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13. 02. 2007

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Alle Länder machen mit

Das Innovationsportal bündelt Reformmaßnahmen der Länder

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Dr. Jan Hofmann

Das Innovationsportal, herausgegeben vom Informationszentrum (IZ) Bildung des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF), präsentiert Projekte und Modellversuche von Bund und Ländern sowie relevante Vorhaben freier Träger, die auf bildungspolitische Maßnahmen abzielen. Es ist angesiedelt beim Deutschen Bildungsserver. Bildung PLUS sprach mit Dr. Jan Hofmann, dem Leiter der Steuerungsgruppe, die das Portal begleitet, über die Ziele und Inhalte des Portals.

Bildung PLUS: Im Oktober 2006 ist das Innovationsportal an den Start gegangen. Was ist das Neue daran?

Hofmann: Das Neue an dem Portal ist der Versuch, all das zusammenzuführen, was in den Ländern unter dem Begriff "Innovation" im Bildungsbereich verstanden wird, und es in einer einheitlichen, gut recherchierten und redaktionell bearbeiteten Form im Rahmen des Angebots des DIPF in Frankfurt am Main zu präsentieren.

Bildung PLUS: Welche Idee steht hinter dem Projekt?

Hofmann: Die Grundidee ist, vergleichbare Reformprojekte vorzustellen. Wir haben in der Projektgruppe "Innovationen im Bildungswesen" der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung (BLK) in den vergangenen Jahren viel über Projektideen in den Ländern diskutiert und es hat sich immer jemand gefunden, der gesagt hat, das gibt es doch bei uns schon. Also schlug ich vor, dass wir uns auf den Begriff "Innovation" verständigen und unter seiner Begriffsdefinition all das zusammenführen, was aus der Perspektive der Länder auch tatsächlich als innovative Projektidee angesehen wird. Dieser Gedanke ist immer weiter entwickelt und diskutiert worden, bis schließlich das Innovationsportal daraus entstanden ist.

Bildung PLUS: An welche Zielgruppe richtet sich das Portal?

Hofmann: Wir haben vier wichtige Zielgruppen im Auge. Zum einen die Bildungsverwaltung. Wir wollen diejenigen, die in den Bildungsverwaltungen Verantwortung tragen und Entscheidungen über weitere Innovationsprojektförderungen in den Ländern treffen, umfassend informieren. Dann die Bildungsforschung. Sie soll mit dem Portal Informationen über die Entwicklungsstände in der Bundesrepublik Deutschland erhalten. Eine weitere Zielgruppe ist natürlich die Schulpraxis, einzelne Schulen oder Personen aus Schulen, die sich mit dem Gedanken tragen, etwas Neues zu probieren. Sie sollen sich rasch und zielgerichtet darüber informieren können, was es in der Bundesrepublik unter dem Begriff "Innovation" im Bildungsbereich gibt. Und natürlich die allgemeine Öffentlichkeit. Journalisten, Fachverbände, Organisationen, diejenigen, die mit dem Innovationsportal arbeiten.

Bildung PLUS: Im Mittelpunkt des Innovationsportals steht die Datenbank "Innovative Projekte und Programme von Bund und Ländern zur Qualitätsentwicklung des Bildungssystems". Welche Projekte werden in die Datenbank aufgenommen?

Hofmann: Zunächst alle Projekte, die im Rahmen der BLK in den letzten Jahren gefördert und durchgeführt wurden. Dann die Projekte, die die Länderverantwortlichen als Innovationsprojekte aus ihren Ländern beschreiben und benennen. Drittens, und das ist der zusätzliche Service des DIPF, werden aus dem Internet, aus Presseveröffentlichungen von Ministerien und aus anderen Quellen Länderprojekte recherchiert und nach Genehmigung der Länder im Portal präsentiert.

Bildung PLUS: Wer entscheidet über die Aufnahme der Projekte in die Datenbank?

Hofmann: Eine Gruppe aus Vertretern des Bundes und der Länder, die das Portal als Steuerungsgremium für seine Entwicklungen und Aktivitäten begleitet. Diese Begleitgruppe trifft sich in der Regel zweimal im Jahr.

Bildung PLUS: Welche Länder sind in der Gruppe vertreten und welche Aufgaben nimmt die Gruppe noch wahr?

Hofmann: Es ist eines der wenigen Projekte, in dem wirklich alle Länder mitmachen. Wir haben aus allen 16 Bundesländern Vertreter in dieser Steuerungsgruppe. Die Gruppe hat mehrere Aufgaben. Eine ist sicherlich die konkrete Entscheidung der jeweils benannten Ansprechpartner der Länder über die Aufnahme von Projekten in die Datenbank. Eine zweite ist die Diskussion innerhalb der Steuerungsgruppe über die Strategie und Legitimation des Portals. Fragen nach der Tauglichkeit des Innovationsbegriffs, nach der Vorgehensweise und der Erschließung weiterer Arbeitsfelder - wie bspw. die Integration von Projekten von Stiftungen oder Verbänden in das Portal - müssen ständig neu erörtert werden.

