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15. 09. 2005

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Bildungspolitik auf dem Prüfstand

Teil 2: Grüne, FDP und die Linkspartei stellen sich den Fragen von Bildung PLUS

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1. Nennen Sie bitte die drei wichtigsten Schwerpunkte Ihrer Partei für die Bildungspolitik des Bundes in den nächsten vier Jahren?

2. Wer steht bei Ihnen als "Bildungskunde" im Mittelpunkt?

3. Stichpunkt Frühe Förderung. Was können Eltern und Kinder in Zukunft von Kindertagesstätten erwarten?

4. Stichpunkt Schule: Ganztagsschule, Schulformen, neue Lehrmethoden und individuelle Förderung - es gibt viele Diskussionspunkte. Welches sind die wichtigsten Stellschrauben für eine Schule der Zukunft?

5. Stichpunkt Lehrende: Sowohl in der Schule als an den Unis stehen die Lehrenden in der Kritik. Wie werden die Lehrenden in Zukunft gefördert und gefordert?

6. Bildungsföderalismus: Für welche Rollenverteilung zwischen Bund und Ländern setzt sich Ihre Partei ein?

 

1. Nennen Sie bitte die drei wichtigsten Schwerpunkte Ihrer Partei für die Bildungspolitik des Bundes in den nächsten vier Jahren?

Bündnis 90/Die Grünen: Im frühkindlichen Bereich: der weitere Ausbau und die Qualitätsverbesserung der Betreuungs-, Erziehungs- und Bildungsangebote. Im schulischen Bereich: die Stärkung der individuellen Förderung durch das längere gemeinsame Lernen. Im Bereich des lebensbegleitenden Lernens: die Verbesserung der individuellen Weiterbildungsbedingungen und -möglichkeiten.

FDP: Die liberale Bürgergesellschaft braucht Bildung und Ausbildung als elementare Voraussetzung für Freiheit, Toleranz und Leistungsfähigkeit. Bildung schafft das ethische Gerüst der Gesellschaft und ist Voraussetzung für eine stabile Demokratie. Das Bürgerrecht auf Bildung soll jedem die gleiche Chance für Bildung und Ausbildung eröffnen.

1. Verbesserung der frühkindlichen Bildung: Frühkindliche Bildung ist für die FDP der entscheidende Faktor für die Chancengerechtigkeit am Start. Wir wollen ein für alle Kinder verbindliches Angebot schon vom fünften Lebensjahr an einrichten. Das Sprach- und Zahlenverständnis soll ebenso wie die soziale Kompetenz und die Musikalität und Kreativität gefördert werden.

2. Befreiung der Bildungseinrichtungen von bürokratischen Fesseln: Alle Bildungseinrichtungen vom Kindergarten bis zur Hochschule benötigen erheblich mehr Autonomie und Befreiung von bürokratischen Fesseln. Sie brauchen das Recht zur Selbstverwaltung, zu Personalentscheidungen sowie pädagogische und finanzielle Eigenverantwortung. Insbesondere die Hochschulen benötigen Autonomie und eine bessere Finanzierung, um wieder an die internationale Spitze zu kommen. Autonomie und eine weitaus bessere Ausstattung sind notwendig: für Personalentscheidungen, Organisationsstrukturen und die Budgets für Lehre und Forschung, die Umsetzung guter Ideen in wettbewerbsfähige Produkte eingeschlossen. So können die Hochschulen auch ihr eigenständiges Profil in Forschung und Lehre herausbilden, um den Studierenden in Bildung und Weiterbildung ein attraktiveres Angebot zu machen und in der Forschung den Wettbewerb um Spitzenpositionen bestehen zu können.

