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02. 03. 2006

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Studienkredite für alle

Banken sehen in der Studienfinanzierung einen großen Markt, Studierende ein notwendiges Übel

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Alexander Mohanty, Pressereferent der KfW Bankengruppe

Bildung PLUS: In Deutschland gibt es rund zwei Mio. Studierende. Wie vielen Studierenden könnten Sie derzeit einen Studienkredit gewähren? 

Mohanty:
Wir starten unser neuen KfW-Studienkredit zum Sommersemester 2006. Ab dem 1. April 2006 können Studierende im Erststudium zur Finanzierung ihrer Lebenshaltungskosten zwischen 100 und 650 EUR monatlich beantragen. In der Regel werden bis zu zehn Fachsemester finanziert. Wir veröffentlichen keine Zahlen darüber, wie viele Studierende wir erwarten, die einen Studienkredit aufnehmen werden. Im Vorfeld haben Marktstudien aber deutlich gemacht: Das Potenzial ist da. Denn zwei Drittel der Studierenden müssen neben dem Studium jobben, um sich zu finanzieren.  

Bildung PLUS: Es gibt Banken, die stürzen sich mit Vorliebe auf Juristen, Wirtschaftswissenschaftler und Ingenieure. Gewähren Sie allen Studierenden, auch denen der Geisteswissenschaften, Kredite?    
 
Mohanty: Wir sind eine Förderbank, und als eine solche haben wir einen gesetzlich festgeschriebenen Auftrag, Bildung zu fördern. Unsere Aufgabe ist es, alle Studierenden gleich zu fördern. Das heißt, bei uns erhält jeder Studierende den KfW-Studienkredit zum gleichen Zinssatz, unabhängig davon, welches Studienfach er studiert und ob er seine Eltern arm sind oder reich. Als Förderbank können und wollen wir uns nicht die "Rosinen" unter den Studierenden raussuchen. Der angehende Ingenieur erhält bei uns die gleichen Konditionen wie die künftige Romanistin.       

Bildung PLUS: Wie und wo bekommen die Studierenden denn den Kredit der KfW Förderbank?  

Mohanty: Schon jetzt kann man sich im Internet umfassend über den KfW-Studienkredit informieren. Anträge können dann ab 16. März können in einem neuen Online-Kreditportal der KfW gestellt werden. Mit den Antragsunterlagen geht der Student dann ab April zu einem Kreditinstitute oder zu seinem Studentenwerk, die als Vertriebspartner den KfW-Studienkredit vermitteln. Diese Vertriebspartner vor Ort bieten nicht nur die Möglichkeit einer persönlichen Beratung, sondern führen auch die rechtlich notwendige Legitimationsprüfung durch.  

Bildung PLUS:
Wer trägt letztlich das Risiko der Rückzahlung bei Arbeitslosigkeit oder Berufsunfähigkeit der Studierenden? 

Mohanty: Wir haben in unserem Zinssatz, der beim Start des Programms 5,1 Prozent nominal im Jahr betragen wird, auch ein Ausfallrisiko mit eingepreist. Der KfW-Studienkredit ist ein Förderprodukt, mit dem wir als Förderbank kein Geld verdienen. Nach unserer Kalkulation kann etwa jeder siebte Kreditnehmer bei der Rückzahlung ausfallen, ohne dass es ein Verlustgeschäft wird. Aber natürlich haben wir vor der Konzeption des Studienkredits auch in vergleichbaren OECD-Ländern die Situation analysiert. Und dabei hat sich klar gezeigt: Die Beschäftigungsrate steigt mit der Höhe des Bildungsabschlusses, und die Arbeitslosenrate sinkt mit der Höhe des Bildungsabschlusses. Diese Botschaft ist wichtig für junge Leute: Je höher die Ausbildung angesiedelt, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, arbeitslos zu werden.  

Bildung PLUS: Die jüngere Generation muss wahrscheinlich nicht nur länger arbeiten und wird dafür weniger Rente beziehen als früher, sondern auch Gebühren aufbringen, die Sie und ich nicht zahlen mussten. Ist das gerecht?  

Mohanty: Ich finde es gerecht, wenn durch unseren KfW-Studienkredit solche jungen begabten Schulabgänger die Möglichkeit bekommen, ein Studium aufzunehmen, die es vorher nicht gekonnt hätten. Weil Sie ihren Eltern nicht auf der Tasche liegen wollen oder können. Auf der einen Seite haben wir die Kinder reicher Eltern, die keinen Studienkredit brauchen, auf der anderen Seite die BAföG-Empfänger. In Deutschland beziehen lediglich 25 Prozent der Studierenden BAföG. Zwischen diesen beiden Gruppen liegt ein großes Feld. Der Studienkredit ist als ergänzendes Finanzierungsinstrument neben den vorhandenen Finanzierungsquellen - Eltern (90 Prozent), Jobben und BaföG - konzipiert. Studienkredite ermöglichen außerdem, dass junge Leute unabhängig von Eltern oder Staat ein Studium finanzieren können. 

Alexander Mohanty, 37 Jahre, Pressereferent der KfW Bankengruppe, einer Bank des Bundes und der Länder, die als Förderbank der deutschen Wirtschaft und Entwicklungsbank für die Transformations- und Entwicklungsländer fungiert.

Autor(in): Arnd Zickgraf
Kontakt zur Redaktion
Datum: 02.03.2006
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