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19. 12. 2005

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Frischer Wind im Unterricht

Der Quereinstieg als Lehrer bietet Chancen, lohnt aber nicht immer

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Ein Lehrer bei der Arbeit

Ein Bankkaufmann oder eine Physikerin im Schuldienst? Das können sich gestandene Lehrerinnen und Lehrer oft nur schwer vorstellen, doch Quereinsteiger sind in Deutschlands Klassenzimmern gefragt. Allerdings auch nicht überall: Die Nachfrage hängt von Bundesland, Schulart und Unterrichtsfach ab. Vor allem Hauptschulen und berufsbildende Schulen suchen oft verzweifelt nach pädagogischem Nachwuchs. Zwar nur in bestimmten Fächern wie Elektrotechnik oder Maschinenbau, aber dafür darf der Lehrer in spe auch mal stolze 40 Jahre alt sein. Potenzielle Bewerber sollten sich genau über die Einstiegsmöglichkeiten und Ausbildung informieren, denn je nach Art der Qualifizierung kann die Besoldung später deutlich nach oben oder unten ausschlagen.

In Gymnasien und Grundschulen sind die Berufsperspektiven für Quereinsteiger eher beschränkt. Auch wenn viele der Bewerber ihre neue Berufung verlockend finden, weil der Staat in unsicheren Zeiten ein verlässlicher Arbeitgeber ist, sind die ersten Berufsjahre sicher kein Zuckerschlecken: Die Doppelbelastung zwischen Klassenzimmer und oftmals berufsbegleitender Qualifizierung sind nicht zu unterschätzen. Hinzu kommen die Vorbehalte gegen die "Schmalspurpädagogen" aus dem etablierten Lehrerzimmer. Ein Blick ins Ausland zeigt aber, dass dieser Vorwurf teilweise ins Leere zielt. In den Niederlanden, die aufgrund des Lehrermangels schon seit fünf Jahren auf Quereinsteiger setzen, zeigen sich laut einer Studie von 2004 neun von zehn Schulleitern zufrieden mit den neuen Lehrerinnen und Lehrern. Zwar konstatierten auch die Schulleiter bei den Neulingen ein Defizit in punkto Pädagogik und Didaktik, doch mit dem frischen Wind im Unterricht komme unter dem Strich ein deutliches Plus heraus.

In Nordrhein-Westfalen, wo bis ins Jahr 2010 ca. 38.000 Lehrerstellen frei werden, versucht Schulministerin Barbara Sommer (CDU) mit einem 6-Punkte-Programm die größten Lecks, die der Lehrermangel verursacht, zu stopfen: Mit einem "Sprintstudium" von knapp zwei Jahren sollen frisch gebackene Lehrer auf die Fächer umsatteln, die wirklich gebraucht werden, Grundschullehrer sollen in die Hauptschulen wechseln und Quereinsteiger verstärkt an Berufskollegs eingesetzt werden. Es gibt keine bundesweiten Angaben darüber, wie viele Quereinsteiger bislang eingestellt wurden. In Nordrhein-Westfalen sollen es zum Beispiel insgesamt etwas mehr als tausend sein und in Niedersachsen knapp die Hälfte. Doch die Zahlen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Quereinsteiger bei den Einstellungen insgesamt nicht weiter ins Gewicht fallen: In Nordrhein-Westfalen waren dieses Jahr von knapp 1400 Referendaren nur 49 Quereinsteiger.

Auch die Ausbildung und Einstellungsbedingungen regelt jedes Bundesland für sich. Generell werden meist nur Bewerber mit einer speziellen Fächerkombination gesucht, die nicht älter als 38 Jahre sind. Ist diese Hürde erst einmal genommen, müssen die pädagogischen Anfänger in den Vorbereitungsdienst, das Referendariat, einsteigen oder sich berufsbegleitend nachqualifizieren lassen.

Das Land Niedersachsen hebt sich mit einer besonderen Ausbildung von anderen Bundesländern ab: An der Universität Göttingen gibt es zwei spezielle Studiengänge, die bestimmte Diplom-, Magister- und Bachelor-Absolventen in ein oder zwei Jahren zum Lehrer ausbilden. Es lässt sich nur schwer vorhersagen, wie viele Quereinsteiger in den nächsten Jahren noch benötigt werden. Die Prognosen für den Lehrermangel fallen zwar teilweise dramatisch aus - bis zu 371.000 Lehrerinnen und Lehrer gehen bis 2015 in Pension -, doch der Lehrerberuf ist bei weitem nicht mehr so unattraktiv. wie viele unken. Das lässt sich allein schon an den Studierendenzahlen für das Lehramt ablesen: Und die steigen seit Jahren wieder deutlich an.

