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23. 04. 2008

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Frankfurt fordern und fördern

Die „Stiftung Polytechnische Gesellschaft“ stärkt Bildung, Kultur und Soziales in der hessischen Metropole

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Projekt zur Verbesserung der Bildungschancen für junge Migranten

„Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen“ – das Zitat aus Goethes „Faust“ trifft sehr gut auf die „Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main“ und ihr Programm zu. Zum einen war Goethe einst selber Mitglied in der 1816 von Frankfurter Bürgern gegründeten Gesellschaft. Zum anderen passt zu ihrem Programm, dass „Polytechnik“ im Altgriechischen „viele Fertigkeiten“ bedeutet. Diese benötigt eine Stiftung auch, die sich der Förderung von Bildung und Wissenschaft, von Kunst und Kultur, von Sozialem und Karitativem rund um die hessische Metropole Frankfurt am Main verschrieben hat.

Seit dem 13. Oktober 2005 ist die Polytechnische Gesellschaft eine Stiftung, die den größten Teil der Erlöse aus dem Verkauf der Frankfurter Sparkasse an die Landesbank Hessen-Thüringen für gemeinnützige Zwecke verwaltet. Die Stiftung schöpft dabei im wahrsten Sinne des Wortes aus ihrer Tradition, um für die Zukunft zu wirken. Nicht nur die Gründung der Frankfurter Sparkasse im Jahre 1822, sondern auch die erste Sonntagsschule für Handwerksgesellen und das Museum für Angewandte Kunst gehen auf die Initiative der „Polytechniker“ zurück. Auf karitativem und sozialem Gebiet kümmerte sich die Gesellschaft in der Vergangenheit beispielsweise um Schulspeisungen für Frankfurter Arbeiterkinder und um Fortbildungsangebote für Frauen. Die Kernbereiche ihres Engagements – Bildung, Kultur und Soziales – sind bis heute geblieben. Bildung, Wissenschaft, Technik, Kunst und Kultur fördert die Stiftung, indem sie Modellprojekte und Veranstaltungen auch in der freien Szene unterstützt, Stipendien vergibt, Preise verleiht, Fortbildung und Erwachsenenbildung stärkt und die projektbezogene Zusammenarbeit mit anderen Institutionen intensiviert. Sozial, karitativ und humanitär sind die „Polytechniker“ tätig, indem sie das öffentliche Gesundheitswesen, die Jugend- und Altenhilfe und das Wohlfahrtswesen fördern sowie Personen unterstützen, die hilfsbedürftig sind. Zu den wichtigsten Zielen gehören ein vorbildliches Bildungssystem, hervorragende und allen Bevölkerungsschichten zugängliche Kulturangebote, beste medizinische, soziale und sozialpflegerische Einrichtungen sowie Integrationsangebote für hier lebende und arbeitende Ausländer.

Integrationsangebote für benachteiligte Kinder
Gerade Verbesserungen in den Feldern Integration und Bildung scheinen notwendiger denn je, hat doch der neueste OECD-Wirtschaftsbericht Deutschland erneut eine prekäre Verquickung von sozialer Herkunft und Bildungschancen in einem im europäischen Vergleich viel zu undurchlässigen und zu zergliederten Schulsystem bescheinigt. Ein wichtiges Projekt der Stiftung zur Verbesserung der Bildungschancen für junge Migranten ist der Frankfurter „Deutschsommer“ 2008. Vom 23. Juni bis 11. Juli werden 150 Grundschülerinnen und Grundschüler aus 34 Schulen mit einem hohen Zuwandereranteil täglich zwei Stunden Deutschunterricht und zwei Stunden sprachintensives Theaterspiel in Jugendherbergen erhalten. Auf diese Weise lassen sich noch vor dem Übergang in die vierte Klasse, oftmals entscheidend für die weitere schulische Laufbahn der Kinder, Sprachverständnis und Ausdrucksmöglichkeiten stärken. Erste Ergebnisse eines Testlaufs von 2007 sind positiv: Je nach Aufgabenstellung konnten bis zu 34 Prozent der teilnehmenden Kinder ihr Sprach- und Hörverständnis verbessern.

