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12. 06. 2008

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

„Zukunft stiften“ in Baden-Württemberg

Die Landesstiftung Baden-Württemberg will mit zahlreichen Projekten das Land voranbringen

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Landesstiftung Baden-Württemberg

Ziel der im Jahr 2000 gegründeten Stiftung mit Sitz in Stuttgart ist es, „die Zukunftsfähigkeit des Landes Baden-Württemberg zu stärken und zu sichern“, heißt es auf ihrer Homepage. „Ausschließlich“ und „überparteilich“ in Baden-Württemberg will sie „Zukunft stiften“. Ein deutlicher Schwerpunkt liegt auf der Forschungs- und Bildungsförderung. Auf diese Bereiche entfallen 70 Prozent der 50 Millionen Euro, die jedes Jahr für Projekte zur Verfügung stehen. In Wissenschaft und Forschung engagiert sich die Stiftung besonders für Lebenswissenschaften wie den Kampf gegen Allergien und weltweite Lebensmittelknappheit, für Umwelt und Energie, für Strukturförderung oder die so genannte Miniaturisierung, wozu das ganze Feld der Mikrosystemtechnik gehört, ohne die weder Computer noch Airbags funktionieren würden. In den Bereich „Soziale Verantwortung und Kultur“ gehören Projekte zur Prävention von Sucht und Gewalt, zur Integration von Ausländern und Spätaussiedlern, zur Behindertenförderung, aber auch der jährlich vergebene Kulturpreis in den Sparten Bildende Kunst, Darstellende Kunst, Literatur, Musik und Film.

Darüber hinaus hat die Landesstiftung die frühkindliche Förderung zu ihrem Anliegen gemacht. Die im Juli 2005 gegründete „Stiftung Kinderland Baden-Württemberg“ soll dazu beitragen, dass Kinder und Familien bessere Entwicklungschancen im Land erhalten. Auch im Bereich Bildung existieren zahlreiche gemeinnützige Modelle und Projekte, für die sich die Landesstiftung einsetzt. Mit Programmen zur Sprachfähigkeit, zur Bildung internationaler Kompetenz und zur Förderung von Talenten will sie die individuellen Lebens- und Bildungschancen erhöhen und versteht dies als einen Beitrag zum Wohle aller in Baden-Württemberg.

Hilfen bei der Berufsvorbereitung und beim Berufseinstieg
Jugendliche mit schwächeren Schulabschlüssen oder Schulabbrecher ziehen bei der Ausbildungsplatzvergabe oft den Kürzeren, denn Ausbildungsplätze besonders in begehrten Berufen sind auch in Baden-Württemberg heiß umkämpft. Das Resultat ist eine wachsende Zahl von An- und Ungelernten, die es auf dem Arbeitsmarkt sehr schwer haben. Die Programmlinie „Beschäftigungsfähigkeit Jugendlicher“, von der Landesstiftung in Zusammenarbeit mit dem baden-württembergischen Wirtschaftsministerium ins Leben gerufen, will dem entgegen wirken. Jugendliche werden während ihres Berufspraktikums sozialpädagogisch betreut und mit ihren Fragen und Problemen nicht allein gelassen. Ziel ist es, die Jugendlichen so weit zu unterstützen, dass sie ihr Praktikum im Rahmen eines Einstiegs-Qualifizierungs-Jahres erfolgreich absolvieren – im Idealfall so erfolgreich, dass sie gleich in dem jeweiligen Unternehmen eine Ausbildung beginnen können.

Das Projekt „X3 – Fit für Arbeit und Leben“ hilft gezielt Schülerinnen und Schülern im Jahr der Berufsvorbereitung und Berufseingliederung, ihr Selbstvertrauen und ihre Ausbildungsreife zu stärken. Dafür ist es, so der Gedanke, notwendig, „Alltagskompetenzen“ zu fördern. So wurden eine Schulimkerei in Winnenden gegründet, ein Bewegungstheater in Freiburg initiiert, eine Mountainbike-Tour durch den Schwarzwald und ein Trommelprojekt in Reutlingen organisiert.

Andere Initiativen wie „Boris – Netzwerk Berufswahl-Siegel Baden-Württemberg“ oder „KOMET – Kompetenz- und Erfolgstraining für Jugendliche“ zielen in dieselbe Richtung: Jugendlichen soll geholfen werden, die richtige Berufswahl zu treffen und diese konsequent zu verfolgen. Besonders innovativen Projekten an beruflichen Schulen winkt der „beo“-Preis. Noch bis zum 15. Januar 2009 können Schüler beruflicher Schulen und Auszubildende in Betrieben in Baden-Württemberg Beiträge einreichen.


Von Talenten und Eliten: Begabtenförderung und Austauschprogramme
Talente hat jeder Mensch, und die Bestimmung überdurchschnittlicher Begabung ist wissenschaftlich sehr problematisch. Das soll und wird Stiftungen nicht davon abhalten, Talente unter jungen Menschen zu suchen und zu fördern. Das Programm „Talent im Land“ unterstützt jährlich 50 Schülerinnen und Schüler aus Zuwanderfamilien in Baden-Württemberg auf ihrem Weg zum Abitur. Aufnahmekriterien sind Begabung und finanzielle Bedürftigkeit. „Baden-Württemberg darf auf kein Talent verzichten, um weiter vorne an der Spitze zu bleiben. Und dabei darf die Herkunft keine Rolle spielen“, betonte Herbert Moser, Geschäftsführer der Landesstiftung Baden-Württemberg, auf einer Festveranstaltung zum fünfjährigen Bestehen des Programms.