Bildung PLUS: Wird bei der Projektauswahl auf Ausgewogenheit zwischen den Ländern geachtet?

Hofmann: Es ist ein Kriterium, das wir uns vorgestellt haben, aber es ist nicht das erste Kriterium. Wenn wir den Begriff "Innovation" ernst meinen, und wenn wir ihn so praktizieren, wie wir ihn definiert haben, dann ist es fast ausgeschlossen, dass die Unterschiedlichkeit der Länder, was die Größenordnung, die Anzahl der Bevölkerung, die Anzahl der Schulen usw. betrifft, eine vollständige Ausgewogenheit in der quantitativen Sicht auf die Projekte zulässt. Natürlich versuchen wir die verschiedenen Innovationsbereiche ausgewogen zu präsentieren, aber wir nehmen tatsächlich nur das auf, was in den Ländern vorhanden ist.

Bildung PLUS: Welche Aufgaben haben Sie als Leiter der Begleitgruppe?

Hofmann: Meine Arbeit liegt im Spannungsfeld von Motivation, politischer Steuerung, Strategie und Organisation. Ich bin als Koordinator beauftragt worden und in dieser Tätigkeit obliegt es mir, regelmäßig die Kontakte zum Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) zu pflegen sowie die Zusammenarbeit zwischen den Ländern und dem DIPF in Frankfurt zu koordinieren. Die Zusammenarbeit mit dem DIPF, mit Barbara Ophoven, Alexander Botte und Jörg Muskatewitz, sowie mit dem Bund und der Begleitgruppe gestaltet sich erfreulicherweise sehr angenehm und unkompliziert.
Dann arbeite ich natürlich auch an der Strategie des Portals mit und bin in meiner Funktion als Leiter auch für die ganz pragmatischen Fragen, zum Beispiel für die Verschickung der Einladungen für die nächste Sitzung, für die Diskussion der Agenda und ähnliches zuständig.

Bildung PLUS: Welche Entwicklungen und Aktivitäten des Portals sind geplant?

Hofmann: Es gibt in diesem Bereich im Moment relativ viel Bewegung. Durch die Föderalismusreform liegt es jetzt mehr in der Verantwortung der Länder, ihre eigenen Projekte zu finanzieren. Das bedeutet, dass es ein paar Projekte gibt, die nach den alten Finanzritualen nicht mehr finanziert werden, beispielsweise die Portale "Lesen in Deutschland", "Bildung PLUS" oder andere. Es ist unser Wunsch, und es besteht auch der Wille des Bundes, zu versuchen, das Jahr 2007 zunächst als ein Überleitungsjahr dafür zu nutzen, um Portale, die über Jahre erfolgreich und sehr gut gearbeitet haben, mit neuen Finanzquellen auszustatten und möglicherweise, sozusagen als ein Serviceangebot des Deutschen Bildungsservers, im Rahmen des Innovationsportals oder anderer Portale zu koordinieren und zu bündeln. Das ist das Ziel. Im Moment weiß keiner, was daraus wird. Die Steuerungsgruppe wird dazu mehrfach beraten und es wird Abstimmungen mit dem Bund und mit den Ländern geben müssen.

Bildung PLUS: Trägt das Innovationsportal dazu bei, Bildungsreformen in den Ländern zu unterstützen und voranzutreiben?

Hofmann: Das ist die Hauptintention und der Wunsch. Es besteht natürlich zweifellos die Gefahr, dass wir durch die Föderalismusreform wieder in die Kleinstaaterei zurückfallen und jedes Land für sich seine eigenen Projekte betreut. Das Innovationsportal ist der Versuch, einen Gegenzug zu bringen, indem wir mit der Informationsbasis, die das Portal bildet, Bildungsreformprozesse in der ganzen Bundesrepublik Deutschland voranbringen. Und auch durch das Steuerungsgremium, das sich regelmäßig trifft, haben wir Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen. Das wird alleine natürlich nicht reichen, auch in der Kultusministerkonferenz (KMK) wird auf verschiedenen Ebenen viel passieren müssen. Aber auf alle Fälle ist das Portal ein weiterer Baustein, um die auch in den letzten Jahren positiv bewertete Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern zu stärken.


Dr. Jan Hofmann ist Direktor des Landesinstituts für Schule und Medien Berlin-Brandenburg (LISUM). Er ist Vertreter des Landes Brandenburg in der Projektgruppe "Innovationen im Bildungswesen" der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung und seit 2007 Vertreter des Landes Brandenburg in der Steuerungsgruppe "Gemeinsame Projekte der Kultusministerkonferenz".

Autor(in): Petra Schraml
Kontakt zur Redaktion
Datum: 13.02.2007
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