Das seit März 2008 eingerichtete „Diesterweg-Stipendium“ führt die Arbeit des Projekts „Deutschsommer“ fort, indem gezielt Viertklässler mit Migrationshintergrund und deren Eltern für zwei Jahre unterstützt werden. Das Stipendium soll, so heißt es in einer Pressemitteilung der Gesellschaft, „Kindern mit förderbedürftigen Deutschkenntnissen, aber gutem Leistungspotenzial helfen, den Weg in die weiterführende Schule zu schaffen, sich dort zurechtzufinden und den eingeschlagenen Weg erfolgreich weiter zu gehen.“ Es ist geplant, bis September in einem ersten Schritt 20 Viertklässler aus Frankfurter Grundschulen mit ihren Eltern in das Programm aufzunehmen, das Kinder- und Elternakademien umfasst. Die ausgewählten Kinder lernen Deutsch, Mathematik, Naturwissenschaften, Technik, Theater, Kunst und Musik, während ihre Eltern beispielsweise mehr über Möglichkeiten erfahren, in der Schule mitzuwirken oder ihre Kinder auch außerhalb der Schule zu fördern. Exkursionen in Frankfurt und Umgebung sowie ein Fonds mit 600 Euro pro Jahr für Anschaffungen und Maßnahmen im Bereich der Bildung runden das Angebot ab. Die Frankfurter Bürgermeisterin Jutta Ebeling erinnerte auf der Pressekonferenz zur Eröffnung des „Diesterweg-Stipendiums“ am 19. März 2008 daran, dass ihre Stadt den prozentual höchsten Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund aufweist. Einwandererkinder stellen 45 Prozent der Frankfurter Schülerinnen und Schüler. „Trotz großer Anstrengungen haben wir noch lange keine Chancengleichheit geschafft. Projekte wie das ‚Diesterweg-Stipendium’ sind wichtig, um zu zeigen: Es geht.“ Ein Stipendium für Kinder und Eltern ist Neuland. Polytechnik-Vorstand Dr. Roland Kaehlbrandt erläuterte die Gründe für die Einrichtung des Stipendiums in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Zahlreiche Studien zeigten, so Kaehlbrandt, dass der Bildungserfolg von Kindern nicht nur von den Schulen, sondern maßgeblich auch von den Elternhäusern beeinflusst werde. Das „Diesterweg-Stipendium“ sei nun „der Versuch, mit einem attraktiven Angebot diese Eltern in der Bildungsbegleitung ihrer Kinder zu stärken.“

Nachwuchsförderung, Stadtteilhistorie und Identifikation mit Frankfurt
Bildungsmangel kann zu Nachwuchsmangel in verschiedenen Berufsfeldern führen. Deutschland erlebt dies derzeit vor allem in den technischen Branchen. Deshalb stellten am 2. November 2007 in der Commerzbank-Arena in Frankfurt 60 Veranstaltungspartner aus ganz Hessen Projekte zur Nachwuchsförderung im technisch-naturwissenschaftlichen Bereich vor. Das Motto der von der „Stiftung Polytechnische Gesellschaft“ mitgeförderten Veranstaltung hieß: „Arena frei für kluge Köpfe.“ Freie Bahn wünschen sich auch jene, welche die Geschichte einer Stadt erforschen und damit zur geforderten „Pflege des kulturellen Erbes“ beitragen. Mit dem Förderprogramm „Stadtteilhistoriker“ unterstützen die „Polytechniker“ gemeinsam mit der Gerda Henkel Stiftung seit Oktober letzten Jahres wieder 20 geschichtsinteressierte Bürger in ihren Arbeiten über Ereignisse in der historischen Entwicklung Frankfurts. Ein Zuschuss von 1500 Euro soll helfen, anstehende Recherchearbeiten und Publikationen zu Themen wie „Italiens Spuren in Frankfurt“ oder „Aufgewachsen in Bockenheim – die 60er und die 80er Jahre“ finanziell zu meistern. Dass sich wieder mehr Menschen mit Frankfurt identifizieren können, ist eines der zentralen Anliegen der Stiftung um ihren Vorsitzenden Professor Dr. Klaus Ring. Zu einer städtischen Identität und Identifikation mit der Stadt gehört der innere Zusammenhalt, aber auch das Außenbild Frankfurts als einer offenen Stadt. Man wolle dazu beitragen, so die Stiftung in einer Pressemitteilung, „dass sich Frankfurt zu einem Modell für eine moderne, bürgernahe Stadtgesellschaft entwickelt. Dadurch soll die Position Frankfurts im Inneren Deutschlands und im Vergleich zu anderen Metropolen gestärkt werden.“

Autor(in): Arndt Kremer
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Datum: 23.04.2008
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