3. Erleichterung der Ausbildung und Förderung der Weiterbildung: Wir wollen die grundsätzliche Gleichwertigkeit von akademischer und beruflicher Bildung. Wir werden die Reform der beruflichen Bildung und den Abbau von Ausbildungshindernissen energisch angehen. Der Weg zu diesem Ziel führt über die Flexibilisierung und Deregulierung unseres Berufsbildungssystems unter Beibehaltung der hohen Qualität der dualen Ausbildung. Dabei muss den Betrieben mehr Spielraum bei der Schwerpunktsetzung in der Ausbildung eingeräumt werden. Wo möglich, soll die Ausbildung in Stufen erfolgen und auch eine nur zweijährige Berufsausbildung angeboten werden. Weitere Qualifikationsschritte sind im Rahmen der beruflichen Weiterbildung möglich. Jede Stufe eröffnet dabei einen Weg ins Berufsleben. Eine Modularisierung des gesamten Bildungssystems ist auch wichtig, um eine bessere Vereinbarkeit von Ausbildung und Familienpflichten zu erreichen. In unserer älter werdenden Gesellschaft muss in ganz besonderer Weise das Potenzial und das Wissen der Erwachsenen genutzt, aufgefrischt und erneuert werden. Wir wollen neue Finanzierungsinstrumente wie z.B. Bildungssparen, Bildungsgutscheine oder Lernkonten für Weiterbildung entwickeln.

Linkspartei: Wesentliches Anliegen der Bildungspolitik der Linkspartei.PDS ist, den nachgewiesenen engen Zusammenhang von sozialer Herkunft, Lebenslage und Bildungserfolg aufzubrechen und der Zunahme sozialer Ungleichheit im jetzigen Bildungswesen gegenzusteuern. Dazu bedarf es grundlegender Veränderungen in den Inhalten und Strukturen des Bildungssystems wie seiner Rahmenbedingungen. In den nächsten vier Jahren setzen wir folgende Schwerpunkte:

1. Wir fordern eine gesamtgesellschaftliche Anstrengung, um das öffentlich verantwortete Bildungssystem auf eine sichere finanzielle Grundlage zu stellen. Die Bundesländer, jedes auf sich gestellt, werden die notwendigen Finanzen nicht allein erbringen können. Der Bund muss für Bildung mehr Geld einsetzen. Die öffentlichen Ausgaben für das Bildungswesen sollen nach unseren Vorstellungen zunächst auf fünf Prozent sowie langfristig auf sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts angehoben werden.

2. Wir wollen alle fördern und keinen zurücklassen. Deshalb fordern wir: Schluss mit dem ineffizienten, sozial ausgrenzenden gegliederten Schulsystem! Wir plädieren für längeres gemeinsames Lernen in einer integrativen Gemeinschaftsschule von Klasse 1 bis Klasse 10, zunächst mindestens bis Klasse 8. Wir wollen ein ausgewogenes Netz von Ganztagsangeboten und Ganztagsschulen. Die Schule muss zu einem Ort des Lernens und Lebens von Kindern und Jugendlichen werden.

3. Wir plädieren für eine Konzentration der Anstrengungen auf die Bildung in der frühen Kindheit und in den Grundschuljahren. Wir fordern einen uneingeschränkten Rechtsanspruch auf Bildung, Erziehung und Betreuung von Anfang an. Wir wollen gebührenfreie Kindergartenplätze für alle Kinder, um allen gleiche Entwicklungs- und Bildungsmöglichkeiten zu geben. Wir setzen uns für die Stärkung der frühkindlichen Förderung und den weiteren Ausbau der Kindertagesstätten zu Bildungseinrichtungen ein.

2. Wer steht bei Ihnen als "Bildungskunde" im Mittelpunkt?

Bündnis 90/Die Grünen: Bildung ist das zentrale Thema für eine alternde Gesellschaft, die sich zur Wissensgesellschaft wandeln muss. Deswegen sehen Bündnis 90 / Die Grünen Bildung nicht als Ware, sondern als Bedingung von Chancengerechtigkeit und wollen deswegen die Teilhabe an Bildung erleichtern. Aus diesem Grund lehnen wir zusätzliche Zugangshürden wie Gebühren fürs Erststudium ab.
Für uns stehen all diejenigen im Mittelpunkt der Bemühungen, deren Potenziale im deutschen Bildungssystem bisher durchgehend vernachlässigt werden: Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene aus bildungsfernen Schichten oder mit Migrationshintergrund, Bildungswillige über 44 und Frauen.

