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18. 09. 2008

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Eine neue Lernkultur entsteht

Die „Lernenden Regionen“ begeistern Menschen aller Altersstufen für das Lebenslange Lernen

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Lernende Regionen

Anke Vatter betritt den „Baukasten“ im Berliner Stadtbezirk Marzahn-Hellersdorf. Sie ist Lehrerin an der Jean-Piaget-Hauptschule in Hellersdorf und kommt regelmäßig mit ihren Schülerinnen und Schülern zur Berufsberatung. Der „Baukasten“, ein ehemaliger Ausstellungskubus der Expo 2000, beherbergt heute das „Lernzentrum Appolonius“, das zur „Lernenden Region Marzahn-Hellersdorf“ gehört und sich an Menschen aller Altersstufen richtet. Im Zentrum seiner Arbeit steht die Vermittlung von Medienkompetenz: Kindergartenkinder, ältere Selbstlerner, Lehrende aus allen Sektoren bis hin zu Personalverantwortlichen aus Unternehmen — sie alle sollen fit gemacht werden in Sachen Medien. In Kooperation mit Grundschulen gibt es auch Selbstlernangebote wie „Kids online“. In diesem Projekt werden Kinder und Eltern in die Lage versetzt, Medien sinnvoll, selbstgesteuert und verantwortungsbewusst zu nutzen.

Bedeutung Lebenslangen Lernens
Das Lernzentrum in Berlin-Marzahn ist eines von insgesamt 76 „Lernenden Regionen“ in Deutschland. Das Programm „Lernende Regionen – Förderung von Netzwerken“ wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Jahr 2000 ins Leben gerufen. Es bildet den Kern des Aktionsprogramms „Lebensbegleitendes Lernen für alle“, das zu einer nachhaltigen Förderung Lebenslangen Lernens aller Menschen und zu einer zukunftsorientierten Reform der Bildungsstrukturen beiträgt. Das Lebenslange Lernen spielt vor dem Hintergrund einer sich verändernden Welt, in der die eigenen Kompetenzen ständig erneuert und erweitert werden müssen, eine bedeutende Rolle. Durch die Zusammenarbeit aller relevanten Partner aus Bildung, Wirtschaft und öffentlicher Verwaltung in den einzelnen Regionen können Bildungsbarrieren besonders gut abgebaut, Lernbereitschaft und Lernkompetenzen gefördert und die Grenzen zwischen den Bildungsbereichen durchlässiger gemacht werden. Weitere Ziele des Programms sind eine bessere Vergleichbarkeit von Bildungsabschlüssen und die Entwicklung von Kriterien für die Qualität von Bildungsangeboten. Nur wenn diese Punkte umgesetzt werden, kann eine „lernende Gesellschaft“ mit einer neuen Lernkultur entstehen.

Programmmanagement und wissenschaftliche Begleitung
Für das Programm stehen insgesamt rund 118 Mio. EUR zur Verfügung. Davon stammen 51 Mio. EUR aus dem Europäischen Sozialfonds. Die Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung erfolgt in enger Absprache mit den Ländern. Das BMBF beauftragte den Projektträger im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR) mit dem Programmmanagement und dem Programmübergreifenden Transfer. Die wissenschaftliche Begleitung übernahm zunächst ein Forschungskonsortium unter der Leitung des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung (DIE), und seit 2005 wird diese Aufgabe von der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München und Rambøll Management wahrgenommen. Während die LMU die Zielerreichung des Programms untersucht, widmet sich Rambøll Management der Nachhaltigkeit der Netzwerke, der Förderung von Beschäftigungsfähigkeit und der Kooperation mit Wirtschaftsunternehmen.

Netzwerke in den Regionen entstehen
Nach zwei Auswahlrunden in den Jahren 2000 und 2001 wählte der Lenkungsausschuss die Konzepte für die einjährige Planungsphase aus. Ziel war es zunächst, die Netzwerke aufzubauen und innovative Maßnahmen zu entwickeln. In den folgenden beiden Jahren traten mehr als 70 Netzwerke in die vierjährige Durchführungsphase ein. Um sicherzustellen, dass die Netzwerke auch nach Auslaufen der Förderung eigenständig weiterarbeiten können, erhöhte man die finanzielle Eigenbeteiligung nach und nach. Besonders viel versprechende Ansätze wurden und werden noch bis Ende September 2008 in fünf Innovationsschwerpunkten vertieft gefördert. Die erste Vertiefungsphase begann im Jahr 2006 mit 41 Lernenden Regionen in den Schwerpunkten „Bildungsberatungsagenturen“, „Lernzentren“ und „Übergangsmanagement“. Die zweite Vertiefungsphase umfasst darüber hinaus die Schwerpunkte „Aus- und Weiterbildung in kleinen und mittleren Unternehmen“ und „Kommunale Kooperationen mit Lernenden Regionen“. Sie startete im Jahr 2007 mit 56 Vorhaben.

