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15. 08. 2005

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

"Geisteswissenschaften nicht mehr angesagt"

Sommerinterviews, Teil 5

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Sommerinterview, Teil 5

Andreas Rosemann, 27 Jahre, studiert Sozialwissenschaften und Pädagogik auf Lehramt.

Bildung PLUS: Deutschland hatte früher einmal den Ruf, das Land der Dichter und Denker zu sein. Und heute...

Andreas Rosemann: Land der Dichter und Denker könnte Deutschland immer noch sein, wenn das überhaupt eine Rolle spielen würde. Geisteswissenschaftliche Studiengänge sind mittlerweile nicht mehr besonders angesagt. Heute geht es um Naturwissenschaften, Technik und Wirtschaft. Ich finde das persönlich schade, weil die geisteswissenschaftlichen Fächer sehr viel zur Allgemeinbildung in der Bevölkerung beitragen.

Andreas RosemannBildung PLUS: International stehen die Studierenden in Deutschland nicht gut da. Sind die Studenten zu dumm oder ihre Professoren zu blöd, die Studenten schlau zu machen, so dass sie international den Anschluss halten können?

Andreas Rosemann: Den Hochschullehrern fehlt eine ganz wichtige Eigenschaft: Das Vermögen, sich didaktisch in die Studierenden einzufühlen. Etwa Inhalte so zu vermitteln, dass sie verstanden werden. An Vorlesungen stört es mich besonders, dass ich mir das Skript zur Vorlesung auch gleich abholen und es mir zu Hause selber laut vorlesen könnte. Viel mehr passiert da ja nicht. In den Seminaren ziehen sich die Hochschullehrer stark zurück, indem Seminare nur noch durch Referate von Studentinnen und Studenten gestaltet werden. Nur in der ersten Seminarsitzung und in der letzten zum Resümee treten die Dozenten noch in Erscheinung. Das ist zu wenig. Gerade als Lehramtsstudent kann ich nicht verstehen, dass sich ein Professor vorn hinstellt und etwas vorliest oder sich in den Seminaren zurückzieht. Ich erwarte schon, dass sich diese Leute didaktisch besser vorbereiten. Es gibt allerdings auch positive Beispiele. Allerdings habe ich das nicht an der Uni Köln erlebt, sondern an der Uni Bonn.

Bildung PLUS: Was sind für Sie die Merkmale einer guten Hochschule?

Andreas Rosemann: Eine gute Hochschule zeichnet sich dadurch aus, dass Kapazitäten da sind. Räume, Materialien und Betreuung sollten an einer guten Hochschule ausreichend vorhanden sein.

An einer schlechten Hochschule fühlt man sich allein gelassen. Da bringen einem selbst Sprechstunden und Beratungen wenig.

Bildung PLUS: Was lehrt Sie das Leben?

Andreas Rosemann: Locker zu bleiben und sich nicht den Spaß am Leben versauen zu lassen.

 

Sebastian MelcherSebastian Melcher, 23 Jahre, studiert Philosophie und Deutsch auf Lehramt.

Bildung PLUS: Deutschland hatte früher einmal den Ruf, das Land der Dichter und Denker zu sein. Und heute...

Sebastian Melcher: Wenn ich gefragt werde, was ich studiere, dann schämt man sich fast dafür, Geisteswissenschaften zu studieren. Da kommt man oft in die Bredouille: Wozu dient das denn? Beim Lehramt hat das vielleicht noch eine gewisse Berechtigung, aber die Wirtschaft drängt sich an der Alma Mater immer mehr in den Vordergrund. Die Studiengänge werden dahingehend verändert, dass man bald nur noch Bachelor oder Master werden kann. Ich frage mich, ob das auf geisteswissenschaftliche Fächer übertragen werden kann. Derzeit sehe ich noch viele Mängel. Außerdem wird das Studieren hierzulande immer teuerer. Man muss sich als Student zunehmend Gedanken darüber machen, wie das Studium noch zu finanzieren ist, vor allem ein Masterstudiengang.

Ob Deutschland immer noch ein Land der Denker ist, könnte man bezweifeln, möchte ich aber nicht. Es gibt noch genügend Intellektuelle, die auf sich aufmerksam machen.

Bildung PLUS: International stehen die Studierenden in Deutschland nicht gut da. Sind die Studenten zu dumm oder ihre Professoren zu blöd, die Studierenden schlau zu machen?

Sebastian Melcher: Ich glaube, dass die Hochschullehrer einen guten Job machen. Das Problem setzt früher ein - bereits in der Schule. Hochschullehrer sind eigentlich dazu da, Forschung zu betreiben. Dazu finden sie aber immer weniger Zeit, weil sie auch im Lehrbetrieb eingespannt werden. Die Lehramtsanwärter erhalten eine mangelnde Ausbildung. Es gibt gute Hochschullehrer und es gibt schlechte, genauso wie bei den Lehrern. Ein Merkmal für einen guten Hochschullehrer ist es, die Studierenden trotz der Theorievermittlung auch auf die Praxis vorzubereiten. Sie sind in der Lage, eine fachspezifische Didaktik herauszuarbeiten.

Bildung PLUS: Was ist für Sie eine gute Schule?

Sebastian Melcher: Bei guten Schulen werden Schüler bzw. künftige Studenten an die Praxis herangeführt. Es gibt viele Fachidioten und Lehrer, die gar nicht wissen, wie sie mit Schülerinnen und Schülern im täglichen Leben umzugehen haben. Die fachliche Ausbildung mag gut sein. Aber oft hapert es an diesen als Pflicht empfundenen erziehungswissenschaftlichen Fächern, die nicht gut aufgearbeitet werden. Da muss man schon viel Engagement aufbringen, um Honig zu saugen.

Bildung PLUS: Was lehrt Sie das Leben?

Sebastian Melcher: Es ist nicht alles so schwierig, wie es scheint. Das Problem macht man sich oft selber.

Autor(in): Arnd Zickgraf
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Datum: 15.08.2005
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