Eine andere Zielgruppe hat das „Donau-Stipendium Baden-Württemberg“. Es wird jährlich an bis zu 26 Schülerinnen und Schüler aus mittel- und osteuropäischen Ländern vergeben, die dann ein Jahr im Land der Schwaben und Badener verbringen. „Durch ihren Aufenthalt in Baden-Württemberg sollen die Donaustipendiaten in ihrem Land zu Botschaftern und Multiplikatoren für die europäische Sache werden“, heißt es im Internetportal der Stiftung.

Auf der Basis eines gegenseitigen Austausches ist das „Baden-Württemberg-Stipendium“ gegründet worden. Ausländische Studierende, Berufstätige und Schüler besuchen Baden-Württemberg, und die Landeskinder revanchieren sich mit einer Visite im Ausland. Studenten der Filmakademie des Landes reisen nach Hollywood, angehende Juristen, Wirtschaftswissenschaftler oder Diplomaten an die deutschsprachige Andrassy-Universität im ungarischen Budapest. Außerdem fördert die Stiftung ein so genanntes Zukunftssicherungsprogramm an Fachhochschulen und Berufsakademien sowie ein Eliteprogramm für Postdoktoranden.

Lebenslanges Lernen – zu gleichen Chancen
Lebenslanges Lernen ist mehr als ein Schlagwort. Das Projekt „Neue Brücken bauen...zwischen Generationen, Kulturen und Institutionen“ der Landesstiftung, des Volkshochschulverbandes und der Landesarbeitsgemeinschaft Weiterbildung will die Träger von Weiterbildungsinstitutionen dazu anregen, ein Netzwerk zum gegenseitigen Austausch aufzubauen. Im Blick sind hier insbesondere Partnerschaften zwischen Weiterbildungseinrichtungen und beruflichen Schulen. Im Rahmen der ersten Ausschreibung wurden 14 Projekte ausgewählt, weitere Projekte starten seit dem 30. April 2008. Brücken gilt es ebenfalls zu bauen über eine Kluft, die auch in Deutschland nach wie vor existiert: Gemeint ist die Chancenungleichheit von Frauen und Männern gerade auf dem Arbeitsmarkt. Frauen in Betrieben verdienen trotz gleicher oder besserer Qualifikationen im Schnitt nach wie vor weniger als ihre männlichen Kollegen. Das Programm „Chancen=Gleichheit“. Gleiche Chancen für Frauen und Männer“ der Landesstiftung will dazu beitragen, diesen Missstand zu beheben. 

(Hoch-)Deutsch lernen: Lese- und Sprachförderung
Chancengleichheit unabhängig vom Geschlecht ist wichtig, gleich sind Jungen und Mädchen deshalb natürlich noch lange nicht. Viele Jungen etwa wollen immer nur raufen, rennen, rebellieren und – ganz bestimmt nicht lesen. Lesen ist „uncool“ und „kickt“ nicht. Natürlich sind das Klischees. Mit ihnen aufräumen wollen die Landesstiftung und der VFB Stuttgart. In dem Projekt „Kicken und lesen“ sollen gerade Jungen aus bildungsfernen Elternhäusern über den Fußball zum Lesen gebracht werden. In zehn ausgewählten Projekten von April bis Juni, also noch bis in die Hochstimmung der Fußball-EM hinein, greifen die Jungen abwechselnd zu Ball und Buch, lesen Geschichten rund um den Fußball, schreiben auch eigene Kurzgeschichten und erhalten Ideen dafür beispielsweise durch einen Besuch beim Training des VFB-Teams. All dies zeigt: Lesen „kickt“.

Lese- und Sprachförderung sind nicht zu trennen und sollten möglichst früh einsetzen.
Seit 2003 führt die Landesstiftung deshalb das Programm „Sag mal was – Sprachförderung für Vorschulkinder“ durch. Insbesondere Kinder ausländischer Eltern, aber auch Kinder mit Deutsch als Erstsprache sollen ihre Kenntnisse der deutschen Sprache bereits im Vorschulalter verbessern.

Insgesamt ist die Landesstiftung auf beeindruckend vielen Gebieten aktiv. Sie hat erkannt, dass vor allem die gezielte und frühe Förderung im Bildungsbereich zukunftssichernd ist. Letztlich ändert aber auch sie nichts am Grundproblem einer – von zahlreichen internationalen Studien konstatierten – sozial selektiven Schulstruktur in Deutschland. Baden-Württemberg gehört zu den Bundesländern, die trotz immer geringerer Schülerzahlen an Hauptschulen und enormer Probleme von Hauptschulabgängern auf dem Arbeitsmarkt nach wie vor auf das dreigliedrige Schulsystem setzen, was kürzlich auch der Baden-Württembergische Handwerkstag kritisierte. Und es ist anzunehmen, dass in den Hauptschulen weitaus mehr „Talente“ schlummern, als beispielsweise ein auf nur wenige höherbegabte Zuwandererkinder angelegtes Programm wie „Talent im Land“ jemals aufnehmen kann.

Autor(in): Arndt Kremer
Kontakt zur Redaktion
Datum: 12.06.2008
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