FDP: Bildung ist für die FDP Grundrecht. Dabei geht es uns um die Förderung der Persönlichkeit jedes einzelnen Kindes, denn für Liberale verbietet sich jede Instrumentalisierung des Menschen und seiner Entwicklung. Bei der FDP stehen daher - je nach Alter - die Kinder, Eltern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen als "Kunden der Bildung" im Mittelpunkt.

Linkspartei: Den Begriff "Bildungskunde" verwenden wir nicht. Bildung ist für uns keine Ware, sondern ein Menschenrecht. Die Linkspartei.PDS fordert die Verwirklichung dieses Grundrechts für alle, unabhängig von Nationalität, Geschlecht, sozialer Lage oder je besonderer körperlicher und geistiger Verfasstheit. Es geht darum, jeden in seiner Verschiedenheit zu akzeptieren und sozial wie kulturell bedingte Nachteile im gesamten Lebensprozess immer wieder auszugleichen. Wir wollen Bildung für alle - ein Leben lang. Gleichwohl kommt es auch in der Bildung auf den Anfang an. Die Entwicklungsmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen stehen deshalb im Mittelpunkt unserer Forderungen. Wir setzen uns insbesondere für die Förderung von Kindern aus sozial schwachen Familien und von Familien mit Migrationshintergrund ein.

3. Stichpunkt Frühe Förderung. Was können Eltern und Kinder in Zukunft von Kindertagesstätten erwarten?

Bündnis 90/Die Grünen: Bündnis 90/Die Grünen setzen sich dafür ein, dass jedes Kind unabhängig von Geschlecht, Herkunft oder Behinderung die bestmögliche Förderung und gerechte Teilhabechancen eröffnet bekommt, denn grüne Politik orientiert sich am Kindeswohl. Die Weichen für das ganze Leben werden im Kindesalter gestellt. Daher muss jegliche Förderung möglichst individuell angelegt sein und sollte früh beginnen. Hochwertige Kinderbetreuung, wie wir sie uns vorstellen, fördert und unterstützt die soziale, emotionale, kognitive, sprachliche und physische Entwicklung der Kinder. Mit diesen Basiskompetenzen können sie als selbstbewusste, reflektierte und gemeinschaftsfähige Persönlichkeiten heranwachsen. Hierauf zielt unser ganzheitlicher Ansatz, der den Dreiklang von Betreuung, Erziehung und Bildung vereint und Kinder bereits in der Kita an Bildung heranführt. Deswegen wollen wir den mit dem Tagesbetreuungsausbaugesetz (TAG) beschrittenen Weg fortsetzen und treten für einen weiteren Ausbau und eine bessere Qualität der Betreuungsangebote ein. Dies soll geschehen durch eine Anhebung der Erzieher/innenausbildung auf Hochschulniveau - wie in fast allen westeuropäischen Ländern -,damit sie den komplexer werdenden Anforderungen von Betreuung und Bildung weiterhin gerecht werden können.

Außerdem treten wir für einen Rechtsanspruch auf einen qualitativ hochwertigen Tagesbetreuungsplatz für Kinder ab einem Jahr ein. Gleichzeitig benötigen Kinder und Erzieher/innen bessere Rahmenbedingungen. Dazu gehören zum Beispiel kleine Gruppen, optimale räumliche Bedingungen, gesunde und kindgerechte Verpflegung und Beteiligungsmöglichkeiten der Kinder. Mehr Personal ist ebenfalls nötig, um den Kindern ein vielfältiges Angebot bieten zu können. Moderne Kindertagesstätten fördern aber nicht nur die Kinder, sie sollten gleichzeitig auch entsprechende Unterstützungs- und Hilfsangebote für Eltern bereithalten. Die Stärkung von elterlichen Erziehungskompetenzen und eine gute Familienbildung sind eine wesentliche Aufgabe, für die es vielfältige Angebote und Maßnahmen gibt.

