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07. 12. 2000

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

"Die Uni muss flexibler und unternehmensähnlicher werden"

FDP-Politikerin Ulrike Flach sieht keine Zukunft für den Beamtenstatus von Professoren

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Ulrike Flach

Forum Bildung: Die Diskussion zum neuen Hochschuldienstrecht dreht sich oft um den Beamtenstatus für Professoren. Würden Sie ihn abschaffen?

Flach: Definitiv. Der Beamtenstatus ist wirklich ein Punkt, der verhindert, dass unsere Wissenschaftler international konkurrieren können, weil wir nicht in der Lage sind, sie so zu bezahlen, wie wir eigentlich müssten. So geraten wir im Vergleich zum Ausland immer weiter ins Hintertreffen. Wir müssen die erstarrten hierarchischen Beamtenstrukturen aufbrechen. Die Uni muss flexibler und unternehmensähnlicher werden.

Forum Bildung: In diesem Zusammenhang wird ja auch die leistungsgerechte Bezahlung von Professoren diskutiert. Unterstützen Sie diese Forderung?

Flach: Ja selbstverständlich. Aber die Leistung muss auch bewertet werden - und zwar durch diejenigen, welche die Leistung abholen, also die Studenten.

Forum Bildung: Wie soll das funktionieren. Durch eine Abstimmung im Hörsaal?

Flach: Nein. Wir wollen den Studenten ein Modell an die Hand geben, das sich am Markt orientiert. Wir nennen das Bildungsschecks. Jeder Studierende bekommt zu Beginn seines Studiums einen Scheck, mit dem er oder sie an die Uni geht, die für die persönlichen Zwecke als die beste und professionellste erscheint. Damit werden die Finanzen auf eine natürliche Weise zugeordnet und gleichzeitig Universitäten und Professoren bewertet. Ich bin ein strikter Gegner von externen Gremien, die sich anmaßen alles mit dem Blick von außen zu bewerten. Wer gut ist, zu dem kommen auch die Studenten.

Forum Bildung: Es wird ja auch heiß diskutiert, ob man die Habilitation gleich mit über Bord werfen soll, weil deutsche Professoren im internationalen Vergleich zu alt sind und die Berufung ausländischer Wissenschaftler durch die Habilitation in Deutschland erschwert wird. Ist sie ein Stolperstein auf dem Weg in die Internationalität?

Flach: Nein, das glaube ich nicht. Wir wollen, dass Unis, die weiterhin mit der Habilitation arbeiten wollen, dies auch tun können. Es wird immer Studiengänge geben, die diese als repräsentative Werbung betrachten. Es wird aber vor allem in den Naturwissenschaften darauf hinauslaufen, dass man Habilitationen nicht mehr einsetzt.

Forum Bildung: Hoffnung versprechen sich die Befürworter der Reform von der Junior-Professur, die keine Habilitation erfordert. Gegner befürchten den Untergang der wissenschaftlichen Qualität?

Flach: Ich sehe die wissenschaftliche Qualität durch die Junior-Professur in keiner Weise gefährdet.

Forum Bildung: Es geht ja nicht nur um die Professoren. Auch ausländische Studierende zieht es nicht gerade in Scharen an die deutschen Hochschulen?

Flach: Wir müssen mehr Werbung machen, eine Marketing-Offensive starten. Die Engländer und Franzosen werben in Deutschland sehr offensiv für sich über das Internet. Wir müssen ebenfalls Internet-Plattformen etablieren, Alumni-Netzwerke, die ein Heimatgefühl vermitteln und internationale, zweisprachige Studiengänge.

Forum Bildung: Geht es nur um das Studium oder müssen Unis sich auch mehr um das soziale, auch außeruniversitäre, Leben kümmern?

Flach: Ja, weil die anderen es auch tun. Schauen Sie sich mal Cambridge und Oxford an. Die werben mit Sachen für sich, dass man nur noch staunen kann. Denn man sollte nicht vergessen, dass beim Studieren auch ein gewisser Spaß-Faktor dabei sein muss. Und diesen Spaß müssen die Universitäten rüber bringen.

Forum Bildung: Wegbereiter für das Studium sind die Schulen. Die FDP fordert sogenannte Kompetenzzentren. Ist das ein anderes Wort für Eliteschule?

Flach: Wir diskutieren hierzulande leider sehr ideologisch. Nicht jeder kann natürlich auf eine Eliteschule gehen. Ich muss aber diejenigen, die begabter sind als andere die Chance geben, schnell und zügig die Schule mit einem exzellenten Abschluss zu durchlaufen. Hochbegabte werden immer noch nicht richtig gefördert. Ich würde das aber nicht Eliteschule nennen.

Forum Bildung: Chancengleichheit sollte aber doch für alle gelten, also auch für diejenigen, denen Lernen nicht so leicht fällt?

Flach: Natürlich. Ich kann nicht nur das eine fordern und das andere vergessen. Die Benachteiligten fördern wir aber ja nun schon seit über 20 Jahren, während wir mit Hochbegabten immer noch unsere Probleme haben. Wer international an der Spitze sein will, der muss auch Hochbegabten eine Chance geben, schneller und effizienter voranzukommen.

 

 

Autor(in): Udo Löffler
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Datum: 07.12.2000
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