In der folgenden Übersicht, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, finden Sie eine Zusammenstellung über den Quereinstieg in den einzelnen Bundesländern:

Baden-Württemberg
Das Kultusministerium bietet einen Seiteneinstieg in solchen Fächern an, für die zu wenige grundständig ausgebildete Lehrkräfte zur Verfügung stehen. Bei den allgemein bildenden Gymnasien sind dies die Fächer Physik, Chemie, Mathematik, Informatik und seit Neuestem auch Latein. Bei den beruflichen Schulen mangelt es vor allem an ausgebildeten Lehrkräften für die Ingenieur- und Naturwissenschaften. Es werden dort aber auch Lehrkräfte für bestimmte allgemeine Fächer wie Deutsch, Englisch, Politikwissenschaften etc. gesucht. Zielgruppen sind vor allem Universitätsassistentinnen und -assistenten sowie universitäre Diplom-Absolventinnen und -Absolventen.
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Bayern
Bei besonderem Bedarf soll auch Quereinsteigern der Weg ins Lehramt erleichtert werden. Derzeit scheint es keine Möglichkeiten für einen Quereinstieg in den Vorbereitungsdienst für das Lehramt an beruflichen Schulen zu geben. Sollten Quereinstiege zum Schuljahr 2006/07 gerechtfertigt sein, werden sie zu gegebener Zeit (frühestens im Januar 2006) ausgeschrieben. Für einen möglichen Quereinstieg kommen jedoch allenfalls Absolventen der Fachrichtung allg. Maschinenbau und Elektrotechnik in Betracht, die ihr Diplom an einer Universität erworben haben
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Berlin
In den vergangenen Schuljahren wurden Bewerber/innen ohne Staatsexamina für die beruflichen Schulen in Berlin eingestellt, da nicht genügend Studienrätinnen bzw. Studienräte mit berufsbildenden Fächern zur Verfügung standen. Voraussetzung für eine Einstellung als sog. Quereinsteiger (als Lehrkraft in der Tätigkeit von Studienräten) an beruflichen Schulen ist grundsätzlich eine abgeschlossene wissenschaftliche Hochschulausbildung. Bewerber/innen mit einem Abschluss als Meister bzw. staatlich geprüfter Techniker in der entsprechenden Fachrichtung können als Lehrer/in für Fachpraxis beschäftigt werden.
Quereinsteiger müssen zukünftig zu einem Vorbereitungsdienst in berufsbegleitender Form zugelassen werden können, wenn nicht genügend Laufbahnbewerber/innen mit entsprechenden Fächern zur Deckung des Lehrkräftebedarfs zur Verfügung stehen. Für diesen Vorbereitungsdienst kommen Personen in Frage, die über einen einschlägigen Diplom-, Magister- oder Masterabschluss verfügen und deren Hochschulprüfung in einem sog. Mangelfach nicht länger als fünf Jahre zurückliegt. Bei einem älteren Abschluss ist ersatzweise auch ein Nachweis über eine mindestens dreijährige einschlägige berufliche Tätigkeit zwischen dem Abschluss der Hochschulprüfung und der Bewerbung ausreichend.
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Brandenburg
In Brandenburg gibt es im Falle des Bedarfs und aufgrund einer mangelnden Anzahl von Bewerberinnen und Bewerbern mit Lehramtsbefähigung bereits seit 1996 die Möglichkeit, sog. Seiteneinsteiger in den Vorbereitungsdienst des Landes, vornehmlich für den beruflichen Bereich aufzunehmen. Bisher wurden ca. 150 Seiteneinsteiger qualifiziert. Bisher ist die Ausbildung vornehmlich in unterrichtsfreier Zeit und in Blockveranstaltungen organisiert, da aufgrund des nachgewiesenen Unterrichtsbedarfs diese Lehrkräfte keine Entlastungsstunden erhalten.
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Hamburg
Für den Seiteneinstieg in den Vorbereitungsdienst an Gymnasien / Lehramt an der Oberstufe ist einer der folgenden drei Hochschulabschlüsse notwendig:
Diplom in Physik mit Nebenfach Mathematik oder Informatik oder in Informatik mit Nebenfach Mathematik/ Physik oder ein Diplom in Mathematik mit Nebenfach Physik/ Informatik . Für den Seiteneinstieg in den Vorbereitungsdienst für das Lehramt an berufsbildenden Schulen werden zur Zeit hauptsächlich für die Kandidaten Elektrotechnik und Metalltechnik gesucht und müssen neben einem Hochschulabschluss in einem unterrichtsrelevanten Fach möglichst Unterrichtserfahrung haben und dürfen maximal 42 Jahre alt sein.
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Hessen
