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06. 06. 2007

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Countdown Bologna

Die vierte Nachfolgekonferenz in London

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In London tagten die Ministerinnen und Minister

Mitte Mai trafen sich die Ministerinnen und Minister der Bologna-Staaten auf einer Konferenz in London, um erneut die Ziele zur Schaffung eines Europäischen Hochschulraumes zu überprüfen, zu bekräftigen und auszubauen. In diesem Jahr standen die Themen Mobilität, Qualitätssicherung und Beschäftigungsfähigkeit im Mittelpunkt der Konferenz.

Im Jahr 1999 bekannten sich 29 Staaten dazu, bis 2010 einen gemeinsamen Hochschulraum zu schaffen: die damals 15 Staaten der EU, elf Staaten, die zu der Zeit noch Beitrittskandidaten waren und inzwischen Mitglieder sind, sowie die EFTA-Staaten Island, Norwegen und die Schweiz. Seitdem dient Bologna, die Stadt mit der ältesten Universität Europas, als Namensgeberin für einen Prozess, in dessen Mittelpunkt die Einführung eines gestuften Studiensystems mit europaweiten Abschlüssen steht. Weitere Staaten kamen in den Folgejahren hinzu. Russland und die Balkan-Staaten traten 2003 bei, 2005 folgten Armenien, Aserbaidschan, Georgien, Moldawien und die Ukraine und in diesem Jahr Montenegro als 46. Land.

Konferenz von London 2007
Zur Überprüfung der vereinbarten Ziele, wie der Schaffung des zweistufigen Systems mit vergleichbaren Studienabschlüssen, der Einführung eines Leistungspunktesystems oder der Ermöglichung einer besseren Mobilität für Studierende und Hochschulpersonal, vereinbarten die Teilnehmerstaaten 1999 in Bologna, alle zwei Jahre eine gesonderte Konferenz abzuhalten, auf der die Fortschritte des Prozesses beobachtet werden. Auf den Nachfolgekonferenzen in Prag (2001), Berlin (2003) und Bergen (2005) wurden die Ziele bekräftigt und um weitere ergänzt.

Zum vierten Mal seit Beginn des Prozesses kamen Mitte Mai alle Bildungs- und Wissenschaftsministerinnen und -minister der am Bologna-Prozess beteiligten Staaten sowie Vertreter der Hochschulen und der Studierenden in London zusammen, um eine weitere Bestandsaufnahme vorzunehmen und sich auf zukünftige wichtige Maßnahmen zu einigen. Alles in allem zeigten sich die Ministerinnen und Minister zufrieden mit den Fortschritten, die in den vergangenen zwei Jahren erzielt wurden. Im Londoner Kommuniqué betonen sie, dass überall ein Wandel hin zu einer auf die Studierenden ausgerichteten Hochschulbildung und fort von einem von Hochschullehrern gesteuerten Studienangebot vollzogen wird.

Kernpunkt: Mobilität
Im Mittelpunkt der diesjährigen Konferenz in London standen die Themen Mobilität, Qualitätssicherung und Beschäftigungsfähigkeit. Die Ministerinnen und Minister vereinbarten konkrete Schritte, um die Mobilität von Studierenden, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Lehrenden in den Bologna-Staaten zu verbessern. Dazu gehören gemeinsame Studiengänge mit ausländischen Hochschulen (joint degrees) und flexiblere Curricula während des Bachelor-Studiums. "Mobilität der Studierenden und der Mitarbeiter der Hochschulen bleibt ein Hauptanliegen des Bologna-Prozesses", bestätigte die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK) Ute Erdsiek-Rave. "Wir haben daran ein gesellschaftliches ebenso wie volkswirtschaftliches Interesse und werden unsere Anstrengungen verstärken, um dies zu erreichen." Expertinnen und Experten sollen dafür sorgen, dass Ausbildungsförderung in Form von Stipendien und Darlehen von einem Land ins andere mitgenommen werden kann. Außerdem sollen die Daten zur Mobilität gesammelt und ausgewertet werden. "So können Fortschritte besser beobachtet und mögliche Mobilitätshindernisse besser korrigiert werden", sagte Annette Schavan, Bundesministerin für Bildung und Forschung, in London. "Unser Ziel in Deutschland sind 50 Prozent Studienmobilität, davon 20 Prozent wenigstens für ein Semester", erklärte sie weiter. Gemeinsam mit KMK-Präsidentin Ute Erdsiek-Rave kündigte sie an, dass auch geprüft werden soll, ob das Auslands-BAföG und die Begabtenförderung für ein gesamtes Studium im Ausland gewährt werden kann.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert beide Politikerinnen auf, einen Aktionsplan zur Stärkung der sozialen Dimension im Europäischen Hochschulraum vorzulegen. Dazu gehörten nach Ansicht des Vorsitzenden Ulrich Thöne neben der Möglichkeit, BAföG und Stipendien sowie Sozialversicherungsansprüche ins Ausland mitnehmen zu können, auch die Einführung eines Europäischen Hochschulraumes ohne Studiengebühren.