FDP: Wenn es nach der FDP geht, können Eltern und Kinder künftig von KiTas ein qualitativ hochwertiges und bedarfsgerechtes Angebot erwarten. Damit wollen wir für Kinder Chancengerechtigkeit am Start durch gute frühkindliche Bildung und eine bessere Vereinbarkeit von Familien- und Erwerbsarbeit für die Eltern erreichen. Die FDP fordert ein bedarfsgerechtes Angebot von Betreuungsplätzen ab Ende des Mutterschutzes (8 Wochen nach der Geburt) und die grundsätzliche Bereitstellung eines Ganztagsplatzes in Krippen, Kindertagesstätten und Schulen (Horte) für Kinder berufstätiger Mütter und Väter. Nach und nach sollen nach dem Programm der Liberalen Kindergärten im Rahmen des bisherigen Rechtsanspruches (halbtags ab dem vierten Lebensjahr) für Eltern entgeltfrei werden.

Mittelfristig soll ein bundesweiter Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder ab dem dritten Lebensjahr geschaffen werden. Nach Vorstellungen der FDP müssen außerdem bundesweit pädagogische Ziele und Bildungsstandards für Tageseinrichtungen entwickelt und eingeführt werden. Die Qualitätssicherung soll durch ein unabhängiges System der Bewertung gewährleistet werden. Eine verstärkte Evaluation der pädagogischen Arbeit und der Leistungsfähigkeit ist nötig zur konsequenten Qualitätsentwicklung. Wir wollen statt der Einrichtungen künftig die Kinder fördern, durch Bildungsgutscheine oder Pro-Kopf-Zuweisungen für den Betreuungsplatz. Eltern suchen sich nach diesem Modell unter den vielfältigen Anbietern die gewünschte Leistung aus. Es werden so alle Einrichtungen, welche die festgelegten Standards erfüllen, und die Tagespflege in die staatliche Finanzierung einbezogen. Dies sorgt für mehr Wettbewerb; wobei ein ausreichendes Betreuungsangebot nötig ist.

Linkspartei: Über die oben schon genannten Forderungen nach gesetzlicher Festlegung eines uneingeschränkten Rechtsanspruchs auf Bildung und Betreuung und gesicherter Finanzierung geht es uns um einen verbindlichen Bildungsauftrag, der sowohl die Betreuung der Kinder und das Spielen als die für dieses Lebensalter typische Tätigkeit als auch die spezifische Vorbereitung auf das Lernen in der Schule einschließt. Im Rahmen der vorschulischen Bildung kommt es auf die Entwicklung auf sinnlichem und kognitivem, auf sprachlichem und körperlichem, gesundheitlichem wie kulturellem Gebiet an. Eine intensive Sprachförderung ist dabei zweifellos wichtig, insbesondere für Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund.

Wir halten es für erforderlich, schrittweise das Qualifikationsniveau der pädagogischen Fachkräfte anzuheben. Dazu ist in allen Bundesländern ein langfristiges Programm zu erarbeiten und zu verwirklichen; den Erzieherinnen und Erziehern ist das dafür notwendige Zeitbudget zur Verfügung zu stellen. Die Inhalte der Ausbildung sind den gewachsenen Anforderungen und den spezifischen Erfordernissen der verschiedenen Altersgruppen anzupassen. Die Erzieherinnen und Erzieher für Kindertageseinrichtungen sollten entsprechend international üblichem Standard eine universitäre Ausbildung, zumindest aber eine Ausbildung auf Fachhochschulniveau, erhalten.

4. Stichpunkt Schule: Ganztagsschule, Schulformen, neue Lehrmethoden und individuelle Förderung - es gibt viele Diskussionspunkte. Welches sind die wichtigsten Stellschrauben für eine Schule der Zukunft?