In Gymnasien ist im Mangelfach Physik seit dem 1. Mai 2003 ein Quereinstieg in den Vorbereitungsdienst für das Lehramt an Gymnasien möglich. Dafür gelten unter anderem folgende Mindest-Voraussetzungen: Ein universitäres Diplom in Physik (mindestens 8-semestriges Studium, Abschluss "Diplom II" mit mindestens guten Leistungen), ein auf die Anforderungen der gymnasialen Oberstufe ausgerichtetes zweites Unterrichtsfach muss feststellbar sein (in der Regel Mathematik). Hierfür müssen Studienleistungen in den Bereichen Analysis I und II und Lineare Algebra sowie aus den Bereichen der Stochastik, der numerischen Mathematik oder der anwendungsbezogenen Mathematik nachgewiesen werden. In Haupt- und Realschulen ist in den Mangelfächern Mathematik, Physik, Chemie, Englisch und Musik seit dem 1. November 2002 ein Quereinstieg in den Vorbereitungsdienst möglich. Dafür gelten folgende Mindest-Voraussetzungen: Ein universitäres Diplom in einem der festgelegten Mangelfächer. Daneben muss über die Studien- und/oder Prüfungsleistungen ein zweites Unterrichtsfach feststellbar sein. Grundsätzlich darf das Alter nicht über 40 Jahren liegen. An Berufliche Schulen ist die Einstellungsvoraussetzung in jedem Fall ein universitärer Studienabschluss im genannten Berufsfeld bzw. Fach.
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Niedersachsen
Die Universität Lüneburg bietet einen einjährigen Intensivstudiengang Schulpädagogik und Didaktik an. Absolventen werden zum Vorbereitungsdienst (Referendariat) für das Lehramt an Grund-, Haupt- und Realschulen zugelassen. Die Universität Göttingen bietet zwei verschiedene Master-Studiengänge an, deren Abschlüsse "Master of Arts" (einjährig) und "Master of Arts in Education" (zweijährig) das Erste Staatsexamen ersetzen und eine Zulassung für den Vorbereitungsdienst zum Lehramt an Gymnasien beinhalten. An der Universität Hannover können Studierende bei entsprechenden Studienvoraussetzungen in vier Semestern den Abschluss als "Master of Science Technical Education" erwerben. Er berechtigt zum Eintritt in das Referendariat an Berufsbildenden Schulen. Die Beschäftigung als angestellter Lehrer ist in Mangelfächern grundsätzlich für alle Schulformen möglich. Außerdem können Seiteneinsteiger mit zwei Unterrichtsfächern zum Vorbereitungsdienst zugelassen werden. Diplom-Physiker unterrichten beispielsweise Physik und Mathematik.
Für die Mangelfachrichtung Metalltechnik können nachrangig auch Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger eingestellt werden. Gesucht werden Hochschulabsolventinnen und Hochschulabsolventen, die über einschlägige Kenntnisse und Erfahrungen in der beruflichen Fachrichtung verfügen. Zur Abdeckung eines dringenden Unterrichtsbedarfs im Bereich der Fremdsprachen (Spanisch, Englisch) werden auch Universitätsabsolventinnen und -absolventen (Magister, Diplomexamen in der Fremdsprache) eingestellt, die über einschlägige geeignete Fachkenntnisse in der Fremdsprache verfügen. Die Absolventinnen und Absolventen von Hochschulen ohne Lehramtsstudium nehmen an Maßnahmen zur berufsbegleitenden pädagogischen Qualifizierung teil. Die Qualifizierungsphase dauert 3 Jahre.
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Nordrhein-Westfalen
Hauptschulen, Realschulen und Gesamtschulen suchen gezielt nach Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteigern insbesondere mit Kenntnissen in Englisch, Kunst, Mathematik, Musik, Physik und Französisch. Die Berufskollegs stellen vor allem Personen mit einem Hochschulabschluss aus den Bereichen Maschinen- und Elektrotechnik, Gestaltungstechnik, Gesundheitswesen, Ernährungs- und Hauswirtschaft, Mathematik, Technische Informatik und Wirtschaftsinformatik ein. Vereinzelt schreiben auch Gymnasien und Gesamtschulen für den Unterricht in der Oberstufe Stellen für Hochschulabsolventinnen und -absolventen für Mathematik, Physik, Kunst, Musik, Latein oder Informatik aus.
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Rheinland-Pfalz
Um die Zahl der ausgebildeten Lehrkräfte in längerfristigen Bedarfsfächern zu erhöhen, besteht die Möglichkeit, Bewerberinnen und Bewerber mit Hochschulabschluss (Universität) ohne Lehramtsausbildung im Wege des Quereinstiegs in den Vorbereitungsdienst für die jeweiligen Lehrämter einzustellen, sofern die vorhandenen Ausbildungsplätze nicht vollständig mit Bewerberinnen und Bewerbern mit Erstem Staatsexamen für das entsprechende Lehramt besetzt werden können. Ferner besteht in Rheinland-Pfalz die Möglichkeit, Bewerberinnen und Bewerber mit Hochschulabschluss (Universität) ohne Lehramtsausbildung für bestimmte Bedarfsfächer im Wege des Seiteneinstiegs direkt in den Schuldienst einzustellen. Die Bedarfsfächer werden für die jeweiligen Einstellungstermine festgelegt.
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Sachsen-Anhalt
Keine Seiteneinsteigerprogramme

