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15. 05. 2008

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

„Wissenschaft als Diplomatie des Vertrauens“

Das Deutsch-Israelische Wissenschaftsjahr

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Im Rahmen des Deutsch-Israelischen Wissenschaftsjahrs soll der wissenschaftliche Austausch zwischen beiden Ländern mit mehreren Projekten intensiviert werden. So wird das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) erstmals einen Förderpreis für zwei leistungsstarke deutsch-israelische Forscherteams verleihen. Der mit 400 000 Euro ausgelobte Preis wird alljährlich wechselnd den Natur- und Lebenswissenschaften und den finanziell oftmals schlechter bestückten Forschern der Geistes- und Kulturwissenschaften zugute kommen. Letztere können sich zudem über ein neues, mit zwei Millionen Euro Stiftungskapital ausgestattetes Minerva-Zentrum für Geistes- und Kulturwissenschaften freuen. Dieses Minerva-Zentrum wird im Laufe des Wissenschaftsjahres errichtet und ergänzt damit das Franz Rosenzweig Minerva Centre für deutsch-jüdische Literatur und das Richard Koebner Minerva Center für deutsche Geschichte. Die an israelischen Forschungseinrichtungen wie den der Hebrew University Jerusalem angegliederten Minerva-Zentren, deren Träger die Max Planck-Gesellschaft in München ist, fördern in den jeweiligen Wissenschaftsgebieten die Zusammenarbeit von deutschen und israelischen Wissenschaftlern durch gemeinsame Projekte, Austauschprogramme, Symposien und Workshops. Neben erfolgreichen Kooperationen mit zahlreichen naturwissenschaftlichen Minerva-Zentren arbeiten Israelis und Deutsche in der Berufsbildung sowie auf dem weiten Feld der Rechtswissenschaften zusammen. Bundesforschungsministerin Schavan unterstrich bei der Auftaktveranstaltung des Wissenschaftsjahres in Berlin die Bedeutung der Projekte: „Wir richten damit den Blick auf die nächste Generation junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die die Erfolgsgeschichte deutsch-israelischer Wissenschaftsbeziehungen fortsetzen sollen.“ Auch ihr israelischer Kollege Majadle – übrigens der erste muslimische Minister in einem israelischen Kabinett – betonte, dass die Kooperation zwischen Israel und Deutschland dadurch weiter an Profil gewinnen werde.

Forschung war schneller als Politik
Vor der Politik kam die Wissenschaft. Das zwischen der Bundesrepublik und Israel geschlossene Luxemburger Abkommen von 1952 ebnete den Weg für eine Annäherung des durch den Holocaust schwer belasteten Verhältnisses beider Länder, blieb aber zunächst auf wirtschaftliche und wissenschaftliche Zusammenarbeit beschränkt. Im Jahr 1959 kam es zwischen der Max Planck-Gesellschaft und dem Weizmann-Institut zu Forschungskooperationen. Erst das Jahr 1965 markiert dann den Beginn diplomatischer Beziehungen. Heute ist die Bundesrepublik nach den USA auf wirtschaftlichem wie wissenschaftlich-technologischem Sektor der wichtigste Kooperationspartner des Staates Israel. Motoren dafür sind besonders die Minerva-Stiftung der Max Planck-Gesellschaft, die Deutsch-Israelische Stiftung für wissenschaftliche Forschung und Entwicklung, die Deutsch-Israelische Projektkooperation und das Deutsch-Israelische Programm zur Zusammenarbeit in der Berufsbildung. Auf interministerieller Ebene kooperieren die Bundesministerien für Bildung und Forschung und für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit eng mit den israelischen Ministerien für Wissenschaft, Kultur und Sport sowie für Industrie, Handel und Arbeit. Daneben fördern noch eine Reihe anderer, staatlich bezuschusster Organisationen wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die Alexander von Humboldt-Stiftung und der Deutsche Akademische Austauschdienst die wissenschaftliche Zusammenarbeit. Außerdem engagieren sich private Stiftungen, vor allem die Stiftungen von Volkswagen, Thyssen und Krupp.

Die Stärken beider Länder vereint nutzen
Die Stärken der deutschen Forschung liegen traditionell in den Bereichen Maschinenbau, Chemie, Medizin, Physik und Mathematik. Deutsche Wissenschaftler gehören auch in neuen, zukunftsträchtigen Gebieten wie der Umweltforschung, der Informations- und Kommunikationstechnik, der Neurowissenschaften, Biotechnologie, der Optischen Technologie und Mikrosystematik zur Weltspitze. Deutsche Nanotechnologen behaupten im weltweiten Vergleich sogar Platz eins. Das geografisch kleine Israel, arm an natürlichen Ressourcen, hat sich seit seiner Gründung 1948 auf den „Rohstoff Intelligenz“ – so der erste israelische Staatspräsident Chaim Weizmann – konzentriert. Israel zählt deshalb heute zu den besten Wissenschaftsnationen der Welt. Besonders in den Bereichen Kommunikationstechnologie und Lebenswissenschaften ist der junge Staat führend. Das gute Verhältnis beider Länder zeitigt bedeutende Import- und Exportzahlen: Während 2006 rund 8 Prozent der israelischen Einfuhren aus der europäischen Union deutschen Ursprungs waren, hatten 5,5 Prozent der israelischen Ausfuhren die Bundesrepublik zum Ziel. Mit dem Deutsch-Israelischen Jahr der Wissenschaft sollen insofern auch die wissenschaftlichen Grundlagen für diese positive Handlungsbilanz weiter ausgebaut werden – durch Nutzung der jeweiligen Stärken beider Länder. Ein weiteres Ziel ist es, den Forschungsstandort Deutschland in Israel einer breiteren Öffentlichkeit ins Bewusstsein zu bringen. Es gelte, „die Vielfalt und Exzellenz der bilateralen Wissenschaftskooperationen sichtbar zu machen“, heißt es auf der Internetseite des Wissenschaftsjahres.   


Die Mittelvergabe im Wissenschaftsjahr
Das Bundesforschungsministerium fördert im Wissenschaftsjahr kleinere und mittlere Projekte aus den Bereichen Bildung und Forschung, Wissenschaft und Technologie mit Erfolgsaussichten. Antragsberechtigt sind Wissenschaftsorganisationen, Forschungseinrichtungen, Hochschulen, Vereine und Stiftungen mit Sitz in Deutschland sowie Organe auf Bundes-, Kommunal- und Städteebene. Ausgenommen von der Forschungsförderung sind demnach alle Einrichtungen mit Sitz in Israel. Im Besonderen erhalten Workshops, Seminare und andere Veranstaltungen Mittel. Sie müssen von April bis Dezember 2008 stattfinden und einen „spezifischen Beitrag zum Deutsch-Israelischen Jahr leisten.“ Zuwendungsfähig sind Kosten für die Anreise und für die Veranstaltung selbst. Erwartet werden allerdings Eigenmittel der Forscher in Höhe von mindestens 50 Prozent. In Ausnahmefällen erstattet das Bundesforschungsministerium auch die vollen Kosten. Anträge nimmt das Bundesforschungsministerium bis 15. November entgegen.

Autor(in): Arndt Kremer
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Datum: 15.05.2008
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