Ausbau der Qualitätssicherung
Zufrieden zeigten sich die Teilnehmerstaaten des Bologna-Prozesses im Hinblick auf die Schaffung eines gestuften Studiensystems. Die Zahl der Studierenden, die in den Studiengängen Bachelor und Master eingeschrieben sind, ist beträchtlich gestiegen, strukturelle Hindernisse wurden reduziert. Künftige Anstrengungen sollen darauf gerichtet werden, den Zugang zum Hochschulbereich und den Übergang zwischen den Studiengängen zu erleichtern und das Europäische System zur Übertragung und Akkumulierung von Leistungspunkten (ECTS) einzuführen. Dieser Vorgang bedarf noch einer weiteren Vereinheitlichung und Verbesserung. Vorgesehen sind auch eine engere Abstimmung zwischen dem Europäischem Hochschul- und Forschungsraum und eine Vermeidung von Überregulierung des Doktorandenstudienganges.

Um die Bedeutung der Qualitätssicherung im Bologna-Prozess zu stärken, soll zukünftig ein Europäisches Register der Qualitätsagenturen in den Bologna-Staaten für mehr Transparenz bei der Beurteilung von Studiengängen sorgen. In diesem Register sind alle Agenturen verzeichnet, die in den Bologna-Staaten dazu berechtigt sind, Studiengänge zu akkreditieren. Damit soll allen Akteuren und der Öffentlichkeit freier Zugang zu objektiven Informationen über zuverlässige Qualitätsagenturen ermöglicht werden. Neben der Akkreditierung einzelner Studiengänge geht es dabei auch um die Möglichkeit einer Prozess- oder Systemakkreditierung, bei der größere Einheiten wie Hochschulen akkreditiert werden.

Umsetzung des gestuften Studiensystems in den Ländern
Bei der Umsetzung der Bologna-Reformen steht Deutschland, was die Mobilität und Qualitätssicherung im internationalen Vergleich angeht, gut da. Die Anzahl der deutschen Studierenden im Ausland ist von 1991 bis 2004 von 34.000 auf 69.000 Studierende gestiegen. In der Umsetzung der Bachelor-Master-Struktur und der Ausgabe aussagekräftiger Diploma-Supplements muss hingegen noch aufgeholt werden. Anfang Mai berichtete Bundesbildungsministerin Annette Schavan, dass das Land 48 Prozent des Studienangebots auf die internationalen Abschlüsse umgestellt habe. Hier sind Staaten wie Schweden, Italien oder Griechenland schon erheblich weiter. Allerdings, so zeigt eine aktuelle Studie der Europäischen Union, haben bisher nur etwas mehr als ein Drittel aller Staaten inzwischen vollständig auf das zweistufige Bachelor- und Mastersystem oder - zählt man die Promotion dazu - auf das dreistufige System der Abschlüsse umgestellt. Trotz des anvisierten Endes des Bologna-Prozesses im Jahr 2010 werden deshalb fast überall längere Übergangszeiten geplant. In Spanien wird es wahrscheinlich bis 2012 dauern. In der EU-Kommission ist man trotzdem zuversichtlich, dass bis 2010 der größte Teil umgestellt hat. Was jedoch nicht heißt, dass man zum Teil nicht auch noch auf alte nationale Abschlüsse hin studieren kann - nicht zuletzt in Deutschland im Studiengang Jura.

Pläne für 2008 und 2009
In den nächsten beiden Jahren liegen die Prioritäten weiterhin beim Ausbau der dreistufigen Studienstruktur, der Qualitätssicherung und der Anerkennung von Abschlüssen und Studienzeiten. Dazu gehört auch die Fokussierung der employability, der Beschäftigungsfähigkeit der Absolventen. "Wenn wir 40 Prozent eines Altersjahrgangs an die Hochschule bringen, müssen die Hochschulen auch auf den Arbeitsmarkt vorbereiten", meinte Annette Schavan. "Bei der Sicherung der Berufsbefähigung der neuen Studiengänge müssen neben Arbeitgebern auch die Gewerkschaften einbezogen werden", forderte Ulrich Thöne mit Blick darauf, dass im Londoner Kommuniqué die Gewerkschaften als Partner nicht vorkommen. Er warnt davor, die Einführung der neuen Bachelor- und Masterstudiengänge bis 2010 unter Zeitdruck vorzunehmen: "Qualität geht vor Tempo - die Akzeptanz der neuen Abschlüsse bei den Studierenden und auf dem Arbeitsmarkt darf nicht aufs Spiel gesetzt werden." Erst 12,5 Prozent aller Studierenden ist in Bachelor- oder Masterstudiengänge eingeschrieben.

Blick nach außen richten
In den nächsten Jahren wollen die Bologna-Staaten verstärkt auch den Austausch mit außereuropäischen Staaten suchen, von denen einige bereits ihre Hochschulsysteme auf den zukünftigen Europäischen Hochschulrahmen abstimmen. Die Teilnehmerstaaten wollen mehr über den Europäischen Hochschulraum informieren, die partnerschaftliche Zusammenarbeit ausbauen, den politischen Dialog intensivieren und die Anerkennung anderer Abschlüsse erleichtern. Damit sollen die Attraktivität und die Wettbewerbsfähigkeit des Europäischen Hochschulraumes weiter erhöht werden.

Autor(in): Petra Schraml
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Datum: 06.06.2007
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