Bündnis 90/Die Grünen: Bündnis 90/ Die Grünen setzen sich in den Ländern für eine gemeinsame Schule bis zum Ende der Sekundarstufe I nach skandinavischem Vorbild ein. Individuelle Förderung statt Auslese heißt das Motto. Wir wollen eine weitgehende Autonomie der einzelnen Schule bei gleichzeitiger regelmäßiger Evaluation ihrer Leistungsfähigkeit anhand von Bildungsstandards. Schulen sollen zeigen, wie gut sie die Kinder und Jugendlichen auf den gesellschaftlichen, beruflichen und familiären Alltag vorbereiten.
Ein weiteres wesentliches Element grüner Schulpolitik ist ein flächendeckendes qualitativ hochwertiges Angebot an Ganztagsschulen. Wir wollen das Investitionsprogramm Bildung und Betreuung nach der Wahl weiterentwickeln.

FDP: Die FDP tritt für die möglichst große Autonomie der einzelnen Bildungseinrichtungen und einen zunehmenden Wettbewerb in der jeweiligen Region um das beste Bildungsangebot ein. Hieran müssen sich Schulen in Freier Trägerschaft gleichberechtigt beteiligen können. Schulen brauchen das Recht der Selbstverwaltung, größere Personalautonomie, sowie pädagogische und finanzielle Eigenverantwortung. Die Mitwirkungsrechte von Kindern und Eltern sind dabei ein wichtiger Wettbewerbsfaktor. Die Frage der Schulform wird so relativiert. Die Grundschulen sind wesentlich zu stärken. Fremdsprachenunterricht soll beginnend mit der ersten Klasse fester Bestandteil des Lehrplans werden. Der mathematisch-naturwissenschaftliche Unterricht bedarf einer stärkeren Akzentuierung. Technik und Wirtschaft müssen in das Unterrichtsangebot aller Schulformen einbezogen werden.

Die Vermittlung von Medienkompetenz muss ebenfalls möglichst früh auf dem Stundenplan stehen. Wir wollen ein flächendeckendes Angebot an Ganztagsschulen mit eigenem pädagogischen Konzept. Förderunterricht, Unterstützung der Eltern durch Hausaufgabenbetreuung, Entwicklung der kreativen und motorischen Fähigkeiten der Kinder und Jugendlichen sind zentrale Aufgaben. Dabei sollen die Schulen mit geeigneten Vereinen, Verbänden, privaten Initiativen und Institutionen zusammenarbeiten. Die permanente Auseinandersetzung der Schulen und Lehrenden mit neuen Lehrmethoden ist für moderne führende Schulen schon heute selbstverständlich.
Der von uns gewünschte Wettbewerb der Schulen wird sehr schnell zu einer Übertragung der hervorragenden Ergebnisse solcher Schulen in die Breite sorgen. Dies zeigt sich schon heute an vielen Bildungseinrichtungen in freier Trägerschaft. Es erweist sich, dass pädagogische Vielfalt im Wettbewerb zu guten Ergebnissen führt. Bildungseinrichtungen in freier Trägerschaft, die staatlich anerkannte Abschlüsse anbieten, müssen daher dieselbe Förderung erhalten wie die entsprechenden staatlichen Einrichtungen.

Linkspartei: Ein entscheidender Punkt ist die Überwindung des gegliederten Schulsystems. Um der Abhängigkeit von sozialem Status sowie dem Bildungsniveau der Eltern und dem Bildungserfolg der Kinder zu begegnen, muss die in fast allen Bundesländern praktizierte frühe Trennung der Schüler nach der vierten bzw. sechsten Klassenstufe hin zu Regel-/ Hauptschule und Gymnasium aufgehoben werden. PISA-Siegerländer haben bewiesen, dass die Förderung der Breite nicht zu Lasten der Förderung der Spitze gehen muss, vor allem aber, dass ein langes gemeinsames Lernen insgesamt förderlich ist. Deshalb engagieren wir uns für eine 10-jährige integrative Gemeinschaftsschule mit längerem gemeinsamen Lernen mindestens bis Klasse 8.

