DIPF-Logo

Deutscher Bildungsserver

Innovationsportal

Suche




Hier beginnt der Inhalt:

01. 08. 2005

 

  • Diese Seite posten:
  • Edutags-Logo
  • g+
  • Twitter-Logo
  • Facebook-Logo
  • Delicious-Logo

Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Deutschland, das Land der Dichter und Denker oder der Geldmacher?

Sommerinterviews, Teil 3

Bild

Sommerinterviews 2005

Dass die Deutschen das eigene Land mit seinen Schulen schlecht reden, kennt man schon. Doch wie sehen Menschen aus dem Ausland Deutschland nach dem PISA-Schock? Die Meinungen eines Argentiniers, eines Ägypters und eines Iraners über den Lernort Deutschland gehen weit auseinander.



Tarik Ibrahim, 38 Jahre, in Ägypten geboren, Taxifahrer. Er ist ausgebildeter Gastronom und hat jahrelang in der Fast-Food-Branche in Frankfurt gearbeitet. Diesen Job hat er an den Nagel gehängt, weil man "sehr streng" zu ihm war. Das Taxifahren macht ihm mehr Spaß.

Tarik IbrahimBildung PLUS: Deutschland hatte früher einmal den Ruf das Land der Dichter und Denker zu sein. Und heute...

Ibrahim: Meine persönliche Meinung ist die, dass Deutschland eines der besten Länder der Welt ist. Manche Leute sehen das anders. Wenn ich das mit anderen Ländern vergleicht - ich lese sehr viel - dann komme ich zu dem Schluss, dass Deutschland eines der sichersten Länder der Welt ist. Die Menschen verhungern nicht und werden nicht auf die Straße geworfen. Ich bin sehr zufrieden. 

Bildung PLUS: International stehen die Schülerinnen und Schüler in Deutschland nicht gut da. Sind die Schüler zu dumm oder Lehrer zu blöd, die Schüler schlau zu machen?

Ibrahim: Über dieses Problem habe ich viel gelesen. Meine Meinung ist, dass die Jugendlichen viel zu locker sind, sich viel zu viele Freiheiten herausnehmen und sich nicht verantwortlich fühlen. Mein Sohn ist neun Jahre alt und geht in die dritte Klasse und ist sehr gut in der Schule, weil wir mit ihm in Sachen Schule und Noten sehr ernst umgehen. Da müssen die Eltern ihre Kinder mehr unterstützen. Das Problem rührt weniger von den Lehrern her.

Bildung PLUS: Was ist für Sie eine gute Schule?

Ibrahim: Eine gute Schule muss ein Ziel haben. Schüler müssen sich anstrengen und lernen, wenn sie was werden wollen. Heutzutage muss man auf der ganzen Welt zunehmend qualifiziert sein, um einen guten Arbeitsplatz zu bekommen. Alles wird modernisiert und die Technik greift immer weiter um sich.

Bildung PLUS: Was lehrt Sie das Leben?

Ibrahim: Man sollte es nicht kompliziert machen. Also ehrlich und offen sein, vor allem muss man mit sich selbst ehrlich sein. Man sollte die anderen so behandeln, wie man selbst behandelt werden möchte. 


Harun Inan Harun Inan aus dem Iran ist 44 Jahre und gelernter Koch. Er hatte sich zwischenzeitlich mit einer Pizzeria selbstständig gemacht. Danach ist er in Köln gestrandet und hat zunächst keinen Job gefunden. Über die Schuhmacherei fand er eine Arbeit bei einem Franchiseunternehmen, das Dienstleistungen des täglichen Bedarfs wie Schuhreparatur, Schlüssel, Gravur, Druck, Uhrenservice oder Passfoto anbietet.

Bildung PLUS: Deutschland hatte früher einmal den Ruf das Land der Dichter und Denker zu sein. Und heute...

Inan: ... ein freies Land, wo jeder seine freie Meinung äußern kann. 

Bildung PLUS: International stehen die Schülerinnen und Schüler in Deutschland nicht gut da. Sind die Schüler zu dumm oder Lehrer zu blöd, die Schüler schlau zu machen?

Inan: Ich kann es mir nicht vorstellen, dass die Schüler hier dumm sind. Viele Ausländer kommen gerade wegen der Bildung nach Deutschland.

Bildung PLUS: Was ist für Sie eine gute Schule?

Inan: Wo ein guter Lehrer ist, da ist auch eine gute Schule.

Bildung PLUS: Was lehrt Sie das Leben?

Inan: (lacht lauthals) Mit Menschen klar kommen. Man kann immer was Neues lernen. Ich war zweimal nach der Schule in einer Fortbildung zum Thema Dienstleistung.


Hugo Marra, geboren in Argentinien, 45 Jahre, Feinmechaniker. Marra arbeitet heute auf der Hohen Straße in Köln als Pizzabäcker. 

Bildung PLUS: Deutschland hatte früher einmal den Ruf das Land der Dichter und Denker zu sein. Und heute...

Marra: ... ein Land der Geldmacher. 

Bildung PLUS: International stehen die Schülerinnen und Schüler in Deutschland nicht gut da. Sind die Schüler zu dumm oder Lehrer zu blöd, die Schüler schlau zu machen?

Marra: Die Schüler habe keinen Bock zu lernen, weil in den letzten fünf Jahren alles schwieriger geworden ist. Die Gebühren haben sich überall erhöht. Alles wird teurer.

Bildung PLUS: Was ist für Sie eine gute Schule?

Marra: Eine gute Schule macht aus, dass nicht zu viele Schüler zusammengepfercht werden und nicht zu viel Geld verlangt wird. Die haben kein Geld und die Eltern sind gezwungen, zusätzlich etwas zu verdienen.

Bildung PLUS: Was lehrt Sie das Leben?

Marra: Zu lernen, zu arbeiten, seinen Job zu machen und zu gucken, dass man nicht irgendwann entlassen wird. Das ist heute die Frage und es ist schwieriger geworden.  

Autor(in): Arnd Zickgraf
Kontakt zur Redaktion
Datum: 01.08.2005
© Innovationsportal

Die Übernahme von Artikeln und Interviews - auch auszugsweise und/oder bei Nennung der Quelle - ist nur nach Zustimmung der Online-Redaktion von Bildung + Innovation erlaubt.

Die Redaktion des Online-Magazins Bildung + Innovation arbeitet journalistisch frei und unabhängig. Die veröffentlichten Beiträge bilden u. a. auch interessante Einzelmeinungen zum Bildungsgeschehen ab; die darin zum Ausdruck gebrachte Meinung entspricht nicht notwendig der Meinung der Redaktion oder des DIPF.