die Vergabe des Gütesiegels durch diese hat. Damit wird ein Beitrag zur Transparenz und Übersichtlichkeit geleistet. So ist es sinnvoll, eine zentrale Liste von akkreditierten Studiengängen zu haben, die inhaltlich und formal geprüft sind. Wenn eine Uni tatsächlich neben dem Qualitätssiegel des Akkreditierungsrates zehn weitere Siegel will und auch bezahlen kann, denn die Verfahren sind nicht billig, dann soll sie das tun.

Forum Bildung: Droht dem Akkreditierungsrat Gefahr von den Ländern, die ihr Ausbildungsmonopol nicht aufgeben wollen?

Hoffmann: Die Länder behalten sich weiterhin die Genehmigung der Studiengänge vor. Nicht wenige Länder haben inzwischen erklärt, dass sie nur noch Genehmigungen aussprechen, wenn innerhalb eines Jahres die Akkreditierung nachgeholt wird, so dass es eine gewisse Kopplung zwischen Akkreditierung und Genehmigung geben wird. Die Agentur ZEvA in Niedersachsen hat zum Beispiel in ihren Akkreditierungsverfahren einen Vertreter des Landes als Gast dabei, so dass sich die Genehmigung des Studiengangs ohne Zeitverzögerung direkt anschließen kann.

Forum Bildung: Was passiert, wenn Akkreditierungsrat oder Land bei einer Genehmigung nicht mitspielen wollen?

Hoffmann: Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Land einen Studiengang ablehnt, der von einer Agentur als hervorragend eingestuft wurde. Auf der anderen Seite kann ich mir auch nicht vorstellen, dass ein Land einen Studiengang zulässt, dem zuvor die Akkreditierung verweigert wurde. Auf lange Sicht wird man aber schon zu einer generellen und klaren Regelung, die eine eindeutige Positionen der Länder einschließt, kommen müssen.

Forum Bildung: Wird sich der Akkreditierungsrat durchsetzen?

Hoffmann: Ja, davon bin ich überzeugt, denn sonst würde ich das nicht machen. Ich glaube sogar, dass er sich durchsetzen muss. Es gibt heute schon ca. 400 Bachelor- und Master-Studiengänge. Da droht man nicht nur schnell die Übersicht zu verlieren, sondern benötigt auch die Zusicherung der vorhandenen Qualität - Studierende ebenso wie zukünftige Arbeitgeber. Die momentane Entwicklung im Hochschulbereich hat ihre eigene Dynamik und ist kaum noch aufzuhalten. Aus diesem Grund muss es eine ordnende Struktur geben, wenn der Hochschulreform kein Schaden zugefügt werden soll.

Forum Bildung: Was halten Sie von einer "Stiftung Bildungstest"?

Hoffmann: Ich sehe das sehr positiv, weil sich in der Weiterbildung noch bedeutend mehr Spieler als im Hochschulbereich tummeln. Und es werden immer mehr. Ich halte es für sehr vernünftig, dass eine übergeordnete Institution als Orientierungshilfe dient. Das wäre zum Beispiel auch in der Zukunft eine mögliche Aufgabe für den Akkreditierungsrat, weil er über das nötige Know-how verfügt.

Autor(in): Udo Löffler
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Datum: 03.11.2000
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