5. Stichpunkt Lehrende: Sowohl in der Schule als an den Unis stehen die Lehrenden in der Kritik. Wie werden die Lehrenden in Zukunft gefördert und gefordert?

Bündnis 90/Die Grünen: Bündnis 90/Die Grünen treten für einen eigenen Wissenschaftstarif ein und begrüßen die Fortschritte, die im Bereich der wissenschafts-spezifischen Regelungen in Rahmen der Reformverhandlungen zum neuen "Tarif ÖD" erreicht wurden. Wir streben darüber hinaus an, den Beamtenstatus in pädagogischen Berufen durch ein tarifliches Dienstrecht zu ersetzen, welches zusätzliches Engagement belohnt und reale Aufstiegsperspektiven beinhaltet. In diesem Zusammenhang bedarf es auch einer individuellen Evaluation der Leistungen von Lehrenden, die aber den Kontext berücksichtigen muss (z.B. Größe und Zusammensetzung der Lerngruppen, soziale Gegebenheiten des Schulstandortes etc.).

Die Länder reformieren gerade die Lehramtsstudiengänge wegen der Umstellung auf Bachelor und Master. Im Rahmen dieser Reform muss dafür gesorgt werden, dass nicht mehr schulartbezogen ausgebildet wird, sondern bezogen auf die Altersstufe, in der unterrichtet wird.

FDP: Zunächst einmal sind transparente Qualitätskriterien wichtig. Was ist genau ein guter Unterricht und was sind seine Kriterien? - Diese Frage muss wissenschaftlich geklärt und dann immer wieder überprüft werden. Als Konsequenz müssen in allen Bundesländern und an den Hochschulen qualitativ hochwertige Weiterbildungsmöglichkeiten für Schul- und Hochschullehrer bzw. -lehrerinnen angeboten werden. Auch bei der Bezahlung der Lehrenden gibt es Ansatzmöglichkeiten. Die FDP setzt sich für die Möglichkeit der Dienstherren bzw. Arbeitgeber ein, die Bezahlung nach Leistung gerade auch im Bereich der Lehre differenzieren zu können.

Linkspartei: Unser Vorschlag für eine soziale und demokratische Bildungsreform beinhaltet auch eine umfassende Reform der Lehrerbildung, und zwar sowohl der Aus- als auch der Fort- und Weiterbildung der Pädagoginnen und Pädagogen. Die Ausbildung sollte sich unserer Auffassung nach an den Anforderungen einer modernen Schule - der Gemeinschaftsschule - orientieren. Sie sollte an Universitäten auf hohem wissenschaftlichem Niveau in einem von Studienbeginn an eigenständigen, d.h. von Anbeginn an auf die zukünftige pädagogische Tätigkeit orientierten, Ausbildungsgang erfolgen. Die bisherige Ausbildung für verschiedene Schulformen sollte durch eine einheitliche Ausbildung aller Lehrerinnen und Lehrer ersetzt werden, die im Studiengang einschließlich der praktischen Ausbildungsabschnitte Spezialisierungsmöglichkeiten nach Schulstufen vorsieht.

Mit Recht fordert die pädagogische Praxis, neben der Vermittlung solider fachwissenschaftlicher Kenntnisse eine Erweiterung und Qualifizierung in den pädagogischen und psychologischen Disziplinen sowie der Didaktik und der Methodik sowie eine engere Verzahnung von theoretischen und praktischen Ausbildungselementen während des Studiums und die Einbeziehung von pädagogischen Praktika in den Ausbildungsgang. Dabei gilt es, Erfordernissen integrativer pädagogischer Arbeit und der Befähigung zu differenzierter pädagogischer Arbeit in heterogenen Gruppen im Unterricht besondere Aufmerksamkeit in allen Phasen der Ausbildung zu widmen.

