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19. 03. 2008

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

„Deine Zukunft startet jetzt“

Das Jahr der beruflichen Bildung in Schleswig-Holstein

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Vom Tag der offenen Tür bis zum Kochwettbewerb: Über vielfältige Aktivitäten mit unterschiedlichsten Schwerpunkten wollen die insgesamt 39 Berufsschulen in Schleswig-Holstein auf sich aufmerksam machen. Ob nun Werkzeugmacherin, Friseur oder Buchhändler, jeder und jede Auszubildende weiß: Acht bis zwölf Stunden wöchentlich geht es in die Berufsschule und nicht in den Ausbildungsbetrieb. Einerseits vermitteln berufliche Schulen im dualen Ausbildungssystem von Schule und Betrieb jungen Azubis das theoretische Wissen für ihren Lehrberuf. Andererseits bieten sie darüber hinaus aber vielfach die Möglichkeit, die Hochschul- oder Fachhochschulreife in beruflichen Fächern wie Technik, Wirtschaft oder Sozialpädagogik zu erwerben. „Hier herrscht bereits ein hohes Maß an Durchlässigkeit, also genau das, was wir mit der Schulreform im allgemein bildenden Bereich und dem gemeinsamen Lernen an Regional- und Gemeinschaftsschulen erreichen wollen“, so Ministerin Erdsiek-Rave.

Fast jeder vierte Schüler in Schleswig-Holstein besucht eine Berufsschule
Schon jetzt kommen 23 Prozent aller Abiturienten in Schleswig-Holstein von Beruflichen Gymnasien. Die Fachhochschulreife, die zum Studium an deutschen Fachhochschulen und vereinzelt auch an Universitäten berechtigt, erwerben sogar 89 Prozent aller Schülerinnen und Schüler im nördlichsten Bundesland. Sie lernen an Berufsfachschulen oder an Fachoberschulen. Diese gehen von der 11. bis zur 12. Klasse, setzen die mittlere Reife voraus und verbinden berufsfachlichen Schulunterricht mit Praktika in Betrieben. Ute Erdsiek-Rave unterstreicht die positiven Effekte des Berufsbildungssystems: „Zusammen mit Partnern aus der Wirtschaft zeigen die beruflichen Schulen den Schülerinnen und Schülern immer wieder Perspektiven auf. Zudem sorgen sie dafür, dass junge Menschen auch im zweiten oder dritten Anlauf Erfolg haben können, wenn sie einen höheren Abschluss anstreben.“

Schwerpunkte: Übergang Schule - Beruf und Verkürzung der Ausbildung
Das „Jahr der beruflichen Bildung“ hat verschiedene Schwerpunkte. Einerseits steht der Übergang von der Schule in den Beruf im Fokus. Durch Lehrkräfteaustausch und Informationsveranstaltungen sollen Berufsschulen und allgemein bildende Schulen besser zusammenarbeiten. Das bedeutet: Lehrerinnen und Lehrer besuchen wechselseitig Fachkonferenzen der Partnerschule und Referendare beider Schulformen nehmen an schulübergreifenden Unterrichtsmodulen teil. Dabei lassen sich die Werkstätten der beruflichen Schulen auch zur Berufsorientierung von Schülerinnen und Schülern der allgemein bildenden Schulen nutzen. Hauptschülerinnen und Hauptschüler können in dem „Projekt 10+“ nach einem zehntägigen Betriebspraktikum anschließend einen Tag lang eine berufliche Schule besuchen. So verschaffen sie sich einen besseren Überblick über die unterschiedlichen Ausbildungsberufe und Bildungsgänge der Berufsschulen.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Verkürzung von Ausbildungszeiten, um jungen Menschen möglichst rasch den Einstieg in den Beruf zu ermöglichen. Es gilt, unnötige Wiederholungen sowie Umwege zu vermeiden und die jeweiligen Qualifikationen der schulischen und beruflichen Bildung besser aufeinander anrechen zu können. In der Berufsschule der Stadt Schleswig steht in einem Pilotprojekt jungen angehenden Kaufmännischen Assistenten beispielsweise die Möglichkeit offen, die Prüfung bereits nach zweieinhalb statt wie bisher nach drei Jahren vor der Kammer abzulegen. Indem die Stundenzahl in der Schulphase erhöht wird, kann das verpflichtende Einjahrespraktikum im Betrieb früher erfolgen. „Neben der Zeitersparnis bedeutet das gleichzeitig einen Motivationsschub für die Schülerinnen und Schüler ebenso wie für die Betriebe“, heißt es im Informationsportal der Landesregierung Schleswig-Holstein. Ziel ist es, dieses verkürzte Ausbildungsmodell auch auf andere Ausbildungsberufe und vollschulische Bildungsgänge auszuweiten.