Innovative Lösungsansätze
Im Rahmen des Programms „Lernende Regionen – Förderung von Netzwerken“ ist eine große Vielfalt zukunftsweisender Modelle und Dienstleistungen entstanden, die innovative Lösungsansätze für die Umsetzung des Lebenslangen Lernens liefern. In den regionalen Bildungsnetzwerken sind Kooperationen geschaffen und verstetigt worden, die nun in vielen Regionen feste institutionelle Einbettungen in die Entwicklung von Städten, Stadtteilen und Regionen vorweisen können. Das Netzwerk selbst sieht sich im Regelfall als Impulsgeber für Zusammenarbeit und als Forum für einen Meinungs- und Erfahrungsaustausch. Es bietet Information und Orientierung, Beratung, Fachqualifizierung bzw. -fortbildung, neue Lehr-Lern-Arrangements, Vernetzung unterschiedlicher Funktionsfelder sowie die Bereitstellung und Fortentwicklung zentraler Strukturelemente wie Datenbanken und Services, außerdem Fachtagungen, Bildungsmessen und gemeinsames Bildungsmarketing. Die Umsetzung in der konkreten Bildungsarbeit erfolgt in Kooperation mit den Netzwerkpartnern.

Verstetigung aufgebauter Strukturen
Die „Lernenden Regionen“ haben Wege gefunden, Menschen für das Lebenslange Lernen zu begeistern. Sie haben die Grenzen zwischen den Bildungsbereichen durchlässiger und die Bildungsangebote transparenter gemacht und erreicht, dass auch bildungsferne Bevölkerungsgruppen die Bildungsangebote nutzen.

In der „Lernenden Region Stadt Mainz/Landkreis Mainz-Bingen“ beispielsweise hat „Step on!“ ein Internet-Bildungsportal, ein Internetcafé mit niedrigschwelligem Angebot, Weiterbildungsangebote für Pflegekräfte, Aus- und Weiterbildungstage sowie Berufsprojekttage für Mädchen und die Bildungsberatungsstelle „Blickwechsel“ für Frauen entwickelt und erprobt. In der Vertiefungsphase ging „Blickwechsel“ in die „Step-on!“ Bildungsberatungsstellen in Mainz und in Bingen über.

Der „Lernenden Region Elbe-Elster – Regionales Lernforum“ ist es gelungen, die gegenwärtigen Disparitäten auf dem Arbeitsmarkt abzubauen und den zukünftigen Fachkräftebedarf der Wirtschaft zu sichern sowie stärker kulturelle und berufliche Bildung miteinander zu verzahnen und so die Persönlichkeitsentwicklung und die Handlungskompetenz des Einzelnen zu verbessern.

Und die „Lernende Region Drei-Länder-Eck – LernNetzWerk“ fördert das Lebenslange Lernen in den schleswig-holsteinischen Kreisen Stormarn und Herzogtum Lauenburg mit einem Fokus auf den Bereichen interkulturelle Bildung in der Arbeitswelt und an allgemein bildenden Schulen sowie Bildung und Arbeit für sozial Benachteiligte. Gegründet wurden spezielle „Lehr- und Lernbetriebe“, in deren laufende Arbeit zielgruppenbezogene Bildungsmodule integriert sind. Aus der Arbeit heraus wurde das Zentrum für Interkulturelle Bildung und Arbeit (ZIB) e.V. gegründet, das die interkulturelle Arbeit und Forschung weiter betreibt und die erfolgreiche Arbeit mit am Markt operierenden Lehr- und Lernbetrieben fortsetzt.

„Appolonius!“ geht weiter
Auch im „Baukasten“ wird die Arbeit fortgesetzt. Die Lernpartner arbeiten nach dem Auslaufen des Projektes unter dem Dach der Lernplattform „Appolonius!“ weiter. Dabei können sie auf ein breites Feld an entwickelten Modellen aus den Teilprojekten der Durchführungsphase wie z. B. die regionale Kommunikations- und Lernplattform, Lerninseln in Schulen, professionelle Lernbegleiter und die Beteiligung von Unternehmen am Lebenslangen Lernen zurückgreifen. So arbeitet zum Beispiel das Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf eng mit dem Lernzentrum zusammen, um in Kindertagesstätten das Lernen mit den Neuen Medien zu organisieren. Und der im Netzwerk entwickelte und erprobte Kompetenzkatalog zur Erfassung und Entwicklung von Medienkompetenz wird nun sogar von Microsoft Deutschland bei seiner bundesweiten Kampagne „IT-Fitness für Hauptschulen“ eingesetzt.

Transfer verstärken
Die Modelle für die Umsetzung haben weit über die geförderten Netzwerke hinaus einen Innovationsschub für die gesamte Diskussion um das Lebenslange Lernen in Deutschland ausgelöst. In den Jahren 2008 und 2009 werden die Bemühungen, die Programmerfolge nach außen zu tragen, noch verstärkt. Akteure aus dem Bildungsbereich werden gezielt angesprochen, Partnerschaften mit bestehenden Netzwerken angebahnt und so der Transfer über die Grenzen des Programms hinaus ermöglicht.

Autor(in): Petra Schraml
Kontakt zur Redaktion
Datum: 18.09.2008
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