6. Bildungsföderalismus: Für welche Rollenverteilung zwischen Bund und Ländern setzt sich Ihre Partei ein?

Bündnis 90/Die Grünen: Bündnis 90/Die Grünen halten eine Fortsetzung und Weiterentwicklung bildungspolitischer Investitionen durch den Bund für unverzichtbar. Wir setzen uns deshalb bei der Reform des Föderalismus weiterhin dafür ein, dass der Bund finanzielle Mitwirkungsmöglichkeiten und eine Rahmenkompetenz im Bildungsbereich behält. Insbesondere wollen wir bessere Kofinanzierungsbedingungen für den Bund. Die Weiterführung des Investitionsprogramms Bildung und Betreuung für den Ausbau von Ganztagsangeboten ist wünschenswert, soweit die Länder die Mittel stärker als bisher auch zur Qualitätsverbesserung nutzen.

Die Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern, aber auch unter den Ländern muss reformiert werden. Zielvorstellung von Bündnis 90 / Die Grünen ist dabei die Stärkung der Bildungseinrichtungen hin zur Autonomie. Gleichzeitig müssen unsere Schulen anhand einheitlicher Bildungsstandards auf ihre Leistungsfähigkeit getestet werden. Diese Bildungsstandards testen die Schulen, nicht die Kinder. Sie sind bundeseinheitlich, weil die Länder sich darauf einigen. Der Bund unterstützt diese Prozesse und garantiert, dass die Erfüllung dieser Standards regelmäßig überprüft wird. Die Kultusbürokratie, die bisher anweist und verwaltet, muss sich umformen von einer Ablaufgarantie zu einer Qualitätsgarantie.

FDP: Bei der frühkindlichen Bildung und den Hochschulen soll wie bisher ein weitgesteckter Rahmen durch den Bund gesetzt werden können, bei dem auch die Kompetenzen für Berufsbildung und berufliche Weiterbildung verbleiben. Schule ist Länderkompetenz. Ziel liberaler Schulpolitik ist aber nicht die Stärkung der Länderbürokratien, sondern die Stärkung der Autonomie der Schulen. Wir wollen Bildungseinrichtungen mit finanzieller, pädagogischer und personeller Eigenverantwortung. So können und werden sie sich im Wettbewerb mit anderen Schulen der jeweiligen Region um die beste Qualität behaupten. Die Sicherung der Qualität bei größtmöglicher Autonomie wird von Bildungsstandards erreicht, die bundesweit gelten und die Zustimmung aller Länder haben.

Die FDP ist der Meinung, dass die Bildungsforschung durch den Bund gestärkt werden muss und die Transparenz der Ergebnisse zu garantieren ist. So wird wenigstens ein indirekter Wettbewerb um die besten Lösungen auch der Länder untereinander möglich. Die Vertretung für Deutschland als Ganzes soll in internationalen Organisationen und in Europa durch den Bund wahrgenommen werden.

Linkspartei: Die Linkspartei.PDS setzt sich für eine zeitgemäße Fortentwicklung des kooperativen Kulturföderalismus im nationalen und europäischen Rahmen ein. Eine sozial gerechte Bildung für alle kann nur in gesellschaftlicher Verantwortung bei umfassender Förderung und ausreichender Finanzierung durch die öffentliche Hand gewährleistet werden. Wir sehen darin eine gemeinsame Aufgabe von Bund, Ländern und Kommunen. Aus unserer Sicht ist die Kooperation zwischen Bund und Ländern in Bildungsfragen notwendiger denn je. Die Linkspartei.PDS tritt dafür ein, dass sich der Bund in Abstimmung mit den Ländern stärker bildungspolitisch engagiert, um in ganz Deutschland mehr Chancengleichheit und soziale Gerechtigkeit für alle im Bildungswesen zu gewährleisten.

Ausführlich haben wir unsere Überlegungen für eine soziale und demokratische Bildungsreform im Entwurf der Bildungspolitischen Leitlinien dargelegt, die wir zur 9. Bildungspolitischen Konferenz im Juni dieses Jahres breit diskutiert haben (siehe http://sozialisten.de/politik/bildungspolitik/bildungspolitische_konferenz_weimar/index.htm).


 

Autor(in): Redaktion Bildung PLUS
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Datum: 15.09.2005
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