Einen wichtigen Part im „Jahr der beruflichen Bildung“ in Schleswig-Holstein leisten die neu geschaffenen Regionalen Berufsbildungszentren (RBZ). Diese hätten einen Gestaltungsspielraum, „um den andere berufliche Schulen in Deutschland sie beneiden“, so Ministerin Erdsiek-Rave im Januar 2008 bei der Eröffnung des RBZ Eckener Schule in Flensburg. Nach dem neuen Schulgesetz dürfen Kreise und kreisfreie Städte berufliche Schulen in selbstständige Zentren umwandeln, die wirtschaftlich eigenverantwortlich handeln und in Kooperation mit Betrieben und Bildungsträgern Möglichkeiten zur Weiterqualifizierung anbieten können.

Berufsschulen stehen vor großen Herausforderungen
Das „Jahr der beruflichen Bildung“ steht unter dem Motto: „Deine Zukunft startet jetzt“. Damit soll deutlich gemacht werden, dass die Berufsschulen vor großen Herausforderungen stehen. Eine davon ist die zunehmende Europäisierung des Arbeitsmarktes: Das in den einzelnen Bundesländern teilweise auch noch unterschiedlich strukturierte duale Ausbildungssystem existiert in dieser oder ähnlicher Form nur in Deutschland, Österreich und in der Schweiz. Es gilt also, einerseits die Stärken dieses zweigleisigen Systems gegenüber anderen Modellen zu behaupten und andererseits offen für Neuerungen zu sein. Ute Erdsiek-Rave meint dazu: „Die berufliche Bildung muss dem Vergleich mit den Ausbildungssystemen unserer Nachbarn standhalten und die Jugendlichen fit machen für den grenzüberschreitenden Arbeits- und Ausbildungsmarkt.“

Außerdem müssen die Berufsschulen auf die immer stärkere Spezialisierung auf dem Arbeitsmarkt und den zunehmenden Fachkräftemangel reagieren. Während es immer wieder zu wenige Ausbildungsplätze in besonders begehrten Berufen wie KFZ-Mechaniker oder Friseur gibt, suchen Betriebe in anderen Bereichen händeringend nach geeigneten Bewerberinnen und Bewerbern. Dieser Missstand ist hausgemacht, wie eine Studie des Soziologischen Forschungsinstituts an der Uni Göttingen (SOFI) vom Januar 2007 hervorhebt. Obwohl insbesondere bei industriellen Berufen wachsender Bedarf an Fachkräften besteht, ist das Ausbildungsangebot in den letzten 20 Jahren kontinuierlich heruntergefahren worden.

Aus Sicht der Industrie- und Handelskammern in Baden-Württemberg wenden sich zudem leistungsstarke Jugendliche zu häufig den Hochschulen zu und von den Betrieben ab. Das Reformmodell „Dual mit Wahl“ in Baden-Württemberg soll deshalb helfen, Ausbildungsberufe für diese Zielgruppe wieder attraktiver zu machen. Der Präsident der IHK Stuttgart, Günther Baumann, unterstrich die Hoffnung, dass „Dual mit Wahl“ zu besseren Qualifikationen und Weiterbildungschancen der Azubis führen werde. Geplant ist eine erste gemeinsame Basisausbildung für alle Auszubilden eines Berufsfeldes, etwa der Metallberufe. Maßgeschneiderte Bausteine im zweiten Abschnitt sollen den Lehrling dann gezielt auf den gewählten Beruf vorbereiten. Laut Bundesbildungsministerin Dr. Annette Schavan „ein zukunftsträchtiges Modell“.

Autor(in): Arndt Kremer
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Datum: 19.03.2008
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