Schleswig-Holstein
Absolventen und Absolventinnen von Universitäten oder gleichgestellten Hochschulen, die einen Studiengang (Diplom/Magister) in schulrelevanten Fächern/Fachrichtungen erfolgreich abgeschlossen haben, der ursprünglich nicht das Lehramt zum Ziel hatte, können sich um einen Quereinstieg oder Seiteneinstieg bewerben. Diesem Interessentenkreis kann bei entsprechendem Bedarf eine Ausbildung im Rahmen eines zweijährigen Referendariats (Quereinstieg) angeboten werden. Darüber hinaus können in einzelnen Fächern oder Fachrichtungen Bewerberinnen/Bewerbern mit geeigneter Berufserfahrung als Seiteneinsteiger/-in im Angestelltenverhältnis eingestellt werden, um sie zunächst berufsbegleitend in zwei Unterrichtsfächern zu qualifizieren. Nach erfolgreichem Abschluss der zweijährigen Qualifizierungsphase ist grundsätzlich die unbefristete Weiterbeschäftigung beabsichtigt. Die Einstellung ist nur möglich, wenn die Bewerberin oder der Bewerber zum Zeitpunkt der Einstellung das 39. Lebensjahr noch nicht vollendet hat.
Nach den gegenwärtigen Daten besteht für das laufende Schuljahr grundsätzlich Bedarf in folgenden Fächern beziehungsweise Fachrichtungen und Schularten: In Grund- und Hauptschulen die Fächer Physik, Mathematik, Englisch, Musik, Sport, Chemie und Technik; in Realschulen im Fach Mathematik, insbesondere in Kombination mit Physik, Musik, Englisch oder Chemie; in Gymnasien und Gesamtschulen in den Fächern Mathematik, insbesondere in Kombination mit Physik, in Physik, Latein, Kunst und Musik; in Berufsbildenden Schulen in Elektrotechnik, Metalltechnik und in besonders begründeten Einzelfällen mit nicht anders zu deckendem Fachbedarf.
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Thüringen
Zur Absicherung eines Fachunterrichtes, der auch den pädagogischen Anforderungen gerecht wird, muss jeder Seiteneinsteiger an einer vom Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien (ThILLM) organisierten berufspädagogischen Weiterbildung im Umfang von 200 Stunden teilnehmen.
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Autor(in): Udo Löffler
Kontakt zur Redaktion
Datum: 19.12.2005
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